Betriebsversammlungen bei VW : Der große Showdown steht noch bevor
VW-Konzernchef Oliver Blume tourte durch Deutschland, um die Mitarbeiter:innen zu beruhigen. Die haben verstanden, dass es keinen Zukunftsplan gibt.
Foto: Roland Niepaul/Volkswagen/dpa
S chicksalswoche bei Volkswagen“, „Woche der Wahrheit“, „Showdown-Woche“, „Woche der Entscheidung bei VW“ – das waren einige der Schlagzeilen zu Beginn der Woche, in der VW-Konzernchef Oliver Blume seine Tour quer durch Deutschland startete. In verschiedenen Werken des großen Autobauers sollte er den Beschäftigten Rede und Antwort stehen, sie hatten sich klare Ansagen über ihre berufliche Zukunft, ihr Schicksal erhofft. Doch bisher lieferte Blume ihnen auch in dieser mit Spannung erwarteten Woche wenig Entscheidungen, kaum Klarheit.
Daraus lässt sich schlussfolgern, dass der Vorstand keinen kreativen Plan für die Zukunft der deutschen VW-Standorte hat. Oder der Plan besteht weiterhin darin, radikal Stellen zu streichen und Werke zu schließen. Was reichlich unkreativ wäre und auch den Arbeiter:innen nicht ins Gesicht gesagt werden soll. So oder so wär’s eine unschöne Wahrheit, und Blumes Reise war eher Show als Showdown.
Nach wochenlangem Arbeitskampf Ende 2024 war die Hoffnung unter den Arbeitnehmer:innen groß, dass Werkschließungen für eine ganze Weile vom Tisch wären. In Dresden würde die Fahrzeugproduktion von VW Ende 2025, in Osnabrück Mitte 2027 enden, das wurde besiegelt. Aber die anderen Standorte sollten sicher sein. Nur anderthalb Jahre später, im Juli 2026, kam Blume dann doch wieder mit Werkschließungen um die Ecke – und mit 50.000 zusätzlichen Stellenstreichungen. Die Beschäftigten wussten nichts von seinen Plänen, Blume hatte sie offenbar zuerst der Presse gesteckt. Verständlich, dass sich die Arbeiter:innen seitdem große Sorgen machen. Und dass sie Erklärungen vom VW-Chef persönlich forderten.
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Echte Erklärungen blieb Blume aber auch auf seiner Reise schuldig, was für die Mitarbeitenden in den jeweiligen Autofabriken mehr als bitter ist. Stattdessen bemühte er sich wie schon im Juli, seine eigenen Kahlschlagspläne zu relativieren: Alles nicht final, alles nur theoretische Rechengröße. Damit lindert er kaum Ängste – sondern schürt nur noch mehr Zweifel: Nicht mal zum eigenen Wort steht er.
Natürlich ist die Transformation ein Kraftakt. Volkswagen ist ein riesiger, mitunter behäbiger Konzern und die Lage auf den Märkten herausfordernd. Umso wichtiger wäre ein Vorstand, der anpackt und Lust hat, den Wandel hin zu einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell zu gestalten. Denn dass das bisherige Geschäftsmodell an seine Grenzen stößt, gesteht inzwischen sogar die Konzernspitze ein. Es scheint allerdings so, als wolle sie es trotz allem krampfhaft fortführen – und dafür nur die Kosten drücken.
So wird VW-Chef Blume seinen Sparplan, den er so mühevoll zu verharmlosen versuchte, wohl auch in der nächsten Aufsichtsratssitzung am 4. September wieder vorlegen. Weitere Zukunftskonzepte wollen das Land Niedersachsen und die Arbeitnehmerbank liefern. Mit drei verschiedenen Plänen auf dem Tisch sind die Chancen auf eine schnelle Einigung gering. Der Showdown steht also noch bevor.
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