Dünnhäutiger Bundeskanzler: Leptodermitis und der Patient Friedrich M.
Bei Menschen mit ausgeprägter Nervenschwäche kann schon kleinste Kritik an ihnen zu ungeahnten Wutausbrüchen führen. Eine satirische Beobachtung.
L iebe Bürger*innen, wie zu Coronazeiten ist jetzt Ihre Solidarität gefragt, um eine grassierende Krankheit einzudämmen: Leptodermitis, auch bekannt als extreme Dünnhäutigkeit. Besonders wutanfällig sind dafür wohlhabende, männliche, weiße Politiker, die in ihrem Leben zu viel Macht ausgesetzt waren. Diese Vorbelastung in Verbindung mit genannter sozioökonomischer und genetischer Disposition kann massiv die Toleranz für Einwände schwächen und bei Kritik zu allergischen Überreaktionen führen.
Jüngst diagnostiziert wurde Leptodermitis von der Kinderärztin Bea Merscher in einer TV-Sprechstunde bei einem Patienten, der hier zum Schutz seines fragilen Egos Friedrich M. heißen soll. Symptome sind, auf bittere Inhalte – etwa Kritik an einer Krankenkassenreform – mit persönlichen Angriffen zu reagieren, zum Beispiel, die behandelnde Ärztin als „Nutznießerin“ des Gesundheitssystems zu beschimpfen.
Wutausbrüche von Leptodermitis wurden verstärkt in den Regionen Sauerland und Berlin registriert, aber auch in den USA wurden seit 2016 hohe Inzidenzen verzeichnet, vor allem in Florida. Da es sich bei Betroffenen vor allem um Menschen aus vulnerablen Gruppen handelt, alte Männer mit hohem Blutdruck, ist allgemeine Rücksichtnahme erforderlich.
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Therapien sind kontraproduktiv
Handelsübliche Finanzspritzen in die Parteikasse oder hohe Konzentrationen von Vitamin B sind als Therapie kontraproduktiv. Reha in Instituten wie Blackrock haben keinen Langzeiteffekt und stehen ohnehin nur Privatversicherten zur Verfügung. Versuchen Sie, die Kritiktoleranz mit evidenzbasierten Mitteln langsam aufzubauen, etwa mit sterilen Zahlen zu den volkswirtschaftlichen Langzeitfolgen kurzzeitiger Sparorgien. Drastischere Formeln, zum Beispiel, dass die geplante Reform eine Zweiklassenmedizin schafft, werden den Patienten überfordern.
Um eine weitere Ausbreitung von Leptodermitis einzudämmen, wäre Vorbeugung in Form von Bildung sinnvoll, die wird aber leider nicht mehr von der Krankenkasse übernommen. Protestergebnisse aus anderen Politikfeldern zeigen, dass Hausmittelchen wie die Empfehlung, Eier zu lecken, eher zu Taubheit führen. Überreden Sie Betroffene lieber, sich aus Gesundheitsgründen aus stressigen Berufen zurückzuziehen. Telefonische Krankschreibung reicht dafür völlig.
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