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Telefongespräch mit Putin Sturm im Wasserglas

Kommentar von

Mathias Brüggmann

In der EU zählen Eitelkeiten noch immer mehr als Entschlossenheit. So spielt Europa keine Rolle bei Krieg und Frieden auf dem eigenen Kontinent.

E s ist beschämend, was die EU außenpolitisch gerade wieder zelebriert. Während der US-Präsident ein direktes Treffen des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj mit Kremlherrscher Wladimir Putin forciert – aus wirtschaftlichen Interessen -, streiten sich europäische Länder über den Umgang mit Russland.

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen wirft Finnlands Präsident Alexander Stubb und Norwegens Premier Jonas Gahr Støre Alleingänge vor. Die beiden waren schon geschlagen genug, sich am Dienstag fast anderthalb Stunden lang Putins Monolog über slawische Völker im Mittelalter und seine daraus abgeleitete Lesart, warum Russland den ukrainischen Donbass bekommen müsse, anhören mussten. Und danach auch noch die Schelte aus Dänemark und Schweden, unabgestimmt mit anderen europäischen Staaten mit dem Kremlchef telefoniert zu haben.

Offenbar zählen in der EU Eitelkeiten noch immer mehr als Entschlossenheit. Die Entschlossenheit, sich so einzubringen, dass Europa bei Verhandlungen über Krieg und Frieden auf dem eigenen Kontinent mit am Tisch sitzt. Und sich zu freuen, dass in der Ukraine-Frage mit Norwegen und Großbritannien über die EU-Staaten hinaus (noch) Einigkeit in Europa besteht.

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Entschlossen muss Europa an der Seite der Ukraine stehen und Verhandlungsschritte mit Kyjiw abstimmen – was Støre und Stubb mit Selenskyj und US-Unterhändler Steve Witkoff in Oslo taten.

Statt einen Sturm im Ostsee-Wasserglas zu entfachen, müsste jedes europäische Land das Maximum tun, um Putin an den Verhandlungstisch zu bringen: Dänemark mit robustem Einsatz gegen Moskaus Schattenflotte in der Ostsee. Belgien durch Beschlagnahme der dort eingefrorenen russischen Milliarden. Deutschland mit Waffenlieferungen und Finanzhilfen an Kyjiw und seinen traditionellen Russlandbeziehungen.

Nur dann kann Europa eine Rolle spielen in einem nun schon viereinhalb Jahre dauernden Konflikt.

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5 Kommentare

  • T-Rom

    Klar dürfte sein, dass man Putin irgendetwas - mindestens Symolisches - bieten muss, damit er den Krieg beendet. Jedenfalls solange die Ukraine Russland nicht militärisch besiegt, was wie alle wissen nicht passieren wird. Von daher ist es schon richtig irgendwie im Gespräch zu bleiben.

  • Encantado

    "...die Schelte aus Dänemark und Schweden, unabgestimmt mit anderen europäischen Staaten mit dem Kremlchef telefoniert zu haben.



    Offenbar zählen in der EU Eitelkeiten noch immer mehr als Entschlossenheit."



    Es sei angemerkt, dass Europa nur zusammen überhaupt irgendeine Rolle spielen kann. Insofern ist die Kritik an Alleingängen nicht aus der Luft gegriffen.



    Luxemburg z. B. kann so entschlossen sein wie es will, das wird Putin nicht beeindrucken.



    Eitelkeit kommt da zum Ausdruck, wo einzelne glauben schlauer als der Rest zu sein.

  • Il_Leopardo

    Die 90 Minuten waren für die Katz - und das gleiche gilt für die die bevorstehenden Gespräche in den Vereinigten Arabischen Emiraten.



    Putin will nicht nur den Donbass, den Selenskyj aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht "herausgeben" darf - er will die ganze Ukraine.



    Fazit: Er wird diesen Krieg weiterführen - bis er entweder keine Soldaten mehr zum Verheizen hat und er selbst tot umfällt.

  • dites-mois

    Sehr richtig. Und nur dann wird die Aussicht bestehen, nicht auf ewig mit einem Krieg Russlands gegen ein freies Europa und immer weiter erstarkendem Rechtsextremismus zu tun zu haben. Und nur dann wird für die Menschen in der Ukraine der Horror irgendwann enden.

  • Machiavelli

    Trump verhandelt jetzt seit zwei Jahren, es kommt nichts dabei herum. Weil Putin einfach keinen Frieden will, und je länger der Krieg dauert desto weniger will Putin Frieden. Er hat schlichtweg zuviel verloren und investiert.

    Ob die EU da mit einer stimme spricht oder nicht macht keinen Unterschied, Putin will Russland wieder zu einer Weltmacht auf Augenhöhe mit China und den USA machen und sieht Europa (mindestens dem Ostteil) als Teil seines Einflussgebietes. D.h. selbst wenn Europa vereint wäre würde Putin trotzdem nicht mit Europa sprechen. Weil es in seinen Augen kein Akteur ist sondern Beute.