Tesla kaufen? No way!: Den Oligarchen ausbremsen
In den USA rufen Menschen zum Boykott von Tesla-Autos auf. Richtig so, denn jeder Kauf unterstützt das rechtsextreme Projekt von Elon Musk.
D ie Frage nach der persönlichen Verantwortung beim Konsum begleitet das Zeitalter von Green- und Pinkwashing auf Schritt und Tritt. Darf ich noch bei Amazon bestellen? Ist Fleischessen okay? Soll ich noch nach Malle in den Urlaub fliegen? Man denke an die Auswirkungen.
Ständig versuchen mir Leute zu erzählen, warum ich dies, das oder jenes nicht darf, weil nicht fair, nicht nachhaltig oder nicht politisch korrekt. Da denkt man sich doch: Wenn ich alles richtig machen will, müsste ich eigentlich ohne Strom in einer Hütte im Wald leben – und das kann ja nicht die Lösung sein.
Am Mittwoch tat Donald Trump seinem Buddy Elon Musk einen großen Gefallen. Der US-Präsident zeigte sich gemeinsam mit dem Tesla-Chef vorm Weißen Haus in einem roten Model S und verwandelte dessen Vorplatz in einen Showroom für Musks Elektrofahrzeuge. Zuvor hatte Trump angekündigt, sich einen Tesla zu kaufen. Angesichts der erschreckenden Entwicklungen der US-amerikansichen Demokratie in Richtung einer Zwei-Mann-Boygroup fragen sich viele: Kann ich mir überhaupt noch einen Tesla kaufen?
Nun kann nicht jede Verantwortung für das Handeln von verrückten Milliardären auf den individuellen Konsum abgewälzt werden. Gewisse Grenzen müssen wir dennoch ziehen. Ein wichtiger Unterschied zwischen dem T-Shirt bei Primark und dem Kauf eines Teslas: Kleidung ist ein menschliches Grundbedürfnis, auf ein Model Y für 45.000 Euro kann man hingegen gut verzichten. Wer wenig Geld hat, dem fehlt oft die Wahl für die moralische Variante. Beim Kauf eines Mittelklassewagens jedoch kann ich mich durchaus dagegen entscheiden, einen größenwahnsinnigen Libertären zu unterstützen, der in der Öffentlichkeit den Hitlergruß zeigt.
Einschüchterung von kranken Angestellten
Damit kommen wir zum nächsten Punkt: Musk – unter anderem wegen seiner Tesla-Aktien reichster Mensch der Welt – ist aus vielen Gründen zu kritisieren. Nicht nur ist er ein schlechter Arbeitgeber, um es freundlich auszudrücken, Unterwerfung der Gewerkschaften, schlechte Bezahlung und Einschüchterung von kranken Angestellten kommen gratis dazu.
In Tesla-Werken gibt es immer wieder massive Umweltbedenken, wie etwa in der Gigafactory im brandenburgischen Grünheide. Vor allem aber verfügt er als Leiter der US-Behörde für Regierungseffizienz (Doge) und Besitzer von X (ehemals Twitter) über eine immense politische Macht, die er ohne seinen Reichtum nicht hätte.
Musk wettert auf seiner Plattform gegen trans Menschen, verbreitet antisemitische Verschwörungsmythen und gibt der AfD Wahlkampfhilfe. Er ist im Doge auch verantwortlich für den Kahlschlag in den amerikanischen Sozialsystemen, die beinahe vollständige Einstellung der US-Entwicklungshilfe und führt einen Feldzug gegen die „woken“ Wissenschaften im Land. Der Tesla-Chef macht das, was ihm selbst am meisten nützt. Er treibt den Umbau der USA zu einer noch stärkeren Oligarchie voran, als sie es ohnehin bereits sind.
Das sehen viele amerikanische Bürgerinnen und Bürger ähnlich. Seit einiger Zeit regt sich Protest gegen den heimlichen Co-Präsidenten. Unter anderem Menschen, die selbst einen Tesla besitzen, gehen auf die Straße und fordern andere auf, ihr „Swasticar“ zu verkaufen – ein Verweis auf Musks rechtsextreme Tendenzen. Die Boykottaufrufe scheinen schon zu wirken: Am Montag waren die Tesla-Aktien in der Spitze um knapp 15 Prozent eingebrochen, im vergangenen Monat sogar um knapp 33 Prozent. Das hat zwar auch andere Gründe, wie etwa Konkurrenz aus China, dennoch senden die Proteste ein wichtiges Signal in Richtung Investor:innen.
Es gibt Gründe dafür, die Rettung des Planeten und der Demokratie nicht auf Individuen abzuwälzen. Bei der Produktion von Kleidung oder Lebensmitteln braucht es internationale Standards für Umweltschutz und Arbeitsbedingungen. Wenn sich Individuen wie Musk jedoch erhaben über jede Regulierung fühlen, ist es an uns, dem etwas entgegenzusetzen. Ein Boykott von Tesla fordert keine großen Opfer, fügt andererseits aber Trumps Chefoligarchen erheblichen Schaden zu.
Wer einen Tesla kauft, unterstützt Musks politisches Projekt. Wenn es eine Grenze gibt, ab der jeder Einzelne für die Auswirkung unseres Konsums verantwortlich ist, dann verläuft sie spätestens hier.
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