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Beschluss von Schwarz-RotDrastische Einsparung bei der Informationsfreiheit

Die Koalition will Anfragen an Staat und Behörden beschneiden. Das sei der schwerste Angriff auf staatliche Transparenz, kritisiert die Initiative „Frag den Staat“.

kna/taz | Die Bundesregierung will das Recht auf Informationsfreiheit einschränken. In den Beschlüssen der Koalition heißt es schöngefärbt, man wolle das IFG „weiterentwickeln und an die aktuellen Herausforderungen anpassen“. Und das unter Wahrung des Rechtes. Tatsächlich sind aber eine ganze Reihe von Einschränkungen geplant.

In den Beschlüssen des Koalitionsausschusses, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurden, heißt es, dass Auskunftsrechte künftig auf natürliche Personen beschränkt werden soll, die ein berechtigtes Interesse an einer Auskunft nachweisen können. Bisher war dieser Nachweis nicht nötig. Nicht-EU-Bürger:innen sollen komplett vom Auskunftsrecht ausgeschlossen werden. Falls doch Auskünfte erteilt werden, sollen darin die Namen von Mitarbeitenden in Zukunft geschwärzt werden. Und schließlich sollen die Gebühren für eine Auskunft erhöht werden können.

Das Informationsfreiheitsgesetz regelt die Auskunftsrechte, die Bürger gegenüber Bundesbehörden und anderen staatlichen Einrichtungen haben. Auch in einigen Bundesländern gibt es solche Gesetze. Sie geben der Bevölkerung das Recht, staatliche Stellen nach amtlichen Informationen zu fragen. Bislang mussten Antragsteller nicht begründen, warum sie Informationen abfragen. Schon jetzt beinhaltet das Gesetz zahlreiche Ausnahmen vom Recht auf Informationszugang, zum Beispiel, wenn personenbezogene oder sicherheitsrelevante Daten betroffen sind.

Änderungen könnte es nun auch bei Anfragen geben, die mit den Bereichen kritische Infrastruktur, Spionageabwehr, Terrorismusbekämpfung und wissenschaftliche Forschung zu tun haben. Hier sieht der Koalitionsausschuss einen „besonderen Schutzbedarf“, dem man „in Zeiten einer komplexen Bedrohungslage von innen und außen“ Rechnung tragen wolle.

Schwerster Angriff auf Transparenz in der Geschichte der Bundesrepublik

Frag den Staat

Außerdem könnten die Gebühren für Anfragen steigen. Diese wolle man im Einklang mit dem Kostendeckungsprinzip anpassen, so der Koalitionsausschuss. Das könnte bedeuten, dass Antragsteller künftig sämtliche Kosten tragen müssten, die durch eine Anfrage entstehen.

„Das wäre eine Rolle rückwärts“

„Das ist der schwerste Angriff auf staatliche Transparenz in der Geschichte der Bundesrepublik“, kritisiert die Initiative Frag den Staat, die sich auf solche Anfragen spezialisiert hat, in einer Mitteilung. SPD und Union würden damit das Informationsfreiheitsgesetz faktisch abschaffen wollen, heißt es weiter. „Damit brechen sie nicht nur ihr eigenes Versprechen aus dem Koalitionsvertrag, sondern beschädigen die Presse- und Informationsfreiheit massiv.“

Auch Oliver Wiedmann von Mehr Demokratie e. V., kritisiert, dass die Koalition das IFG „massiv beschneiden“ wolle: „Im Koalitionsvertrag war noch von einer Reform mit einem Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger die Rede. Nun droht eine massive Verschlechterung der Bürgerrechte. Das wäre eine Rolle rückwärts.“

Im Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und SPD sich auf eine Reform des Gesetzes geeinigt. In den Verhandlungen hatte die Union seinerzeit eine Abschaffung gefordert. Das war am Widerstand der SPD gescheitert. Zur Reform hieß es im Koalitionsvertrag, das Informationsfreiheitsgesetz solle mit einem Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger und Verwaltung reformiert werden.

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7 Kommentare

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  • Das ist ein erheblicher Angriff auf die Demokratie.

  • Zurück in die Steinzeit.

    Wer wie ich den Papierkrieg pro und contra anlässlich der Entstehung der VerwaltungsverfahrensGe hautnah miterlebt hat: die reaktionäre Carl-Schmitt-Fronde vs die Freiburger/Smend-Schule kann nur entsetzt reagieren •

    Banal: Wieso wagen es eigentlich unsere von uns bezahlten Angestellten eigentlich - über notwendiges hinaus - dreist Auskünfte zu verweigern? - ja Regelungen zu erlassen - die selbiges zulassen!

    Gläserne Exekutive - sei die Devise •

  • Zu einer Demokratie gehört auch Transparenz des staatlichen Handelns für die Bürger! Was hier CDU und SPD planen, ist wieder einmal ein riesiger Rückschritt in Richtung Demokratie Abbau. Diese rückwärts gerichtete, Lobbyverflochtene,hilflose und auch gefährliche Politk bringt Deutschland großen Schaden.

  • Außer in Bayern und Niedersachsen gibt es in allen Bundesländern ein Informationsfreiheitsgesetz, in Berlin wurde es gerade erheblich eingeschränkt.

  • Wie wär’s dann auch mit einem neuen Namen? „Lex Spahn“, „Lex Reiche“ oder auch „Lex Schwesig“ böten sich da an.

  • ⛔️ Die uneingeschränkte Informationsfreiheit uns Bürgern gegenüber, muss wenn wir sie von unseren Behörden oder unserer Regierung



    [ Ministerien pp. ] einfordern, unbedingt, ohne wenn & aber erhalten bleiben.



    ⛔️ Ansonsten ist unsere Demokratie in großer Gefahr & quasi nicht mehr vorhanden - es geht ja wohl los❗️

  • Ich versteh jetzt noch nicht ganz, inwiefern das die Sozialversicherungen und/oder die Wirtschaft ans Laufen bringen soll... darum's ging's doch bei den ganzen Reformen in letzter Zeit... soll da womöglich im Windschatten der sozialen Zumutungen noch anderes beschlossen werden?