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Innenminister nach Strom-Blackout„Wir schlagen zurück“

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will nach dem Berliner Stromausfall stärker gegen Linksextremisten vorgehen. Er kündigt ein Maßnahmenpaket an.

Alexander Dobrindt (CSU) will mehr Personal für Nachrichtendienste und digitale Befugnisse Foto: dpa

dpa | Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz kündigt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ein stärkeres Vorgehen gegen Linksextremisten an. „Wir schlagen zurück – und überlassen den Linksextremisten und Klimaextremisten nicht das Feld“, sagte der CSU-Politiker der Bild am Sonntag. Sicherheit habe oberste Priorität.

Das Maßnahmenpaket sehe neben einer personellen Aufstockung der Nachrichtendienste vor allem eine Ausweitung digitaler Befugnisse vor, um die Szene besser auszuleuchten und digitale Spuren schneller verfolgen zu können. Konkrete Zahlen und Details wurden nicht genannt.

Im Berliner Südwesten war es nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke zu einem großflächigen Stromausfall gekommen. Rund 100.000 Menschen hatten zwischenzeitlich keinen Strom. Mitten im Winter fielen Heizungen aus, Internet und Mobilfunk gingen nicht.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. In einem Bekennerschreiben hatte eine der linksextremistischen „Vulkangruppen“, die seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur verübt haben sollen, die Tat für sich reklamiert.

„Kann jederzeit an anderen Orten passieren“

„Was in Berlin passiert ist, kann jederzeit an anderen Orten passieren – in Köln, in Stuttgart, in München“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbunds dbb, Volker Geyer, der Rheinischen Post. Nötig sei eine Überprüfung der Kontrollmechanismen und Vorgaben für Betreiber kritischer Infrastruktur. Damit sind Einrichtungen gemeint, deren Ausfall zu Notlagen führen würde.

Der Bundestag berät derzeit über eine Reform gesetzlicher Regelungen zum Schutz kritischer Infrastruktur. Nach dem Vorschlag der Bundesregierung sollen Betreiber Störfälle künftig melden müssen und Pläne zum Umgang mit jedem denkbaren Risiko entwickeln. Dobrindt sieht das sogenannte Kritis-Dachgesetz laut Bild am Sonntag als zweite Säule zur Absicherung.

Der Deutsche Städtetag fordert zudem eine „nationale Blackout-Reserve“ des Bundes mit mobilen Kraftwerken. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, plädierte bei The Pioneer für ein Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für zehn Jahre, um Personal, Ausstattung und Schutz kritischer Infrastruktur wie Energieanlagen und Unterseekabel zu stärken.

Berlin hatte nach dem Brandanschlag eine Großschadenslage ausgerufen, Notunterkünfte eingerichtet und die Bundeswehr um Hilfe gebeten. Erst nach mehreren Tagen konnten am Mittwoch wieder alle Haushalte versorgt werden.

Berlins Regierungschef Kai Wegner (CDU) geriet in die Kritik, weil er zu Beginn des Stromausfalls eine Stunde Tennis spielen gegangen war und das auf Nachfrage nicht angegeben hatte.

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19 Kommentare

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  • Welch Glück, dass dieser Angriff erst jetzt stattfindet, da CDU und CSU den Innenminister stellen.

  • Es ist immer der gleiche Reflex bei Dobby und Co. Das zweite Bekennerschreiben ist doch genauso dünn, wie das erste und die ursprüngliche Vulkangruppe hat die Einstellung ihrer Arbeit nach 2014 ziemlich glaubwürdig belegt. Und auch das personalisierte Dementi aus den Ehemaligen Kreisen spricht doch eher für eine Fakeaktion. Aber Dobby mag links eben nicht und da passt das gut.

  • Ich bin davon überzeugt, dass irgendwer ein gutes Geschäft dabei machen könnte, der sog. Führungsebene unseres Landes mal hochpreisige Kurse im Bereich "logisches Denken" zu verkaufen:

    Die Bundesrepublik Deutschland hat eine Fläche von 357.588 km².



    Die Nutzfläche beträgt ca. 14,5 Prozent, folglich: 51850,26 km²

    Selbst bei einem Abstand von 200 Metern von Person zu Person, die ja auch nur 8 Stunden am Tag arbeitet, wird der gute Mann vermutlich mindestens 3.888.750 "Sicherheitsleute" benötigen. Zur Veranschaulichung: Mit den 1,3 Millionen Soldaten der USA und den 1,3 Millionen Soldaten Russlands muss er nur noch zusätzliche 1.288.750 Leute finden.

    Ich schlage einfach mal vor, er lässt sich von Finanzminister Lars Klingbeil einen entsprechenden Etat aufstellen. Ein Sondervermögen von 108.972,108 Milliarden € zum Mindestlohn von 2335€ (13,90€ × 8 Stunden × 21 Tage) sollte wohl noch drin sein, um sowohl die russischen als auch die amerikanischen Armeen zu engagieren. Dann würde er nicht nur sein Problem mit einer imaginären Lösung gelöst haben, sondern gleichzeitig auch noch einige positive Nebeneffekte auf diesem Planeten erzielt haben.

    Es sei denn, Scheingründe werden benötigt.

  • Oh ja - Herr Dobrindt sollte mal anfangen der Union & dem Kanzler humane, sozial verträgliche Vor-SCHLÄGE für ein besseres, gerechtere Leben für alle Deutschen zu unterbreiten.



    Nicht immer nur den Blick auf die 1 % Millionäre & Multimillardäre im Land werfen, auch wenns am Anfang etwas schwer fallen mag - Nur Mut Alexander !

  • Im Wortsinn will Der Bundesminister also bei Sicher identifizierten Linksextremisten Feuer legen? Nein, natürlich nicht, naja…



    Warum wird erst jetzt darüber nachgedacht, wichtige und gefährdete Infrastruktur besser zu schützen und Reserven aufzubauen? Warum wird Geld für Bunker ausgegeben, die nur wenige oder vielleicht niemanden schützen?



    Besuch in einem Zivilschutzgebäude/Bunker in Bremen:



    „Wer hat denn im Notfall den Schlüssel für das Gebäude, wo ist er und wie bekommt derjenige mit, dass er das Gebäude öffnen muss und wie wird der Einlass geregelt?“



    Antwort des Besuchsleiters: “Keine Ahnung, das weiß ich nicht.“



    Danke Anke, kann man da nur sagen. Hoffentlich achtet auch jemand darauf, wieviel Geld für welche Sachen ausgegeben wird und wer daran verdient, vielleicht Beraterhonorare à la Corona und Maskenbeschaffung einstreicht.

  • Dobrindt, ist das nicht der high porencial, dessen größte Sünde man dem Kollegen Andi Scheuer in die Schuhe schob?

  • Mancher mag es erstaunlich finden, wie natürlich sich deutsche Politiker auch noch 2026 des NS-Jargons bedienen: "Wir schlagen zurück". Haben ihnen die Eltern und Großeltern antrainiert. Und jetzt denken sie nicht einmal mehr darüber nach, dass diese Phrasen nicht nur menschenverachtend, sondern auch sinnentleert sind.

  • Ja verdammt cool der die Keule schwingende Halbstarke, vorbei an Rechts und drauf auf Links. Wird schon passen, endlich wieder ein altes, neues Feinbild geschaffen.

  • Gibt es Irgendjemanden, der etwas Anderes erwartet hat?



    Dass der Innenmini ziemlich weit rechts steht, ist ja keine Neuigkeit.



    Dass er diese völlig hirnlose Aktion zum Anlass nehmen würde, um gegen Linksextremismus vorzugehen, kann nur Diejenigen überraschen, die mit zweifelhaften PR Aktionen gedankenlos linke Positionen in Verruf bringen.

  • Für Dobrindt geht es jetzt darum zu zeigen: Wir tun was, wir haben alles im Griff.



    Gesetze zu ändern kostet erst mal nichts, wesentlich teurer wäre es die Infrastruktur so abzusichern, dass die Auswirkungen eines solchen Anschlags stärker begrenzt werden können. Also in Redundanzen, Backups und Netzersatzanlagen zu investieren. Dazu müsste man die Betreiber der Strom- und auch der Telekommunikationsnetze verpflichten. Es kann doch nicht sein, dass bei einem Stromausfall sofort ein Großteil des Mobilfunknetzes tot ist. Es würde natürlich richtig Geld kosten, alle Funkmasten zumindest mit Batterien auszustatten und besonders wichtige Standorte mit Dieselaggregaten. Ist derzeit nur teilweise der Fall.

    Auf die Gefahr hin ausgelacht zu werden, war zu Zeiten der alten Bundespost besser. So wurden z.B. nach der Schneekatastrophe 1978/79 bundesweit die Batteriekapazitäten der Netzknoten überprüft und ggf. verstärkt. Gut, waren weniger als jetzt Mobilfunkmasten. Von Vorteil war damals auch, dass Telefonapparate



    In der Regel keinen extra Stromanschluß benötigten, wurden vom Netzknoten gespeist.

    • @celcon52:

      Ganz sicher gehöre ich nicht zu den Zeitgenossen, die alles was in der Vergangenheit liegt, als besser wahrnehmen. Allerdings bei der Deutschen Post muss ich eine begründete Ausnahme machen. Damals gab es z.B. überall erreichbare Postämter, Briefkästen und Briefe kamen i.d.R. pünktlich an, sie kamen nur in Ausnahmen gar nicht an. Die Gebühren waren überschaubar. Seit jedoch der Betrieb privatisiert wurde, geht es ausschließlich und allein um Profite. Mit 8 Milliarden Gewinn p.a. läuft das ja auch prima. Der Service, Zuverlässigkeit und vor allem Erreichbarkeit heutzutage ist eine einzige Katastrophe - für die sich außer den total verärgerten Kunden- keiner schert. Hauptsache die Knete stimmt. Das gilt gleichermaßen für die Bahn und die Telekom. Privat vor Staat! Das ist eine Schnapsidee in manchen Fällen...

      • @Perkele:

        Was zB 📯 angeht - kann ich die Beobachtungen nur bestätigen.



        POST = Personen Ohne Sinnvolle Tätigkeit - besser kannstes in echt nicht sagen - wa.

  • Is das nicht mal schön?! 🙀🤷‍♀️😮🙀



    “Wir schlagen zurück – und überlassen den Linksextremisten und Klimaextremisten nicht das Feld“, sagte der CSU-Politiker der Bild am Sonntag. Sicherheit habe oberste Priorität.“

    Daß unser Bundes IM - sein SprachöhNiveau



    Nicht auf LÜGT absenken muß! Gell



    Ist ihm - Normal ma •

    Btw frag ich mich nur - ob nicht für unseren



    Geschäftsführenden Diplom-Soziologen längst



    ‚n kleines Kämmerchen in Stadelheim oder wenigstens ne Sarkozy-Fessel in petto is?!



    En Belle France oder Bella Italia - mit ihren Untersuchungsrichtern säße Alexander Dob🐂t



    Eh längst im Knast. Newahr



    Normal Schonn

    • @Lowandorder:

      Ja, ein paar Jahre Gemeinschaftszelle mit Scheuer und Spahn hätte schon was…

      • @Flix:

        Yes 🦆🦆🦆

        Wobei ich mir für Jens aus - 🙀🐐😮



        Ahaus - der letzte macht das 💡 aus



        Passender nen Wegschluß in nem



        Bankschließfach finde - von dem jemand anschließend den 🔑 wegschmeißt! Woll

  • Sowohl das gewählte Medium als auch die der Trump-Administration in nichts nachstehende Wortwahl zeigen, wes Geistes Kind Dobrindt ist. So lässt sich prima davon ablenken, dass

    - das vorgelegte KRITIS-Dachgesetz völlig unzureichend ist.



    - dringend notwendige Verbot der AfD mit allem Mitteln verhindert wird.



    - die Sicherheitsbehörden in vielen Fällen auf dem rechten Auge blind sind.



    - der regierende Bürgermeister es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.

    Stattdessen mal wieder die hohle Forderung nach erweiterten Befugnissen für die Nachrichtendienste.

  • Wird dann wohl Zeit für Deutschlands erste Atombombe damit endlich zurückgeschossen werden kann. O tempora..

  • Deswegen glaubt er also so bereitwillig dem Bekennerschreiben, dass das ganz sicher keine hybride Kriegsführung durch Putin zur Spaltung der Gesellschaft war, sondern dass der Anschlag von Leuten kam, die Dobrindt eh schon doof findet.

    • @Arne Babenhauserheide:

      ...und weil er gene alles was Links auch nur zu sein scheint, sofort attakiert, alles was Rechts ist, übersieht er hingegen gerne.