Coronaskeptiker in Leipzig: Tausende trotzen Demoauflösung
Zum „Querdenken“-Protest kommen mehrere Zehntausend nach Leipzig, auch Nazis und Hooligans. Polizei beendet die Demo, sie läuft aber dennoch.
Foto: Kai Pfaffenbach/reuters
dpa/epd/taz | In Leipzig haben am Samstag Tausende Gegner der Anti-Corona-Maßnahmen demonstriert und dabei Auflagen missachtet. Die Polizei sprach am Samstagabend von rund 20.000 Teilnehmern, zugelassen waren laut Gerichtsentscheidung von Samstagmorgen angesichts der Corona-Infektionsrisiken bis zu 16.000 Menschen. Die Forschungsgruppe „Durchgezählt“ sprach von rund 45.000 Teilnehmern. An dem Aufzug der „Querdenken“-Bewegung beteiligten sich auch Neonazis, Verschwörungsideologen und Hooligans, vereinzelt waren Deutschland- und Reichsflaggen zu sehen.
Wie von der Stadtverwaltung vorausgesehen, reichte der zentrale Augustusplatz für die Masse der Angereisten nicht aus. Polizeisprecher Olaf Hoppe sagte, 90 Prozent der Teilnehmer hätten keinen Mund-Nase-Schutz getragen. Weil der Versammlungsleiter die behördlichen Auflagen nicht durchgesetzt habe, wurde die Versammlung von Behördenseite kurz nach 15.30 Uhr für beendet erklärt.
Trotz Auflösung der Demonstration wurde der Aufzug im Anschluss auf dem Innenstadtring fortgesetzt, wo auch am frühen Abend noch Tausende unterwegs waren. Einige der Demonstranten skandierten „Frieden Freiheit, keine Diktatur“ und „Merkel muss weg“. Im Bereich des Hauptbahnhofes sei eine Sperre geöffnet worden, teilte die Polizei auf Twitter mit. „Teilnehmer der ehemaligen Versammlung führen einen von der Versammlungsbehörde als verbotenen einklassifizierten Aufzug durch.“ An Absperrungen sei es zu „zahlreichen Übergriffen“ auf Polizisten gekommen.
Das Bündnis „Leipzig nimmt Platz“, das einen Gegenprotest organisiert hatte, rief am Samstagabend dazu auf, sich zurückzuziehen. „Wir schätzen die Lage als zu gefährlich ein“, schrieb das Bündnis auf Twitter. Später warnte die Initiative, die Innenstadt zu meiden, weil dort Nazis Linke jagen würden.
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