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CO₂-Entnahme aus der AtmosphäreLetzte Hoffnung Staubsauger

Um die Klimakrise im Zaum zu halten, muss der Atmosphäre Treibhausgas entzogen werden. Der Markt für entsprechende Technologien ist aber noch klein.

Die Menge an Emissionen, die noch neu in die Atmosphäre gelangen, muss im Sinne des Klimaschutzes schnellstmöglich auf null sinken. Will die Menschheit ihre Lebensgrundlage nicht verlieren, muss aber auch Treibhausgas aus der Atmosphäre zurückgeholt und unterirdisch sicher gespeichert werden – und zwar schneller als derzeit geplant. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht „The State of Carbon Dioxide Removal“ (zu Deutsch: „Die Lage der CO2-Entnahme“), den ein internationales Forscherteam gerade zum dritten Mal vorgelegt hat.

Die weltweiten CO2-Emissionen wachsen trotz aller Klimaschutz-Appelle immer weiter: 2025 war ein neues Rekordjahr mit mehr als 38 Milliarden Tonnen. Die Konzentration der Treibhausgase liegt in der Atmosphäre aktuell bei 431 Parts per million – mehr als doppelt so viel wie vor dem Zeitalter des Verbrennungsmotors. Das zeigt sich bereits deutlich im globalen Klima: Die globalen Temperaturen lagen im Dreijahresschnitt 2023 bis 2025 um mehr als 1,5 Grad Celsius über dem Niveau der vorindustriellen Zeit.

Wenn das Ziel, die Erderwärmung bei 1,5 Grad aufzuhalten, noch erreicht werden soll, sind laut den Forschern die nächsten fünf Jahre entscheidend dafür, die Rolle der CO2-Entnahme bei der Begrenzung von Klimaschäden auszubauen.

„Carbon Dioxide Removal“, kurz CDR und englisch für CO₂-Entnahme, ist der Oberbegriff für verschiedene Möglichkeiten, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zurückzuholen. Der Weltklimarat IPCC geht davon aus, dass – neben den unbedingt nötigen, schnellen und drastischen Emissionssenkungen – auch CDR-Technologien unerlässlich sind.

Pro Jahr bisher nur 2,2 Milliarden gebundene Tonnen CO₂

Grob wird dabei in drei Methoden unterschieden: erstens Aufforstungen – Bäume machen bei der Fotosynthese unter anderem aus Kohlendioxid Holz. Zweitens chemische Verfahren wie die Herstellung von Biokohle: Durch Pyrolyse entsteht Holzkohle, die als Bodenverbesserer und zur Kohlenstoffspeicherung eingesetzt werden kann. Drittens das sogenannte „Direct Air Capture“ (DAC), bei dem Kohlendioxid direkt aus der Umgebungsluft gefiltert, verflüssigt und dann unterirdisch verpresst wird.

Aktuell werden laut dem Bericht jährlich 2,2 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus der Atmosphäre gebunden. Die Menschheit produzierte zuletzt aber mehr als 38 Milliarden Tonnen – viel zu viel, um die Erderwärmung zu stoppen. Und von diesen 2,2 Milliarden zurückgewonnenen Tonnen stammen gerade einmal 0,1 Prozent aus DAC-Technologien. Das Pflanzen von Bäumen ist jedoch begrenzt, einfach weil der dafür verfügbare Platz begrenzt ist.

Regierungen haben das Thema durchaus auf dem Schirm – aber wie bei der Senkung der CO₂-Emissionen liefern sie in der Regel zu wenig. „Bis 2035 haben Länder rund 2,7 Milliarden Tonnen CO₂-Entnahme zugesagt, bis 2050 etwa 3,6 Milliarden Tonnen. Klimaszenarien, die die Erwärmung wieder auf 1,5 Grad senken, brauchen aber deutlich mehr“, erklärt William Lamb, Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Mitautor des Berichts. „Die Lücke wächst deshalb mit der Zeit stark an. Die meisten Zusagen setzen auf Wälder und andere landbasierte Maßnahmen, während neue Technologien bislang nur eine kleine Rolle spielen. Wenn Emissionen nicht schneller sinken, wird die Lücke noch größer.“

Dem Bericht zufolge gibt es gewisse Hoffnung: Neue Formen der CO₂-Abscheidung und -Speicherung legten zuletzt jährlich um 40 Prozent zu. Allerdings ist die Ausgangsbasis gering, die Forscher fordern Wachstumsraten und technologisches Tempo, wie die Welt es in den letzten Jahren beim Ausbau der Solarkraft oder der Elektromobilität erlebt hat.

Die weltweit größte Anlage zur Speicherung von Kohlendioxid aus der Luft ging vor fünf Jahren auf Island in Betrieb. Auf der Hochebene Hellisheiði im Südwesten der Insel sollen der Luft pro Jahr bei Vollauslastung etwa 4.000 Tonnen entzogen werden können.

Die neben einem Erdwärmekraftwerk errichtete Anlage der Schweizer Firma Climeworks kostete nach Bloomberg-Angaben 15 Millionen Euro: Ventilatoren saugen Luft ins Innere, wo das Kohlendioxid herausgefiltert, verflüssigt und in poröses Gestein 1.000 Meter unter der Erde gepumpt wird. Dort gibt es Mineralien wie Eisen, Kalzium und Magnesium, die mit dem Klimagift reagieren.

Der Vorteil: Das Kohlendioxid versteinert so praktisch zu Karbonaten. Der Nachteil: Die zurück gewonnene Menge entspricht gerade einmal den Emissionen von etwa 870 Durchschnittsautos. Finanziert wird die Arbeit durch die „Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft“, die einen Zehn-Jahresvertrag zur Abscheidung geschlossen hat, um so seine eigenen Emissionen zu kompensieren.

Allerdings hat sich mittlerweile die politische Großwetterlage geändert und damit auch der CDR-Markt: Nachdem Donald Trump mit den USA aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen war, stoppte der US-Tech-Konzern Microsoft sein Programm zum Aufkauf von CDR-Zertifikaten. Das ist insofern dramatisch, als Microsoft bis dato als weltgrößter Financier von CO₂-Entnahme-Projekten galt. Ohne Nachfrage wird die Technologie aber niemals die Erfolgsstory der E-Autos und Photovoltaik wiederholen.

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9 Kommentare

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  • Es gäbe auch noch die Möglichkeit, das abgeschiedene CO2 mit grünem Wasserstoff zu Kohlenwasserstoffen zu verarbeiten. Die Produkte wären lagerfähig und damit ein Beitrag zur Lösung des Speicherproblems. Z.B. gibt es in Deutschland 250 TWH Methanspeicher, die problemlos weiter nutzbar wären, ebenso gibt es Gaskraftwerke, die das Zeugs statt Erdgas verwenden können.



    Dann könnte Erdgas im Boden bleiben.



    Ich fürchte aber, dass das (eine Kohlenstoff-Kreislaufwirtschaft) je nach Weltanschauung entweder zu naheliegend erscheint oder gleich in Grund und Boden verdammt wird.



    BTW: DAC sollte man Pflanzen überlassen. Die können das, die haben mit Photosynthese schon mal eine Umweltkatastrophe verursacht. Wälder haben übrigens im Alter von 5-30 Jahren die höchste CO2-Aufnahme ihres Lebens.

    • @sollndas:

      "je nach Weltanschauung entweder zu naheliegend erscheint oder gleich in Grund und Boden verdammt wird. " Da gibt es noch einige andere Gründe.



      z.B. weil - wie soll man sie nennen - Mächtige oder Entscheider oder selbsternannte Leistungsträger - immer noch glauben, es könnte irgendwie wichtig sein, wer damit wieviel Geld verdient.



      z.B. Weil so viele sich immer noch viel zu sicher vor den Konsequenzen des "Weiter so" fühlen



      z.B. weil Verantwortungsbewusstsein und konsequentes Nachdenken, Kooperationsbereitschaft und Altruismus von vielen nicht mehr für wichtig und von manchen anderen für überflüssig und lächerlich gehalten werden.



      usw, usw.... eben all das, woran Leute glauben, denen es zu gut geht und die glauben, das stünde ihnen zu.

  • Es gibt so viele Möglichkeiten, CO2-Erzeugung einzusparen oder CO2 zu binden, dass auch kleine Beiträge in der Summe was bringen. Z.B. auf Abriss und Neubau mit mineralischen Baustoffen zugunsten nachwachsender Baustoffe und Gebäudeumbau und -umnutzung zu verzichten. Das bringt auch Reduzierung bei Transportleistungen, Ressourcenerhalt, Handwerksförderung +++.



    CO2-Einsparung im Verkehr - Tempolimit sowieso, sondern auch lokale Versorgungskonzepte, Transportverlagerung auf Wasser und Schiene +++.



    Nicht nur Stadgrün verbraucht CO2 und verbessert das Klima. Noch mehr CO2-zu_Biomasse-Potential hätte städtischer Bio-Obst- und Gemüseanbau, unterstützt durch solare Energieversorgung. Das würde im Sommer "überflüssigen" Strom z.B. für Kühlung und Konservierung ohne großartigen Netzausbau verbrauchen, den Ausbau ernauerbarer Energien fördern und viel weiträumigen Transport überflüssig machen. Man könnte durchaus schon mal in Kombinationen von dezentralen Lösungen investieren und sinnvolle Kooperationsstrategien und Konzepte entwickeln, bevor die Situation soweit eskaliert, dass wir das ohnehin tun müssen. Auch bei und gerade wegen Gasfackeln und Methanwolken über fossilen Lagerstätten.

  • Technologieoffene Luftbuchungen sollen nun also die Menschheit retten ... Dabei geht es doch nur um die Rettung des Kapitalismus und dessen Profiteuren. Anpflanzen von Wald geht nur auf Kosten landwirtschaftlich genutzter Flächen - also mehr Hunger auf der Welt und die direkte CO2-Entnahme ist teuer und extrem energieaufwendig - also strukturell ein Schuss in den Ofen.



    Inzwischen sollten wir gelernt haben, dass Kapitalismus und Ökologie nicht zusammen gehen. Wir müssen uns entscheiden.



    Wer angesichts des technologischen Stands sich für die direkte CO2-Entnahme ausspricht, der hat sich für den Kapitalismus und gegen die Ökologie und damit gegen einen für Menschen noch gut bewohnbaren Planeten entschieden.

    • @Favier:

      Na, wenn der Schuldige so klar ist, haben Sie sicher auch schon den ökologischen Heilsbringer in der Hosentasche. Da die sozialistische Gemeinwirtschaft auch noch nirgendwo den überregionalen Praxistest bestanden hat, bin ich jetzt mal sehr gespannt.

  • Direkt neben einem sonst nicht ausgelasteten Erdwärmekraftwerk macht das vielleicht Sinn. Ansonsten bleibt die Frage: Wie energieinteniv ist das Verfahren? Wäre es nicht besser und effizienter, die Energie zu verwenden um den CO2-Ausstoß zu verringern?

    • @Francesco:

      "Besser" und "effizienter" sind Begriffe, die im Umfeld von Energieverkäufern überhaupt nicht gerne gehört oder gelesen werden.

  • 4000 Tonnen pro Jahr also. Ein einziger gasbetriebener 500 MW Gaskraftwerksblock stößt im Jahr bei Dauerbetrieb 2 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus und dort fällt es konzentriert an und ist wesentlich einfacher, billiger und energiesparender(!) zu extrahieren. Bei dieser Anlage handelt es sich also offensichtlich um ein reines Showprojekt mit dem vermutlichen Hauptzweck, Staatsknete abzugreifen.

  • Sehr clever - Schäden durch zu viel Technik durch noch mehr Technik reparieren - Chapeau!