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Gesundheitsrisiko aus der LandwirtschaftEU senkt Grenzwert für giftige Säure TFA aus Pestiziden

Die Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft ein Abbauprodukt vieler Ackergifte nun als gefährlicher ein als bislang. Werden sie jetzt verboten?

Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit hält Trifluoressigsäure (TFA), die unter anderem beim Abbau mehrerer Pestizide entsteht, für deutlich giftiger als bisher. Das Amt mit Sitz im italienischen Parma senkte die gesundheitlich akzeptable tägliche Aufnahmemenge von 0,05 auf 0,014 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht – um mehr als 70 Prozent. Die Umweltorganisation PAN Europe forderte daraufhin erneut, alle Ackergifte mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) zu verbieten, die teils TFA bilden.

TFA kann der Behörde zufolge durch Pestizide in das Grundwasser, den Boden und in Nahrungspflanzen gelangen. Die Säure bleibt extrem lang in der Umwelt und lässt sich bei der Trinkwasseraufbereitung nur schwer entfernen. TFA-Vorsubstanzen sind außer in Pestiziden in Produkten wie Medikamenten, Pappbechern und antihaftbeschichteten Pfannen, aber auch in Kältemitteln zum Beispiel für Autoklimaanlagen.

Die EU-Lebensmittelbehörde teilte nun mit, ihre aktualisierten Grenzwerte „basieren auf neuen Erkenntnissen, die unter anderem gezeigt haben, dass TFA den Thyroxinspiegel verändert – ein von der Schilddrüse produziertes Hormon, das eine wichtige regulierende Rolle im Körper spielt“. Diese Störung kann laut PAN die Entwicklung von Föten und ihren Gehirnen beeinträchtigen. Die Organisation bezeichnete die Entscheidung der Behörde als einen „längst überfälligen Schritt“. Die notwendigen Studien seien 10 bis 15 Jahre zu spät angefordert worden.

Vergangenen Juni empfahl dann der Risikobewertungssausschuss der EU-Chemikalienbehörde, TFA als „wahrscheinlich reproduktionstoxisch“ wegen entwicklungsschädigender Wirkungen an Embryonen und Föten einzustufen. Demnach kann TFA vermutlich auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Industrie kritisiert neue Grenzwerte

Die Grenzwerte der Lebensmittelbehörde böten weiterhin „keinen ausreichenden Schutz“, kritisierte Pauline Cervan, Toxikologin des französischen Umweltverbands Générations Futures. Die Behörde akzeptiere nach wie vor ein hohes Maß an Schilddrüsenfunktionsstörungen. Wegen Datenlücken bezüglich etwa des krebserzeugenden Potenzials hätte die Behörde einen doppelt so hohen Sicherheitsfaktor anwenden sollen.

Die gesundheitlich akzeptable tägliche Aufnahmemenge spielt eine wichtige Rolle bei der Pestizidzulassung. Wenn ein Wirkstoff zu einer höheren Dosis führt, muss die EU prüfen, ob sie seine Nutzung einschränkt oder untersagt. Wohl auch deshalb kritisiert der Verband der Pestizidindustrie in der EU, CropLife Europe, die neuen Grenzwerte. Sie seien „sehr konservativ und führen zu einer hohen Risikowahrnehmung, die durch die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht gestützt und daher nicht gerechtfertigt ist“, schrieb der Verband am Freitag der taz.

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1 Kommentar

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  • "TFA kann der Behörde zufolge durch Pestizide in das Grundwasser, den Boden und in Nahrungspflanzen gelangen. Die Säure bleibt extrem lang in der Umwelt und lässt sich bei der Trinkwasseraufbereitung nur schwer entfernen. TFA-Vorsubstanzen sind außer in Pestiziden in Produkten wie Medikamenten, Pappbechern und antihaftbeschichteten Pfannen, aber auch in Kältemitteln zum Beispiel für Autoklimaanlagen."



    Der Wissenschaftler Prof Mojib Latif fordert intensiveren Gewässerschutz, eine teure aber wirksame Verbesserung:



    Weitere Klärstufe:



    b. tuev-nord.de



    "Nahezu jedes Gewässer in Deutschland ist mit Rückständen von Medikamenten, Kosmetika und Pestiziden verunreinigt. Diese Spurenstoffe machen nicht nur Wasserlebewesen schwer zu schaffen, sondern sammeln sich auch im Grundwasser an, aus dem sich unsere Trinkwasserversorgung speist. Mit gängigen Verfahren lassen sich die Schadstoffe nicht aus dem Wasser filtern. Klärwerke brauchen dazu eine vierte Reinigungsstufe, die die EU künftig zur Pflicht macht."



    (...)



    "In dieser vierten Reinigungsstufe wird das Abwasser zunächst vorfiltriert. Dann wird es mit Ozon behandelt, um die Spurenstoffe zu oxidieren."



    Später dann noch Aktivkohle zur Anhaftung.