Abschiebedebatten nach Tötungsdelikten: Ein übler Reflex
Ein Asylbewerber soll am Bahnhof Friedland eine junge Ukrainerin getötet haben. Dieser Fall zeigt auch, wie verkorkst die öffentlichen Debatten sind.
S chon wieder einer dieser Fälle, denkt man. Der Tod dieses Mädchens schnürrt einem die Kehle zu, die Wut will irgendwohin. Dabei zeigt dieser Fall am Bahnhof Friedland auch, wie verkorkst die öffentlichen Debatten um solche Vorkommnisse mittlerweile sind.
Da ist zum einen die Polizei, die – bestimmt ungewollt – Verschwörungsnarrative füttert. Sicher, das ist eine praktisch unlösbare Zwickmühle: Sorgfältige und ergebnisoffene Ermittlungsarbeit verträgt keine große Öffentlichkeit, schon gar nicht kann sie mit der durchgeknallten Dynamik der asozialen Medien mithalten.
Aber ist es wirklich klug, in Pressemitteilungen Behauptungen in die Welt zu setzen, die man dann kurze Zeit später wieder zurücknehmen, ergänzen oder relativieren muss? Das war leider Wasser auf die Mühlen der AfD und aller anderen Verschwörungstheoretiker.
Noch schlimmer ist aber das reflexhafte „das Dublin-Verfahren funktioniert halt nicht“ der niedersächsischen Innenministerin. Würde es etwas besser machen, wenn der Mann in Litauen Mädchen vor den Zug schubste? Oder wenn beispielsweise der Messerstecher von Aschaffenburg in einem Park in Bulgarien Kindergartenkinder abgestochen hätte? Oder glaubt die Innenministerin heimlich, dass eigentlich alle EU-Länder das Problem besser in den Griff bekommen als wir?
Das Muster ist immer das gleiche
Müssten wir stattdessen nicht einmal über die psychiatrische Versorgung von Geflüchteten reden? Es würde wohl niemanden wundern, wenn auch in diesem Fall bald herauskäme, dass der Täter schon lange vorher massiv auffällig war.
Das Muster ist immer das gleiche: Die ersten Opfer finden sich in den Flüchtlingsunterkünften, werden aber kaum ernst genommen. Auch in Haft fallen einige dieser späteren Täter auf und werden trotzdem achselzuckend wieder auf die Straße gekippt.
Ab und zu kommt einer in die Psychiatrie, wird aber schnell wieder entlassen – am liebsten zurück in Massenunterkünfte und in ungewisse Perspektiven, die dafür sorgen, dass sich der Zustand schnell wieder verschlechtert.
Eine ambulante Betreuung, die vielleicht dafür sorgen könnte, dass Medikamente weiter eingenommen werden, gibt es in der Regel nicht. Und dann wartet man einfach auf den nächsten Todesfall. In dieser oder irgendeiner anderen Ecke Europas.
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