Fortschritte bei der E-Mobilität: Andere Autos sind keine Lösung

Batterien werden billiger, die Reichweite von Elektroautos wächst. Das ist schön, löst aber das Hauptproblem nicht: Es gibt einfach zu viele Fahrzeuge.

Rücklichter vieler Autos im abendlichen Berufsverkehr in Berlin

Zuviele Autos, ob Elektro oder nicht, verstopfen die Innenstädte Foto: Michael Kappeler/dpa

Die E-Mobilität kommt in großen Schritten voran, das zeigen zwei unabhängig voneinander stattfindende Ereignisse: VW hat sein neues Elektroauto, ID4, der Öffentlichkeit vorgestellt, das zum weltweiten Bestseller werden soll. Und Tesla-Gründer Elon Musk hat angekündigt, dass der US-Autobauer künftig Batterien für seine Elektrofahrzeuge viel billiger herstellen wird als bisher.

Auch wenn der schillernde Milliardär den Mund gerne zu voll nimmt – dass die Akkus fürs Auto in absehbarer Zeit deutlich günstiger werden, stimmt. Allerdings nicht nur für Tesla, sondern für alle Hersteller. Das ist erfreulich. Denn es ist die Voraussetzung dafür, dass E-Fahrzeuge für viele Menschen erschwinglich und zum Massenprodukt werden. Ist das erst geschehen, werden Pkw mit Benzin- und Dieselmotor sehr viel schneller vom Markt verschwinden, als sich das die konventionellen AutolobbyistInnen heute vorstellen können.

Diese Entwicklung ist gut – fürs Klima und die Luftqualität. Je eher sie kommt, desto besser. Allerdings: Eine Lösung der Mobilitätsprobleme ist das nicht. Zwar scheint das Nutzen eines E-Auto das Fahrverhalten zu verändern. Viele ElektrofahrerInnen sind bewusster unterwegs, weil sie sich über den Wert der verbrauchten Energie angesichts zeitraubender Ladezeiten im klaren sind. Lange Strecken müssen gut geplant werden. Doch Batterien werden nicht nur billiger, auch die Reichweite wird steigen und in naher Zukunft wird es eine Art Ersatzbenzinkanister für E-Autos in Form von Powerbanks oder Ähnlichem geben. Dann wird es mit der pädagogischen Wirkung der Elektrokutschen schnell vorbei sein.

Ob Teslas, ID4s und andere E-Autos oder diesel- und benzinbetriebene Fahrzeuge im Stau stehen, die Innenstädte verstopfen und Unfälle verursachen, macht keinen Unterschied. In Deutschland gibt es mit mehr als 47 Millionen viel zu viele Pkw, fast überall auf der Welt sind zu viele in Betrieb. Die Lösung sind nicht Fahrzeuge mit einem anderen Antrieb, sondern weniger Autos – und mehr Busse und Bahnen, bessere Fuß- und Radwege und clevere Hol- und Bringdienste.

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