piwik no script img

Berliner Remmo-FamilieDer Kriminelle als neutrale Quelle

Im Kuddelmuddel um Kontakte des Berliner Linken-Politikers Ferat Koçak sollte eines nicht vergessen werden: Die Familie Remmo hat eigene Interessen.

D iskreditierungskampagnen funktionieren deshalb so gut, weil man die Gegenseite damit beschäftigt hält, Vorwürfe zu entkräften. Das ist aufwendig, denn die meisten gut geführten Kampagnen sind überzeugend. Und die meisten schaffen es zumindest, ein Bild zu färben. Und es war inmitten des konservativen Kulturkampfs, wie es manche Medien nannten, absehbar, dass das Negative Campaigning gegen die Linke erst recht nicht mit ihrem Wahlsieg aufhören würde.

Sicher ist es sinnvoll, sich die einzelnen Kritikpunkte gegen die Berliner Linke anzusehen. Aber weder handelte es sich größtenteils um sachlich vorgetragene Kritik – Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Berliner Linken wurde vom baden-württembergischen Innenminister der CDU „Clan-Bürgermeisterin“ genannt, noch ist dieser Moment politischen Wahnsinns als ein für sich stehendes Schauspiel zu betrachten.

Das Unbehagen und die Zweifel wurden seitens der bürgerlichen Medien aber auch linken Ak­teu­r*in­nen so häufig artikuliert, dass im Mainstreamdiskurs hängen blieb: Antisemitismus macht die Partei regierungsunfähig. Zig Jour­na­lis­t*in­nen und Ak­ti­vis­t*in­nen versuchten zeitgleich, dagegenzuhalten und das mediale Framing sowie die antilinken Bashings zu analysieren.

Jetzt lassen sich Fotos und Screenshots schlecht entkräften, erst recht, wenn sie belegen, dass Ferat Koçak, Linken-Parteimitglied und MdB wissentlich mit dem Sohn einer Größe der Organisierten Kriminalität (OK) chattet. Ich finde es nicht verwunderlich, dass Po­li­ti­ke­r*in­nen mit Personen aus dem OK-Bereich Berührungspunkte haben. Das mag abgebrüht klingen. Aber jahrzehntelanger Rassismus und die ethnischen Einfärbungen von Clankriminalität ließen es sicher zu, dass man sich in schwachen Momenten gemeinsamer Anti-Establishment-Gedanken plötzlich auf einer Seite wähnte.

Organisierte Kriminalität ein Polizeibegriff

Der Skandal, der folgte, ist teilweise auch nachvollziehbar. So „divers“ die Organisierte Kriminalität in Deutschland ist, so sehr ist sie gekennzeichnet von faschistischen, patriarchalen und streng konservativen Ideologien. Damit sollte man als politische Linke natürlich nicht flirten. Hier sei angemerkt, dass Organisierte Kriminalität ein Polizeibegriff ist, den man kritisch betrachten muss.

Aber der, der die Chats postete, war kein neutraler Mitspieler. Es war Firas Remmo selbst. Und meine Frage ist: Warum? Wie profitiert der Sohn von Issa Remmo davon, die Chats mit Ferat Koçak zu posten? Wenn da eine politische oder kollegiale Nähe wäre, dann würde man sich gegenseitig doch nicht in die Pfanne hauen?

Kein einziger Artikel, kein Kommentar erwähnt kritisch, dass das Motiv dieser Chat-Offenbarung unklar ist. Und dass Firas Remmo die Diffamierung gegen Ferat Koçak damit vorantreibt. Und altlinke Ak­teu­r*in­nen springen aufgescheucht auf den Zug auf. Es wird der Parteiausschluss von Koçak gefordert und eine Distanzierung der Parteispitze. Und so werden die gefährlichen Remmos, die man eigentlich meiden sollte, zur neutralen Quelle ohne Eigenmotiv.

Dabei verstehen Issa Remmo und sein Sohn doch ganz klar, wie ihre Präsenz auf einer Wahlparty oder ihr Kontakt mit der Linken medial eingeordnet wird. Dennoch haben Medien aller politischen Richtungen die Vorfälle so behandelt, als wären sie Anzeichen oder direkt Anlass für eine innerlinke Auseinandersetzung.

Dabei sieht es nach einer Strategie aus, die Linke genauso wie die CDU als eine Partei zu behandeln, die man für die eigenen Interessen nutzen will.

Yasemin Said

Yasemin Said Redakteurin

schreibt aus dem Ressort Reportage & Recherche, mit den Schwerpunkten Rechtsextremismus, Migrationspolitik und Erinnerungskultur. Und arbeitet als freie Autorin und Regisseurin im Dokumentarfilmbereich für ZDF, ARD Kultur und MDR sowie als Podcast-Producerin.
Mehr zum Thema

28 Kommentare

  • Offebacher

    “Ich finde es nicht verwunderlich, dass Po­li­ti­ke­r*in­nen mit Personen aus dem OK-Bereich Berührungspunkte haben. “ Ich finde das sehr verwunderlich. Und Gefallen, die man der Mafia (egal ob italienisch, kurdisch, arabisch, jüdisch, russisch, deutsch, chinesisch, schwarz, weiß, lila-bunt kariert ...) schuldet, werden irgendwann von der Mafia auch eingefordert. Und ich möchte nicht von erpressbaren Politikern oder Politikerinnen regiert werden. Frau Said sieht das wohl anders, wenn sie Herrn und Koçak verteidigt.

  • Martin Rees

    "Hier sei angemerkt, dass Organisierte Kriminalität ein Polizeibegriff ist, den man kritisch betrachten muss."



    Das delegitimiert ihn m.M.n. keineswegs.



    Projektpartner:



    Zentrum für Europäische und Internationale Strafrechtsstudien (ZEIS) (an der Universität Osnabrück)



    Universität Tübingen Institut für Kriminologie (IfK)



    Deutsche Hochschule der Polizei (DHPol)



    Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT)



    Institut für Wirtschaftsstrafrecht (IWStR) (an der Universität



    Osnabrück)



    Das Projekt:



    www.dhpol.de/depar...G_III.3/ok_3.0.php

  • Oma

    Was ich bei dieser Verschwörungstheorie nicht ganz verstehe: was hat Kocak denn bewogen, aktiv Beiträge für den Insta-Account von Firas Remmo zu liefern? Seine Entschuldigungen laufen auf völlige Ahnungslosigkeit und fehlenden Durchblick hinaus. Ist ja süß, dieses Unschuldslämmchen, aber brauchen wir so völlig unbedarfte Volksvertreter?

  • Required

    Es geht um bewegungsorientierte Strukturen innerhalb des Landesverbandes, die sich nicht ausreichend abgrenzen und Menschen einen Zugang ermöglichen, die mit den eigentlichen Positionen der linken und ihrer möglichen Koalitionspartner nicht vereinbar sind.

    Hier ein Beispiel:

    Ferat Koçak befürwortet eine Einstaatenlösung. Wie Vanessa Emde antwortet er auf die Frage nach dem Existenzrecht Israels mit den Worten: "Menschen haben ein Existenzrecht – nicht Staaten." Das ist eben kein Ja zur jüdischen Selbstbestimmung und der Bezugsrahmen wird von kollektiver Selbstbestimmung auf individuelle Menschenrechte verschoben.

    Koçak steht bekanntlich marx21 nahe. Sein Büromitarbeiter ist Kipka-Anton. Kipka-Anton ist im Vorstand von marx21 & trägt die inhaltliche Verantwortung für deren Website. Auf deren Website wurde die Zerstörung Israels gefordert und Zionismus als rassistische Ideologie bezeichnet.



    Gleichzeitig spricht Koçak 2025 auf einer pro-palästinensischen Veranstaltung, auf der Ibrahim Ibrahim redet für den die Huldigung des palästinensischen Märtyrertums eine Selbstverständlichkeit ist. Koçaks Bezirk Neukölln sitzt mit der VPNK (Ibrahim) im Interbündnis Berlin zusammen.

  • Kommen Tier

    "die Organisierte Kriminalität in Deutschland ist .... gekennzeichnet von faschistischen, patriarchalen und streng konservativen Ideologien. Damit sollte [die] politische Linke natürlich nicht flirten."

    Das tut sie aber seit vielen Jahren, sie merkt es nur nicht.

    • rero

      @Kommen Tier:

      Doch.

      Sie merkt es.

      Aber sie setzt Prioritäten.

  • Sven Krüger

    Der Artikel spricht auch mir aus dem Herzen. Die Beweggründe von vom Sohn des Clan-Chefs werden wir wohl nie erfahren. Wenn er politische Kontakte zu seinem Vorteil der Großfamilie nutzen wollte, hat er sich einen Bärendienst erwiesen. Ich kenne den Mann nicht, aber ich habe bisher nur immer gehört, dass er der Sohn von ist. Noch nie habe ich aber gelesen, dass er kriminell ist. Nur weil er der Sohn von ... ist, muss er nicht auch dessen Kriminalität übernommen haben. Es soll ja Menschen geben, die sich von ihren kriminellen Familien lösen wollen. Wie geschrieben, ich kenne den Menschen nicht, im Zweifel für den Angeklagten. Sollte etwas gegen ihn vorliegen, sollte er angeklagt / verurteilt werden. Sollte nichts gegen ihn vorliegen, kann er sich treffen mit wem er möchte.

    • TheBox

      @Sven Krüger:

      Firas Remmo wurde wegen versuchtem Geldautomatenaufbruch im Januar auf frischer Tat festgenommen und wartet in der Sache derzeit auf seinen Prozess.

    • Budzylein

      @Sven Krüger:

      Der Sohn ist vorbestraft (siehe hier: www.morgenpost.de/...zurueckziehen.html ). Der Vater ist hingegen nie verurteilt worden. Aber das führt in politischen Diskussionen nicht weiter. Es gibt eine prozessuale Wahrheit, die durch Gerichte festgestellt wird, und es gibt die Realität. Die größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte wurden - mit ganz wenigen Ausnahmen - nie verurteilt. Und bei der Organisierten Kriminalität ist der Chef derjenige, der am schwierigsten zu erwischen ist, wenn er die Taten nicht selbst begeht, sondern nur mündliche Befehle gibt.

  • Elite123

    Das Motiv und die Strategie sind klar.

    Die Remmos zeigen der Außenwelt "seht her, wir haben die Berliner Regierung im Sack!".

    Es reichen ein paar Gefälligkeiten und Stimmen für Gestalten wie Kocak und Schrader, um das auslösen zu können.

    Zeugen & Informanten überlegen jetzt dreimal mehr, was sie einer linken Berliner Polizei erzählen. Und das ist das eigentliche Drama dabei.

    Dass Kocak sein Mandat verlieren muss und aus der Partei ausgeschlossen gehört, steht für mich außer Frage. Dass jemand im Innenausschuss Remmo nicht kennen soll, ist extrem unglaubwürdig. Die Chats belasten ihn.



    Niemand braucht einen "naiven und überforderten" MdB.

  • Ringsle

    Danke. Dieser Kommentar war so überfällig!



    Mein Tipp: er hat sich als untauglich als Asset des Clans erwiesen.

    • TheBox

      @Ringsle:

      ... und ich lese das als eine Warnung an andere Leute aus dem Kocak-Umfeld bloß unauffällig bei der Stange zu bleiben oder auch ihre Karriere zu ruinieren. Dass da nur ein einzelner Abgeordneter mit dem Clan kuschelt, komplett ohne Mitwissen oder auch nur Verdacht der lokalen Parteifreunde, ist genau so unglaubwürdig wie Kocaks fachpolitisch untermauerte Beteuerung, er wüsste überhaupt nicht, mit dem er da geredet hat.

    • Abdurchdiemitte

      @Ringsle:

      Das Asset der organisierten Kriminalität besteht in Berlin darin, über gute Kontakte zu allen relevanten politischen Parteien zu verfügen.



      Die politische Kompromitierung Kocaks durch die Remmos ist ein Wink mit dem Zaunpfahl, der zeigen soll: schaut her, es liegt in unserer Macht, Politiker jeglicher Coleur zu Fall bringen zu können, sollten sie uns irgendwie ‚komisch‘ kommen.



      Zwar gibt die CDU immer vor, in Berlin besonders rigoros gegen die organisierte Kriminalität vorzugehen, in der Praxis bestehen die Kontakte in dieses kriminelle Millieu genau so wie bei allen anderen Parteien (die in der Hauptstadt etwas zu sagen haben).



      Und man könnte diese Annahme noch weiter spinnen: da die Berliner Linke wild entschlossen zu sein scheint, an den sozialen Verhältnissen dort wirklich etwas ändern zu wollen, steht sie möglicherweise besonders im Visier krimineller Clans. Denn: soziale Gerechtigkeit entzieht auch der organisierten Kriminalität den Nährboden, wenigstens zum Teil.



      Von daher haben sowohl die CDU als auch die Remmos als gewichtige Hauptstadt-Akteure ein Interesse daran, Die Linke in Berlin scheitern zu sehen. Auch dann, wenn die Motive unterschiedlich sein sollten.

      • Budzylein

        @Abdurchdiemitte:

        Die Linkspartei ist bisher aber nicht mit Forderungen nach Enteignung reicher Krimineller in Erscheinung getreten, sondern mit Forderungen, bei Kriminalität weniger Polizei und dafür mehr Sozialarbeiter einzusetzen, sowie nach möglichst wenigen und möglichst geringen Freiheitsstrafen.

        Die Feministin Ingeborg Krauß hat vor kurzem eine an Elif Eralp gerichteze Petition gestartet, die Berliner Bordelle zu enteignen, und dabei auf die dort von den Prostituierten verlangten Wuchermieten und auf die Zusammenarbeit zwischen vielen Betreibern und der Organisierten Kriminalität hingewiesen.

        • Budzylein

          @Budzylein:

          Korrektur: Ingeborg Kraus, nicht Krauß.

  • Moritz Pierwoss

    In den meisten Sendungen und Artikeln setzt man sich ja grundsätzlich gar nicht inhaltlich damit auseinander inwieweit Vorwürfe gerechtfertig oder ungerechfertigt sind, sondern es geht ausschließlich darum, die Linke zu verhindern. Auch die ständigen Antisemitismusvorwürfe, anstatt zuerst zu klären, was denn Antisemitismus ist und um dann zu schauen, in welchen Fällen das zutriftt und in welchen Fällen nicht. Es fehlt die Ernsthaftigkeit, wodurch der Eindruck entsteht, dass Antisemitismus als Kampfbegriff missbraucht wird, anstatt sich um Aufklärung der Sachverhalte zu bemühen.

    • Pawel_ko

      @Moritz Pierwoss:

      Stimmt so nicht ganz. Die Antisemitismus-Resolution im Deutschen Bundestag (mit dem Titel „Nie wieder ist jetzt: Jüdisches Leben in Deutschland schützen, bewahren und stärken“) wurde im November 2024 gemeinsam von vier Parteien als sogenannter interfraktioneller Antrag eingebracht und beschlossen.

      Aber Linke und BSW waren dagegen. Und wenn man nicht wahrhaben möchte, dass das eigene verhalten eben antisemitisch sein kann, dann macht man halt eine eigene Resolution in der es auf einmal nicht mehr antisemitisch ist.

      Man stelle sich so ein Verhalten beim Thema Rassismus vor.

      • Abdurchdiemitte

        @Pawel_ko:

        Es waren damals nicht nur Die Linke und BSW dagegen, sondern auch Teile der Grünen, wenn auch als Minderheitenposition. Jerzy Montag beispielsweise, langgedienter MdB der Grünen-Fraktion, warnte in einem offenen Brief zusammen mit 100 anderen, darunter auch jüdischen Unterzeichnern aus dem öffentlichen Leben, vor den politischen Folgen einer Verabschiedung dieser Resolution. Genau so ist es dann auch eingetreten, wir haben seinerzeit in der taz darüber schon diskutiert.



        Ich muss es also nicht noch einmal aufwärmen, Ihnen als interessierter Zeitgenosse ist diese Debatte ohnehin bekannt (Stichwort IHRA vs. JDA).

  • Mondschaf26

    Schöne Kolumne. Gut analysiert und interpretiert. Ich hatte immer geglaubt, „OK" stehe für Olympisches Komitee. Die Poesie der Überschrift entzückt.

  • Fran Zose

    Es ist doch vollkommen egal aus welchem Grund der Chat seitens der Remmos öffentlich gemacht wurde. Vielleicht war es verletzte Eitelkeit darüber, dass Kocak anfänglich behauptet habe er wüsste nicht neben wem er gestanden habe oder vielleicht war es schlicht Dummheit oder Prahlsucht. An den Fakten ändert es nichts und es macht die Empörung nicht weniger gerechtfertigt. Insgesamt eh nur ein weiterer Kommentar der versucht die offensichtlichen Probleme zu relativieren oder als Kampagne darzustellen. Und die Kontakt dann noch mit erfahrenem Rassismus entschuldigen zu wollen schlägt für mich dem Fass den Biden aus.

  • PeterArt

    "Dabei sieht es nach einer Strategie aus, die Linke genauso wie die CDU als eine Partei zu behandeln, die man für die eigenen Interessen nutzen will." Eine bahnbrechende Erkenntnis. Ist doch vollkommen logisch: Die Linke will so die Stimmen aus dem Umfeld der OK, die Clans erhoffen sich politischen Einfluss. Sehr überraschend. So hat doch das Spiel zwischen Politik und Mafia von jeher funktioniert.

  • Pflasterstrand

    gut, dass es nochmal so deutlich aufgeschrieben wird. wie ließe sich diese konstellation auch sorgfältig analysieren, ohne nach den motiven aller aktiv beteiligten zu fragen? in den sozialen medien hat es diesen hinweis bereits letzte woche gegeben, als ein foto viral ging, das firas remmo 2023 wenige wochen vor der wiederholungswahl zusammen mit dem ehem. spd-bürgermeister müller zeigt. 2018 waren unter einem rot-grün-roten senat 77 immobilien der remmos beschlagnahmt worden. die cdu hingegen blockiert oder verschleppt seit jahren hartnäckig in bund und land jede ernstzunehmende verbesserung des mieter*innenschutzes, der bankenaufsicht, der gesetzgebung gegen korruption und geldwäsche, und der schaffung von mehr transparenz und durchsetzung stärkerer demokratischer kontrolle bei liegenschafts- und immobiliengeschäften.

  • Deep South

    "Kein einziger Artikel, kein Kommentar erwähnt kritisch, dass das Motiv dieser Chat-Offenbarung unklar ist. "

    Weil es völlig irrelevant ist. Hätte Kocak nicht mit "Bruder" Remmo vertraulich gechattet, dabei den Vater gegrüßt, der dann auch noch auf der Wahlparty auftaucht, gäbe es gar nichts zu veröffentlichen. Mit einer nebulösen Geschichte, dass Kocak nur naiv war, nicht wußte, wer Remmo ist und das ganze eine Verschwörung war macht man die ganze Sache ganz bestimmt nicht glaubwürdiger.



    Und was soll das bitte in diesem Zusammenhang bedeuten, das "organisierte Kriminalität" eine Polizeibegriff ist, den man "kritsich betrachten muss"? Dass die hunderten rechtskräftigen Urteile gegen Menschen aus dem Umfeld Remmos, darunter Schutzgelderpressung, Geldwäsche, schwerer Raub bis hin zu schwerer Körperverletzung und Mord " kein muster haben und von einer faschistischen, patriarchalen und streng konservativen Ideologien" gekennzeichnet sind? Erntshaft?



    Die ätzende Springer Kampagne mag ein Teil dieser unwürdigen Geschichte sein, billige Ausreden und Entlastungsversuche sind der Andere. Beide sind in der Sache absolut unangemessen.

    • Ringsle

      @Deep South:

      Oh doch, es ist höchstrelevant.



      Es dürfte absolut klar sein, dass Kontakte - welcher konkreten Art auch immer - zwischen OK und allen politischen Kräften bestehen.



      Insofern diese Kontakte einen klaren Nutzen für die OK haben, quasi produktiv sind, besteht eher kein Interesse, diese öffentlich zu machen.



      In diesem Fall ist davon auszugehen, dass der Nutzen gerade darin besteht, den Kontakt zu veröffentlichen.



      Warum, darum kann man spekulieren:



      - Macht demonstrieren, klar machen, wen man kontrolliert



      - die Linke als Wahlsieger zu schwächen



      - ..?

      Das ist Mafia. Informieren Sie sich mal, wie das z.B. in Italien läuft.

      Hätte Kocak nicht... Fahrradkette...



      Klar ist Kocaks Verhalten Mist. Aber hätten die Remmos nicht gewollt, dass es öffentlich wird, es wäre nie öffentlich geworden.



      Also: cui bono? (aber nach Mafialogik...!)

      • Deep South

        @Ringsle:

        Ja, wie du schon selbst sagst, alles Spekulation. Und schon allein deshalb, weil sich niemand, der nicht völlig hinterm Mond lebt und schon mal gar kein Berliner Politiker, der Mitglied im Innenauschuss ist, informieren muss, wer Remmo ist, sind das alles billige Ausreden.



        Kocak ist weder naiv, noch ein Opfer. Er hat sich selbst in diese Situation gebracht. Er verstrickt sich in Widersprüche, will gar nicht gewußtt haben "wer diese Leute sind", behauptet aber gleich den Kontakt beendet zu haben als er es dann wusste. Nur um kurze Zeit später selbst wieder Kontakt aufzunehmen und Remmo zu bitten ein Video seiner Bundestagsrede zum Thema Clankriminalität (!) zu verbreiten. Und dann taucht der Issa Remmo auch noch auf der Wahlparty auf. Wäre Kocak nur halbwegs integer, hätte er spätestens nach den Recherchen der Zeit die Karten auf den Tisch gelegt und den Hut genommen. Es ist völlig wurscht, warum ein Politiker Kontakt zur organisierten Kriminalität hat. Es ist schlicht inakzeptabel. Und selbst wenn er doch einfach nur naiv sein sollte und in eine Falle getappt wäre, wäre das für jemanden in seiner Position nicht im Ansatz entschuldbar.

  • Zippism

    Versucht man hier nicht ein Stück weit, die Verantwortung zu verschieben? Natürlich suchen Menschen aus dem Milieu die Nähe zu Politikern – gerade deshalb ist es doch Aufgabe der Politiker, bei solchen Kontakten besonders genau hinzusehen.

    Bei Koçak geht es schließlich nicht nur um einen ungebetenen Gast auf einer Wahlparty. Laut den veröffentlichten Chats gab es bereits vorher persönlichen Kontakt, und Koçak bat ein Mitglied der Familie sogar darum, eine seiner Reden gegen den Begriff „Clankriminalität“ zu verbreiten. Spätestens da ist die Frage nicht mehr nur, warum die Remmos die Nähe zur Politik suchen, sondern warum ein Innenpolitiker diese Nähe zulässt.

    Und bei aller berechtigten Kritik am Begriff „Clankriminalität“: Wer im Innenausschuss sitzt, sollte wissen, mit wem er sich politisch gemeinmacht. Das jetzt primär als Problem derjenigen darzustellen, die den Kontakt suchen, greift zu kurz. Politische Verantwortung beginnt schließlich dort, wo man selbst entscheidet, wem man seine Plattform und Aufmerksamkeit gibt.

  • Chaos-NRW

    Natürlich hat die Familie Remmo eigene Interessen, umso weniger nachvollziehbar ist es, wenn sich Politiker mit diesen einlassen. Und die Message is doch auch klar. Die machen das mit der Veröffentlichung, weil sie zeigen wollen, dass sie es können.

    Es steht zu vermuten, dass Kocak nicht der einzige ist und sie damit den anderen zeigen wollten, seht her, wir können euch politisch vernichten, wenn wir wollen. Damit haben sie die entsprechenden Leute noch mehr in der Hand.

  • Alcapi Proco

    "Kein einziger Artikel, kein Kommentar erwähnt kritisch, dass das Motiv dieser Chat-Offenbarung unklar ist. "



    das stimmt nicht, es gab darüber schon in der Wahlnacht gute Analysen.



    Schade dass sich die Autorin nicht die Mühe gemacht hat minimal zu recherchieren.



    Der Taz Kollege Yossi Bartal und Jonathan Peaceman haben ziemlich ausführlich zu den politischen Ambitionen von Issa und Firas Remmo und ihre Connections zu CDU Wahlkämpfern aus Neukölln geschrieben.

    Issa Remmo war mit seinen CDU buddies im Abgeordnetenhaus. Zentral dabei ist Khaled Watban al-Jarbaauf der Sonnenalle mit der CDU jüngst noch Wahlkampf machte. Er ist eng verbandelt mit der Remmo Familie um Issa und gut vernetzt in Berlin