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Obdachlosigkeit in DeutschlandNächstenliebe ist nicht die Lösung

Sean-Elias Ansa

Kommentar von

Sean-Elias Ansa

Statt auf die Güte einzelner Menschen zu setzen, muss die Politik dafür sorgen, dass Obdachlose besser geschützt sind – besonders im Winter.

Für Würde hat uns das Geld nicht mehr gereicht, für Polizeigesetze schon Foto: Tobias Steinmauerer/imago

D ie Würde des Menschen ist unantastbar. So steht es zumindest im Grundgesetz. Wenn aber Menschen auf der Straße schlafen müssen, ist das würdelos. Durch unser Föderalsystem gibt es 16 verschiedene Polizeigesetze, die wiederum die Unterbringung zum Schutz der Menschen unterschiedlich regeln. Dabei spielt es keine Rolle, welche Staatsangehörigkeit jemand hat. Das Ziel: ein Dach über dem Kopf.

Viele Behörden setzen dieses Gesetz unzureichend um. Ein Bericht im Auftrag des Bundesbauministeriums hat für das Jahr 2024 über 45.000 Obdachlose in Deutschland gezählt. Diese Menschen leben in unmittelbarer Gefahr, insbesondere im Winter. Dass die Bevölkerung sie in dieser Jahreszeit weniger auf der Straße sieht, bedeutet allerdings nicht, dass das System bei eisiger Kälte besser funktioniert. Eher ist es die Nächstenliebe, die hier greift: Da drückt der Sicherheitsmann im Einkaufszentrum mal ein Auge zu, die Bahnmitarbeiterin zeigt erst nach der dritten Ringbahnrunde in Berlin den Ausgang, der Nachbar ruft nicht sofort die Polizei.

Alle wissen: Obdachlose riskieren jeden Tag zu erfrieren – manchmal lassen Menschen mit Wohnungen Milde walten. Es darf aber niemals in der Hand Einzelner liegen oder von ihrer Tagesform abhängig sein, Menschen vor dem Tod zu bewahren. Dass die Verantwortlichen in den Ministerien die Bevölkerung zur Wachsamkeit aufrufen, ist eine Farce. Nein, es ist Aufgabe der Politik, eine solche Notlage abzuwenden.

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Kommunen und Städte stemmen den Kälteschutz für Obdachlose jedes Jahr aufs Neue, mit Spenden, Notbetten, Improvisation. Das kann kein Dauerzustand sein. Statt jährlicher Kämpfe um Förderungen braucht der gesamte soziale Bereich eine verlässliche Strukturförderung, damit nicht auch noch die sozialen Träger ums Überleben kämpfen müssen. Der Bund muss feste und planbare Mittel für die Wohnungslosenhilfe zusagen.

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Sean-Elias Ansa
CvD/ freier Redakteur
Gefördert durch die taz Panter Stiftung, wurde Sean-Elias Ansa in der taz ausgebildet. Sein Themenschwerpunkt ist Armut. Er recherchiert ausdauernd, hat seine Liebe für Datenanalysen entdeckt und beschäftigt sich mit neuen Ideen für den besten Leseservice. Aktuell arbeitet er am Nachrichtentisch bei taz.de als Chef vom Dienst. In dieser Funktion setzt er die Themen auf der Webseite und verantwortet die Ausspielung der Texte mit.
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51 Kommentare

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  • Ich stimme der Stoßrichtung des Kommentares zu. Wohltätigkeit ist schön, gut und richtig, aber sich auf sie zu verlassen, ist bei Problemen der Grundversorgung gefährlich.

  • Obdach- & Wohnungslosigkeit - ein gutes Thema für die Zusammenarbeit aller Parteien, die gemeinsam an einem Strang ziehen. Die pragmatische Lösungen finden und auf die Bedürfnisse der Obdachlosen eingehen. Schnelle Lösungen (warme, sichere Unterkünfte im Winter) und auch langfristige Lösungen (Wohnungen zum dauerhaften Leben) finden und umsetzen.

    Was spricht dagegen? In erster Linie die Zerstrittenheit unter den politischen Parteien: die Einen wollen mit den Anderen nicht, Kompromisse eingehen geht doch sowieso nicht und auf die bequemen Schuldigen und Buhmänner, wie bspw. Migranten, "Stadtbild"-Menschen und Immobilienbesitzer möchten die jeweiligen Parteien doch nicht verzichten. Also macht man weiter wie bisher. Und ändert nichts.

    Würde und Respekt waren immer schon hohle Floskeln - egal wer sie ausspricht.

  • Abschließend noch einmal kurz zusammengefasst:



    Der Hauptgrund für Obdachlosigkeit ist die von der Politik verursachte Wohnungsnot – und sonst nichts.



    Dies wird von der Politik und leider auch von großen Teilen der Bevölkerung negiert.



    Da den Beteiligten klar ist, dass eine Lösung mit viel Kapitaleinsatz verbunden wäre, wird nun das Housing-First-Konzept als Lösung präsentiert. Dieses Konzept mag in anderen Ländern funktionieren, hat aber vor allem eine ganz andere, kleinere Zielgruppe.



    Ja, es funktioniert. Alle springen brav über das Stöckchen, allen voran unsere Medien (leider auch die taz) und die sozialen Träger.



    An unserer Wohnungsnot wird dies jedoch nichts ändern, sondern die betroffenen Menschen stigmatisieren, den Sozialträgern weiteren Umsatz bescheren und somit die Sozialkosten erhöhen.



    Bis zu den nächsten Wahlen kann diese Mär aufrechterhalten werden.

  • Würde ,Würdelos was heißt das eigentlich? Ist es Würdelos achtlos,blicklos an diesen Menschen vorbei zu ziehen? Ja,ist es!



    Wie viel der hier schreibenden, lesenden habe auch nur den Hauch einer Vorstellung was es heißt, was es bedeutet und welche Folgen es hat, ohne Wohnung zu leben, einen sicheren Rückzugsort zu haben? Wohl kaum, oder.



    Und das ist unter Würdelos zu vermerken. Wir benutzen gerne mal Worte ohne sie als Ganzes zu verstehen, dieses ist ebenfalls Würdelos und werden oder beinhalten eine Lüge. Es ist lohnenswert sich Gedanken zu machen, versuchen zu sehen, alles zu sehen.



    Eine Welt wie diese, in der im Grunde nur Funktionen zählen beinhaltet zwangsläufig Würdeloses. Aber bedeutet das auch sich selbst gegenüber Würdelos zu sein, nur um funktionsfähig zu sein.



    Als Gefangene unserer Selbst wird nur schwer zu Veränderung kommen, es ist einfach nicht erwünscht. Zu viele unterwerfen sich diesem Konzept des Zusammenlebens und so ist die Versorgung mit Würdelosen gesichert und wir dürfen weiterhin würdevoll Würdelos sein, ohne es merken zu wollen. Oder plagt vielleicht den Einen oder Anderen das Gewissen? Ein Gewissen das ständig schreit,wenn auch nur leise, hier stimmt was

  • Die Regierungen haben wenig gegen Wohnungslosigkeit getan, und wenn dann haben die Sachen oftmals kaum Wirkung gehabt. Fast jeder Landkreis, jede Stadt hat leerstehende Gebäude, leerstehende Wohnungen und es gibt überall 'schwarze' Schafe, die bewusst mit Leerstand arbeiten und Gewinne erzwingen.



    Wenn die Behörden so wenig gegen Wohnungslosigkeit tun und das wenige dann auch noch ohne Durchsetzungsfähigkeit, dann ist Obdachlosigkeit der nächste Schritt.



    Momentan werden in Deutschland so viele Leute aus Wohnungen rausgeklagt, weil sie Eigentumswohnungen geworden sind.



    1990 hatte Deutschland 4 Mio. Sozialwohnungen, 2026 sind 1 Mio. Sozialwohnungen.



    Die Obdach- und Wohnungslosigkeit fällt nicht vom Himmel.



    Sie wird erzeugt, sie wird direkt hergestellt und an vorderster Stelle agieren Behörden und Politiker als Agenten der Immobilienbesitzer, die gut verdienen, gerade weil es den Notstand gibt.



    Ein Studentenzimmer in Hamburg, Köln oder Berlin: Ab 700 EUR, so kann man reich werden. Wenn solche Städte wenigstens Studentenwohnheime bauen würden ...



    Obdach- und Wohnungslosigkeit wird in Zukunft stark zunehmen und Menschen werden arbeiten und in Autos schlafen, auf der Straße leben.

    • @Andreas_2020:

      Nein, das ist dann doch sehr unwahrscheinlich. Die wenigsten Leute in Deutschland (anders als in den USA) sind obdachlos, weil sie einfach zu wenig Geld zum Wohnen haben. In Deutschland sind die Fälle oft komplexer. Wenn die Preise in bestimmten Großstädten zu hoch werden, ziehen die meisten Leute ins immer weiter gefasste Umland und haben immer längere Arbeitswege. Das ist zwar auch nicht schön, aber wesentlich besser als Obdachlosigkeit. Unsere Sozialsysteme sind eigentlich auch so strukturiert, dass niemand, der in der Lage ist, sich durch den Behördendschungel zu kämpfen, auf der Straße leben müssen sollte - dass die Realität leider oft anders aussieht, hat viele Gründe. "Zu hohe Mietpreise" alleine sind hierzulande nicht entscheidend.

    • @Andreas_2020:

      Richtig, hat man selbst in den USA kapiert.



      Hier wird die Mär aufrechterhalten, dass Obdachlosigkeit nur durch böse, kriminelle und drogenabhängige Menschen verursacht ist. Eine Wohnungsnot kann ja unmöglich der Grund sein.

  • Würde und das daraus folgende Würdelos, was heißt das, was bedeutet es ?



    Ist Würdelos achtlos, blicktlos an diesen Menschen vorbei zu gehen?



    Ja, ist es. Diese Diskussion besitzen auch immer etwa abstraktes, niemand der hier schreibt hat auch nur den Hauch des

  • Warum vergüten wir als Gesellschaft nicht den Obdachlosen durch angemessene Entlohnung [ es wäre mindestens eine Zahlung des Mindestlohn gerechtfertigt ] ihre ständige Präsenz auf den Straßen unser zivilisierten Gesellschaft. Diese obdochlosen Mitmenschen zeigen uns tagtäglich 24 / 7 , die Perversion unserer Gesellschaft auf. Nicht nur in Vollzeit oder Teilzeit 24 / 7, unter Einsatz ihres Lebens. Bitte mehr Hochachtung, Solidarität & Respekt vor unseren Mitmenschen, die so ein Leben mit uns aushalten, wäre zu wünschen.

  • Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieser Satz verliert seinen Sinn, wenn Menschen ohne Wohnung in zwangsgemeinschaftliche Notunterkünfte gedrängt werden, in denen sie sich nicht sicher fühlen. Viele dieser Einrichtungen bedeuten Helferwillkür, fehlende Privatsphäre, Schlaflosigkeit, Diebstahl, Gewalt und permanente Anspannung. Das ist kein Schutz, sondern oft nur die Verlagerung der Gefahr nach innen.

    Dass Menschen selbst im Winter lieber draußen schlafen, ist kein Wunder sondern logische Konsequenz. Sammelunterkünfte lösen keine Wohnungslosigkeit – sie organisieren sie lediglich weiter.

    Trotzdem fließen jedes Jahr erhebliche öffentliche Mittel in genau dieses System. Geld wird dafür ausgegeben für Hilfen, bei denen wohnunglosose Menschen wohnungslos BLEIBEN,, statt ihnen eigene Wohnungen zu ermöglichen. Das ist politisch bequem, aber fachlich längst widerlegt. Finnland zeigt mit Housing First seit Jahren, dass Wohnungslosigkeit sinkt, wenn Menschen zuerst eine eigene Wohnung bekommen.



    Wohnungen stehen leer, viele Räume könnten mit einfachen Mitteln zu Wohnungen umgebaut werden.

    • @Stefan Schneider:

      Es mag sein, dass „Housing First” in Finnland funktioniert.



      Es ist jedoch nicht so einfach auf das deutsche Sozialsystem und erst recht nicht auf den deutschen Wohnungsmarkt übertragbar.



      Vor allem nicht, wenn ein solches System von neoliberalen Kreisen dazu benutzt wird, eine dauerhafte Betreuung und Bevormundung der Hilfesuchenden zu installieren.



      Lesen Sie sich doch einmal die Konzepte von Housing First Deutschland durch.



      Darin werden obdachlose Menschen stigmatisiert, vorverurteilt und dauerhaft gedemütigt.



      Ja, da ist man in anderen Ländern besser. Dort hat man verstanden, dass neben den sozialen Problemen der Wohnungsmarkt das Hauptproblem ist.

  • "Dass die Verantwortlichen in den Ministerien die Bevölkerung zur Wachsamkeit aufrufen, ist eine Farce. Nein, es ist Aufgabe der Politik, eine solche Notlage abzuwenden."

    Man hat bei dem Thema nicht die Zeit, darauf zu warten, dass Obdachlosigkeit für immer verschwunden ist. Dass die Verantwortlichen die Bevölkerung zur Wachsamkeit aufrufen ist deshalb genauso wenig eine Farce wie dieser Artikel.

    Und Nächstenliebe (ob nun religiös oder atheistische) so um zu definieren, dass damit nur kurzfristige Lösungen gemeint seien, unterschlägt, dass es gerade auch die caritativen Organisationen sind, die Nächstenliebe auch langfristig denken und grundsätzliche Lösungen forcieren.

  • Menschen können auch obdachlos sein, weil sie schlichtweg keine Wohnung finden. Ein negativer Schufa-Eintrag reicht da schon.



    In den Housing-First-Ansätzen ist nur von psychisch kranken Menschen die Rede, die angeblich von Sucht und Kriminalität begleitet sind und natürlich eine dauerhafte professionelle Begleitung und Bevormundung im Mietverhältnis benötigen.



    Unsere sozialen Träger arbeiten selbstverständlich aus Nächstenliebe und haben dabei sicherlich nicht den eigenen Profit im Sinn.



    Eine dauerhafte Finanzierung ist derzeit noch offen.

    • @Ratio:

      In Deutschland muß außer einem negativen Schufaeintrag noch einiges zusammenkommen, bevor man auf der Straße landet. Psychische Erkrankungen,zu denen man auch Sucht zählen kann, spielen dabei nun mal eine sehr große Rolle. Substanzkonsum (Vor allem Alkohol) und Kriminalität sind tatsächlich häufige Begleiter. Das sind nicht "angebliche", sondern tatsächliche Faktoren, die man nicht einfach leugnen kann, weil's nicht ins eigene Weltbild passt.

      • @Mustardmaster:

        Ihr Weltbild über obdachlose Menschen ist erschütternd.



        Der Ansatz von § 67 SGB XII (die Finanzierungsgrundlage) war ursprünglich, die Menschen in einem überschaubaren Zeitrahmen von 6 Monaten (selten eine Verlängerung) soweit zu befähigen, dass diese eine eigenständige Wohnung führen können.



        Dies war ein Trugschluss, jedoch nicht weil die Hilfesuchenden das Ziel nicht erreicht hätten, sondern weil in diesem Zeitrahmen schlichtweg keine eigene Wohnung zu finden war.

    • @Ratio:

      Bearbeitete Schulden gehen für städtische oder kommunale Wohnungsbaugeselleschaften, aber die haben zu wenig Wohnungen. Und momentan müssen ukrainische Frauen dauerhaft untergebracht werden, viele Hotels, Hostels sollen gekündigt werden. Gleichzeitig geht es diesen Frauen oftmals sehr schlecht, der Ehemann ist gefallen, Kinder müssen versorgt werden. In manchen Landkreisen steigt die Nachfrage nach kommunalen Wohnungen extrem an.



      Und viele Durchschnittsarbeitnehmer benötigen sozial-gebundene Wohnungen. Das ist eigentlich verrückt, aber wenn Spekulanten von Beton-Gold geschwärmt haben, dann muss jemand am Ende dafür bezahlen. Diese Ökonomisierung des Wohnungsmarkts wird wenig politisch gesteuert und schon gar nicht ausgeglichen, bzw. die Wirkungen sind minimal.

      • @Andreas_2020:

        @Andreas_2020



        GENAU !



        Die ganzen unnötig teuren



        " Erwerbsnebenkosten " wie : Notargebühren, Grunderwerbsteuer, Grundbucheintragungen, Maklergebüren, gehören erheblich, durch Reformierung gesenkt. Da geht locker immer ein Mittelklassewagen beim Kauf einer Immobilie drauf. Im Grunde für kaum wertschöpfenden Arbeitsaufwand.

  • Ich bezweifle, dass Landes- und Kommunalpolitik überhaupt ein Interesse daran haben, dass das System besser funktioniert. Würde eine Stadt oder ein Bundesland tatsächlich die Zustände durchgreifend verbessern, dann würde sich das herumsprechen, und die betreffende Stadt bzw. das Bundesland würde zum Anziehungspunkt für Obdachlose aus anderen Gegenden in Deutschland, gerade dann, wenn es bitterkalt ist und Lebensgefahr besteht. Und an einem Anstieg der Obdachlosenzahlen im eigenen Verantwortungsbereich haben weder Landespolitiker noch Kommunalpolitiker ein Interesse. Denn das kostet Geld, das dann für irgendwelche Lieblingsprojekte wie z. B. Prestigebauten oder die Ausrichtung von Olympischen Spielen fehlt, und bringt kaum Wählerstimmen. Das ist ein systemischer Fehler. Die Verantwortung müsste, wie auch im Artikel angeregt, beim Bund liegen.

    • @Budzylein:

      "würde zum Anziehungspunkt für Obdachlose aus anderen Gegenden in Deutschland" - Das Problem wären dann nicht in erster Linie Obdachlose aus anderen Teilen Deutschlands.

      Auch wenn es viele nicht gerne hören aber Obdachlosigkeit ist nur zum Teil ein Produkt unserer(!) Gesellschaft. Daher empfinde ich auch die moralische Empörung hier in den Kommentaren fehl am Platze.

  • Ich bin immer wieder entsetzt, dass es nicht mal eine reiche Stadt wie Hamburg schafft, die seit Jahrzehnten bekannten Lösungsansätze umzusetzen.

    Das bei einer SPD/Grünen Regierung?

    Wenn die Gelder jetzt noch knapper werden, dann schwindet jegliche Hoffnung.

    • @ttronics:

      Ich frage mich, ob Hamburg denn so reich wäre, wenn es sich um Lösungsansätze für die hier beschriebenen Probleme kümmern würde.



      Wir hören doch immer wieder, Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt - durchschnittlich betrachtet stimmt es wohl auch.

  • Diese unglaubliche Gleichgültigkeit der gesamten Gesellschaft und besonders der Politik, ist zutiefst abstoßend. Das Thema ist ungeeignet für festliche Empfänge oder eine Party, die Betroffenen sind keine interessante Wähler*innengruppe, man müsste umdenken - alles Gründe für unbegrenzte Ignoranz und Arrgoanz. Man findet immer wieder irgendeine blöde Ausrede, nichts zu tun, im Zweifelsfall die Einstellung: die sind ja selber Schuld. Oder, auch sehr beliebt: man faselt von den unglaublichen Bemühungen, die man gemacht hat, belügt seine Wähler*innen und sich selbst und dann geht man hochzufrieden mit der Überzeugung ins Bett, was man doch für ein toller Hecht sei....

    • @Perkele:

      Genau so ist es.



      Dieser technokratische Umgang mit dem Thema ist kein Ausrutscher einzelner „christlicher“ Politiker, sondern der ehrliche Spiegel einer Wählerschaft, die Moral gerne delegiert – und sich dann über die Kälte der Ergebnisse wundert.

  • taz: *Die Würde des Menschen ist unantastbar. So steht es zumindest im Grundgesetz. Wenn aber Menschen auf der Straße schlafen müssen, ist das würdelos.*

    Während der Anspruch rechtlich unantastbar ist, wird die Menschenwürde in der Praxis aber leider immer wieder verletzt (z. B. durch extreme Armut).

    Arme Menschen (sogar schon Frauen) müssen im 21. Jahrhundert in einem der reichsten Länder dieser Welt wie im Mittelalter auf der Straße leben und sogar schon auf die Nächstenliebe der Bürger hoffen - das ist wirklich schon wie im finsteren Mittelalter. Und die Merz-Union wird die Obdachlosigkeit mit der Verschärfung der Sanktionen gegenüber Bürgergeldempfängern sogar noch in die Höhe treiben.

    Die nette Doktorarbeit von unserem SPD-Bundespräsidenten - „Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit“ - lesen die Obdachlosen aber sicherlich jeden Tag draußen in ihrem Schlafsack und schlummern dann selig ein.

    Hat ein Journalist Bundespräsident Steinmeier eigentlich schon einmal auf seine Dissertation angesprochen? NEIN, denn das wagen sich nicht einmal linke Medien.

    • @Ricky-13:

      Sehr einverstanden mit Ihrem Beitrag. Besonders wo durch die Bürgergeld Sanktionen die. Gefahr der Obdachlosigkeit noch größer werden könnte.

      • @Bettina Melchior:

        Die landen dann im dauerbetreuten offenen Vollzug von Housing-First.

    • @Ricky-13:

      Das - ergänz ich gern - den Herrn



      Seminarjungspund - Zweiman -🙀 - Bellevue



      Zudem zu Murat Kurnaz fragen



      Anlaß&rechtsgrundlos 5 Jahre Guantánamo



      Weggeschlossen mit sei Klempner



      Hans-Georg Maaßen - Recht&Gesetz -



      Beede glatt vergaßen - Allerhand!



      Was dero Befördern nicht entgegenstand!Woll



      Art 1 GG zum Hohn - Präsi & ChefSchlapphut!



      Da kriegste schon - die kalte Wut • Na toll 😡

      • @Lowandorder:

        *Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier engagiert sich seit Jahren intensiv für die Belange obdachloser Menschen und hat das Thema zu einem Schwerpunkt seiner Amtszeit gemacht*, liest und hört man in vielen Medien. 😂🤣😂🤣

        Leider merkt man nichts davon; auch wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sogar nette Worte in der Obdachlosenzeitung Hinz&Kunzt zum Besten gibt.

        www.hinzundkunzt.d...80%93%20Hinz&Kunzt

        Das sind alles nur 'leere Worte, sonst nichts'. Aber das kennt man ja von der heutigen SPD, die nur noch der Steigbügelhalter von "BlackRock-Fritz" ist.

        Ja, die Wut wird immer größer und diese unsoziale CDU-CSU-SPD-Politik treibt leider auch immer mehr arme Bürger in die Arme der AfD, was dann aber wohl das Ende von diesem demokratischen Sozialstaat ist.

  • "Housing First" ist ein Konzept aus den USA, welches niemals mit unserer traurigen Wohnungsmarktsituation zu vereinbaren sein wird.



    Über die sehr kleinen Zahlen des ehemals geschützten Marktsegments werden hier keine Erfolge zu erzielen sein.

    • @Ratio:

      Und wie gut funktioniert das Konzept tatsächlich in den USA? Die dortige Wohnungsmarktsituation ist um einiges "trauriger" als hierzulande.

  • Kommentar Nummer 9: Es ist ja schon wieder alles gesagt. Weder wirtschaftliche noch moralische Argumente werden akzeptiert, es siegt wieder der Irrglaube, dass "Wohltätigkeit" und "Nächstenliebe" die angemessene Antwort auf diese Missstände sind. Ich unterstütze die Empfehlung des ersten Kommentators - das ist wohl der einzige Weg, um noch gegen Blindheit, Irrglauben und Eigennutz bei politischen Entscheidungträgern, die sich für die soziale Realität, die sie nicht betrifft, nicht interessieren, obwohl wir sie genau dafür bezahlen, und das nicht zu knapp. Es ist wichtig, etwas gegen deren Realitätsferne, Ignoranz, Selbstüberschätzung, gegen zunehmend unkontrollierte Meinungsmache und korrupten Lobbyismus einbringen zu können, um die weitreichenden Fehlentscheidungen zu korrigieren, die zu diesen Zuständen führen. Es ist auch wichtig, um Politker:innen dabei unterstützen zu können, die Interessen der Mehrheit zu vertreten, die solche Zustände nicht will.

  • Warum ist es nicht möglich einfache, beheizte Unterbringungen aufzustellen? Da würde doch Container schon reichen. Dann hätte die Menschen eine Privatsphäre und müssten nicht erfrieren.

    • @FraMa:

      Ich befürchte, Kaiserslautern wäre dann kein Einzelfall.

    • @FraMa:

      Einfache beheizte Container sind im SGB nicht vorgesehen, somit können unsere sozialen Träger auch nicht für die dort schlafende Person nach SGB abrechnen.

      • @Ratio:

        Von welchem Geld sollen die Träger, die üblicherweise als gemeinnützige Verbände (dürfen also keine Profite erzielen) organisiert sind, denn sonst die Container, die Beheizung, die Betreuung bezahlen? Die meisten „freien Träger der Wohlfahrtspflege“ können nur durch öffentliche Fördermittel bzw. die Übertragung eigentlich öffentlicher Aufgaben überhaupt funktionieren.

        Aber vielleicht erläutern Sie einfach, was hinter Ihrem scheinbaren Kreuzzug (s. Ihr anderer Beitrag hier) steckt, evtl. interpretiere ich Sie ja auch falsch.

        • @Kawabunga:

          Sie haben doch schon die Antwort.



          Container können nur aus öffentlichen Mittel finaziert werden.



          Dazu hat die öffentliche Hand keine Lust oder Geld.



          Also sagt die öffentliche Hand den Trägern: "Macht Ihr mal"



          Die Träger können und wollen aber nur gegen Kohle tätig werden, entweder aus öffentlichen Fördermitteln oder Abrechnung per SGB.



          Beides ist nicht, also auch keine Container.

      • @Ratio:

        Nein ein großer Grund ist, weil einfache beheizte Container nicht dem Wohnungsstandard entsprechen. Ein Container liegt unterhalb des Standards und darf daher nicht angeboten werden.



        Jeder Versuch wurde erfolgreich von Sozialverbänden verhindert, weil man befürchtet, dass dann auch weitere Personengruppen irgendwann in Containern landen könnten.

        Bei Flüchtlingen wurde hier, auch von den Sozialverbänden, eine Ausnahme gemacht, weil man hier eingesehen hat, dass man in der kurzen Zeit nicht genug Wohnungen aufbringen kann.

        Hier ist Dogma ein durchaus starker Treiber, obwohl es den Obdachlosen so viel besser gehen könnte. Besser ein Wohncontainer, als die Straße. Von dort kann man dann weiterschauen.

        • @Walterismus:

          Richtig, das bisherige Stufenmodell war und ist vom Ansatz her nämlich viel besser als die neoliberalen Housing-First-Ansätze aus den USA. Diese werden keinen Erfolg bringen, sondern eine Kostenexplosion im Sozialbereich verursachen.

  • Aber, aber - Nächstenliebe ist doch "christlich" und schenkt auch Supermärkten, die "Spendenverkauf" anbieten, zusätzliche Umsätze*. Habe versucht zu ermitteln ob die besagten Supermärkte auch spenden - bisher ohne Erfolg.



    *) vermute mal: - das "Erfolgsrezept" kommt aus den USA wo private Hilfe eine wesentlich höhere Priorität hat als staatliche Sozialsysteme - CDU/CSU versuche gerade wiedereinmal dem Privaten erste Priorität einzuräumen

  • Der NDR meldet, dass in diesem Jahr bereits 18 Wohnungslose in Hamburg gestorben sind.

    Mit "gemeinsam für ein Zuhause" nimmt die Stadt Hamburg Stellung zum Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit 2024".



    An Zynismus ist diese Stellungnahme kaum zu überbieten, denn die Stadt verweist darauf, dass dieser Plan gar keiner sei, sondern eine Art Zusammenschau der Maßnahmen.



    Dabei kritisiert die Stadt mangelnde Planung beim Bund.



    Also Symbolpolitik beim Bund, Fake-Politik und keinem fällt es auf!

    www.bmwsb.bund.de/...ublicationFile&v=2

    • @Lindenberg:

      Reich werden - ich meine richtig REICH - ohne eine gehörige Dosis von dem Zynismus, der sich von Menschenverachtung nicht mehr unterscheidet, ist wohl nicht möglich.

  • Seit einem halben Jahr kümmere ich mich um einen jungen Obdachlosen. Und man muss ehrlich sagen: Viele haben sich längst von der Gesellschaft und ihren Hilfsangeboten verabschiedet. Nicht aus Trotz, sondern weil sie oft nicht mehr können – oder nicht mehr wollen. Dieses „Ich komme allein durch“ ist für manche der letzte Rest Würde.

    Der wichtigste Punkt ist dabei nicht einmal das Materielle. Es ist die psychologische Unterstützung. Die Begleitung durch Ämter und Instanzen kostet Kraft, Geduld und seelische Stabilität – Dinge, die vielen längst fehlen.

    Geholfen wird am Ende vor allem von denen, die tatsächlich hinschauen: Freiwillige, Kirchen, soziale Verbände. Und von Menschen, die ein Auge zudrücken. Auffällig oft sind es jene, die selbst wissen, was prekär bedeutet.

    Ich würde Merz und Co. einmal empfehlen, einen Kaffee in einem Obdachlosencafé zu trinken oder sich bei der Tafel anzustellen. Mit Bonuskarte versteht sich, wenn er weiss, was das ist..

    Und wirklich bitter sind doch jene, die im Alltag wegschauen: im Auto an der Schlange vorbeifahren, den Blick abwenden – und glauben, ein Euro in der Fußgängerzone reicht fürs karma. Und im Grunde diese Politik wählen.

  • Nächstenliebe ist per se zu begrüßen, gerät aber leider in einer polarisierten Gesellschaft immer mehr in Vergessenheit.

    Richtig, die sozialen Träger müssen finanziell entsprechend ausgestattet sein.



    Dabei muss aber auch erkannt werden, dass gerade bei der Hilfe und Versorgung mit dauerhaftem Wohnraum, oftmals die eigenen finanziellen Interessen einer zunehmenden Sozialindustrie im Vordergrund stehen.

  • Wohnungen für Obdachlose sind eine Investition die den allermeisten eine Perspektive für den Neuanfang gibt und sich für die Gesellschaft langfristig lohnt. Die Polizei, Gefängnisse und Gerichten hätten weniger zu tun, wer es wieder in Arbeit schafft zahlt sogar wieder in das Sozialsystem ein.

    • @Thomas Koll:

      Die Obdachlosen könnten aber auch eine wichtige Funktion haben: Wer sich nicht richt anstrengt und eben auch in einem Drecksjob noch durchhält ist raus. Und zwar ganz schnell. Wenn die das jetzt doch ganz nett haben, geht's gleich los mit den Neiddebatten. Also?

    • @Thomas Koll:

      Genau!

      Housing first, andere Länder schaffen das doch auch!

  • Die Politik soll dafür sorgen ?



    Die Politik ?

    Die sorgen doch schon ... für sich selbst.



    Und sind damit vollauf ausgelastet.

    • @Bolzkopf:

      Daher: Bundesweite Volksabstimmung jetzt! www.mehr-demokrati...ksabstimmung/start

      • @Earth & Fire :

        Damit das umgesetzt wird müssten Linke, Grüne, SPD, AFD, Fraktionslose, die CSU und auch Teile der CDU gemeinsam für den Vorschlag stimmen.

        Eher friert die Hölle zu.

        Die CDU lehnt Volksabstimmungen, als einzige Partei im Bundestag, kategorisch ab. Aber ohne deren Zustimmung kann das GG im Moment nicht geändert werden.

        Benötigte Gegenstimmen: 158 +



        Die CDU hat ganz alleine schon 164 Sitze.

        • @sociajizzm:

          Tja, leider. Vermutlich fallen die meisten Unionswähler immer noch auf das Märchen herein, Politiker hätten im Schnitt mehr Ahnung von der Materie als eine durchschnittliche Bürgerin, die sich vor einer Volksabstimmung über ein bestimmtes Thema informiert hat. Dass dem nicht so ist, erkennt man allein schon an den vielen "unabhängigen" Beratern, aber auch an den Gesetzentwürfen, die z.T. eins zu eins von Lobbyisten und ihren Anwälten übernommen wurden und meist nur den oberen 10.000 nützen und den anderen schaden.

          • @Earth & Fire :

            Man muss dann aber auch mit dem Ergebnis der Volksabstimmung leben: Siehe Stuttgart 21. Wenn dann eine Volksabstimmung kommt, keine Flüchtlinge mehr aufzunehmen und 70% dafür stimmen? Was dann? Man kann gerne auf die Politik schimpfen, aber zumindest kommen selten extreme Positionen durch.