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Krise der CDU Den Schuss nicht gehört

Anna Lehmann

Kommentar von

Anna Lehmann

Statt aufarbeiten, was zum Verlust der Wahrnehmung als Volkspartei führt, betreibt die CDU weiter Abgrenzung nach links. Das freut vor allem die AfD.

D ie CDU ist nur noch in Teilen eine Volkspartei, also eine politische Kraft, die alle gesellschaftlichen Gruppen erreicht. Diese bittere Erkenntnis sprach nun auch der Bundeskanzler aus, nachdem sie ganz offensichtlich nicht mehr zu leugnen war und die Wäh­le­r:in­nen die Partei in Mecklenburg-Vorpommern zur Splitterpartei machten. Auf die Sorgen und Nöte der Menschen habe die CDU keine zufriedenstellende Antwort, so Friedrich Merz. Damit hat er total recht.

Aber leider scheint die Aufarbeitung vorbei zu sein, ehe sie überhaupt begonnen hat. Stattdessen arbeitet sich die CDU jetzt an der Linken ab, wärmt sich an ihrer Empörung gegen den „antisemitischen linken Rand“ und droht damit nicht nur sich selbst, sondern auch die politische Mitte weiterhin zu zerstören. Die Partei hat ganz offensichtlich den Schuss nicht gehört.

Ohne Zweifel hat die Linkspartei ein Antisemitismusproblem. Einige Mitglieder sympathisieren offen mit antisemitischen Gruppen oder fordern gar selbst die Zerstörung Israels. Die Linke muss solche Leute ausschließen, bloße Bekenntnisse oder eine Distanzierung reichen nicht aus. Aber dass die Linkspartei eine durch und durch antisemitische Partei sei, wie nun führende Unionspolitiker suggerieren, und das Leben von Jüdinnen und Juden unter einer linken Regierung in Berlin bedroht wäre, ist eine gezielte Übertreibung.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Das Verhältnis der CDU zum Antisemitismus ist ein instrumentelles. Dass Merz Antisemitismus kürzlich als eine Form von Ausländerfeindlichkeit bezeichnete, spricht für sich. Die CDU nutzt die Vorwürfe gegen die Linke als Hebel, um Grüne und SPD unter maximalen Druck zu setzen, eine Koalition mit ihrem Berliner Wahlverlierer einzugehen.

Dahinter steckt die noch größere Furcht, dass eine rot-grün-rote Koalition tatsächlich anfangen könnte, Teile des Wohnungsbestands in Berlin dem Profitstreben zu entziehen, sprich große Immobilienkonzerne gegen Entschädigung zu enteignen. Dafür haben sich fast 60 Prozent der Ber­li­ne­r:in­nen in einem Volksentscheid ausgesprochen. Für die selbst ernannte Partei der sozialen Marktwirtschaft ist Enteignung ein absolutes Sakrileg, obwohl das Grundgesetz ein solches Mittel zulässt.

Die CDU stellt eindrucksvoll unter Beweis, wie weit sie vom Anspruch einer Volkspartei entfernt ist

Nur zur Erinnerung: Es war die CDU im Verbund mit der FDP, die gegen den Berliner Mietendeckel, das Gesetz zur Begrenzung der Mieten, geklagt hatte und sich 2021 dafür feierte, dass das Bundesverfassungsgericht ihr aus formalen Gründen recht gab. Schon damals wussten viele Ber­li­ne­r:in­nen nicht mehr, woher sie das Geld für ihre Bleibe nehmen sollen.

Der Volksentscheid war eine Reaktion auf den von der CDU mitgekippten Mietendeckel. Jetzt will die CDU eben Enteignung verbieten, um Investoren zu schützen. Deren Sorgen nehmen die Christdemokraten also ernst, während ihnen die Nöte der Bevölkerung schnuppe sind. Damit stellen sie eindrucksvoll unter Beweis, wie weit sie vom Anspruch einer Volkspartei momentan entfernt sind.

In ihrem Furor gegen die „extreme Linke“ verliert die CDU zudem völlig aus dem Blick, dass die extreme Rechte, die sich immer wieder positiv auf jene bezieht, die rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden planmäßig ermordeten, gerade dabei ist, ein Bundesland tatsächlich umzukrempeln. In Sachsen-Anhalt gibt es erste Absprachen zwischen der AfD und dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), man will zusammen den Landtagspräsidenten wählen und die Sitzordnung im Parlament so verändern, dass beide Parteien in der Mitte sitzen. Grüne und SPD sollen ihre Räume im Hauptgebäude räumen.

Kampfansage an die demokratische Mitte

Das ist eine Kampfansage an die demokratische Mitte. Hier unternimmt die CDU noch nicht mal den Versuch, sich dieser Machtergreifung entgegenzustellen. Denn die Einladung der SPD zu Gesprächen, um eine Regierung ohne die AfD zu ermöglichen, schlug man diese Woche aus.

Bislang verhält sich die CDU leider genau so, wie es sich die AfD in einem Strategiepapier ausmalt: Sie polarisiert und treibt die Trennung vom linken Lager voran. Ziel der AfD ist es, lagerübergreifende Koalitionen zu verhindern und sich selbst als bürgerlich-konservative Kraft in der Mitte zu etablieren. Die alte CDU hätte in dieser neuen Mitte ebenso wenig Platz wie SPD, Grüne und Linke. Und demokratisch wäre die Mitte dann auch nicht mehr. Es geht der AfD ums Ganze – und die CDU hat das offenbar immer noch nicht kapiert.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Anna Lehmann

Anna Lehmann Leiterin Parlamentsbüro

Schwerpunkte SPD und Kanzleramt sowie Innenpolitik und Bildung. Leitete bis Februar 2022 gemeinschaftlich das Inlandsressort der taz und kümmerte sich um die Linkspartei. "Zur Elite bitte hier entlang: Kaderschmieden und Eliteschulen von heute" erschien 2016.
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36 Kommentare

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  • LinksRechtsMitte

    Analyse richtig, aber was ist das genaue Fazit?



    Ich denke die taz "muss" fast schon als linkes Medium augenscheinlich eine Annäherung der CDU an linke Parteien als Lösung suggerieren.



    Und so richtig wird das ja auch nicht im Kommentar gefordert, da glaube ich die Autorin tief in ihr sein weiß (und wie schon andere Kommentatoren hier erwähnt haben): der "Job" der CDU ist, konservativ zu sein.



    Die CDU MUSS die Stimmen von den AFD Wählern zurück bekommen. Jede Annäherung nach links und selbst wenn es die linke Mitte ist, wird die CDU weiter zerreißen.



    Berlin und generell die eher links orientieren Stadtstaaten sind NICHT das ganze Land!

    Merz fällt eher gerade auf die Füße, dass eben genau das, was mit etwas Vertrauensvorschuss bei der letzten Bundestagswahl bei ihm bestellt wurde, nämlich ein konservativer Kurs, nicht geliefert wurde und im Gegenteil die Wählerschaft als Krankmacher und Co. bezeichnet wird.

    Es ist NICHT, weil die CDU nicht auf die linke Mitte zugeht.



    Denn machen wir uns nichts vor: der größte Teil der Wählerschaft hat aktuell Lust auf eine eher konservative, starke Führung, die Ordnung und Struktur verspricht.

  • Sabine Hofmann-Stadtländer

    Liebe Taz-Redakteur*innen und -Forist*innen: Bitte tut mir einen Gefallen und sprecht/schreibt nicht dauernd von "Enteignung". "Vergesellschaftung" ist der richtige Terminus! Beide Begriffe sind nicht deckungsgleich und deshalb nicht ohne Grund in zwei unterschiedlichen GG-Artikeln enthalten.

    Mich erinnert diese Synonimisierung immer an "Festnahme/Verhaftung". Auch hier findet häufig eine Verwechslung/Gleichsetzung statt.

    Wenigstens wir sollten den Unterschied beherzigen und uns nicht noch sprachlich auf die Enteignungsdebatte der Gegner*innen einlassen.

  • Bolzkopf

    Die CDU steht in einem Scherbenhaufen.

    Nicht nur wegen Merz. Der hat sicher seinen Anteil daran aber



    unterm Strich, also wenn man das Erreichte und das Verkackte gegenrechnet, hat die CDU einfach über Jahrzehnte hin versagt.



    Und das merken die Menschen jetzt.



    Das heisst ... merken tun die das schon lange - aber jetzt lassen sie sich nicht mehr bequatschen.



    Ja - die CDU hat ein Kommunikationsproblem:



    Deren Halbwahrheiten und Beschönigungen greifen nicht mehr.

    Und eine Lichtgestalt die das alles weglächeln könnte ist nicht in Sicht.



    Ganz im Gegenteil. Die unbeliebteste Figur ever steht immer noch da und textet uns zu.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Die Autorin schreibt viel Richtiges. Beispielsweise, dass die CDU keine Volkspartei mehr ist. Oder dass die Abgrenzung zur Linken vor allem der AfD nutzt.

    Aber sie zäumt das Pferd trotzdem vom falschen Ende her auf. Sie glaubt, der entscheidende Punkt wäre, wie sich die CDU zu den anderen Parteien verhält, zur Linken, aber auch zu SPD und Grünen. Das ist nicht das eigentliche Problem. Das Problem ist, wie die CDU sich zu den Menschen in Deutschland verhält, zu den Wählern von SPD, Grüne, Linken, aber auch der AfD und auch den Nichtwählern. Und das hat manchmal nur wenig damit zu tun, wie sie sich zu den Parteien verhält.



    Die CDU muss (wieder) lernen, eine Politik zu machen, die nicht von 80-90% der Menschen abgelehnt wird. Nur dann hat man eine Chance, dass weniger Menschen die AfD wählen. Und dazu reicht es nicht, Politik zu machen, wie die AfD sie fordert, z.B. Migranten rauszuschmeißen. Dazu muss man wieder eine gerechte Gesellschaft herstellen, in der alle gerne leben und sich nicht immer mehr Sorgen um die Zukunft machen. Das gilt aber auch für SPD und Grüne und auch für Linke. Alle haben sich teils sehr von den Menschen entfernt. Das muss sich wieder ändern.

  • passthedutchie

    Danke für diesen Kommentar!







    Da können sich tausende Journalisten mal eine dehr dicke Scheibe von abschneiden: Fakten mal in dem Zusammenhang aufzuzeigen in dem sie stehen und in den sie gehören. Solche Artikel bräuchten wir derzeit sehr viel mehr! Auch in anderen Bereichen. Z.B. auf der Suche nach einer wirklich brauchbaren Alternative, wie man das Ruder vielleicht doch nich rumreißen könnte, statt immer einfach nur zu jammern, Schuldige zu benennen und neue Erklärungen zu erfinden, weiterhin am status quo festhalten zu müssen.

    Tut sehr gut, sowas mal lesen zu dürfen.



    Danke!

  • Karl Schmidt

    Und während die CDU mit dem Finger auf die Linke zeigt und "Ihr Antisemiten" ruft, stimmt sie gemeinsam mit der AFD für ein Verbot von Stolpersteinen.

    Es gibt ja auch vernünftige Leute in der CDU. Wüst und Günther beispielsweise. Leider hat anstatt denen die Kaspertruppe mit ihrer "Bratwurst pur" Agenda die bundespolitische Ausrichtung der CDU festgelegt. Und je schlechter die Wahlergebnisse werden, desto sturer zieht es diese Gruppe weiter in den Abgrund.

    Entweder setzen sich da bald mal die Erwachsenen durch und werfen insbesondere auch Frau Reiche hochkant aus der Regierung oder die CDU endet als Wurmfortsatz der AFD. Das, was die im Augenblick ableisten, werde ich jedenfalls nicht vermissen.

    • Ricky-13

      @Karl Schmidt:

      *... gemeinsam mit der AFD für ein Verbot von Stolpersteinen.*

      Da hat die Tagesschau auch schon drüber berichtet. www.youtube.com/shorts/K-T3BOXXbn4

      Die konservative CDU will wohl noch "konservativer" werden.

    • Ricky-13

      @Karl Schmidt:

      *... gemeinsam mit der AFD für ein Verbot von Stolpersteinen.*

      Da hat die Tagesschau auch schon drüber berichtet. www.youtube.com/shorts/K-T3BOXXbn4

      Die konservative CDU will wohl noch "konservativer" werden.

    • Perkele

      @Karl Schmidt:

      Wenn ich es könnte, ich würde Dir eine Flasche Champagner zuschicken! Dein Kommentar ist super und ich unterschreibe das sofort.

  • Zangler

    Die üblichen Verdächtigen kommentieren sofort, die CDU sei ja schon links, ohne allerdings konkrete Punkte zu benennen.



    Unter Merkel war die CDU eine Partei, die auch ihre historischen Anteile an den christlich-sozialen und bürgerlich-liberalen Bewegungen einband. Die CDU erreichte damit 2013 über 40% der Wähler, die damals noch nicht von Faschisten und Neonazis durchsetzte AfD weniger als 5%, zusammen bundesweit also zwischen 45 und 50%.



    Ganz genau da stehen die beiden Parteien heute auch noch, allerdings mit weit über 20%-Punkten Verschiebung und das obwohl die „mittige“ Angela Merkel durch den Wunschkanzler des konservativen Flügels Friedrich Merz ersetzt wurde. Das ist die empirische Widerlegung der Hypothese, dass die CDU nur weiter nach rechts rücken müsse, um die AfD zu halbieren.



    Das Wählerpotenzial von über 50% Mitte-Rechts ist (wenn man die kläglichen Reste der FDP hinzurechnet) immer noch da und würde für eine absolute Mehrheit einer demokratischen Mitte-Rechts-Partei locker reichen (was ich als Linker, dem die SPD und die Grünen viel zu zentristisch sind, sehr bedaure). Aber AfD-Politik auch ohne Wechsel in den Putinschen Autokratenblock würde die CDU zerreißen!

  • Sole Mio

    Die CDU ist seit Merkel aus ihrer Position zu weit nach links gerückt. Damals ging das Elend mit der AFD los.

    Sie gehört wieder in ihre angestammte Position in der Mitte zurück. Auch wenn sie dann gleich wieder fälschlicherweise als rechts beschimpft wird, sie wäre in dem Fall auch ein wichtiger Prellbock gegen rechts außen.

  • CorinnaH24

    Die Sache ist recht einfach: Die CDU wird in fünf, sechs Jahren bedeutungslos sein. Sie wird noch in ein paar Landesparlamenten sitzen, aber im Bundestag schon nicht mehr.



    Wie das ablaufen wird, hat gerade Mecklenburg-Vorpommern gezeigt: Ist die Frage der politischen Zukunft extrem auf rechts oder links zugespitzt, gibt es keinen Platz mehr für die CDU und sie landet unter der 5%-Hürde. Ihre rechte Wählerschaft entscheidet sich in dieser Zuspitzung für die AfD. Diesen Weg geht jetzt schon Ostdeutschland, wo sich große Teile der CDU-Wähler für die AfD entscheiden (SA) oder ihre Funktionäre gleich dorthin überlaufen (Heidenau). Wenn demnächst Thüringen und Sachsen gewählt haben, wird die CDU im Osten bedeutungslos sein.



    Im Bund hätte ein linker Block schon heute etwa 40%. Die entkernte und blutleere SPD könnte nochmal eine Bluttransfusion durch Teile der 'linken' CDU erhalten, die sich dem Gang in den Faschismus widersetzen wollen. Das könnte zu einem Patt zwischen rechts (AfD pur) und links (Die Linke, Grüne und SPD) führen.



    Wenn es uns also gelingt, mit links den Menschen ein besseres Angebot zu machen, kommen wir vielleicht noch mit einem blauen Auge davon.

  • Retsudo

    Das die CDU es nicht kapieren kann, liegt wohl auf der Hand, ansonsten wären wir nicht da wo wir sind.

  • Gerald Müller

    Ich finde diese Einschätzung dass ich die CDU nach links bewegen sollte schlicht naiv. SDie CDU hat sich unter Merkel und seitdem mit Günther und Wüst schon sehr weit von ihren früheren Positionen in Richtung links entfernt. Das Ergebnis sind die Umfragen. LInke, Grüne und SPD zusammen haben etwa 38% der Stimmen, wieviel davon kann die CDU an sich ziehen? Nicht allzuviele schätze ich, Wichtiger ist was der Autor auch übersehen hat, jede Bewegung der CDU nach links bedeutet dass sie rechts Wähler verliert, und zwar m.M. nach mehr ais sie links dazugewinnt. Wenn sie sich weiter nach rechts positioniert dann kann sie evtl ein paar Wähler zurückgewinnen aber mit dem Glaubwürdigkeitsverlust durch Merz wird das sehr schwer. Dazu kommt die Brandmauer, die sie an die SPD kettet und weder politischen Spielraum noch Verhandlungsoptionen gegenüber der SPD zulässt. Die CDU hat sich in eine Ecke gepinselt aus der es sehr schwer wird, wieder rauszukommen. Dazu kommt das Personal, seufz. Man vergleiche mal Siegmund und Amthor, wer kommt da medial besser rüber? Keine Frage. QED

    • esgibtnureinengott

      @Gerald Müller:

      Mal überlegt, warum Wüst und Günther zu den beliebtesten Politikern in der Union gehören?

    • LinksRechtsMitte

      @Gerald Müller:

      Sie haben wunderbar die Problematik auf den Punkt gebracht. Die CDU ist nicht "gemacht" dafür weiter nach links zu gehen. Allerdings hat sie ihren konservativen Kompass viel zu lange liegen gelassen, dass andere, extremere Kräfte sich darauf stürzen konnten.



      Deren Forderungen kann die CDU aber nicht in vollem Umfang nachgeben, weil vieles davon nicht nur nicht konservativ, sondern rechts bis rechtsextrem ist.



      Die CDU kann quasi nur noch verlieren, außer es beginnt bald ein wahnsinniges Wirtschaftswachstum oder ähnliches, was Wohlstand für alle bringt und die Gemüter beruhigt. Was sehr unwahrscheinlich ist.

    • celcon52

      @Gerald Müller:

      Die CDU hat sich in den vergangenen Jahren deutlich nach rechts bewegt, hat ihr nichts gebracht.



      Der Fehler der Union ist doch, dass sie ihr Arbeitnehmerflügel, den sie mal hatte, irgendwie verloren hat.

    • Tom Farmer

      @Gerald Müller:

      Sehr richtig was Sie schreiben!



      Links(liberal) Denkende werden grundsätzlich keine CDU wählen. Ein No-go aus Prinzip! Warum der Merz plötzlich die PKV/GKV Diskussion startet? Ein Aussetzer, geboren in Panik!



      Die CDU muss die klassischen bürgerlichen Themen besetzen. Im besten Sinne das Bayerische "Mia san mia" über die Republik ziehen. Kanten zulassen, Fleiß belohnen. Und dann sehen wir mal weiter.

    • ###

      @Gerald Müller:

      „ wieviel davon kann die CDU an sich ziehen? Nicht allzuviele schätze ich …“

      Politik ist kein Nullsummenspiel. Man muss sich schon vor die Leute hinstellen und auch mal Überzeugungsarbeit leisten - wovor die Union sich ja schon seit Jahrzehnten drückt um die Leute in ihren billigsten Affekten abzuholen.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Gerald Müller:

      Die CDU hat mit Merz einen strammen Rechtsruck vollzogen. Die Quittung kam bei den Wahlen der vergangen Wochen.

      Es bringt nichts, die AfD zu kopieren. Nicht mal die "Erfolge" beim Abschieben und Aussperren haben geholfen.

  • A.S.

    Wozu das C und das S bei cdu und SPD? Ach so, da ist ja auch Koffer von der Immobilienwirtschaft.

  • test_name

    > man will zusammen den Landtagspräsidenten wählen und die Sitzordnung im Parlament so verändern, dass beide Parteien in der Mitte sitzen. ...



    Hier unternimmt die CDU noch nicht mal den Versuch, sich dieser Machtergreifung entgegenzustellen. <

    Geht es nicht ein paar Nummern kleiner? Wer soll denn nach diesem Wahlergebnis sonst den Landtagspräsidenten stellen wenn nicht die afd als größte Fraktion? Ist das wirklich schon Faschismus?

    • celcon52

      @test_name:

      Die Parteien machen extrem rechte Politik, gehoren also nicht in die Mitte.



      Die AfD ist zumindest in Teilen rechtsextrem, sollte deshalb kein so wichtiges Amt, wie das des Landtagspräsidenten besetzen dürfen, gleichgültig wie viel Sitze sie im Parlament hat!

  • Donald Duck

    Statt aufarbeiten, was zum Verlust der Wahrnehmung als Volkspartei führt, betreibt die CDU gleichzeitig weiter Abgrenzung nach rechts. Das freut vor allem die SPD.

    Früher gab es in der Bundesrepublik eine eher Linke und eine eher rechte Mitte: SPD und CDU. Durch die Wahl einer dieser beiden Parteien konnten die Wähler die politische Grundrichtung beeinflussen.

    Wer mit der Politik der SPD, der Grünen und der Linken glücklich ist, braucht nicht zusätzlich noch eine CDU, die sich ebenfalls Links orientiert.

    Bürgern, die die Wirtschaftspolitik der SPD und der Grünen mit einer Wahlentscheidung korrigieren wollen, nützt es nun nichts mehr, die heutige CDU zu wählen. Weil die CDU ihre historischen mehrheitsfähigen politischen Positionen nicht mehr vertritt, wählen viele Bürger nun sogar Russlandparteien.

    Auf der linken Seite sind die Stimmen bereits verteilt. Die CDU kann dort kaum Stimmen gewinnen. Auf der rechten Seite, weigert sie sich Stimmen zurückzugewinnen.

    Wer als Wähler etwas politisch beeinflussen möchte - egal ob links oder rechts - würde seine Stimme an die heutige CDU verschwenden. Die CDU hat sich überflüssig gemacht.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Donald Duck:

      "Früher gab es in der Bundesrepublik..."

      Wir leben aber im heute und jetzt.

  • Astrid Sehnefeld

    Dieser Kommentar spricht vieles Richtiges an und deckt wunde Punkte bei CDU als auch Die Linke auf - Chapeau.



    Aber dem Fazit widerspreche ich mit aller Vehemenz. Eine Union die sich offen mit Die Linke einlässt ist keine Union mehr.



    Ja die AfD bedroht deutlich mehr aktuell unsere Demokratie - allerdings nur, weil sie aktuell den deutlich größeren Zuspruch als Die Linke erhält.



    Über 50% für den politischen Rand wie in Sachsen-Anhalt oder 40% wie in Berlin sind Gift fürs für die Demokratie.



    Wenn die Ränder mehr Wähler einsammeln als die Mitte kann es nicht die Lösung sein, sich einem Rand hinzugeben.



    Linke wie AfD sind die äußerste Leitplanke im parteipolitischen Angebot und sollten nirgends Regierungen stellen. Mitwirkung in Koalitionen ist etwas anderes, aber Präsidenten stellen - nein.



    Eine Union, die sich einer dieser Parteien als Juniorppartner andient, wird endgültig auch vom letzten Rest der Wähler verstoßen.

    • Lesenundschreiben

      @Astrid Sehnefeld:

      "Ja die AfD bedroht deutlich mehr aktuell unsere Demokratie - allerdings nur, weil sie aktuell den deutlich größeren Zuspruch als Die Linke erhält."



      Die AfD ist eine Bedrohung für die Demokratie, weil sie ein verfassungsfeindliches Parteiprogramm hat. Und weil sie ganz offen demokratische Institutionen und Prozesse angreift. Die Partei Die Linke tut das nicht.



      Die Linke als Bedrohung für die Demokratie hinzustellen, wie Sie und die CDU es machen, verhindert Lösungen für die Probleme der Menschen in diesem Land. Und genau das wird dann der Sargnagel für unsere Demokratie werden.



      Es kann nicht mehr darum gehen, wieviel Prozent die CDU in welchem Lager noch abgreifen kann. Es geht nur noch darum, wie die Parteien jenseits von AfD zusammenfinden, um Lösungen für die Probleme der Menschen zu erarbeiten. Die AfD hat keine Lösungen, und sie braucht auch keine Lösungen, weil sie vom Unmut der Menschen profitiert und so ihre Sündenbocklogik immer weitertreiben kann.

    • Klabauta

      @Astrid Sehnefeld:

      "Aber dem Fazit widerspreche ich mit aller Vehemenz. Eine Union die sich offen mit Die Linke einlässt ist keine Union mehr."

      Nur steht das so gar nicht im obigen Artikel. Da steht nur, dass die CDU sich ausschließlich an der Linken abarbeitet und die Gefahr von rechts weiterhin unterschätzt. Von irgendeiner Zusammenarbeit mit der Linken ist da gar nicht die Rede.



      Von Gesprächen mit der SPD, die die CDU in Sachsen -Anhalt nicht einmal führen möchte, hingegen schon. Oder gehört die Brave alte SPD für Sie auch schon zum "linken Rand"?

  • Thomas Vöster

    Vielen Dank, Frau Lehmann!

    • Lesenundschreiben

      @Thomas Vöster:

      Dem schließe ich mich an.

  • Agarack

    "Nur zur Erinnerung: Es war die CDU im Verbund mit der FDP, die gegen den Berliner Mietendeckel, das Gesetz zur Begrenzung der Mieten, geklagt hatte und sich 2021 dafür feierte, dass das Bundesverfassungsgericht ihr aus formalen Gründen recht gab."

    Es ist bemerkenswert, wenn man die Anwendung der geltenden Rechtslage als "formale Gründe" bezeichnet. Das ist, als würde man sagen: "Der Mörder wurde aus formalen Gründen zu lebenslanger Haft verurteilt".

    "Ziel der AfD ist es, lagerübergreifende Koalitionen zu verhindern und sich selbst als bürgerlich-konservative Kraft in der Mitte zu etablieren."



    Wäre das so, würde mich das sehr freuen. Die AfD ist aber keine "bürgerlich konservative Kraft" und wird sich niemals in der "Mitte" etablieren, weil sie eine rechtsextreme Partei ist, die alles hasst, was die tatsächliche bürgerliche Mitte ausmacht und die deutsche Demokratie an einen ausländischen Diktator verschenken will.

    Ich verstehe diesen Artikel nicht. Er dämonisiert die CDU auf eine völlig unangemessene Weise und verharmlost gleichzeitig die AfD. Auch, wenn man selbst starke linke Überzeugungen hat, sollte man aber anerkennen, dass die Unterschiede weiterhin fundamental sind.

    • esgibtnureinengott

      @Agarack:

      In dem Urteil wurde nicht der Mietendeckel selbst als nicht rechtlich bewertet, sondern nur, dass das Land Berlin nicht die Kompetenzen dafür hat und er vom Bund verabschiedet werden müsste. Das hat für mich schon viel mit Formalitäten zu tun.

      Da die cdu seitdem die Chance gehabt hätte das auf Bundesebene zu regeln, kann man die Kritik, der Autorin, dass der Union die Interessen der Mieter nicht so wichtig sind auf jeden Fall machen.

  • Hans Dampf

    Der Fehler der CDU war/ist, dass sie sich viel zu weit in die Mitte bewegt hat und so am rechten Rand Platz für radikale Parteien gemacht hat.



    Der Fehler der SPD war/ist, dass sie viel zu weit in die Mitte gerückt ist und so Platz für die weit radikalere Linke gemacht hat.



    So lange beiden auf diesem Kurs bleiben, werden sie mehr und mehr Wähler verlieren. Und sollte die CDU mit der Linke zusammen arbeiten, wird sie alle ihre Wähler verlieren.

  • Frauke Z

    Die Autorin tut so, als ob die CDU eine Wahl, einen Ausweg hätte.



    Wenn sie weiterhin unbeliebte Kompromissregierungen stützt oder anführt, wird keiner ihrer Wähler mehr wissen, wozu er oder sie die Union braucht.



    2019 hat die AfD zum ersten Male ein Ergebnis über 5 Prozent gehalten. Damit war klar, dass sie nicht einfach wieder verschwinden würde. Dennoch hat Merkels CDU weiter versucht, sie auszusitzen.



    Hätte die Union damals punktuell mit der AfD zusammengearbeitet, wäre uns allen viel erspart geblieben - und vor allem der CDU.



    Jetzt ist der Weg dahin versperrt, nicht nur wegen der weiteren Radikalisierung der AfD, sondern auch weil diese die Union als Hauptgegner aufs Korn genommen hat und sicher kein verlässlicher Partner wäre.



    Es gibt also immer mehr Wahlen (z.B. Bund, Thüringen) mit einer rechten Mehrheit, in der sich also eine Mehrheit auch für Anliegen der Union ausgesprochen haben. Wegen des Parteiengestrüpps aber werden sie nicht umgesetzt. Das ist ein ernstes Problem für die Demokratie.



    Und eben auch für die CDU. Sie kann diese Lage nur durch glückliche Zufälle überstehen.

  • Pico

    Na ja, gerade die Öffnung nach links, zur SPD + Grüne, macht rechts mehr Platz. Das hatte schon Franz-Josef gewusst und ist bei Merkel vergessen worden. Jetzt gibt es rechts eine Partei und die heißt AfD. Noch weiter nach links, macht noch mehr Platz für die AfD frei. Kann ja niemand ernsthaft wollen.

  • Der dreckich Katz

    Also die Partei, die mit der afd in Heidenau gemeinsame Sache macht, um Stolpersteine aus der öffentlichen Wahrnehmung zu halten, wirft den Linken Antisemitismus vor? Kannste Dir nicht ausdenken, sowas.