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Alkoholverbot an BahnhöfenWeg mit dem Wegbier

Ab Oktober soll an S-Bahnhöfen ein Alkoholverbot gelten. Sorgt das für mehr Sicherheit – oder geht so etwas verloren? Die taz hat sich am Berliner Ostbahnhof umgehört.

„Willkommen am Bahnhof. Wir wünschen einen schönen Aufenthalt“, steht auf dem Banner über einem Laden in der Eingangshalle des Ostbahnhofs. Die Verkäuferin packt bunte Donuts in eine Packung, verabschiedet einen Kunden mit einem Lächeln. Sie arbeite oft bis spät in den Abend hinein und habe schon oft alkoholisierte Menschen am Bahnhof erlebt, sagt die junge Frau. „Sie schreien sich gegenseitig an, manchmal wird es auch handgreiflich. Gerade in meinen Spätschichten fühle ich mich oft unsicher.“

Am Dienstag hat die Deutsche Bahn angekündigt, das Trinken von Alkohol an all ihren Bahnhöfen zu verbieten. Die neue Regelung wird bis zum 15. Oktober 2026 schrittweise an 5.400 Bahnhöfen umgesetzt – in Berlin betrifft das die S-Bahnhöfe. Am Ostbahnhof läuft sogar bereits seit Mai ein Modellprojekt, das Alkoholkonsum im Bahnhofsbereich verbietet.

Für Aufsehen hatte kürzlich der Fall eines betrunkenen Fahrgastes gesorgt. Dieser hatte einen DB-Sicherheitsmann aus einem fahrenden Zug gestoßen, der daraufhin lebensbedrohliche Verletzungen erlitt. Es sei eines von vielen Beispielen, sagt DB-Chefin Evelyn Palla. „Zu oft mussten wir feststellen, dass dort, wo zu viel Alkohol fließt, auch die Gewalt zunimmt.“

Am Ostbahnhof dürfen alkoholhaltige Getränke weder im Bahnhof noch auf den Vorplätzen konsumiert oder offen mitgeführt werden. Es ist aber weiterhin erlaubt, Alkohol verschlossen im Gepäck oder aus Einkäufen mitzuführen. Auch innerhalb von Gastronomie und Shops, die Alkohol verkaufen, gilt das Verbot nicht. Bei Verstößen spricht die DB einen Platzverweis aus, im Wiederholungsfall ein Hausverbot.

Trifft das Verbot die Falschen?

Am Mittwochabend ist der Ostbahnhof nicht sehr belebt: Einzelne hetzen zum Bahnsteig, um ihren Zug zu bekommen, andere kommen gerade von ihrem Einkauf aus dem unteren Geschoss. Immer wieder laufen DB-Sicherheitsleute mit ihren leuchtend gelben Westen paarweise durch die Halle des Ostbahnhofs, Bierflaschen sind nirgends zu erblicken.

Zwei Männer stehen draußen unter der Überdachung, rauchen und unterhalten sich. Für Frank H. ist der Ostbahnhof schon lange Zeit ein Treffpunkt, auch um gemeinsam mit anderen Leuten zu trinken. Seit dem Alkoholverbot sei es „ruhiger“ um den Bahnhofsbereich herum geworden: Es gebe hier keine Schlägereien mehr – „aber jetzt hat man die Schlägereien halt ein paar Meter weiter weg“, sagt Frank H.

Neben ihm steht Gerald L., er war lange obdachlos und hat sich in dieser Zeit viel in der Umgebung des Ostbahnhofs aufgehalten – oft war er betrunken. Seit zwei Jahren ist er trockener Alkoholiker. „Manchmal schicken sie mich hier weg, obwohl ich nicht mehr trinke. Weil sie mich von früher erkennen“, sagt er. Die beiden sind der Meinung, das Alkoholverbot treffe besonders diejenigen, die obdachlos sind oder so gelesen werden: „Betrunkene Fußballfans werden zum Beispiel nicht so hart angegangen“, sagt Frank H.

Darauf weist auch Barbara Breuer, Sprecherin der Berliner Stadtmission, hin: „Es ist wichtig, dass diese Regeln für alle Menschen gleichermaßen gelten und nicht bei feiernden Jugendlichen oder euphorischen Fußballfans ein Auge zugedrückt wird.“ Insbesondere obdachlosen Menschen würde oft zugeschrieben, dass sie unter Alkoholeinfluss gewalttätig werden. Dabei würden teilweise auch obdachlose Menschen das Verbot gutheißen, weil sie sich genauso vor Angriffen alkoholisierter Leute fürchten würden, sagt Breuer.

Gerade weiblich gelesene Personen berichten von negativen Begegnungen mit alkoholisierten Menschen: „Ich habe schon oft erlebt, dass betrunkene Männer versucht haben, mit mir oder anderen Frauen zu flirten und nicht damit aufgehört haben“, sagt eine Jugendliche zur taz. Sie hält das Verbot deshalb für sinnvoll: „Du musst halt deine Bahn bekommen, du kannst nicht weg. Das macht es beängstigender.“

Verlorenes Berlingefühl

Andere halten dagegen den rauen, dreckigen Ruf von Berlin hoch. Die Stadt sei eben nicht für jeden was, ist die Haltung einer Gruppe männlicher Jugendlicher: „Ist halt atzig, am Bahnhof zu trinken“, sagt einer von ihnen, das gehöre auf dem Weg zum Club dazu. Sie kommen aus Berlin – ein Alkoholverbot an Bahnhöfen gehe ganz klar gegen die „Berliner identity“, finden sie: „Jeder soll machen, worauf er Bock hat.“

Jetzt hat man die Schlägereien halt ein paar Meter weiter weg

Frank H., trifft sich oft vor dem Ostbahnhof

„Ein Feierabendbier – was ist schon dabei?“, sagt ein Mann, der gerade seinen Tabak aus der Tasche holt. Eine ältere Frau, ebenfalls Berlinerin, ist auf dem Weg zum Gleis. Auf die Frage, ob das Wegbier zum Berlinsein dazugehöre, entgegnet sie: „Wenn es nur das Wegbier oder Feierabendbier wäre, dann hätten wir hier nicht so ein großes Problem.“

Das Problem sieht sie in übergriffigem, teils aggressivem Verhalten, das durch Alkoholkonsum begünstigt werde: „Es hat doch nichts mit Berliner Identität zu tun, sich hier anpöbeln zu lassen.“ Sie befürwortet das Alkoholverbot an Bahnhöfen, besonders auch aus ihrer Perspektive als Großmutter heraus: „Das ist verstörend für meine Enkelkinder, wenn wir hier unterwegs sind.“

Viele offene Fragen

Bei der Umsetzung des Verbots gibt es allerdings einige Tücken: Zwanzig von insgesamt 168 S-Bahnhöfen in Berlin sind auch für den U-Bahnverkehr gedacht – wo das Alkoholverbot nicht gilt, weil hier die BVG zuständig ist, die kein solches Verbot ausgesprochen hat. In einem Teil des Bahnhofs ist künftig also der Konsum von Alkohol erlaubt, im anderen nicht.

Auch deshalb zweifeln einige Pas­san­t*in­nen am Ostbahnhof, ob das Alkoholverbot auch eingehalten wird. Am Ausgang des Ostbahnhofs huscht eine junge Frau mit Einkaufstüten beladen vorbei. „Ich habe einmal in dieser Erdbeere gearbeitet“, sagt sie und zeigt auf einen Stand von Karls Erdbeerhof vor dem Ostbahnhof. „Ein sichtlich betrunkener Mann hat sich mal zwei Erdbeeren in die Nase gesteckt“, erzählt sie. Sie hat ihre Zweifel an dem Alkoholverbot im Bahnhof: „Das Problem ist gar nicht unbedingt im Bahnhof selbst. Die Leute kommen schon betrunken in den Bahnhof rein.“

Dagegen ist sich eine Bahnsprecherin sicher: „Unsere Erfahrungen an bereits alkoholfreien Bahnhöfen zeigen, dass die Mehrheit sich an klare Regeln hält.“ Durchgesetzt werde das durch Informationstafeln in den Bahnhöfen, Präsenz der Sicherheitsteams und im Zweifel durch deren Einschreiten.

Eine Verkäuferin, die seit vier Jahren im Zeitschriftenladen des Bahnhofs arbeitet, zuckt mit den Achseln: „Eigentlich ist es Quatsch. Ob jetzt vor dem Bahnhof oder im Bahnhof konsumiert wird. Wenn sie aggressiv sind, sind sie aggressiv.“ Ein Verbot des Alkohlkonsums im Bahnhof verlagere diesen vor die Türen oder in die Umgebung: „Dann hab ich halt nicht hier am Ostbahnhof das Problem, aber stattdessen die Leute hier im Kiez.“

Die Sprecherin von der Berliner Stadtmission fordert deshalb Lösungen, die an der Ursache ansetzen. Bahnhöfe seien für obdachlose Menschen, von denen viele suchtmittelabhängig sind, einer der wenigen Orte, an denen sie sich bisher noch aufhalten durften. „Das ändert sich jetzt gerade. Aber sie können sich auch nicht in Luft auflösen“, sagt Breuer.

An vielen Bahnhöfen befinden sich Essensausgaben, Kleidungsausgaben, Hilfestellen, wie die Berliner Stadtmission. Sie fordert mehr Tagesaufenthalte für obdachlose Menschen. Diese Orte bereitzustellen liege nicht in der Verantwortung der Deutschen Bahn, sondern bei der Stadt und dem Land Berlin, heißt es von Breuer ausdrücklich: „Wer Gewalt, Vermüllung oder enthemmtes Verhalten reduzieren will, muss die Ursachen angehen – Armut, Wohnungslosigkeit, psychische Erkrankungen und Abhängigkeit.“

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24 Kommentare

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  • Falls sich wer erinnert, was bspw 2012 und 2013 geschah:



    taz.de/Grundrecht-...hen-Raum/!5079524/



    "Grundrecht auf öffentlichen Raum



    Rechtswidrige Vertreibung



    Dass der Hamburger SPD-Senat Trinker und Obdachlose mithilfe der Deutschen Bahn vom Bahnhof vertreibt, ist verfassungswidrig, sagen Experten. Die Bahn greift rigoros durch."



    Damals weiter:



    "Dennoch ist am Hauptbahnhof die Vertreibung von Obdachlosen und Trinkern durch das Security-Personal der „DB Sicherheit“ bereits unmittelbar nach Bekanntgabe der neuen Zuständigkeit in vollem Gange. „Die Hilfssheriffs der DB-Sicherheit gehen derartig rigoros vor, wie Polizeibeamte es nicht machen dürften“, berichtet ein Augenzeugen. „Wohl wissend, dass sich von denen niemand gerichtlich wehren wird.“



    An der Praktikabilität von Maßnahmen zur Kontrolle und Durchsetzung darf ebenso gezweifelt werden wie an der Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit des robusten Einsatzes nichtpolizeilicher Kräfte.



    Der Ruf nach mehr Personal wird alsbald sicher im Chor verstärkt durch den Ruf nach Überwachung mit KI.



    Das ist nicht Kassandra-Update, sondern das Resümee der Erfahrungen der letzten Jahre.



    Peter Thiel hat bestimmt Lösungen parat!

  • Was ich mich bei der Lektüre des Artikels spontan gefragt habe: Betrifft das Verbot Alkohol oder als Alkohol gelesene Getränke?

  • Richtig und wichtig. Zu meiner Studienzeit in Tübingen bin ich am WE regelmäßig von meiner Heimatstadt nach Stuttgart. Wenn mal wieder Canstatter Wasen war, war das besonders unangenehm: Biergeruch, manchmal Geruch nach Erbrochenem, vermüllte Waggons, Laut und konstant Spannung in der Luft.

  • Dieses Verbot wird in etwa so viel Wirkung entfalten wie das Racuverbot auf Bahnhöfen, das ja den "Genuss" von Tabkprodukten auf einen engen Raum beschränken sollte.



    In der Realität wird das von vielleicht zehn Prozent der bahnfahrenden Raucher akzeptiert. Der große Rest hat seine Kippe oft schon an, wenn er den Zug verlässt. Oder steht halt paffend herum wo immer er will. Gut verteilt über den ganzen Bahnsteig, gern auch provokant im Beisein eines Sicherheitsdienstes...

  • Bahnhöfe sind ausschließlich für Reisende da. Wenn wir das mit der Verkehrswende ernst meinen, dann MÜSSEN Bahnhöfe Orte mit sehr guter Aufenthaltsqualität mit hoher Sicherheit und Sauberkeit werden. Es dürfen keine Hexenkessel sozialer Probleme sein. Und vor allem ist es nicht Aufgabe der Bahn, sich um die sozialen Probleme in diesem Land zu kommen. Die Bahn hat mehr als genug damit zu tun, in der Zukunft einen schnellen, bequemen, zuverlässigen und bezahlbaren Personentransport sicherzustellen.



    Solange die Pünktlichkeit ohne Zahlentricksereien irgendwo bei 0 % liegt, ist die Bedeutung der Aufenthaltsqualität an Bahnhöfen noch wichtiger.



    Wie gesagt: es geht um die Verkehrswende und damit um Ökologie und Klimaschutz.

    • @MK:

      "Bahnhöfe sind ausschließlich für Reisende da."



      Zumindest die größeren Bahnhöfe - wie in Berlin bspw. Hauptbahnhof, Ostbahnhof- sind doch eher Einkaufszentren mit angeschlossenen Nah- und Fernverkehr. Ich persönlich gehe öfter im Jahr im Ostbahnhof einkaufen, weil die zwei Supermärkte im Untergeschoß auch sonntags geöffnet sind.

  • Weshalb muss ein Alkoholverbot in Frage gestellt werden? Überwiegen die Interessen der Alkoholindustrie so sehr? Oder was ist es? Habe ich mit meiner Familie nicht das Recht unbelästigt den ÖPNV nutzen zu dürfen?

  • Sozial liegt das Alkoholverbot in Bahnhöfen auf der Linie des Bettelverbots in Innenstädten, des Flaschensammelverbots an Flughäfen etc.

    Ein Bahnhof unterscheidet sich aber im Sicherheitsaspekt weil er den Zugang zu einem Verkehrsmittel, für dessen Benutzung ein disziplinierter Umgang notwendig ist regelt. Deswegen ist die Botschaft zu begrüßen.

    1)



    Bahnunternehmen sind selbst in einer Umgebung, für deren Gestaltung sie als Arbeitgeber nach Arbeitssicherheitsgesetz vollumfänglich verantwortlich und zuständig sind, nicht in der Lage das Alkoholverbot für Mitarbeiter/Triebfahrzeugführer durchzusetzen.



    2)



    Die Bahn selbst verdient am Verkauf von Alkohol in ihren Zügen und fördert den Verkauf durch Werbung.

    Das sind konkrete Ansatzpunkte.

    Deutschland ist ein Hochkonsumland für Alkohol. Für das größte Bundesunternehmen eine Gelegenheit seine Mitwirkung zu zeigen.

    Personen, die fördernde Kontextfaktoren brauchen, darf man nicht sich selbst überlassen. Das ist auf dem Bahnhof genau so wie in jedem anderen großen Gebäude. Der (öffentliche) Eigentümer eines großen Gebäudes hat die Ressourcen für die Personen, denen Verbote nichts nützen weil sie Hilfe benötigen.

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Je größer ein Unternehmen und je mehr es etwas anbietet , das jeder braucht, desto mehr wird es zum Spiegel, d.h. zu einer repräsentativen Stichprobe der Gesellschaft.



      Die Bahn hat 5 bis 6 Mio Fahrgäste pro Tag, das ist eine extrem verlässliche Stichprobe auf eine Grundgesamtheit von 83 Mio.

      Wegen Art. 14 (2) GG

      "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen."

      kann man, auch die Bahn nicht, deswegen sagen:



      die Bahn ist nur für die disziplinierten Nutzer des Verkehrs von A nach B da, sondern muss die Gesamtgesellschaft, also auch die Teile, die sich "nicht in Luft auflösen können" berücksichtigen.

      DIe Bahnhofsmissionen waren dafür schon immer der richtige Weg. Dieser Weg muss intensiviert und modernisiert werden.

      Ein früherer franz. Staatspräsident wollte Bewohner der Banlieu "wegkärchern".



      Um diese Hygiene geht es , aber in der richtigen Zuordnung.

      Durch einen deutlich besser ausgestatteten Sozialdienst für die soziale Dimension und einen nicht, im doppelten Wortsinn heruntergesparten Reinigungsdienst wie für die zertrümmerten Flaschen auf dem Bild im Artikel.

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Wieso hat der (öffentliche) Eigentümer eines großen Gebäudes die Ressourcen für die Personen, denen Verbote nichts nützen, weil sie Hilfe benötigen? Fällt doch gar nicht in dessen Zuständigkeit. Die Bahn hat sich um ihre Kunden zu kümmern. Und die möchten halt nicht von Betrunkenen angemacht, angebettelt oder angepöbelt werden. Letztendlich kann man von jedem anständiges Verhalten erwarten...und wer nicht einmal in der Lage ist, das an den Tag zu legen, der muss sich eben andere Orte suchen.

      • @Ohne_Mitte_geht_nix:

        Danke für die Zuschrift.



        Hatte ich in meiner Ergänzung ausgeführt:



        Wegen der im Grundgesetz (14/2) festgelegten Sozialverpflichtung des Eigentums. Das ist eine "Sollvorschrift". Natürlich hat sich die Bahn zuerst um ihre zahlenden Kunden zu kümmern, unter diesen sind auch besonders schutzwürdige , z.B. Kinder, ältere Menschen, Menschen, die Termine haben weil sie zur Arbeit müssen etc.



        Sie können von jedem "anständiges Verhalten" erwarten, hätte ich auch gerne, ist aber nicht die Realität. Man muss seine Kunden / Kollegen nehmen wie sie sind, das haben Sie in jedem Laden / in jeder Firma. Dafür braucht man Pufferräume. In einem derart großen Unternehmen wie der Bahn ist selbst ein geringer Prozentsatz "Störender" eine große Zahl, die wenn sie "eben andere Orte" aufsucht , dort auch nicht besonders konstruktiv wirkt. Sie und ich sind ja Teil der Gesellschaft, deswegen hätten wir nichts von diesem Verschieben, wir würden nur an anderer Stelle damit konfrontiert. M.a.W. ich finde es besser die Probleme da einzufangen, wo sie konzentriert auftreten, das ist übersichtlicher, man muss sie aber auch einfangen und nicht sich selbst überlassen.

  • In erster Linie sind Bahnhöfe für Reisende bzw. Kunden der DB gedacht und nicht für Suchtkranke und Obdachlose. Dass sie dort geduldet werden ist kein automatisches durchsetzbares Recht und es liegt nicht in der Verantwortung der DB, diese Leute zu therapieren oder sicherzustellen, dass sie sich nirgendwo anders aufhalten. Wenn sich diese Leute so verhalten, dass zunehmend Leib und Leben für Reisende oder Mitarbeiter der DB in Gefahr ist, ist ein Alkoholverbot nur die logische Konsequenz. Und ja, da müssen dann eben auch die Kids, die vorglühen wollen oder der Bauarbeiter mit seinem Feierabendbier drunter leiden, die dann halt ein paar Minuten später erst außerhalb des Bahnhofs in den Genuss kommen können. Überleben werden sie es vermutlich. Dass es sicherlich auch Möglichkeiten und Tricks geben wird, das irgendwie zu umgehen oder heimlich zu machen ist doch auch klar, aber erst einmal habe ich zumindest ein bisschen Hoffnung in die meisten Menschen und gehe davon aus, dass sich die Situation ähnlich wie in Hamburg oder München deutlich verbessert.

    • @JMarius:

      Hier Obdachlose sowoe Kranke zu Sündenböcken zu machen, ist jetzt schon etwas sehr billig und schäbig, oder?

  • Es sorgt für mehr Sicherheit, weil etwas wegfällt. Nämlich nach und nach die gesellschaftliche Normalisierung von Alkoholkonsum als Lebensart. Vielleicht schaffen wir es dann noch irgendwann, Trunkenheit nicht als Entschuldigungsgrund für Gewalt anzusehen. Wirklich alkoholkranken Menschen sollten wir helfen, alle anderen entscheiden sich aus freien Stücken zum Konsum.

    • @Nick riviera:

      Sehr richtig.



      Ganz klar, wer Alkohol auf der Bahnfahrt "braucht", der hat ein Problem - und zusammen mit dem Ansprechen, könnten die zuständigen Leute ja zumindest eine Visitenkarte mit einer Beratungsnummer aushändigen. Ansonsten, schade, dass solche Verbote gebraucht werden, aber das ändert nichts daran, dass wir sie brauchen.

      • @Jeff:

        "wer Alkohol auf der Bahnfahrt "braucht", der hat ein Problem - "



        Das Problem ist häufiger eine Platzangst. Wenn Menschen mit dieser Angst zusamen mit anderen in einem engeren Raum eingeschlossen sind, wird die Angst für sie deutlich spürbar und sie greifen zur Selbstbehandlung mit Alkohol. Das ist der in Fachkreisen bekannte Weg wie aus Angst Sucht wird.



        Das ist schade, denn z.B. eine Platzangst ist psychotherapeutisch meistens gut behandelbar. Deswegen ist ihr Tip mit der Beratungsnummer genau richtig.

        Etwa 8% der Bevölkerung haben eine Angsterkrankung, deswegen die Häufigkeit der Selbstbehandlung mit Alkohol beim Angst-Auslöser Bahnfahrt, deswegen auch das epidemische Problem bei 5 Mio Fahrgästen / Tag damit.

        Die sozialpsychiatrischen Dienste am Wohnort sind darauf ja spezialsiert, die Verbindung der Bahnhofsmissionen mit den Diensten sollte intensiviert werden.

  • Das Wegbier wird auch weiterhin möglich sein, trinkt halt einfach alkoholfreies.

  • Fragt man den Anwalt, hat sich der Security Mann selbst aus dem Zug geworfen. Siehe Interview im Spiegel.

  • Also anstatt an die Ursachen von Problemen ran zu gehen, wird auch in diesem Fall mal wieder Symptombekämpfung betrieben. Suchtkranke und Obdachlose werden wieder aus dem öffentlichen Bild vertrieben, jedoch wird weiterhin der Verkauf von Alkohol im Bahnhof erlaubt und sobald die Menschen auftauchen, die den größten Scheiss verursachen (große Gruppen an Fußballfans, Karnevalisten etc.) wird sowieso nicht agiert. Denn dies ist ja gewünschtes "unsoziales" Verhalten. Dazu auch hinzu gefügt, Rauchverbote in Bahnhöfen werden nach meiner Beobachtung als regelmäßiger Bahnfahrer von mindestens der Hälfte der DB-Sicherheitspartner/Unternehmen ignoriert und auch aktiv dagegen verstoßen. Es geht also Mal wieder um Klassenkampf von oben und Verdrängung von Hilflosen. QED.

    • @Der rote Korsar:

      Ob ein Alkoholverbot in dieser Form für mehr Sicherheit sorgt, bleibt abzuwarten. Ich selber bin da skeptisch. Allerdings ist die Bahn nun mal nur für ihre Züge und Bahnhöfe, Personal und auch Kunden zuständig, nicht aber für die eigentlichen gesellschaftlichen Problemursachen. Da muss man sich an "die Politik" wenden.

    • @Der rote Korsar:

      Klassenkampf zwischen Fahrgästen und Fussballfans? Hilflose?



      Ist das nicht etwas übertrieben?

      Interessant wird es, wenn in den Regionalbahnen Alkoholkonsum verboten wird, in den ICEs aber weiterhin Alkohol in den Restaurantwagen verkauft wird. DAS wäre dann so etwas wie Klassenabwertung.

      • @Jeff:

        Ja, Klassenkampf, zumindest eine Form davon und ganz besonders dann, wenn es nur einseitig durchgesetzt wird d.h. der/die einzelne Obdachlose verdrängt wird, während die Gruppe unbeheligt Raum einnehmen und ihn unsicher machen darf.

  • "Innerhalb von Gastronomie und Shops, die Alkohol verkaufen, gilt das Verbot nicht." Also ein Verbot, das gar keines ist.



    Einziges Ziel: Der Alkohol wird anderswo konsumiert.



    Dazu passen die betrunken in Massen auftretenden sogenannten Fußballfans, die schon vor betreten von Bahnhöfen "getankt" haben.



    Wenn schon Alkoholverbot, dann vollständig.

  • Natürlich ist das was die Bahn hier vollführt Heuchelei, die Bahn selbst schenkt aber in den Zugrestaurants immer noch Alkohol aus, also um die Sicherheit kann es wohl kaum gehen! Auch innerhalb von Gastronomie und Shops in den Bahnhöfen, die Alkohol verkaufen, gilt das Verbot nicht. Wenn schon komplett verbieten "ja", aber keine Rosinenpickerei, weil mir ist es egal ob ich von einem angegriffen werde, der sein Alkohol mitgebracht hat, oder von jenem der gerade in der Bahnhofs Gastronomie bis zum Verlust der Muttersprache getrunken hat!