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Reform des Erneuerbare-Energien-GesetzesSolardächer der Bür­ge­r*in­nen in Gefahr

Susanne Schwarz

Kommentar von

Susanne Schwarz

CDU-Wirtschaftsministerin Reiche will die staatliche Förderung von kleinen Solaranlagen abrupt streichen. Das ist eine richtig schlechte Idee.

Comic: Mario Lars

K leine Solaranlagen sind ein wichtiger Wirbel im Rückgrat der Energiewende – und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will seinen Bruch riskieren. Sie plant, die staatlich garantierte Vergütung für kleine Solaranlagen bis 25 Kilowatt Leistung ab 2027 abrupt zu streichen. Das zeigt ein durchgesickerter Entwurf der anstehenden Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Mehr als vier Millionen Haushalte haben sich Solaranlagen auf ihre Dächer setzen lassen, nutzen den Strom daraus selbst und speisen den Rest ins Stromnetz ein. Dafür bekommen sie eine garantierte Vergütung. Gibt der Markt sie nicht her, zahlt der Staat den Rest. Das sorgt für Planbarkeit.

Die Anlagen gelten als Erfolgsrezept für ein demokratischeres Energiesystem, das nicht nur ein paar Konzerne zugunsten ihrer Profite gestalten. Ihr Ausbau frisst keine Naturflächen im viel zu vollbetonierten Deutschland. Sie sind quasi über das ganze politische Spektrum hinweg beliebt bei Bürger*innen, selbst weit rechts. Lauter Vorteile.

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Die existierenden Anlagen sind von Reiches Attacke nicht betroffen, sie sollen Bestandsschutz genießen. Immerhin. Es geht aber um neue Anlagen – und die brauchen wir dringend.

Mehr Unsicherheit und Mühe

Das Argument, dass Subventionen nicht für die Ewigkeit laufen sollten und die Energiewende für die Steuerzahlenden nicht teurer werden sollte als nötig, ist nicht grundsätzlich falsch. Das Tempo bei der Energiewende muss aber zunehmen, es darf nicht stagnieren oder gar abnehmen. Es liegt auf der Hand: Verhalten, das der Staat bei Bür­ge­r*in­nen fördern will, sollte er so einfach wie möglich machen. Reiches geplanter Schritt ist das Gegenteil davon – er schafft Unsicherheit und Mühe.

Ex­per­t*in­nen merken außerdem an, dass technische Voraussetzungen für eine einfache und wirtschaftliche Direktvermarktung des Stroms von den Solardächern an vielen Orten noch fehlen. Dazu gehören flächendeckend digitalisierte Stromnetze und -zähler. Wer sich trotz der Hemmnisse überhaupt noch eine Solaranlage aufs Dach setzt, wird sie also wohl eher klein dimensionieren, am eigenen Verbrauch orientieren – nicht an dem, was die Dachfläche platzmäßig ermöglichen würde.

Die Bundesregierung räumt aktuell Klimapolitik ab, wo sie nur kann. Das haben in dieser Woche bereits die Eckpunkte zur Reform des Heizungsgesetzes gezeigt, die einem Abgesang auf die Wärmewende gleichkommen. Dabei muss Deutschland beim Klimaschutz noch aufholen. Seine gesetzlichen Klimaziele schafft es absehbar nicht. Reiche forciert mit ihrer Energiepolitik, dass die Lücke immer weiter aufreißt.

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Susanne Schwarz
Leiterin wirtschaft+umwelt
Jahrgang 1991, leitet das Ressort Wirtschaft + Umwelt und schreibt dort vor allem über die Klimakrise. Hat ansonsten das Online-Magazin klimareporter° mitgegründet.
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41 Kommentare

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  • Gideon , Moderator*in

    Vielen Dank für eure Beiträge, wir haben die Kommentarfunktion geschlossen. Die Moderation

  • Ich möchte dem Artikel widersprechen, denn aus meiner Sicht ist die Einstellung der garantierten Einspeisungsvergütung durchaus sinnnvoll. Als Betreiber einer PV-Anlage kann ich sagen, dass der ökonomische Hauptzweck der privaten Stromerzeugung die Selbstnutzung ist und dass diese weiter gestärkt werden muss. PV-Anlagen haben nun mal das Problem, dass sie Strom nur in einem begrenzten Zeitraum einspeisen, und zwar dann, wenn ihn keiner braucht. Es inzwischen ganz normal, dass an einigermassen sonnigen Tagen um die Mittagszeit die Strompreise im Großhandel auf Null oder sogar darunter fallen, weil niemand diesen Strom braucht. Die garantierte EInspeisevergütung sorgt lediglich dafür, dass eine breite Masse (alle Stromkunden) Geld an eine privilegierte Minderheit (Hausbesitzer) zahlen für etwas das niemand benötigt (Stromüberschuss). Das ist weder önomomisch, ökologisch oder sozial. Der Schlüssel zur besseren Nutzung von Solarstrom ist die Speicherung und Selbstnutzung. Die lohnt sich aber kaum, solange es garantierte Vergütung gibt. Das ist mir selbst beim Bau meiner PV-Anlage so vorgerechnet worden. "Besser Vergütung kassieren als in Speicher investieren" war damals Tenor.

  • "Solardächer der Bür­ge­r*in­nen in Gefahr":

    Die Überschrift ist irreführend, es muss heißen: "Solardächer der Hausbesitzer in Gefahr". Mieter sind auch Bürger, die betrifft die Streichung dieser Subvention aber nicht.

  • Das Manöver von Reiche ist natürlich durchsichtig: Der Ausbau der Stromnetze und Speicherinfrastruktur hat mit der Zunahme grüner Energie nicht Schritt gehalten - und so versucht die Regierung jetzt reglementierend gegenzusteuern.



    Aber Reich macht das so richtig schlecht. Staat Geld für die Infrasstruktur in die Hand zu nehmen, bremst sie die grüne Energie aus - besonders da, wo es künftig weh tun wir: beim diversifizierten Strommarkt.



    Ein Geschenk für die Quasi-Monopolisten von der ehemaligen Energiemanagerin. Warum geht da niemand wie bei Habeck auf die Straße?

  • Ich sehe ehrlich gesagt das Problem nicht. Stromzähler, die unseren Lebenswandel und Tagesablauf im Viertelstundentakt an eine Zentrale melden gibt es längst und sollen uns bald allen aufgezwungen werden, ob wir wollen oder nicht. Als Einspeisezähler sagen sie nichts über uns sondern nur über das Wetter.



    Für meine Balkonanlage erfasse ich den stündlich wechselnden EPEX-Börsenpreis und meine stundenweise Erzeugung. Damit kenne ich genau den Wert meines stündlich, täglich, monatlich und jährlich erzeugten Stroms. In manchen Stunden und an manchen Tagen war er negativ. Diese Datenerfassung war für mich der Hauptzweck der Anlage, aber es wäre mühelos möglich, eine Vergütung genau so abzurechnen.



    Eine Steuerung des Wechselrichters, die in Stunden negativer Preise abschaltet oder auf den Eigenbedarf abregelt, gibt es auch mit und ohne Akku längst fertig zu kaufen.



    Der Zweck des EEG war eine Anschubfinanzierung zum Einstieg in die Massenproduktion mit kostendeckenden Preisen. Dieser Punkt ist heute erreicht, eine weitere Finanzierung wohlhabender Eigenheimbesitzer mit Solaranlage durch die Steuern der Sozialmieter, die sich keine solche leisten können, ist nicht mehr angemessen.

  • Unsere Solaranlage mit ca. 12KwH Peak, 14 KwH Speicher und Notstromfunktion kostete 2022 38000 EUR. Dazu gehörte ein hoher bürokratischer Aufwand incl. Zählertausch, Marktstammdatenregister, GbR-Gründung incl. Steuernummer etc.



    Es hätte sich gerechnet für uns, dann kam Habeck mit der grandiosen Idee, die Abschreibung für die Anlagen rückwirkend zu streichen. Somit haben sich 300 EUR, die eingeplant waren, in Luft aufgelöst. Da hat sich keiner aufgeregt. Die mickrigen 7,1 Cent pro KwH bringen etwa 200 EUR pro Jahr, dem stehen knapp 300 EUR Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch gegenüber. Diese Förderung ist nun wirklich nichts, was einen zum Kauf oder Nichtkauf einer Anlage reizen würde.

  • "Solardächer in Gefahr"



    Eine Headline der BILD?

  • Bin nicht sicher, ob das der verkehrte Weg ist.



    Wenn eingespeister Strom voll vergütet wird, auch zu Zeiten wo dieser im Netz gar keine Abnehmer findet, dann zahlt das die Allgemeinheit über Steuern und Abgaben. Das ist für diejenigen, die diese Vergütungen bekommen eine sehr priviglierte Position. Wenn ich privat Kartoffeln anbaue und keinen Abnhemer finde, bekomme ich ja auch keinen Garantiepreis von der Allgemeinheit vergütet.



    Von daher ist die neue Regelung jetzt nicht unbedingt ungerecht.

  • Eine 10kW-Speicher-PV-Anlage kostet unter 7.000€+ Montage. Wer die haben will hat zumindest ein Haus.

    Wenn Geld keine Rolle spielt, sollte man das staatlich fördern. Wenn die Mittel knapp sind sollte man es lieber lassen.

  • Das die Regierung nicht gerade die erneuerbaren Energien fördert, das ist so.

    Aber die kleinen PVAnlagen haben eine enorme Entwicklung in den letzten Jahren genommen. Sie werden nur mit digitalen Zählern in Betrieb genommen. So schlecht ist also die digitale Wüste nicht. Die Selbstvermarktung lohnt sich aber nicht. Allerdings hängt die Investition - und natürlich nimmt hier jede die gesamte mögliche Dachfläche - nicht wesentlich von den 8ct pro kWh Vergütung ab. Mehr gibt es eh nicht bei privater Nutzung.

    Erstaunlich ist, dass große Player am Markt, wie Enpal, wohl keine Lobby haben. Die profitieren nämlich stark von der Einspeisevergütung, bzw. Von Marktpreisen bei den Anlagen, die sie auf den Dächern installieren dürfen, also die, die Besitzer mieten dürfen (wobei das Geschäft durchaus auch für den Besitzer ok ist).

    • @fly:

      Mit der ganzen IT isses wohl auch heute möglich, daß auch ein Kleinerzeuger seinen Strom selber und zu besseren Preisen zu Nachfragezeiten verkloppt. Mit Speichern kann auch das stromerzeugende Kleinunternehmen die Spitzen bedienen usw. usf. . Will bloß keiner von den "Großen".

    • @fly:

      Stimmt, private PV-Anlagen rechnen sich vorallem über einen hohen Eigenverbrauchsanteil, besonders, seit dem 10KWh oder 20KWh Speicher bezahlbar geworden sind. Daher sollte die Allgemeinheit die Energiewende tatsächlich an anderer Stelle fördern.

  • Wenn die Solaranlage so toll ist, baut man sie ohne Förderung und nutzt sie für den Eigenbedarf, das ist dann autark, wer es wegen den Förderungen getan hat, war nur auf Geld aus - das ist Kapitalismus pur .

  • Richtig so. Es kann doch nicht sein, daß dreißig bis vierzig Jahre nach Beginn der Energiewende (je nachdem, wo man den Beginn sieht) immer noch Geringverdiener, Transferempfänger und Mieter den Eigenheimbesitzern die Nase vergolden. Wenn Sonne und Wind keine Rechnung schreiben, wie bei uns ein Handwerker seine Leistungen bewirbt, dann benötigt der Betreiber auch keine Subvention. Die Solaranlagen nebst Speicher, die Wärmepumpen etc. sind bei uns doch nur deshalb so teuer, weil die Subventionen und Fördergelder eingepreist werden.

  • Und als nächstes werden die WIndräder angehalten ...



    Holt Robert zurück, aber schnell!

  • Die Preise fuer Speicher sind deutlich gefallen in den letzten Jahren. Private PV-Anlagen rechnen sich heutzutage über eine hohe Eigenversorgungsquote. Die Einspeisung fuer etwa 8Cent/KWh ist nett, mehr aber auch nicht. Es gibt keinen Grund mehr Überschussstrom aus PV-Anlagen,den keiner benötigt, durch die Allgemeinheit finanzieren zu lassen. Frau Reiche hin oder her, der Schritt geht in die richtige Richtung.

  • Ich bin wirklich vorsichtig formuliert erstaunt, dass die Wirtschaftskompetenz der CDU schlicht nicht mehr vorhanden ist. Investitionen brauchen Planbarkeit. Mit dem spontan und abrupten Ende der Solarförderung für PV-Anlagen unter 25qm zeigt die Gas-Lobbyistin das genaue Gegenteil.



    Die PV-Anlage ist in den letzten Jahren tatsächlich deutlich günstiger geworden, so auch die passenden Akkus aus China.



    Die Einspeisevergütung sinkt bereits jetzt jedes Jahr. Hier könnte man ansetzen. Oder erst einmal eine geringere Mehrwertsteuer von 7% wie beispielsweise auch auf Tiernahrung (!) ansetzen, anstatt die aktuelle Befreiung.



    Aber dafür müsste man ja planen können und wollen. Hier geht es um die reine Rückabwicklung vermeintlich Grüner Vorgaben und Gesetze.



    Eine demokratische Stromversorgung steht jedenfalls nicht auf der Reiche-Agenda. Alles zum Vorteil der Strom-Konzerne. Wo kämen wir denn auch hin, wenn hier jeder mitmachen könnte.



    So geht es auf Kosten zukünftiger Generationen, was der aktuellen Regierung egal sein kann. So sorgt man schon mal für den lukrativen Job nach der Regierungstätigkeit vor...

  • Wen wunderts, der Blackrockfürst als Kanzler, die Gasliebhaberin im Wirtschafrsministerin, ein Agarchemieaktionär und Grossbauer im Landwirtschaftsministerium als Trio Infernal mit Unterstützung der restlichen wirtschaftshörigen Ministerriege betreibt unverholen Klientenpolitik von der Lobbygang vor sich hergetrieben. Da stört die dringend notwendige Klimapolitik nur und wird schamlos abgeräumt. Der sogenannte Umweltminister steht lächelnd abseits und nickt verständnisvoll, genannt Koalitionsvernunft. Wenn diese Regierung fertig ist bleibt ein wirtschaftliches, gesellschaftliches und vor allem klima- und umweltpolitisches Trümmerfeld.

  • Richtig so, wenn sich etwas von alleine amortisiert sollte man es nicht mehr fördern.



    Wäre schön wenn sich das auch bei anderen Fördertöpfen durchsetzen würde.

  • Hinter Frau Reiches Handeln steckt die eindeutige Absicht den Profit ihrer Klientel ab zu sichern. Das ist ja schließlich ihre Aufgabe als Wirtschaftsministerin. So betrachtet macht sie ihren Job doch ganz ordentlich.

  • Wieso demokratische Energiewende? Deutschland hat ca. 60 Millionen Wahlberechtigt. Da sind 4 Millionen gerade mal 8 %.



    Und da gerade mal 20% der Solaranlagen mit einem Speicher ausgerüstet sind und den selbst gewonnenen Strom auch verbrauchen kommen hat der Rest der Eigenheimbesitzer eine von allen Verbrauchern bezahlten garantierten Gewinn.



    Tolles Geschäftsmodel für Reiche die sich ein Haus Leisten können - bezahlt von allen Armen, die nur zur Miete wohnen.

  • Deutschland, somit jeder einzelne Abnehmer, bezahlt jedes Jahr über 3 Milliarden Euro für Strom der zwar produziert wird aber zu diesen Zeiten wegen Überkapazitäten nicht genutzt werden kann. In keinem anderen Bereich, wie beim Strom, gibt es eine Regelung das man beliebig, zu garantierten Preisen erzeugen und verkaufen kann. Wenn jetzt endlich mal ein Ministerium alle Bürger um Milliarden Entlasten möchte, WO soll da der Fehler sein ??



    Wir haben selber schon Jahrelang eine 10KW PV Anlage + Speicher, wir bekommen 6 Cent für den Überstrom, aber auch ohne diese Zahlungen würde sich die Anlage amortisieren, dann halt über einen längeren Zeitraum. Da jetzt PV-Anlagen und Speichersysteme noch viel billiger sind als vor ein paar Jahren ist die garantierte Abnahme dieses Überstromes nur Geldverschwendung zu Kosten aller.

  • Warum Sind die Solardächer in Gefahr? Die Einspeisevergütung ist nicht mal Peanuts. Bei mir sind es 200 Euro im Jahr und davon muss ich noch die Mehrwertsteuer abführen? Kein vernünftiger Mensch baut sich ein PV aufs Dach wegen der Einspeisevergütung.

  • Interessant finde ich die Begrenzung bis 25 kWp, wobei die Schwelle der steuerfreien Anlagen ja bei 30 kWp liegt. Wenn ich dann bedenke wie groß eine 25-30 kWp Anlage ist, passen diese nur auf größere MFH. Kann es sein, dass große Mieterstromanlagen, die dem Vermieter durch den Verkauf an den Mieter Rendite bringen, außerdem noch Einspeisevergütung bekommt und alle EFH-Eigentümer komplett leer ausgehen? Was zur Zeit abgeht ist nur noch bitter. Früher hat man wenigstens noch versucht, den Lobbyismus zu vertuschen...

  • Warum soll einen lohnende Investtion auch noch vom Steuerzahler vergoldet werden!? Dieser Abgesang ist völlig überzogen.

  • Kleine Solaranlagen werden nach wie vor gefördert. Nur nicht so üppig wie bisher: Besitzer können sich vor Stromnebenkosten drücken, z.B. Netzentgelten. Für das Netz, auf das sie nach wie vor mit voller Kapazität angewiesen sind, wenn keine Sonne scheint und ihr Akku leergesoffen ist.



    Und Abnahmegarantien zu verlangen, selbst wenn an der Börse negative Strompreise anliegen - dazu gehört schon richtig Chuzpe. Wenn die "Erneuerbaren" erwachsen geworden sind, dann müssen sie auch ihren Beitrag zur Netzstabilität leisten. Und das nicht nur den Fossilkraftwerken überlassen.

  • "Wer sich trotz der Hemmnisse überhaupt noch eine Solaranlage aufs Dach setzt, wird sie also wohl eher klein dimensionieren, am eigenen Verbrauch orientieren – nicht an dem, was die Dachfläche platzmäßig ermöglichen würde."

    Niemand setzt sich seit Jahren mehr aufs Dach, als er selbst benötigt, denn die Einspeisevergütung ist dermaßen niedrig, dass die paar Euro für den Steuerberater draufgehen, weil man damit ne Firma ist..

    Seit 30 Jahren gibt's die Förderung. In jedem Nachbarland kostet die gleiche Anlage min 30% weniger als hier. Warum wohl? Weil die Handwerker die Subvention eingepreist gaben. Gleiches Spiel bei den Wärmepumpen..

  • Unsere Energiewende scheitert daran, dass wir im Winter auf Gas/Kohle angewiesen sind. Und da gerade im Winter die Sonne nur zum Bruchteil scheint, wuerde eine weitere Subventionierung die Energiewende nicht beschleuigen. Wir brauchen das Geld fuer Netzausbau und Stromspeicherung.

    In einem Paralleluniversum wuerden wir im Winter mit Strom aus Atomkraft heizen, statt mit Strom aus Kohle und Fracking-LNG. Und ohne diesen Fossilstrommix im Winter waere es auch nicht noetig mit Mitteln wie hohen Strompreisen, Bauvorschriften oder aufwendigen Sanierungen dafuer zu sorgen, dass, da man sonst die Klimaziele nicht erreicht, so wenig wie moeglich von diesem Drecksstrom verbraucht wird. Dank der Atomkraftwerke wuerde im Sommer 24h lang die Produktion von Wasserstoff und "A-Fuels" laufen. Wind, Sonne, Wasserkraft und Geothermie liefern ganzjaehrig Strom, im Winter bzw bei Engpaessen ergaenzt durch Gaskraftwerke, die den produzierten Wasserstroff verbrennen.

    Haetten wir alles auch hier haben koennen, aber der "Gruendungsmythos" unserer Klimapartei war wichtiger.

  • Heilige Energiewende.

    Die Idee: Deutschland schreitet tapfer voran und die anderen Länder sind so beeindruckt, dass sie voller Elan nachziehen.

    Ups, tun sie gar nicht. Sie kaufen einfach das Recht CO2 zu emittieren und ihre Wirtschaften wachsen.

    Unsere weniger. Unterm Strich ändert sich fürs Klima - nichts.

    Aber wir haben natürlich recht.

  • Warum steht im Artikel nicht, dass dies keine Entscheidung der deutschen Regierung alleine ist weil es von "oben" kommt und als EU-Verordnung umgesetzt werden muss?

  • Bereits jetzt gibt es bei Sonnenstunden im Sommer einen enormen - bisher nicht speicherbaren Stromüberschuss. Weitere Anlagen machen sich doch allenfalls in Randzeiten irgendwie bemerkbar. Im Winter liefern sie überhaupt keinen Ertrag.

    Schon unter Herrn Habeck hat das Ministerium gemerkt, dass die jetztige Förderung problematisch ist und über eine Beendigung nachgedacht. Angesichts der sinkenden Anschaffungskosten ist dies im Ergebnis folgerichtig.

  • Es gilt doch die Verpflichtung, klimaschützende Massnahmen durchzuführen.



    Reiche macht genau das Gegennteil - wie will sie damit rein rechtlich durchkommen?

  • Die trumpsche Unverfrorenheit, mit der Reiche die Energiewende blockiert und rückabwickeln möchte, ist erschreckend.

    Da stellt sich die Frage nach der Motivation hinter ihrem Handeln. Dummheit als Erklärung scheint mir nicht ausreichend zu sein, so dumm, um die Folgen ihres Tuns nicht zu überblicken, ist wohl selbst Reiche nicht. Irgendein Konzept außer Destruktion ist auch nicht zu erkennen, wäre bei einer von der Union gestellten Ministerin auch verwunderlich.



    Eines scheint mir immer offensichtlicher, um Deutschland die Zukunftsfähigkeit zu nehmen, bedarf es nicht der AfD, das schafft die Union unter freundlicher Mittäterschaft der SPD auch so.

    • @Flix:

      Kann man so sehen, muß man aber nicht. Es war schon immer schwer verständlich gewesen, den Strom mittags zu einem Bruchteil des Preises abzugeben, zu dem man ihn abends vom Versorger zurückkauft. Wobei sich seit längerem zeigt, daß die Strombörse nicht mal diesen Bruchteil hergäbe. Ganz einfach, weil die Einspeisung zur Zeit Zeit des höchsten Sonnenstandes physikalisch und technisch bedenklich ist, um nicht zu sagen, daß sie die Stabilität der Netze gefährdet. Den Leuten wurde gesagt, daß sich Photovoltaik auf diese Art kannibalisiere. Es hat keiner hören wollen. Folglich ist das zu adressieren, lang überfällig, denn so ist die Förderung zu verbranntem Steuergeld geworden. Sie hätte längst nur noch für Anlagen gewährt werden dürfen, die marktgerecht einspeisen. Die also die gesamte Produktion speichern und dann abgeben, wenn die Versorger sie tatsächlich verwerten können. Ob und wenn ja, wie man sie dann technisch gegenüber anderen Erzeugern im Strommix priorisiert, wäre eine Frage gewesen, die man schon lange hätte in Angriff nehmen müssen.

    • @Flix:

      Reiche ist von e.on/Westenergie freigestellt. Ex-Vorgesetzter Birnbaum souffliert ihr auch ständig sogar öffentlich.

      Sie soll die Fossil-Party auf Kosten Dritter und unser aller Zukunft verlängern. Dann wird sich auch Anschlussverwendung finden lassen.



      Reiche soll sehr lange um ihren Ausstieg mit Westenergie verhandeln haben lassen. Gute Politikers werden nicht reich, sie erwerben Ehre. Wer verrät das Frau Reiche?

    • @Flix:

      So unterschiedlich können Wahrnehmungen sein. Ich sehe das eher so, dass Reiche bemüht ist, Wildwuchs einzudämmen und die Sache wieder auf einen vernünftigen Nenner zu bringen. Siehe Gaskraftwerke und Wärmepumpen: Letztere brauchen nun einmal Strom, auch wenn der Wind nicht weht und besonders dann, wenn die Sonne nicht scheint.

    • @Flix:

      Frau Reiche "kann nichts dafür", sie macht nur was ihr aus Brüssel vorgeschrieben wird!

    • @Flix:

      Die Motivation ist juristisch völlig nebensächlich und nur politisch relevant, zudem ist sie offensichtlich.

      Wichtig ist, ob man sie gerichtlich stoppen kann weil sie mit jeder ihrer Massnahmen gegen den festgelegten Kurs der verpflichtenden Klimafreundlichkeit verstösst.

  • Endlich. Das haette schon viel frueher kommen muessen. Wir werden noch auf Jahre mit Steuergeldern im Sommer nicht gebrauchten Solarstrom subventionieren, um ihn dann zu Minuspreisen ins Ausland zu verkaufen.



    Diese Umverteilung von unten nach oben gehoert endlich abgeschafft, vielen Dank Frau Reiche.

  • Man sollte man in den Terminkalender von Frau Ministerin schauen - vielleicht waren da in letzter Zeit häufiger Lobbyisten der Energiekonzerne zu Besuch.

  • Sich auf die(se) Regierung verlassen nützt nichts, da steht doch seit Jahrzehnten keine langfristige Strategie mehr dahinter, kurzfristige und kurzsichtige Klientelpolitik sind wir ja gewohnt.



    Merz ist ja auch zum Wundern nach China geflogen. Wenn man nicht bald mal überlegt wie man unter demokratischen Verhältnissen eine langfristige Strategie zusammenbekommt droht auch ohne AgD die nachträgliche Umsetzung des Morgenthauplans.

    Die Stromspeicher werden immer billiger und man kann auch einfach mit dem Heizstab beim Warmwasser zuheizen bevor man ins Netz einspeist. Ist ja vielleicht auch besser, wenn weniger über die alten und unterdimensionierten Netze läuft sondern vor Ort verbraucht wird.