RBB und die Schlesinger-Affäre: Beispielhafte Aufarbeitung

Der Fall Schlesinger ist ein gefundenes Fressen für Geg­ne­r:in­nen der Öffentlich-Rechtlichen. Dabei macht der RBB gerade selbst vor, was kritischer Journalismus ist.

Drei rote Mikrofone

Nichts wird schöngeredet, nichts verschwiegen: Der RBB betreibt gerade Aufklärung in eigener Sache Foto: Metodi Popov/imago

Patricia Schlesinger, inzwischen Ex-Intendantin des RBB und Ex-Vorsitzende der ARD, hat den Feinden des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) das größtmögliche Geschenk gemacht. Vetternwirtschaft und schamlose Geldverschwendung zum eignen Nutzen gibt all jenen Auftrieb, für die die Abschaffung des ÖRR samt der Rundfunkgebühren schon seit Langem politisches Projekt ist.

Für die AfD, Querdenker und andere Geg­ne­r:in­nen einer demokratischen Gesellschaft scheint nun der endgültige Beweis erbracht, dass das durch „Zwangsgebühren“ finanzierte „korrupte System“ nicht mehr zu retten ist. Höhnisch fordern sie die Abwicklung des „Staatsfunks“. Richtig ist: Das System Schlesinger, also diese Selbstbedienungsmentalität in den Chefetagen, muss überwunden werden. Niemand will Rundfunkbeiträge für Massagesessel und Boni zahlen.

Außer dass dieses verjubelte Geld der journalistischen Arbeit fehlt, haben die Exzesse jedoch nichts mit dieser zu tun. Wären die Pressefeinde, tatsächlich kritische Bür­ge­r:in­nen statt Aktivist:innen, die für ihr politisches Ziel die Glaubwürdigkeit anderer delegitimieren müssen, würde ihnen nun nämlich auffallen: Die Jour­na­lis­t:in­nen des RBB zeigen in diesen Tagen, was kritischer, unabhängiger Journalismus ist.

Im Programm des Senders nimmt die Auseinandersetzung mit der Affäre im eigenen Haus breiten Raum ein. Geradezu beispielhaft hat sich die Nachrichtensendung „Abendschau“ die vergangenen beiden Tage in mehr als der Hälfte ihrer Sendezeit der Aufarbeitung gewidmet. Dabei wird nichts schöngeredet, nichts verschwiegen und man scheut nicht davor zurück, den eigenen Programmdirektor oder Mitglieder des Aufsichtsrats zu grillen.

Tragisch dabei ist, dass nicht Schlesinger und die Geschäftsleitung, sondern die redlichen Jour­na­lis­t:in­nen die Folgen des Skandals in ihrer täglichen Arbeit zu spüren bekommen. Sie werden angefeindet, verächtlich gemacht und immer öfter auch körperlich angegriffen. Dabei machen sie nur ihren Job. Zurzeit einen exzellenten.

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Redakteur für parlamentarische und außerparlamentarische Politik in Berlin, für Krawall und Remmidemmi. Schreibt über soziale Bewegungen, Innenpolitik, Stadtentwicklung und alles, was sonst polarisiert. War zu hören im Podcast "Lokalrunde".

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