piwik no script img

Stockende GebäudesanierungTeure Kältewelle für Arme

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Der derzeitige Dauerfrost treibt die Heizkosten in die Höhe. Da ist es bitter, dass die energetische Sanierung von Gebäuden nicht vorankommt.

Schlecht isoliert: Eisblumen sind eine Indiz für schlecht gedämmte Fenster Foto: CHROMORANGE/imago

D ie aktuelle Kältewelle in weiten Teilen Deutschlands kommt viele Menschen teuer zu stehen – ausgerechnet vor allem jene, die ohnehin wenig haben. Mit den sinkenden Temperaturen steigen die Heizkosten. Und die sind umso höher, desto schlechter ein Haus energetisch saniert ist, also keine mehrfach verglasten Fenster, keine gedämmte Fassade und kein gut isoliertes Dach hat. Wer in so einem Gebäude lebt, kann noch so sparsam heizen – gegen das Entweichen der Wärme kann er oder sie wenig tun.

Gerade Menschen mit geringem Einkommen leben öfter in nicht oder schlecht sanierten Häusern. Für sie sind Minusgrade nicht nur nervig, sondern eine hohe finanzielle Belastung. Es ist bitter, dass sich daran so schnell nichts ändern wird. Denn in Deutschland werden trotz Klimakrise immer weniger Gebäude energetisch saniert, wie gerade veröffentlichte Zahlen von Branchenverbänden zeigen. Das ist eine schlechte Entwicklung: Nach wie vor ist der CO2-Ausstoß der Gebäude in Deutschland viel zu hoch.

Die Klimaziele werden verfehlt, wenn die energetische Sanierung im aktuellen Schneckentempo weitergeht. Gleichzeitig ist angesichts der hohen Kosten, die mit einer klimagerechten Modernisierung verbunden sind, die Zurückhaltung von Immobilienbesitzenden mit wenig Kapital nachvollziehbar.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Die Bundesregierung sollte sich dem Handlungsbedarf endlich stellen. Im Moment verhandeln Union und SPD über die Reform des Gebäudeenergiegesetzes, weil sie das Heizungsgesetz der Ampel „abschaffen“ wollen. Die Regierungsparteien sollten diese Gelegenheit nutzen, um die Modernisierung der Gebäude zu beschleunigen. Aber nicht, indem sie – wie Stimmen aus der Union fordern – die Förderung für neue Heizungen senken. Denn das würde das Erreichen der Klimaziele im Gebäudesektor noch schwieriger machen. Stattdessen müssen sie Ei­gen­tü­me­r:in­nen die energetische Modernisierung erleichtern. Eine Möglichkeit ist eine höhere Förderung, die an eine stabile Miete gekoppelt wird, damit die Mieten nicht noch weiter steigen.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Anja Krüger
Parlamentskorrespondentin
Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
Mehr zum Thema

22 Kommentare

 / 
  • "Eine Möglichkeit ist eine höhere Förderung, die an eine stabile Miete gekoppelt wird, damit die Mieten nicht noch weiter steigen."

    Weiter verbreitet ist allerdings die Variante, die Mieten niedrig zu halten, indem man energetische Sanierung bestmöglich be- oder verhindert.



    Wie es als eines der prominentesten Beispiele die Stadtpolitik von Frankfurt/Main mit ihrer Handhabung von Milieuschutzsatzungen macht...

  • Das schöne Foto mit den Eisblumen ist aber von einer Einscheiben-Verglasung, wie sie schon lange kein Wohngebäude mehr haben darf. Alles hat schon mindestens 2-Scheiben-Isolierverglasung, und seit dem gibt es keine Eisblumen mehr an den Fenstern. Schade eigentlich, aber energiesparend.

    • @OndaOnda:

      Ich kenne die Eisblumen am Fenster noch vom Aufwachsen in meinem Kinderzimmer, war aber das wirkliche Energiesparen da der Raum einfach nicht geheizt wurde.

  • Das Dilemma ist nur, dass die energetische Gebäudesanierung wieder auf die Miete umgelegt wird und nur langfristig Einsparungen bringt. Wenn dann nicht der Strompreis für die Wärmepumpen zu schnell steigt, sicher ist das auch nicht, oder?

    Nicht zu unterschätzen ist auch, dass bei Sanierungen schnell noch ein paar andere Verbesserungen die Wohnung verteuern, und schon sitzt du vor der Tür. 13 Mio Menschen in Deutschland gelten als armutsgefährdet und nein, das Wohngeld deckt das nicht ab.

    Ich glaube wir brauchen jetzt noch ein richtig dickes "Sondervermögen".

  • Schade, dass das Interview über Gebäudesanierung von sowjetischen Plattenbauten in Estland nicht freigegeben ist. Dort werden offenbar 50% Einsparungen erreicht. Bei vielen Fragen zu dem Projekt: wie zB es angeblich erreicht wird, dass das zusätzliche Gewicht sich nicht auf das Fundament auswirkt. Oder warum sogar von Energiegewinnung gesprochen wird. Interessant auch, dass die Wohnungen in Eigentum umgewandelt wurden. Das Problem der Finanzierung besteht dort aber offensichtlich auch.

    Das Problem ist bei Mietwohnungen noch größer - warum sollte ein Vermieter sanieren, wenn die Mieten, wie gefordert, stabil bleiben sollen? Sie müsste eher um den eingesparten Heizungsbetrag aus den Nebenkosten steigen.

  • Ich wohne in einer Stadt, die Denkmalschutz und den sogenannten Ensembleschutz für fast die gesamte Innenstadt erklärt hat. Ich würde mein Haus, das auch zwei Mietwohnungen enthält, gerne energetisch sanieren - die damit verbundenen Kosten kann ich aber nicht stemmen. Zwar wird die Sanierung gefördert, aber die Zusatzkosten für den Erhalt des Denkmal- und Ensembleschutzes sind so gravierend, dass ich auf den Umbau verzichten muss. Man kann wohl nicht alles haben, ein vorgebenes Stadtbild und gleichzeitig eine energetische Wende. Die Bundesregierung sollte sich überlegen was da wichtiger ist.

    • @FraMa:

      Das in D der Denkmalschutz die Zeit am liebsten anhalten würde, ist tatsächlich ein Problem.

    • @FraMa:

      Haben Sie schon mal mit den Leuten vom Denkmalschutz gesprochen? In der Regel wird bei "normalen" Sanierungsarbeiten der durch den Denkmalschutz entstehende Mehraufwand ungefähr durch Zuschüsse/Förderungen ausgeglichen. Wie es in Ihrem Fall ist sollten Sie klären falls noch nicht geschehen.

  • Aber nicht, indem sie – wie Stimmen aus der Union fordern – die Förderung für neue Heizungen senken.

    Doch, doch, doch! Einfach mal prüfen, was Wärmepumpen im Ausland und bei uns kosten. Die Förderung wird einfach drauf gehauen. Es profitieren ausschließlich Handwerksbetriebe von unserer vermurksten Förderung. Das ist verschenktes Geld.

    • @Strolch:

      Das stimmt. Ist ja auch bei anderen direkten "Förderungen" so (zB Autos, wenn es mal wieder irgendeine Prämie gibt). Vielleicht kann man grenznah ja einen Handwerksbetrieb aus dem Ausland finden, der einen günstigen Preis bietet.

  • hier wird mal wieder nicht auf die Fakten geschaut. Wie hoch sind die Heizkosten, und was kostet eine energetische Sanierung? Ohne diese Gegenüberstellung ist die Betrachtung sinnlos. Man könnte es auch genauer angehen: wieviel Energie wird zum Heizen verwendet, und wieviel und die Sanierung einschließlich der Metrialien, Transport, Montage und Erneuerung nach 25 Jahren. Dabei kann man die Kosten durchaus als Indikator des Energieaufwands nehmen.



    Sagen wir mal die Heizkosten (70 qm) steigen von monatlich 80 auf 120 Euro an, macht Mehrkosten von 240 Euro pro Jahr (6 Monate Heizperiode). Eine energetische Sanierung kostet zwischen 400 und 1600 Euro pro m2, sagen wir 600 macht 42000 Euro. Selbst ohne Abzinsung der Heizkosten ist klar: das lohnt sich niemals. Der Energieaufwand für die Sanierung ist höher als die eingesparte Energie. Also, wo ist die Einsparung??

  • Ein dritter Punkt, der hier vergessen wurde, aber in der TAZ auch schon kritisiert wurde. Modernisierungsmaßnahmen am Gebäude dürfen auf den Mietpreis aufgeschlagen werden, was also zu Mietpreisanhebungen führt. Zeigt wieder mal: Einen Tod muss man sterben. Es gibt den ideal-sozialverträglichen-klimaoptimalen Weg nie und nicht. Muss man gesamgesellschaftlich und gesamtheitlich mal drüber diskutieren und entscheiden was man denn wie will.

    • @Tom Farmer:

      Ganz unten im Artikel:

      "Stattdessen müssen sie Ei­gen­tü­me­r:in­nen die energetische Modernisierung erleichtern. Eine Möglichkeit ist eine höhere Förderung, die an eine stabile Miete gekoppelt wird, damit die Mieten nicht noch weiter steigen."

  • Gebäude im Bestand, z.B. Gründerzeit, energietechnisch sinnvoll zu sanieren ist gar nicht so einfach wie es hier dargestellt wird.

    Und: Haben Sie jemals versucht einer Mieterversammlung eine energietechnische Sanierung ( dann sind z.B. auch alte Leitungen, die Stromversorgung und evtl. Bäder fällig) nahezubringen?



    Viel Spass im Gegenwind!



    Das ersparen sich dann viele Hausbesitzer lieber.

  • Ein Problem ist, dass vielerorts quasi halbe Innenstädte unter Denkmalschutz stehen. Nicht nur ausgewählte Gebäude, sondern fast alles wenn es nur alt ist.



    Solche Gebäude sind nur schwierig zu sanieren, mit hohem Kostenaufwand und mit vielen Einschränkugen.



    Ob das heutzutage noch die richtigen Prioritäten in der Stadtplanung sind?

    • @T-Rom:

      Korrekt.

      verkürztes Beispiel: ein denkmalgeschütztes 3-stöckiges Haus in der Altstadt. Auf die Frage, ob man 20cm Dämmerung am Dach aufbringen kann, kam die Antwort, nein, das ginge nicht, da dann das mittelalterliche Firstmaß verändert würde.

      • @fly:

        Die Dachdämmung muss doch nicht ab Oberkante Sparren aufgebracht werden, klar dass dann das Firstmass verändert würde. Die Dämmung kann auch zwischen den Sparren eingebaut werden, und wenn diese nicht 20 cm Konstruktionshöhe haben, sondern z.B. 15-16 cm wie bei Altbauten öfters vorkommend, dann kommt der Rest halt unter die Sparren, nach innen. Problemlos machbar und üblich.

      • @fly:

        Traufmaß, nicht Firstmaß

        • @fly:

          egal, siehe mein Tipp bei Firstmass

  • Mehr Eigenleistung von kleinen Privatvermietern zulassen, die man dann wenigstens von der Steuer absetzen kann.



    Außerdem standardisierte technische Verfahren mit Anleitungen für Eigenleistung, damit man nicht die Hälfte des Geldes für sog. Energie- bzw. Sanierungsberater* ausgeben muss.

    *) dieser ganze BAFA / DENA Hype hat sich wie es im Mutterland der Bürokratie so üblich schön verselbständigt und sich zu einem schönen Geschäft entwickelt. Das Geld das da rein fliesst fehlt für die Sanierung.

    • @Axel Schäfer:

      Es gibt auch KFW-Selbsthilfe, mit der Eigenleistung des Hauseigentümers bei der Sanierung gefördert wird, unter Begleitung durch Energieberater. Und das kostet höchsten 10 %, niemals die Hälfte der Baukosten.

  • Man darf die technischen und wirtschaftlichen Realitäten nicht ausblenden.

    Wohngebäuder-Heizungen machen "nur" ca. 10% aller deutchen Klimagas-Emissionen aus.



    Das ist kein Grund hier nichts zu unternehmen.

    Nur muss man beachten das wir bei energetischer Sanierung und "Heiztechnik-Wende" über EXTREM viel Geld spechen welches dafür benätigt wird.

    Es gibt in Deutschland ca. 40 Millionen Wohnung in ca. 20 Millionen Wohngebäude.

    Alleine die "Heiztechnik-Wende" (Wärempumpen etc.) würde für sich 500 Milliarden Euro kosten wenn man von ca. 25-tausend Euro pro Gebäude ausgeht.

    Eine vollständige Energetische Sanierung ist noch deutlich teuer auf alle Geäude hochgerecht schnell 1 Billion Euro.

    Wer realistisch denkt und bedenkt das hier das Grundbedürfnis des Wohnen "verteuert" wird sollte dafür plädieren hier nicht mit der "Brechstange" an-zu-setzen.

    Wir haben heute schon ca 1 Million Wohnungslose, einen Mangel an bezahlbaren Wohnraum und eine Mietpreisexplosion.

    Sozialpolitisch verbietet es sich Wohnen und Heizen immer und immer teuer zu machen.



    --> Für Einstellige Prozent weniger Klimagas-Emisionen.