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Deutsche Gasspeicher halb leer Reiches riskantes Spiel

Hannes Koch

Kommentar von

Hannes Koch

Wirtschaftsministerin Reiche lässt die Erdgasspeicher leerer, als sie es sein sollten. Dafür hat sie auch einen Grund – aber die Wette ist riskant.

T atenlos nimmt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hin, dass die unterirdischen Erdgas-Speicher hierzulande nicht so voll sind, wie sie sein sollten. Das könnte sich im Winter rächen – mit stark steigenden Preisen.

Schon jetzt klettern die Kosten für den Brennstoff wieder. Die Privathaushalte und Firmen merken das bereits. So rät Klaus Müller, der Chef der Bundesnetzagentur, sich auf höhere Rechnungen einzustellen. Gleichzeitig fordert er die Gashändler auf, mehr Gas einzuspeichern.

Gegenwärtig tun die Unternehmen das aber nicht. Denn der Rohstoff ist ihnen augenblicklich zu teuer, um beim Verkauf im Winter schöne Gewinne zu ermöglichen. An diesem ökonomischen Kalkül ändert sich auch nichts durch Appelle des Netzagenturchefs oder Beruhigungsbotschaften seiner Vorgesetzten, der Wirtschaftsministerin.

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Im Gegenteil ist festzustellen, dass Reiche eine Zielmarke ignoriert oder zumindest fahrlässig interpretiert, die sich die Bundesregierung selbst gesetzt hat. Die sogenannte Gasfüllstandsverordnung bestimmt, dass die Speicher bis November, wenn es normalerweise kalt wird, zu durchschnittlich 70 Prozent gefüllt sein müssen. Momentan sind sie jedoch halb leer. Die Lücke zu schließen, könnte zeitlich knapp werden.

Reiches Kalkül

Warum weigert sich nun die Wirtschaftsministerin, die Unternehmen anzuweisen, mehr Gas einzulagern? Sie will vermeiden, dass die schlagartig höhere Nachfrage die Preise treibt, und der Bund oder die Verbraucher Milliarden Euro zusätzliche Kosten tragen müssen.

Andererseits leisten zu leere Speicher einer Kostenexplosion im Winter Vorschub, wenn beispielsweise durch außergewöhnlich niedrige Temperaturen der Bedarf stark zunähme. Eine solche Situation soll die Speicherverordnung gerade verhindern. Der Fairness halber ist aber einzuräumen: Ob die Vorsorge mehr Geld kostet oder der Verzicht darauf, weiß momentan niemand. Katherina Reiche wettet auf die erste Option.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Hannes Koch

Hannes Koch Freier Autor

Geboren 1961, arbeitet im JournalistInnenbüro die-korrespondenten.de in Berlin. Er schreibt über nationale und internationale Wirtschafts- und Finanzpolitik. 2020 veröffentlichte er zusammen mit KollegInnen das illustrierte Lexikon „101 x Wirtschaft. Alles was wichtig ist“. 2007 erschien sein Buch „Soziale Kapitalisten“, das sich mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen beschäftigt. Bis 2007 arbeitete Hannes Koch unter anderem als Parlamentskorrespondent bei der taz.
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16 Kommentare

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  • Flix

    Reiche tut, wie ihr geheißen. Wobei der Auftrag nicht notwendigerweise vom Kanzler kommen muss und nicht mit dem Amtseid in Einklang zu bringen ist.



    Die Ablehnung eines staatlichen Eingriffs wirkt vor dem Hintergrund des kürzlich ausgelaufenen sinnlosen Tankrabatts zynisch und lächerlich. Aber offensichtlich kommt die Frau mit allem durch.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Frau reiche wettet also mit dem Geld der Bürger.

    Sinnvoll wäre es gewesen, die Speicher einfach ab dem Frühjahr langsam zu füllen. Das ist dann auch kein Nachfragesprung. Und so war auch mal die Idee.

  • Philippo1000

    Versorgungssicherheit sollte keine Wette sein.



    Frau Reiche mag privat auf höhere oder fallende Kurse setzen.



    Ihrer Rolle als Wirtschaftsministerin wird sie damit nicht gerecht.



    Wenn Merz wirklich mit guter Arbeit überzeugen will, kann er mit untätigen Mitarbeitern nichts anfangen.



    Der Kabinettsumbau wäre eine Chance gewesen, Reiche wegzuloben.



    Statt dessen verstolpert er sogar die völlig unerhebliche Neubesetzung des Verkehrsministers.



    Reiche ist die Spitze der Verantwortungslosigkeit, die in einer Zeit der Unsicherheit Nichts macht.



    Im Gegenteil, statt die Bevölkerung in Ihrer Unabhängigkeit zu stärken und regenerative Energie weiter zu fördern, schwimmt sie gegen den GÜNSTIGEN Strom.



    Frau Reiche ist aufgefordert, ein eigenes Unternehmen in der Privatwirtschaft vor die Wand zu fahren. Ein öffentliches Amt braucht eine verantwortungswürdige Person.



    Während Atomkraftwerke stillgelegt werden, weil Wasserknappheit herrscht, wird Kernfusion wieder zulasten der Regenerativen stärker gefördert.



    Während spektakuläre Waldbrände herrschen, werden Forschungsprojekte auf diesem Gebiet von der Firschungsministerin nicht bewilligt.



    Die SPD Initiative zum Klimawandel ist der einzige Lichtblick.

  • Axel Berger

    Ein riskantes Spiel mag es sein. Die Frage ist für wen. Die Oberschlauen, die auch jetzt noch nichts gelernt haben und weiter bei Briefkastenfirmen mit Callcentre in Pakistan und großer Rechtsabteilung kaufen, verdienen es nicht anders. Seriöse Regionalversorger bieten Tarife mit mittelfristiger Preisbindung, z.B. 12 oder 24 Monate. Ja, die sind eine Spur teurer als der Schnäppchenpreis aus der Fernsehwerbung. Und der Regionalversorger unterhält eigenen Leitungen und hat eigene Reparaturtrupps, die er bei Problemen in der Straße sofort losschickt.

  • Tom Farmer

    Wenn halt jeder über den niedrigen Füllstand bescheid weiß ist halt auch die preisliche Prognose eher zu Lasten der Verbraucher.



    Für mich aber eher die Formalie interessant: Es wird mal wieder gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen. Vom Gesetzgeber selbst!☝️

    • spaltarsch

      @Tom Farmer:

      Nicht unbedingt die Verbraucher: wie man Reiche kennt, bürdet sie die Zeche am Ende allen Steuerzahlern auf und ihre Gashändlerkumpels dürfen fett abkassieren.

  • ttronics

    Unter Haarbeck ausgerechnet entstanden eine große Zahl von Flüssiggasterminals. Das sollte die Engpässe vermeiden. Aber was wenn es irgendeine Krise gibt, bei der das Gas aus den USA und Katar mal ausfällt. Ob teuer oder nicht, die Regierung, die im Winter nicht mehr genug Gas hat, möchte ich sehen.

    Nochmal dank an die Ampel, dass das nicht passiert ist.

  • Janix

    Reiche pfeift auf die Zukunft, um noch mehr Geld an Fossil, Flug und Auto ausschütten zu können. Auch hier.



    Sie sollte persönlich Holz hacken müssen.

    Und der beste Trick sind Wärmepumpen. Die brauchen kein stets teureres Gas mehr. Auch nicht Biogasanteile, die es wohl nie geben wird.

    • sollndas

      @Janix:

      "Die brauchen kein stets teureres Gas mehr."



      Aber "stets teureren" Strom. Meinen Sie, der Netzausbau [1] ist kostenlos?



      Holz hacken ist übrigens keine schlechte Idee. Mein Nachbar macht das, spart Heizöl.



      [1] taz.de/Trasse-fuer...giewende/!6205152/

    • Axel Berger

      @Janix:

      Der Strom kommt aus der Steckdose.

      • Janix

        @Axel Berger:

        Was früher der Irrtum der Atomjunkies war, ist heute zu gewissen Zeiten Wahrheit, dank der Erneuerbaren.



        Die Wärmepumpe ist vor allem ein Effizienzbooster, und sie wird ja immer noch besser und günstiger (was auch mir schneller gehen darf). Deutlich billiger ist sie insgesamt auch. Nicht nur volkswirtschaftlich, auch betriebswirtschaftlich.



        Heizöl ist fies, Holz leider bei Feinstaub und CO2 auch etwas. Das ist auch zu schade.



        Parallel können wir gerne den Pullover wiederentdecken, @sollndas, wenn Sie das meinen. Die beste und billigste Energie ist die nicht eingesetzte. Ja.



        Aber Frau Reiche sollte ihre Energie mal weniger auf Ihren Ex-Arbeitgeber Hrn. Birnbaum von e.on ausrichten, sondern an ihrem Diensteid.

  • ZTUC

    Die Wirtschaftsministerin kann Unternehmen überhaupt nicht zur Einspeisung zwingen oder anweisen. Ist der Füllstand zu niedrig, würde im Zweifel THE als Marktgebietsverantwortlicher aktiv. Dafür gibt es einen vorgegebenen Stufenplan. Dazu müsste aber erst einmal die Füllstände am 01.09. bekannt sein.

    • spaltarsch

      @ZTUC:

      Also der/die Steuerzahler*in.

  • Il_Leopardo

    Ich drück der Dame die Daumen, dass Sie die Wette gewinnt - leg aber schon mal 'nen Hunni pro Monat mehr zurück, falls sie verliert.

  • Christian Götz

    Guten Tag, Herr Koch.



    Aus dem Artikel geht hervor, dass das Gas mit zunehmender Nachfrage teurer wird.



    Woran ist nun aber die Hoffnung gekoppelt, dass der Gaszukauf zum nahenden Winter günstiger wird?

    • spaltarsch

      @Christian Götz:

      An Beten und Hoffen.