Zukunft von Volkswagen: VW-Beschäftigte in Zwickau bangen
Der Vorstand des Autobauers besucht die Werke in Emden und Zwickau. Gewerkschafter hoffen auf klare Ansagen zur Zukunft der Standorte.
Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Die VW-Beschäftigten im Zwickauer Werk haben ihr Ziel im letzten Jahr erreicht: Die Kosten, die am Standort im südwestlichen Sachsen für die Produktion eines Fahrzeugs anfallen, sind deutlich gesunken. So deutlich wie der Konzern vorgegeben hatte. Es ist ein Erfolg, der keinem anderen VW-Werk gelang. Und er sollte den Arbeiter:innen eigentlich Sicherheit für ihre berufliche Zukunft geben – zumindest hatte es nach der Einigung zwischen Arbeitnehmervertreter:innen und Konzernvorstand im Jahr 2024 so ausgesehen.
Und doch bangen die Beschäftigten im Zwickauer Werk Mosel heute wieder um ihre Jobs, wieder steht die Werkschließung im Raum. Unter den Arbeitenden herrsche eine „wahnsinnige Existenzangst“, erzählt Thomas Knabel, Erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall Zwickau.
Nun habe der Vorstand des großen Autobauers Volkswagen „die Pflicht und auch die Chance zu erklären, welche Zukunftspläne er für das Werk hat“, sagt Knabel. Am Dienstag nämlich startete die VW-Führungsriege eine Tour quer durch die Bundesrepublik, um der Belegschaft an verschiedenen Standorten Rede und Antwort zu stehen. Am Mittwoch besuchte Vorstandschef Oliver Blume zunächst die Fabrik im ostfriesischen Emden, am Nachmittag dann das sächsische Zwickau.
Blume will weltweit zusätzlich rund 50.000 Stellen streichen, um Konzernkosten zu drücken. Etwa die Hälfte beträfe deutsche Standorte. Blume ließ seine Pläne im Juli an die Öffentlichkeit durchdringen und brachte damit die Schließung mehrerer Werke ab 2030 zurück ins Gespräch: Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm.
Demonstrationen vor VW-Werk in Zwickau
Wie viele andere kritisiert auch Gewerkschafter Knabel vor allem eins: Seine Kolleg:innen mussten aus der Presse erfahren, dass ihr Standort auf dem Spiel steht, obwohl dort schon seit 2020 nur noch E-Fahrzeuge gefertigt werden. Blume hatte die Beschäftigten nicht direkt informiert.
Das will der Vorstandschef auf seiner Reise nachholen, und er versucht zu betonen, dass die Werkschließungen noch nicht beschlossen sind. Blume wiederholte am Mittwoch in Emden, dass für die deutschen Standorte in den nächsten Monaten Zukunftsperspektiven ausgearbeitet werden sollen. Außerdem sagte er, dass sich die Sparmaßnahmen auch im Management auswirken – dort solle ein Viertel der Stellen wegfallen. „Es ist ein Kraftakt, der nur gemeinsam gelingen kann“, sagte er.
Dass es nur gemeinsam gelingen kann, das sieht auch Gewerkschafter Knabel so. Die Mitbestimmung der Arbeitnehmer:innen sei einer der Erfolgsgaranten des Konzerns. Wenn sich der Vorstand nicht auf einen gemeinsamen Weg begebe, „dann werden wir das nicht kampflos über uns ergehen lassen“, sagt Knabel. Schon vor Blumes Ankunft am Mittwochnachmittag demonstrierten vor dem Werk Mosel Beschäftigte von VW und Zulieferern aus der Region für eine sichere Zukunft.
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