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Schulschließungen wegen WinterSo kalt sollten uns Eis und Schnee nicht erwischen

Klaudia Lagozinski

Kommentar von

Klaudia Lagozinski

Statt allzu rasch den Unterricht ins Homeoffice zu verlegen, sollten Bildungsministerien eher überlegen, wie sie Schulwege sicherer machen können.

Wegen zu viel Winter: Schulschließungen in vielen Städten Foto: Marcus Brandt/dpa

G anz Nordrhein-Westfalen ist am Montag im Distanzunterricht. Auch in anderen Bundesländern bleiben Schulen dicht. Vielerorts kam die Ankündigung am Sonntagnachmittag. Viele Eltern fragten sich daraufhin im Netz: Wie stellt ihr euch das vor, liebe Bildungsministerien?

Ein Winter ist keine unvorhersehbare Naturkatastrophe, er kommt alle Jahre wieder. Warum ist man darauf nicht besser vorbereitet? Schließlich können nicht alle spontan auf Homeoffice umstellen und nun die Betreuungspflicht erfüllen. Eltern, die zur Arbeit müssen, können jetzt entweder die Kids in die Notbetreuung schicken oder blau machen. Sind die Kinder alt genug, können sie allein zu Hause bleiben. Aber sonst?

Hat die Pandemie nicht gezeigt, wen Schulschließungen am meisten treffen? Nicht jedes Kind hat ein eigenes Zimmer, stabiles Internet oder Eltern, die mit ihm zu Hause lernen. Funktionieren die digitalen Lernstrukturen von damals überhaupt noch oder geht wieder der halbe Schultag drauf, bis alle Schüler erreicht sind? Und das, was man als Lehrkraft für den Tag geplant hatte, so arrangiert ist, dass er aus der Distanz erledigt werden kann? Da fragt man sich, ob die Entscheidungen für die Schulschließungen wohlüberlegt waren, oder es sich eher um Kurzschlussentscheidungen handelt, die irgendwo zwischen Sonntagsblues und Kaffee und Kuchen getroffen wurden.

Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass 14,4 Prozent ihren Schulweg in unter 10 Minuten zurücklegen und 30 Prozent in maximal 20 Minuten. Es wäre besser gewesen, sich Gedanken darüber zu machen, wie man diese Wege bei kalten Temperaturen sicher machen kann, statt Schulen zu schließen. Winterdienste hätten früher starten können.

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Und selbst wenn die Gehwege glatt sind – das war auch früher kein Grund für Schulschließungen. Im Unterschied zu damals besitzen heute fast alle Kinder ein Handy. Sollte also wirklich mal etwas passieren, ist schnell Hilfe gerufen. Traut man Schülern heute nicht zu, dass sie auf glatten Wegen gehen können? Den Eltern nicht, dass sie auf glatten Straßen fahren können? Oder ist man viel mehr darüber besorgt, dass die Infrastruktur dem Wetter nicht gewachsen ist, in Kommunen nicht genug Schneepflüge bereitstehen?

Statt voreilig und aus Angst vor Chaos und Verletzten Distanzunterricht zu beschließen, hätte man auch einfach Schneefrei ausrufen können. Damit wäre zumindest kein Kind in diesen Tagen aufgrund seiner sozioökonomischen Situation zurückgefallen. Ein Winter sollte nichts sein, was einen so kalt erwischt.

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Klaudia Lagozinski
Nachrichtenchefin & CvD
Immer unterwegs. Schreibt meistens über Kultur, Reisen, Wirtschaft und Skandinavien. Meistens auf Deutsch, manchmal auf Englisch und Schwedisch. Seit 2020 bei der taz. Master in Kulturjournalismus, in Berlin und Uppsala studiert. IJP (2023) bei Dagens ETC in Stockholm.
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60 Kommentare

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  • Lehrer und Schüler, die krank sind, bleiben individuell zu Hause. Kein Grund, die ganze Schule zu schließen.



    Wie wäre es, wenn an solchen Tagen der Schulbesuch freigestellt wird und Eltern bzw. Schüler einfach selbst nachschauen, wie die Straßen aussehen und ob die Busse fahren?



    Diese revolutionäre Idee, dass man sein Lebensrisiko selbst einschätzt und beurteilt und das auch noch seinen Kindern vorlebt, hatten glücklicherweise immerhin einige Schulen.

  • Ich war vor sechzig Jahren Schüler und kann mich an keinen einzigen Tag Schulausfall wegen Schnee erinnern.



    Mein Schulweg dauerte pro Richtung 1 1/4 Stunden. Je zehn Minuten zum Bus und von der Bushaltestelle zur Schule (es gab keinen Schulbus, sondern nur einen Linienbus), dazu eine knappe Stunde Fahrzeit für 12 Kilometer.



    Obwohl die Technik damals nicht so weit wie heute war, kriegte man das Schneeräumen auf Straßen besser hin als heute. Es gab in den Dörfern noch reichlich Bauern, die mit simplen Schneepflügen mit dem Traktor räumten...



    Schneeketten oder Spikes für die Schuhe gab es noch nicht. Trotzdem haben meine Geschwister und ich es geschafft, ohne einen einzigen Knochenbruch durch die Schulzeit zu kommen.



    Unsere Eltern trauten uns zu, den Schulweg zu bewältigen und wir schafften es dann auch ohne Angst vor werweißwas zu haben.



    Radwege gab es damals praktisch nirgends im Landkreis. DAS sieht heute deutlich besser aus.

    • @e2h:

      Früher war alles besser.



      Da hatten sie Streichhölzer



      ihre Köpf' noch auf der anderen Seite.

  • Es lebe der Haftungsausschluss als einzige Option

  • Die wenigsten werden wohl etwas dagegen sein, wenn bei wirklich gefählichen Bedingungen wie Eisglätte oder Schneesturm mal aus Sicherheitsgründen die Schule ausfällt.



    Was viele nicht verstehen, ist dass zT flächendeckend die Schule ausfällt (zB NRW), obwohl es in den meisten Landkreisen deutich über Null Grad war, und keine Spur von Glätte. Das war auch vorher absehbar, wenn man mal die Wetterprognosen angesehen hat.

  • Ach ja, früher... Mit x-mal mehr Verkehrstoten, ohne Antibiotika, mit Wehrsportgruppe Hoffmann. Mensch wähle eine Zeit in der es einfach alles besser war.

    • @Harmonie ist eine Strategie:

      Bis auf leider den CO2-Gehalt der Luft und manche Bewohner gewisser Regierungsgebäude war früher wohl wenig besser.

      Es ging im Artikel jedoch eher um den _Umgang mit schlichtem Winter. Können Lehrkräfte, ggf. mit Schneeketten oder Winterreifen, oder Kinder mit ordentlichen Stiefeln oder auf dem Mountainbike denn wirklich nicht mehr zur Schule, zumindest in den tieferen Gegenden Nordrhein-Westfalens? Und die Eltern müssen es ausbalancieren.

    • @Harmonie ist eine Strategie:

      Ich sage immer: Früher war es ... anders, manchmal sogar besser, aber eben nicht pauschal, und kommt immer auf das speziell Betrachtete an.

    • @Harmonie ist eine Strategie:

      Was haben Verkehrstote, Antibiotika und Wehrsportgruppen mit dem Thema zu tun?







      Natürlich war früher nicht alles besser, eher vieles schwieriger. Aber man sollte auch mal zur Kenntnis nehmen, dass Schwierigkeiten jedes mal aus dem Weg zu gehen (z.B. Schulweg glatt), dazu führt, mit Schwierigkeiten nicht mehr umgehen zu können.







      Solange den Kindern nichts zugetraut und zugemutet wird und sie ständig nur von Gefahren und Risiken hören, werden sie immer weiter in die Defensive gedrängt. Früher (jajaja...) haben sich die Kinder so ein Wetter gewünscht, Eisbahnen angelegt, Schneeballschlachten gemacht und sind mit Schnee und Eis als positive Selbstverständlichkeit umgegangen. Das würde ich den heutigen Kindern auch wünschen, selbst wenn die Sorgen der Eltern natürlich nachvollziehbar sind.

    • @Harmonie ist eine Strategie:

      Ohne Antibiotika war vor dem Krieg!

  • Was ganz Anderes, man kann als Lehrer einen Lehrplan, der vor einer Klasse stattfinden soll, und demnach geplant ist, nicht so einfach umgestalten in einen online Plan. Außer, Schüler haben Bücher, Websites, Aufgaben usw zuhause und Lehrer müssen nur angeben, was getan werden muss. Neues lernen, oder gar vertiefen in eine Materie geht nicht so einfach, ebenso interaktives Lernen. Ich war 20 Jahre Sprachlehrerin an einer australischen High School und seit 1954 gibt es hier ein externes Bildungssystem, an dem jeder Schüler, der mehr als 50km von einer Schule entfernt ist, oder aus anderen Gründen nicht an einer physischen Schule ist, teilnehmen. Ich habe während der Pandemie dann für ein Jahr an einem „Remote Education“ College unterrichtet, wo nur über Internet bis Abitur unterrichtet wurde. Man hat heutzutage dazu zwei Bildschirme, Spezialprogramme und Technik, um effektiv unterrichten zu können (früher war es per Funk). Planung und Methodik ist für diese Art Unterricht entwickelt und angemessen. Kein Lehrer kann mal so mir nichts dir nichts effektiv per Internet unterrichten! Alice Springs Schule erhielt Tausende von Anfragen aus allen Ländern, wo Lehrer um Hilfe baten. Viel Spaß!

  • Also der Winter 2009/2010 gilt als der eisreichste Winter der letzten Jahrzehnte! In diesem Winter gab es zahlreiche Stürze durch Glätteunfälle in Diesem Winter wurden damals 660.000 Stürze gemeldet mit Verletzungen und die Krankenhäuser in mehrere Regionen waren an der Belastungsgrenze! Daher kann ich NRW verstehen und nachvollziehen, das Sie so gehandelt haben! in diesem Winter allein waren damals über 150.000 Knochenbrüchen und ich war einer davon und habe mich 3 mal operieren lassen müssen und war 15 Wochen krank geschrieben. Warum ich gefallen bin obwohl ich damals sehr vorsichtig gelaufen bin weiß ich bis heute nicht!

  • Man sieht den Stellenwert der Bildung wenn eine Schneeflocke am Boden ein Grund ist um Schule ausfallen zu lassen.

    Ach übrigens, wo geht's mit der Pisa Studie hin? Aufs Glatteis?

    • @Todesfister:

      "Man sieht den Stellenwert der Bildung wenn eine Schneeflocke am Boden ein Grund ist um Schule ausfallen zu lassen."

      Es gibt im TV eine lose Serie namens "Die gefährlichsten Schulwege der Welt". Dort sieht man, was Kinder anderswo auf sich nehmen (müssen), um zum Unterricht und wieder zurück nach Hause zu gelangen. Der Stellenwert der Bildung ist dort ein ganz anderer, die Kinder wollen unbedingt am Unterricht teilnehmen. Wahrscheinlich auch, weil sie schon früh wissen, das ihnen nur Bildung weiterhilft im Leben.

  • Ich versuche mich gerade zu erinnern, wie wir es vor 60 Jahren, als es noch richtige Winter gab, in die Schule geschafft haben. Mein Schulweg dauerte bei gutem Wetter mit Bus und Tram gut 45 Minuten, viele Klassenkameraden mussten mit dem Zug fahren, die Lehrer kamen mit dem Auto. Ich kann mich nicht erinnern, dass da jemals der Unterricht wegen Schnee und Eis ausgefallen wäre.

    • @Oma:

      Ich kann mich erinnern, das vor 50/ 60 Jahren das „Bahn" machen und Abstumpfen viel ernster genommen wurde und die Hausbesitzer/Mieter schon 5 Uhr morgens Schnee schippten (zumindest bei uns in Osten). Es waren allerdings auch keine 500 PS und 2 to Ungetüme unterwegs die mit ihren 305er Reifen den Schnee wieder auf den Gehsteig beförderten.



      Aber Schulausfall deswegen-kenn ich nicht. Die Skischuhe mit Stahlkappe an, los ging's. 4km. Zum Stabü-Unterricht😉

    • @Oma:

      So viele richtige Winter gab es gar nicht obwohl Gemeinden und Städte trotzdem mit Mensch und Material darauf vorbereitet waren. Und man sollte sich auch von damals mal die Unfallstatistik anschauen.



      Es war auch nicht alles in den Medien.

    • @Oma:

      Das Problem heute ist aber auch das viele Kinder im Gegensatz zu vor 60 Jahren die weiterführende Schule auch im selben Ort haben wo sie auch wohnen! Kinder sie heute noch zur Schule laufen müssten immer ne Stunde bis zwei Stunden unterwegs sind!.

      • @Marcelo:

        Vielleicht die frühe Zeit, doch ich verstund Sie nur halb.



        Es gibt mehr weiterführende Schulen in der Nähe, meinten Sie, und darum wären zu Fuß gehende Schülers 1-2h unterwegs? Wie herum meinten Sie es?

        Früher blieb die Mehrheit (Westvariante) doch auf der "Volksschule" im Ort oder Nachbarort und nur ein paar besuchten Realschule oder Gymnasium in der nahen Stadt?

    • @Oma:

      Zitat: Bus und Tram gut 45 Minuten

      Sie Glückliche, bei mir ist es keine 60 Jahre her sondern nur 50, aber Abfahrt des Busses in meinem Ort war um 6:10h Ankunft an der Schule 7:55, Schulbeginn 8:10h. Luftlinie 11km.



      Im übrigen da gebe ich Ihnen Recht, Unterrichtsausfall wegen Eis und Schnee gab es nie! Hitzfrei nur wenn es morgens an Realschule und Gynasium gleichzeitig um 10:00h 25 Grad Celsius hatte.

      • @Donni:

        Unter diesen Umständen sei Ihnen der Ausfall wegen hitzefrei vergönnt. Wir hatten einen kühlen Altbau mit dicken Wänden, keine Chance,

  • Vielleicht geht es den Schulen ja auch um die hohen Heizkosten bei sehr niedrigen Temperaturen. Agorameter heute mittag (maximale Solarstromeinspeisung):



    Gesamtverbrauch: 70 GWh/h



    Erneuerbar: 25 GWh/h



    Konventionell: 41 GWh/h

    Import: 3,9 GWh/h



    Daher kommen wohl die Kosten..

    • @Gerald Müller:

      Die Schulen sind immer beheizt, auch am Wochenende.

  • Ich denke, dass immer mehr Menschen durch den Klimawandel den Umgang mit solchen widrigen Wetterlagen verlernt haben oder noch verlernen werden. Die "Wetterfrösche" wiederum möchten nicht für unterlassene Warnmeldungen zur Rechenschaft gezogen werden, was ich absolut verstehen kann. Denn unter Umständen sind die Eltern, die sich über witterungsbedingt ausfallenden Schulunterricht ärgern, die gleichen, die sich dann beschweren, wenn etwas auf dem Schulweg passiert.

  • In der Nachbarstadt sind zwei Gymnasien, wohin aus meinem Stadtviertel sehr viele Schüler gehen. Diese Kinder fuhren früher alle mit dem Linienbus, der im 15 min Takt fuhr.



    Schließlich endete der Vertrag mit dem bisherigen Transportunternehmen und ein



    Tochterunternehmen der Deutschen Bahn gewann die Ausschreibung, die nicht ausreichend Busfahrer hatte. Folge war, dass die Taktung auf 30 min reduziert wurde.



    Um 8 Uhr beginnt die Schule. Der Bus braucht 8 min zur Schule. Ein Bus fuhr um 7:28 Uhr, der nächste um 7:58 Uhr. Folge war, dass nur noch weniger als 50% der Schüler in den einen Bus passten. Man hätte zwischen 7:20 und 7:50 Uhr drei Busse gebraucht. Das verstößt aber auch gegen die Arbeitnehmerinteressen, da kein Busfahrer bereit ist für 2 Stunden Schichten.



    Heute fahren nur noch ein paar Berufspendler mit diesen Bussen und die Eltern fahren



    ihre Kinder mit dem Auto zur Schule.

    • @Richie:

      Ein ordentlicher Radweg wäre vielleicht auch bereits eine Lösung, wenn ich 8 Busminuten mal über den Daumen peile.



      Und/oder Busfahrer, die später in kleineren Fahrzeugen Krankentransporte machen o.ä.

      Dass die Busse für die Menschen da sein sollen und nicht die Menschen für die Busse: ja.

      • @Janix:

        Da bekommt man keinen Radweg



        mehr rein. Außerdem würde ich meine Kinder eh nicht mit dem Rad über den Autobahnzubringer fahren lassen. Neben Uber eine weitere Konkurrenz fürs Taxi? Der ÖPNV lagert diese Strecken ja sehr bewusst aus.

        • @Richie:

          Die Radwege sind da, die werden nur noch von Autos genutzt.



          Ich hatte ansonsten laut überlegt, die Busfahrer so auszulasten und einen 7,5h-Tag zu ermöglichen. Für andere Ideen immer offen.

          • @Janix:

            In diesem konkreten Fall hat man an einem Streckenabschnitt die Optionen Auto oder Radweg, zB an einer Brücke. Entscheidet man sich für Radweg, dann auch gleichzeitig gegen Busse und ÖPNV zwischen zwei Städten.

            • @Richie:

              Also wirklich nur eine Spur auf jeder Seite? Dann auf Tempo 30 gehen, wo der Engpass ist. Bzw. Hinter Rädern kämen Autos oder Busse dann ein paar Meter nicht am Rad vorbei.



              Allgemein gesprochen, denn ich kenne die Ecke nicht konkret.

  • Man könnte Schulen in den Wintermonaten generell schließen. Auch wenn das heute wenig populär zu sein scheint, der Traum der Mehrheit der Schulpflichtigen ist auch heute noch das Szenario einer geschlossenen Schule.

  • Wenn was passiert wäre im sonst dichten morgentlichen Berufsverkehr, wäre das Geschrei auch wieder groß gewesen. Den massiven, schulbedingten morgentlichen Verkehr also dadurch etwas zu entschärfen, erschien mir nicht so falsch.

    Ich habe viele Kinder im Schnee spielen sehen. Ich hab's ihnen gegönnt.

    Exzessiver digitaler Medienkonsum richtet viel mehr Schaden bei unseren Kindern an als zwei, drei Tage Glättefrei - einmal in 8-10 Jahren!

  • Schultag verloren - Gesundheit behalten. Bei Blitzeis sind nicht einmal die perfekt ausgerüsteten Räum- und Streudienste in den Alpen in der Lage, alle wichtigen Straßen freizuhalten. Auch ein 10-Sekunden-Schulweg kann schon böse enden. Schön, dass es Politiker:innen gibt, die in Zusammenhängen denken können. Ich wünschte mir mehr davon.

    • @Almerer:

      Ich habe etliche Jahre im Oberallgäu gewohnt und gearbeitet. Der Grad des Schulausfalls bestimmte sich dadurch, ob noch Züge fahren können oder - falls sie ausfielen - ob noch Busse in der Lage waren zu fahren. Ich habe in den "alpinen" Jahren nur ein einziges Mal erlebt, wo die Kemptner Busse nicht mehr eingesetzt werden konnten und die Züge nach Oberstdorf ebenfalls nicht. Die Busse im Sonthofer/Oberstdorfer Gebiet waren aber immer unterwegs, worüber selbst ich - die ich noch die Winter aus den Anfängen der 60er-Jahren kenne - mich über die Maßen gewundert habe. Aber unsere Busfahrer*innen war wirklich tough und konnten mit den Widrigkeiten umgehen.

    • @Almerer:

      Wie funktioniert das - Blitzeis bei flächendeckend Plustemperaturen? Ansonsten haben Sie natürlich Recht: WENN die Bedingungen mal entsprechend sind, dann hilft dagegen auch nicht mehr Salz.

      • @Normalo:

        Wenn der Boden durchgefroren ist nützen auch die Plustemperaturen nichts. Meistens bildet sich eine dünne Eisschicht mit Wasser oben drauf. das hat man dann keine Chance mehr.

        • @Captain Hornblower:

          Man bedenke noch, dass Eltern bei jedem Wetter arbeiten müssen. Also richtig pünktlich da sein und ohne homeoffice. So ganz kurzfristig gibt es weder Kinderbetreuung noch freie Tage.

        • @Captain Hornblower:

          Yep, aber nur, wenn der Boden so kalt ist, dass auftreffendes Wasser Wasser trotz Salzauflage gefriert. Zumindest in den größten Teilen von NRW war es nicht lange genug so kalt, dass er so weit runtergekühlt wäre.

          • @Normalo:

            Als Fußgänger langt ein Meter, der vereist ist. Als Autofahrer 10m in einer schattigen Kurve.

          • @Normalo:

            Das muss ja auch nicht flächendeckend sein. Manchmal reicht auch nur ein vereistet Stück Straße z.B Anhöhe.

            • @Captain Hornblower:

              O - Normal Schonn

      • @Normalo:

        Das geht super bei Plustemperaturen, nämlich dann, wenn der Boden noch gefroren ist und Regen drauffällt. Die gefährlichste von alle Glättearten. Man fühlt sich sicher, sieht es nicht - und landet auf der Nase.

  • Der gesamte medial/politische Umgang mit diesen 20cm Neuschnee (vom ARD-Brennpunkt bis zur Schulschließung) riecht irgendwie nach Übersprungshandlung. Dass die Bahn teilkollabiert, war ja klar, aber der Rest von uns sollte doch irgendwie in der Lage sein, mit deutschem Normalwinter von 1988 klar zu kommen und dabei halbwegs arbeitsfähig zu bleiben.

    Die Nonchalance, mit der in NRW die Beaufsichtigung und pädagogische Betreuung hier an die Eltern delegiert wird offenbart eine ganze Menge anachronistische "Mama ist doch sowieso zu Hause"-Denke. Dass Eltern mittlerweile öfter beide arbeiten und für Kinder eines gewissen Alters daher auf vereinbarte Betreuungszeiten angewiesen sind, hat sich in manchen westdeutschen Schulämtern und Kultusministerien vielleicht immer noch nicht herumgesprochen.

    • @gelu:

      In der DDR gab es den Witz: Welches sind die vier bedrohlichsten Störgrößen in unserer Planwirtschaft? Antwort: Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Wobei die Schulen aber nie geschlossen waren, mit Ausnahme des Extremwinters 1979.

      • @Kohlrabi:

        "Wobei die Schulen aber nie geschlossen waren" der Geist scheint mir noch lebendig und ist einer der Aspekte, in denen sich Ostdeutschland wirklich positiv vom Westen abhebt. Hier ist in allen Betreuungseinrichtungen für Kinder bis zur 6. Klasse klar, dass Eltern im Zweifelsfall arbeiten müssen. Man kann nachfragen ob die Kinder zu Hause behalten werden können, man kann den Umfang der Angebote einschränken aber man kann nicht die ganze Bande einfach vor die Tür setzen ohne den Eltern eine Notfalloption anzubieten.

    • @gelu:

      Ich kann es - neben Angst vor Verantwortlichkeit - für NRW nur dadurch erklären, dass nicht alle Eltern alles überlasten sollen, ob jetzt ihre Schule auch betroffen ist. Das Bundesland komplett ist einfacher zu kommunizieren, auch wenn es jetzt eher einige westfälische Höhenzüge betrifft.

      Ok auch noch: Schule ist immer noch nicht primär Kinder-weg-Betreuung (da reicht auch ein Vater oder eine Mutter, die sich für fünfe opfert). Ja, leider, durch diese künstliche Förderung von Auto-Pendeln (oder auch Herkunft oder Will-Stadt-Wohnen) sind einige Lehrers arg weit weg von ihrer Schule wohnhaft. Die könnten sich dann aber zur Schule hinschalten. Ginge doch auch.



      Dass keiner mehr weiß, wie man sich alte Strümpfe über die Schuhe zieht oder aktiv schliddert oder auch mal hinfällt, glaube ich ansonsten nicht.

      • @Janix:

        "Das Bundesland komplett ist einfacher zu kommunizieren" - da liegt wohl der Hase im Pfeffer. Die Rasenmäher-Methode ist für die zuständige Behörde meistens der einfachste Weg.

        Die Probleme verursacht sie halt woanders: bei den Millionen Eltern, Schülern und Lehrern, die durchaus in der Lage gewesen wären einen normalen Schultag (mit gehäuften Verspätungen in der 1. Stunde) gebacken zu kriegen. Die Grundhaltung sollte eigentlich immer sein, solche drastischen Maßnahmen nur punktuell einzusetzen und den Schulen dafür auch die nötigen Kompetenzen zur Verfügung zu stellen.

        Und selbstverständlich sind Schulen keine Kinder-weg-Betreuung. Genau deshalb kann ein Vater auch nicht ihren Job bei fünf Schülern übernehmen. 'Homeschooling' ist in den meisten Fällen schlicht Etikettenschwindel für 'Hausaufgaben', es sei denn, die Lehrkraft hat das wirklich gut vorbereitet oder es stellt sich halt ein Elternteil zur Verfügung, das mit einem Kind in der 1:1 Betreuung tatsächlich arbeitet. Das ist aber wirklich rasend ineffizient und geht halt zu Lasten der von den Eltern zu erledigenden Arbeit.

  • Die Behörden können wohl nichts richtig machen.



    Ja, heutzutage wird manchmal bei der Wettervorhersage übertrieben. Aber wenn man wegen angesagtem Eisregen - da geht nichts mehr und vorbeugendes Salzen hilft auch nur bedingt - oder starkem Schneefall über Nacht, einen erheblichen Teil des morgendlichen Straßenverkehrs reduzieren kann und für einen Tag die Schulen schließt, so ist das eine sinnvolle Maßnahme. Der Aufschrei, wenn zwei Schulbusse aufgrund von Glatteis ineinander rauschen, wäre viel größer.



    Grundschüler, die nur 10 Minuten laufen, könnten wahrscheinlich die Schule sicher erreichen. Aber wieviel sind das? Und was wäre dann mit denen die 11 Minuten laufen oder den Bus benötigen? Sollten dann differenzielle Regeln aufgestellt werden? Wieder wäre der Aufschrei um ein Vielfaches größer.

    Eine kurzfristige Ankündigung ist für Eltern eine Belastung. Die müssen noch kurzfristiger umorganisieren, eventuell einen freien Tag nehmen etc. Zum Glück gibt es heutzutage bei vielen Arbeitsgebern die Möglichkeit freizunehmen. Das ist gesellschaftlicher Fortschritt - auch im Hinblick auf Reaktion aufs Wetter.

    • @fly:

      Bei den Grundschülern geht es tatsächlich weniger darum, wie die Kinder hinkommen, sondern ob die Lehrer es pünktlich schaffen können.



      Die wohnen, im Gegensatz zu den Schülern, nur selten im gleichen Ort.



      Und dass Lehrer aufgrund von Glatteisunfällen für Wochen ausfallen kann sich das System leider noch viel weniger leisten.

  • Vor vielen Jahren, mittlerweile in Suchmaschinen untergegangen vor lauter Google, Amazon, Kleinanzeigen und Facebook, gab es einen Bericht über den Königsteiner Kraftverkehr, und dass die Fahrer immer Schneeketten aufgezogen haben auf die Linienbusse. Man möchte die Kundschaft schließlich nicht verlieren, sodass die niemals aufs Auto umsteigen.

    Heute? Ba-Wü (somit nicht Königstein im Taunus) kennt keine Schulschließungen. Das gibt's auch bei 20cm Neuschnee nicht. Aber weder Schneeketten werden mehr aufgezogen, weil zu teuer in der Beschaffung, noch wollen die Eltern, dass ihre Sprösslinge sicher zur Schule gelangen. Die Folge: Eltern-Taxis stecken am Berg fest, rutschen herum oder kollidieren zusammen.

  • Zeiten ändern sich und vieles was früher normal war ist es heute nicht! Man lernt aus der Vergangenheit und was im Bürojob geht ist auch in der schule möglich! Homeschooling! Das ist der Wandel der Zeit! Früher hatten die Kinder auch weniger Unterricht als heute, daher es ändert sich alles! Den Schulweg bei Winter sicherer zu machen ist nicht möglich als eh schon! In der Großstadt ist das vielleicht möglich aber auf dem Land nicht!

    • @Marcelo:

      Der Punkt des Artikel ist nach meinem Verständnis da eher, dass die Sicherheit in Stadt wie Land völlig ausreichend ist und Kinder das hinbekommen, nur die Eltern und Behörden Panik schieben, aus Über-Sorge bzw. Cover-my-*ss.

      • @Janix:

        Ich sehe das halt anders und ich beziehen mich zusätzlich auf Kommentare die alles mit früher vergleichen was man heute nicht mehr kann

  • Danke dafür, deckt sich genau mit meinen Erfahrungen. Eine irgendwie vorauseilende Hysterie ist die Regel geworden. Ja früher, in der Zeit vor Mobiltelefonen ist auch mal der Schulbus nicht gekommen weil es glatt war, dann ist man halt eine Stunde später nochmal zur Haltestelle und hat es nochmal versucht.

  • Alte Strümpfe über die Schuhe oder die Hightechtreter von heute einsetzen, den Schulweg eben rutschen oder eine stabile Hose an.



    Kinder sollten doch schon in der Grundschule (falls am Ort) selbstständig auch unter erschwerten Bedingungen ankommen können, ohne Elterntaxi, ohne Angstwallungen. Die Eltern zumindest haben doch noch mehrere richtige Winter erlebt und sollten sich deren erinnern können.

    • @Janix:

      Die Eltern die noch richtigen Winter erlebt haben, haben keine Kinder mehr im schulpflichtigen Alter. Richtiger Winter ist doch über 60 Jahre her!;

      • @Marcelo:

        Für manche ist ja dieser Winter gerade schon ein richtiger Winter, nur weil er nicht so überwarm zu sein scheint wie zuletzt. Solche wie den jetzigen sollte auch die jetzige Elterngeneration als Kind ohne Nachdenken oder Angst ihrer Eltern überlebt haben.

    • @Janix:

      Es geht weniger darum, wie die Schüler zur Schule kommen, sondern darum, dass die Aufsichtspflicht nicht gewährleistet ist, wenn es die Lehrer nicht rechtzeitig zur Schule schaffen!

      • @Desti:

        Dann übernimmt ein Lehrer mal zwei Klassen.



        Kann nicht schwierig sein, es geht ja offensichtlich nur um Beaufsichtigen und nicht um zu Lehren.

      • @Desti:

        Es reichen ja einige davon dafür, die sich den Wecker dann sehr zeitig stellen (oder eben umsichtig nahe an der Schule wohnen).



        Dabei danke für die ergänzte Facette.