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Dobrindts Geheimdienstpläne Raunende Terrorwarnungen

Frederik Eikmanns

Kommentar von

Frederik Eikmanns

Innenminister Dobrindt verunsichert mit neuen Terrorwarnungen. Gleichzeitig treibt er den Aufbau eines beispiellosen Geheimdienstapparats voran.

M ann muss die Nachrichten manchmal nur nebeneinanderstellen. Erstens: Die Bundesregierung plant eine große Reform von Bundesnachrichtendienst und Verfassungsschutz. Die Kontrolle der Dienste soll eingeschränkt, ihre Kompetenzen massiv ausgeweitet werden. Statt nur beobachten sollen sie künftig aktiv eingreifen dürfen, auch im Inland.

Zweitens: Das Bundesinnenministerium hat letzte Woche an einer Propagandakonferenz der US-Regierung zum Kampf gegen vermeintlichen Linksterrorismus teilgenommen. US-Präsident Trump ging es offensichtlich darum, das Schreckgespenst des Kommunismus wiederzubeleben. Eine Folgeveranstaltung soll demnächst in Deutschland stattfinden.

Drittens: Am Samstag hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt die bisher in Deutschland geltende „abstrakte“ zu einer „hohen Bedrohungslage“ hochgestuft. Er sprach von konkreten Anschlagsplänen, die es gegen Deutschland gebe.

Für alle drei Entscheidungen kann man durchaus eine Begründung finden. Ja, russische, chinesische und iranische Geheimdienste sind eine Bedrohung, auf die deutsche Sicherheitsbehörden robust reagieren müssen. Ja, es ergibt Sinn, die für Terrorprävention so wichtige Verbindung zu US-Sicherheitsdiensten nicht komplett abreißen zu lassen. Und ja, es gab in letzter Zeit tatsächlich Anschläge, etwa auf das deutsche Bahnnetz.

Eine Verunsicherung der Bevölkerung

Aber was einzeln noch einigermaßen nachvollziehbar scheint, wird zusammen unheimlich: Während der Bundesinnenminister die Bevölkerung mit raunenden Terrorwarnungen verunsichert, treibt er den Aufbau eines Geheimdienstapparats voran, wie es ihn in der Bundesrepublik noch nie gab. Und im Hintergrund sucht er die Nähe zu den ideologisierten Sicherheitsbehörden einer faschistischen Regierung im Ausland.

Die schwarz-rote Bundesregierung behauptet gern, ihr großes Projekt sei es, Demokratie und Freiheit in Deutschland zu schützen. Es wäre Zeit, dass jemand Dobrindt daran erinnert.

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Frederik Eikmanns

Frederik Eikmanns

Fachredakteur für Innere Sicherheit und Migration
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14 Kommentare

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  • Die Angstmache (um Terroranschläge) ist ein wirksames Mittel, um Zuspruch für den massiven Ausbau von autoritären Befugnissen zu gewinnen. Das hat bereits beim Patriot Act nach 9/11 bestens geklappt.

    Wie hilflos die USA trotz spektakulär aufgeblähten Militärapparates und Geheimdienstes bei der Gefahrenabwehr sind, hat sich dort mehrfach, nicht erst seit 9/11, gezeigt. Der russische Geheimdienst FSB hat seit den 90ern Kontakte zu Donald Trump. Auch die Manipulation von Wahlen durch Cambridge Analytica um ca 2015 ging ungestört vonstatten.

  • "Gleichzeitig treibt er den Aufbau eines beispiellosen Geheimdienstapparats voran."



    Das ist nun wirklich völlig übertrieben.



    In China kannst du nicht mal mehr über eine rote Ampel gehen, ohne dass dein Gesicht sofort eine Kamera einfängt und dadurch dein "Social-Score" so dermaßen gesenkt wird, dass du wegen dem Überqueren der roten Ampel beispielsweise keinen Kredit mehr bei Banken bekommst oder dir der Grundstückserwerb gänzlich untersagt wird...🤷



    Auch auf bundesdeutschem Gebiet gab es bereits wesentlich niederschwelligere Geheimdienstapparate mit deutlich weitreichenderen Befugnissen...



    Was der SD als auch die Gestapo unter den Nazis, oder die Stasi in der DDR an Daten zusammengetragen haben, war - gemessen an den Möglichkeiten der Zeit - ungeheuerlich.



    Und die Machtfülle die diese Institutionen hatten, überflügelt bestehende als auch von Dobrindt beabsichtigte Rahmenbedingungen um ein Vielfaches.



    Wir sollen und wollen uns von den USA empanzipieren, dann brauchen wir einen fähigen Geheimdienstapparat - leider.



    Wirtschaftsspionage, Anschläge politischer wie fanatischer Natur, etc...



    Über die Gewichtung Dobrints kann man streiten, die Notwendigkeit ist für mich unabdingbar.

    • @Astrid Sehnefeld:

      "Wir sollen und wollen uns von den USA empanzipieren, dann brauchen wir einen fähigen Geheimdienstapparat - leider."

      Und das tun wir mit freundlicher Hilfe von Peter Thiel et al? Ich sage nur Palantir.

      Eine Zusammenarbeit von Polizei und Geheimdienst und exekutive Befugnisse des Letzteren, wie sie jetzt geplant sind, wurden nach 1945 aus guten Gründen nicht erlaubt.

  • Ich frage mich erstens, was ist mit "beispiellosen Geheimdienstapparat" gemeint und zweitens, wer diese "faschistische Regierung im Ausland" ist.

  • Wenn man ständig davon redet, dass Deutschland unabhängiger werden muss, gerade von den USA, muss man selbstverständlich auch Geheimdienste mitdenken.

    Ein Großteil der Warnungen vor Terroranschlägen und Verdächtigen stammt von befreundeten Diensten, meist aus den USA. Darauf kann und sollte man sich nicht auf alle Zeit verlassen. Mehr Ressourcen und eine deutliche Ausweitung der Kompetenzen ist folgerichtig, damit deutsche Dienste in Zukunft auch ohne US-Unterstützung die Sicherheit in Deutschland gewährleisten können.

    Es war sowieso pure Doppelmoral, dass man in Deutschland die schmutzige Arbeit ausgelagert hat an andere Länder. Während man sich hier viel eingebildet hat auf Datenschutz, Persönlichkeitsrechte und viel eingeschränktere Befugnisse der Geheimdienste.

    • @gyakusou:

      " in Zukunft auch ohne US-Unterstützung"

      Palantir sagt Ihnen etwas?

      Aus dem Gesetz:

      § 93 - Gemeinsame Dateien mit ausländischen öffentlichen Stellen



      "Gemeinsame Dateien mit ausländischen öffentlichen Stellen



      (1) Der Bundesnachrichtendienst kann für den Austausch und die gemeinsame Auswertung von personenbezogenen Daten mit ausländischen öffentlichen Stellen gemeinsame Dateien errichten und führen oder sich an diesen beteiligen, wenn



      (...)



      2. in dem Staat, dem die ausländische öffentliche Stelle angehört, die Einhaltung grundlegender rechtsstaatlicher Prinzipien gewährleistet ist."

      Was die USA angeht, sind hinsichtlich des Abs. 2 doch erhebliche Zweifel angebracht, was aber aller Voraussicht nach die Geheimdienste nicht an der weiteren Zusammenarbeit hindern wird.

      www.bmi.bund.de/Sh...ublicationFile&v=1

      • @Klabauta:

        Unter "Unterstützung" verstehe ich in diesem Kontext, dass ein Großteil der Informationsbeschaffung derzeit durch die USA erfolgt und Deutschland komplett abhängig den dortigen Diensten ist.

        Es geht nicht darum, ob man sich auch in Zukunft (sinnvollerweise) austauscht, punktuell zusammenarbeitet usw.

  • Wie bitte "beispiellosen Geheimdienstapparat"!? Im Vergleich zu richtigen Geheimdiensten wie CIA, Mi5 oder Mossad ist unserer ein Papiertiger ohne Ausrüstung und durch zig Gesetzte angekettet so dass der leider nichts darf. Ich wünsche Dobrindt alles Gute bei diesem Vorhaben!

    • @Eulennest:

      Die von Ihnen aufgeführten Beispiele illustrieren perfekt, warum man so weitreichende Machtbefugnisse in einer Demokratie kritisch sehen sollte.



      Geheimdienste neigen dazu, ihre Kompetenzen maximal zu nutzen, wenn nicht sogar zu überschreiten. Da sollte man ihnen durch derartige Gesetze wie von Dobrindt geplant nicht noch zuarbeiten.

  • "Gleichzeitig treibt er den Aufbau eines beispiellosen Geheimdienstapparats voran."



    Emotionale, aber unpassende Wortwahl. Als ob's für sowas nicht mehr als genug Beispiele gäbe...

  • Dobrindt an seinen Auftrag zu erinnern, ist vergebliche Liebsmüh'.



    Der Mann ist Demokratievernichter und muss weg.

  • Dobrindt ist Soziologe - hat also von Polizeiarbeit keinen blassen Schimmer.

    Es ist Innenminister - soll also ein Ressort leiten von dem er keine Ahnung hat.

    Was bedeutet das ?

    Er wird von den Fachleuten fachlich nicht ernst genommen.



    Er ist auf Gedei und Verderb auf die Zuarbeit der Fachleute angewiesen und kann deren Angaben nicht aus eigener Kenntniss überprüfen.

    Da werden ja sicherlich allerlei Staatssekretäre rumlaufen und ihm zuarbeiten - aber die haben natürlich eigene Interessen und werden entsprechend argumentieren.



    Wir, als Volk, werden aber niemals erfahren wer da an welchen Strippen zieht bzw gezogen hat.

    Das konnte man schon sehr gut beobachten als D. noch Verkehrsminister war - wir alle kennen die desaströsen Ergebnisse.

    Und dieser Zustand beschränkt sich ja nicht auf das Innenministerium - wie man aktuell an allen Ecken und Enden sieht.

  • Wenn die Bundesregierung Demokratie und Freiheit schützen möchte, warum gehen viele Maßnahmen, die sie gerade in die Wege leitet oder verschärft in die entgegengesetzte Richtung?



    Mir fallen da so Dinge ein wie:

    - Illegale Grenzkontrollen



    - Schleifen des IFGs



    - Stopp der Förderung von Demokratieprojekten.



    - Verunglimpfung von NGOs



    - Sozialabbau



    - …