Zusatzbeiträge und Gesundheitskarte: Linnemann mit Machtwort
Gesundheitssystem und Bürokratie: Krankenkassen sollen künftig wieder über Beitragserhöhungen informieren müssen. Chipkartentourismus wird kritisiert.
afp/taz | Krankenkassen sollen künftig wieder über Beitragserhöhungen informieren müssen. „Beitragssätze sind entscheidende Informationen für die Versicherten“, sagte Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) der Rheinischen Post. „Die Krankenkassen sollten ihre Mitglieder auch in Zukunft individuell informieren müssen, etwa digital per Krankenkassen-App oder schriftlich.“
Diese Informationspflicht war erst in diesem Jahr im Zuge der Krankenkassenreform, die Linnemanns Vorgängerin Nina Warken (CDU) angestoßen hatte, abgeschafft worden. Für die Kassen sollte so Bürokratie abgebaut werden. Verbraucherschützer hatten dies kritisiert, denn bei einer Beitragserhöhung besteht für Versicherte ein Sonderkündigungsrecht, das auch weiterhin nur bis Ablauf des Monats der Anhebung gilt.
„Wer mehr bezahlen soll, muss darüber direkt von seiner Krankenkasse informiert werden“, sagte die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Ramona Pop, der Rheinischen Post. „Nur dann können Versicherte ihr Sonderkündigungsrecht wahrnehmen und prüfen, ob sich ein Wechsel lohnt.“
Jede Sekunde zählt
Auch andere Bürokratieprobleme werden kritisiert. Private Pflegeanbieter haben sich über den hohen Zeitaufwand dafür beschwert, Versichertenkarten von Pflegebedürftigen immer wieder zum Einlesen in Arztpraxen bringen zu müssen. Der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, sagte der Deutschen Presse-Agentur, jede verfügbare Minute werde gebraucht, um die steigende Zahl Pflegebedürftiger zu versorgen. „Den Irrsinn, Pflegekräfte stundenlang in Arztpraxen warten oder Versichertenkarten herumfahren zu lassen, kann sich Deutschland schlicht nicht mehr leisten.“
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