Menstruationsurlaub : Zeit für eine neue Regel
Montenegro führt als zweites Land in Europa Menstruationsurlaub ein. Und Deutschland? Macht das Gegenteil. Dabei ist eine Freistellung längst überfällig.
Foto: imago
G ute Nachrichten sind schwer zu finden dieser Tage. Da macht es Hoffnung, dass Montenegro nun als zweites europäisches Land nach Spanien den Menstruationsurlaub eingeführt hat. Dass Frauen mit extremen Menstruationsbeschwerden überhaupt ernst genommen werden, ist schließlich noch relativ neu. Und dass, obwohl hierzulande rund 15 Prozent aller Frauen an der chronischen Erkrankung Endometriose leiden, die sehr starke Unterleibsschmerzen verursacht.
Doch nun rückt Frauengesundheit mehr in den Fokus. In Spanien haben Frauen und Trans Männer seit drei Jahren die Möglichkeit einer Menstruationsfreistellung von drei bis fünf Tagen pro Monat mit ärztlichem Attest. Dafür erhält man eine Lohnfortzahlung ab dem ersten Tag und nicht wie sonst erst ab dem vierten. Montenegro zieht jetzt nach, für den zweitägigen „Urlaub“ braucht es allerdings auch hier eine diagnostizierte gynäkologische Erkrankung. Dafür bekommt man den vollen und nicht wie im Krankheitsfall einen reduzierten Lohn.
Andere Länder haben schon länger Regelungen zu Regelschmerzen: In Japan werden Frauen bereits seit 1947 freigestellt, in Indonesien seit 1948, Bezahlung allerdings nicht garantiert. Am fortschrittlichsten ist Sambia mit dem „Mothers Day“, einem gesetzlichen Anspruch auf einen bezahlten freien Tag pro Monat für alle Arbeitnehmerinnen.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.
Und Deutschland? Geht in die komplett andere Richtung. Das Vorhaben der Bundesregierung einer Krankschreibung ab dem ersten Tag ist ein Schlag in den Unterleib. Nicht nur für die 2 bis 4 Millionen Frauen, die von Endometriose betroffen sind, sondern gleichfalls für die vielen Millionen, die auch so wegen starker Unterleibschmerzen nicht arbeiten können.
Für sie braucht es eine generelle Freistellung, ganz ohne Attest, ganz ohne Stigma. Doch dafür müssten Männer wohl selbst unter diesen unerträglichen Schmerzen leiden – dann gäbe es vermutlich längst nicht nur Regelfrei, sondern auch zusätzliche Pausen, Ruheräume, kostenlose Medikamente und eine Umsatzsteuerbefreiung für Menstruationsprodukte. Da dies nicht passiert, müssen wir Frauen und andere Menstruierende weiter dafür kämpfen – in der Politik und am Arbeitsplatz, trotz Schmerzen.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!