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Globaler Korallenbericht Drohendes Ende eines ökologischen Dienstleisters

Nick Reimer

Kommentar von

Nick Reimer

Es ist dramatisch: Die für viele Menschen und Tiere lebenswichtigen Korallen drohen zugrunde zu gehen. Doch die Gesellschaft interessiert es nicht.

W ieder mal schlechte Nachrichten für das Klima: Das EU-Parlament hat die Klimaschutzregeln für ausländische Fossilbrennstoffe verschoben. Ursprünglich sollten Importeure nachweisen müssen, dass der Produzent im Herkunftsland seine Methan-Emissionen überwacht und reduziert. Nur zur Erinnerung: Methan ist viel klimaschädlicher als Kohlendioxid. Die Verschiebung bis 2031 begründete das Parlament mit der „Energiepreiskrise“.

Irgendwas ist immer, das den Klimaschutz auf die lange Bank verschiebt. Zwar warnt die Wissenschaft, dass ohne ein schnelles Herunterschrauben des Methanausstoßes in den nächsten Jahren das im Paris-Protokoll anvisierte 1,5-Grad-Ziel nicht mehr zu schaffen ist. Aber erstens ist das sowieso schon allen klar und zweitens ist halt gerade Krise.

Es ist dramatisch, dass Politik und Gesellschaft nicht mehr den Erkenntnissen der Wissenschaft vertrauen. Diese warnt seit Langem: Wenn die Erderwärmung dauerhaft 1,5 Grad überschreitet, werden weltweit die Korallenriffe absterben. Ein Bericht der Weltnaturschutzunion IUCN warnte an diesem Donnerstag, dass die Klimaerhitzung binnen der kommenden 50 Jahre 96 Prozent aller Korallenriffe in den Weltmeeren dahinrafft. Andere Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass 99 Prozent aller Korallenriffe der Welt vernichtet werden, wenn sich die Temperatur 2 Grad über der vorindustriellen Zeit bewegt.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Korallen sind nicht nur in tropischen Gewässern, sondern auch in kälteren Meeresregionen heimisch. Diese kämpfen aber noch stärker um ihr Überleben, denn die Temperaturen steigen in den nördlichen und südlichen Breiten stärker als rund um den Äquator. Menschliches Leben ohne Korallen – das erscheint undenkbar: Mindestens eine halbe Milliarde Menschen gründen ihre Lebensgrundlage auf den Leistungen der Korallenriffe. Mit ihrem Artenreichtum sind sie Ausgangspunkt für viele Nahrungsketten.

Sie dienen auch Flutschutz

Ohne Korallen fehlen Algen und Zooplankton, die Schnecken oder Krabben fehlen und damit auch den Raubfischen. Die Riffe sind Kinderstube für kommerziell wichtige Fische. Studien zufolge beläuft sich der Wert der ökologischen Dienstleistung auf 6,8 Milliarden Dollar pro Jahr. Zudem sind die Riffe effektive Wellenbrecher, die den Großteil der Wellenenergie absorbieren – und so Erosionen und Fluten an den Küsten abfedern.

In 50 Jahren ist damit Schluss, sollte sich der Bericht bewahrheiten. Mag ja sein, dass das die Politik, die Gesellschaft heute noch nicht glauben mag. Dann aber wird wirklich deutlich werden, was eine Krise ist.

Nick Reimer

Nick Reimer

Seit 1998 bei der taz (mit Unterbrechungen), zunächst als Korrespondent in Dresden, dann als Wirtschaftsredakteur mit Schwerpunkt Energie, Klima und Landwirtschaft, heute Autor im Zukunftsressort.
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15 Kommentare

  • economista

    Zur Schädlichkeit von Methan im Vergleich zu CO2: Methan ist zwar das um Faktor 30 potentere Treibhausgas, hat jedoch in der Atmosphäre eine Halbwertszeit von nur 9 Jahren, während es beim CO2 mehrere Mechanismen für den Abbau gibt, mit einer sehr langlebigen Kompomente. Fazit: heute eingesparte Methanemissionen senken die Temperaturen der kommende Jahrzehnte, während CO2 über Jahrtausende wirksam bleibt. Zwar kann Methan zum kurzfristigen Überschreiten von Kipppunkten beitragen, aber als Treibhausgas ist es nicht in allen Aspekten problematischer, als CO2.

    • sollndas

      @economista:

      Bei dem so beliebten "Wiedervernässen von Mooren" werden werden erhöhte Methan-Emissionen ja auch gerne in Kauf genommen:



      www.deutschlandfun...rnaessung-100.html

  • sollndas

    Wenn ich mir Artikel und Kommentare so durchlese: Jammern über mangelnden Klimaschutz beantwortet die Frage nicht, wie machbarer und erwirtschaftbarer Klimaschutz aussieht.



    Sage keiner, diese Frage sei schon längst beantwortet. Wenn da z.B. in der taz das Deutschlandticket zur Klimaschutzmaßnahme hochstilisiert wird, mit Kosten von über 1000 Euro je Tonne CO2-Ersparnis [1]...



    [1] Eigene Berechnung aus Zahlen, die mal in der taz standen. Habe gerade keine Lust, den betreffenden Artikel im Archiv auszugraben.

  • Bambuspanda

    Hätte auch noch erwähnt werden sollen:



    Korallen bedecken lediglich 0,1% der Meeresfläche, sind aber für 47% aller Meereslebewesen Lebensgrundlage!

    Das von Menschen verursachte sterben, dieser so kleinen Lebensräume der Korallen, hätte also ungeahnte katastrophale Folgen für uns Menschen, wie für unseren einzigartigen Planeten.

    • economista

      @Bambuspanda:

      Korallen sterben auch wegen der Kontamination der Ozeane. Klimawandel ist ein gravierendes Problem, aber leider nicht unser einziges.

  • Horst Sörens

    Ich sage es seit Jahren. , dass das so nicht klappen kann. Und man sieht es auch. Wir stecken hunderte Milliarden in die Förderung von irgendwelchen Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen. Alles verschwendetes Geld. Denn es gibt Länder, die leben davon Öl zu verkaufen. Und solange das Öl rausgepumpt wird, wird es irgendjemand verbrennen. Und wenn wir Europäer Das nicht mehr abnehmen und der Preis dadurch sinkt, freuen sich die anderen Länder und der Produzent wird die Fördermenge erhöhen wegen des gefallenen Preises. Stattdessen sollten wir uns mal mit den Förderländern zusammensetzen, denen unsere fördermilliarden geben mit der Auflage, dass das Öl in der Erde bleibt. Das könnten wir als Deutschland alleine machen oder mit anderen zusammen. Durch unser einlagern aber nicht verbrauchen wird der Preis ist steigen und die anderen Länder sind gezwungen über regenerative Möglichkeiten, die günstiger sind nachzudenken.

    • EchteDemokratieWäreSoSchön

      @Horst Sörens:

      Eins ist richtig: Dass man sich mit den Förderländern zusammensetzen muss, um dort zu einer Vereinbarung zu kommen, dass auf Dauer immer weniger Öl gefördert und verbrannt wird.



      Aber denen unsere Fördermilliarden zu geben, wird auch nicht im Entferntesten funktionieren, denn die verdienen 100 oder 1000 Mal mehr, wenn die das Öl weiterverkaufen.

      Man müsste sich mit allen anderen Ländern zusammen mit den Förderländern zusammensetzen. Dann könnte man eine gemeinsame Lösung finden. Und wenn man sich gemeinsam mit anderen Ländern abspricht, könnte man Förderländer besser überzeugen oder sogar unter Druck setzen als sie mit ein paar Fördermilliarden versuchen zu kaufen.



      Beispielsweise könnten Länder Förderländer dadurch unter Druck setzen, dass sie Maximalpreise festsetzen oder Förderländern anbieten, erneuerbare Energien z.B. Wasserstoff statt Öl abzukaufen oder was auch immer.

  • Wanderin

    "Irgendwas ist immer, das den Klimaschutz auf die lange Bank verschiebt."



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    Dazu ist diese Statistik relevant.



    www.tagesschau.de/...mfrage-alter.shtml



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    40%, fast die Hälfte der Wahlberechtigten, ist 60+ Jahre. Diese Gruppe wählt seit Jahrzehnten zombiehaft vor allem (!) die CDU (37%), dann SPD (23%) und AfD (15%). Keine dieser Parteien ist an Nachhaltigkeit interessiert, da ihre Hauptklientel ältere Personen in Rente oder kurz vor der Rente sind, die die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr erleben werden. Das Medien- Ökosystem (Öffentlich-Rechtliche, Zeitungen) ist ebenfalls ganz auf diese Altersgruppe zugeschnitten und möchte diese Gruppe nicht mit schlechten Prognosen überfordern.



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    Die mickrigen 14,5% der Jungen ( unter 30 Jahre alten Wahlberechtigten) können sich bei den Verhältnissen auf den Kopf stellen- es bringt nichts. Und das bedeutet in den westlichen Gesellschaften: als Geisel in einem Aufzug direkt in die Klimahölle zu sitzen, in dem trügerisch gute Laune herrscht, weil die allermeisten Alten aussteigen werden, bevor das Endziel erreicht ist - und es gar nicht so genau wissen wollen, was auf alle anderen zukommt.

    • Bambuspanda

      @Wanderin:

      Die Ignoranz gegenüber der hemmungslosen Ausbeutung dieser blauen Perle im Universum, durch uns Menschen, ist keineswegs eine Frage des Alters!

      Wenn Sie Eltern fragen, was das wichtigste für sie ist, dann antworten ausnahmslos alle "Mein Kinder!".



      Damit offenbart sich ja die Schizophrenie des Menschen, denn wäre es so, müssten alle Eltern ja daran interessiert sein, dass sie ihren Kindern im Minimum einen Planeten zurück lassen, wie sie ihnen selbst als Lebensgrundlage vorgefunden haben.

      Die Egobedürfnisse von Mami und Papi stehen also vor den Bedürfnissen ihrer eigenen Kinder und deren Zukunft.



      Papi&Mami wollen schließlich auch Spaß am hemmungslosen konsumieren/verbrauchen im jetzt haben.

      Die Werbung offeriert ihnen ja, was sie dafür für ihr Glück alles brauchen.



      Für Papi zB einen 250Ps starken Kleinpanzer worüber sich auch Mami und Kinderchen voll freuen.



      Mit eigenen Multimediabildschirm für die Kinderchen auf der Rückbank, wo sie hirnlose Spiele/Filmchen daddeln und schauen können, damit Mami&Papi ihre Ruhe haben vor den herum nörgelnden Kindern, die sich langweilen während längerer Autofahrten.

      Ach wie "beglückend" doch Konsum nach herzenslust sein kann.....

    • Wurstfinger Joe

      @Wanderin:

      Zuerst einmal, in die Klimahölle sind auch die Alten unterwegs, die wollen es bloß nicht wahrhaben, siehe diverse Artikel zu diesem Sommer.



      Die Reduzierung auf ein rein demographisches Problem greift meiner Meinung nach zu kurz, auch wenn es eine Rolle spielt (aus einem alten Ackergaul macht man schließlich kein Zirkuspferd mehr). Es ist vielmehr das System des Wirtschaftens (kurz Kapitalismus), bei den alles auf dem Altar der Göttin "Wirtschaft" geopfert wird, auch die Grünen schwafeln etwas von Wachstum statt eine bedürfnisorientierte Wirtschaft anzustreben.

      • Axel Donning

        @Wurstfinger Joe:

        Ja, da treffen Sie den Kern. Das Ausspielen von Generationen gegeneinander ist zu kurz gedacht - das trifft auf die existenziellen Umweltkrisen genauso zu, wie auf die Renten- und Pflegediskussion. Da wird eine Frontlinie aufgemacht, um sich nicht Gerechtigkeitsfragen nicht mehr zwischen oben und unten führen zu müssen, sondern zwischen den Generationen. Wenn nicht wirklich alle überzeugt werden, dass wir eine fundamentale Umkehr unseres Wirtschaftens benötigen, sind wir wirklich am Ende.

    • Sam Spade

      @Wanderin:

      Von der Nachhaltigkeit der Jugend konnte ich mir während meiner Zeit in Deutschland ein umfangreiches Bild machen.

      Gefühlt jeder zweite morgens mit Coffee to go Becher in der Hand, Müllberge und Einweggrills am Wochenende in Parks oder am Elbufer. Und ja Thema Shopping, Fast Fashion bis zum Abwinken. Könnte jetzt noch fortfahren mit Fast Food Konsum aus nicht gerade nachhaltiger Rinderzucht etc.

      Gibt durchaus engagierte und bewußt lebende junge Menschen, die sind aber eine Minderheit und nicht die Mehrheit. Diese ist zu Zeiten der Billigflüge gerne einmal für 30€ übers Wochenende nach Paris oder London geflogen.

      Wenigstens sind in ihrem Kommentar diesmal nicht die Medien Schuld sondern die 60+ Generation, die statistisch gesehen übrigens am wenigsten konsumiert, ist aus meiner Sicht schonmal ein Fortschritt, da ein neuer Ansatz zu ihren anderen Kommentaren.

  • Sam Spade

    Der Mensch kapiert es einfach nicht bis er aus der Erfahrung heraus eines besseren belehrt wird.

    Das Polarmeer in der Arktis erwärmt sich viermal schneller als der globale Durchschnitt. Schmilzt das Packeis entzieht es Krill und Algen den Lebensraum. Mit dem Effekt das die Nahrungskette unterbrochen wird.

    Konfrontiere ich einen norwegischen Fischer mit den Fakten und mache ihn darauf aufmerksam das durch diesen Ablauf auch seine Existenz gefährdet ist, da die Heringsschwärme wegbleiben wenn sie keine Nahrung finden, dann erfolgt die Antwort in zwei Schritten. Der Erste "das wird noch Jahrzehnte dauern, bis dahin ist der Fang sicher". Der Zweite "sollten die Heringe einmal wirklich wegbleiben, dann orientieren wir uns halt um und fangen stattdessen mehr Königskrabben".

    Das war ein Auszug aus meinem familiären Umfeld das über Generationen hinweg durch die Fischerei zu Wohlstand gekommen ist und die ökologischen Zusammenhänge sehr gut kennt, sie aber nicht als ein Problem begreift welches sie einmal direkt betrifft.

    Gilt generationenübergreifend. Die jüngere ist sogar noch ignoranter als die ältere Generation. Für die zählt einzig die Wettbewerbsfähigkeit.

  • Okti

    Naja, ich würde nicht zwangsläufig sagen, dass es die Gesellschaft ist, sondern eher, dass die herrschende Klasse über Politik und Medien immer wieder eigene wirtschaftliche Interessen vorschiebt. Hinzukommen natürlich die systemischen Probleme, welche in vielen Teilen Europas die Menschen momentan auf die Straßen treiben aufgrund von Missständen, welche vorwiegend durch eben jene privaten Interessen der herrschenden Klassen in den jeweiligen Ländern, aber auch auf EU-Ebene, verursacht werden. Hier in Deutschland klappt das Zucker-Peitsche Spielchen noch. Mal sehen wie lange, wenn es immer mehr Menschen immer schlechter gehen wird. Die Klimakatastrophe und ihre Folgen werden vor deutschen Wohlstandsversprechen auch nicht halt machen.

  • Evi Holtendorp

    Daß die meisten deutschen Politiker sich nicht groß für Korallen interessieren, kann man ja noch nachvollziehen, wenn man denn bereit ist, sich in deren Denkweise hineinzuversetzen. "Unsere" Küste wird nicht von Korallen geschützt.



    Aber selbst aus deren Denkweise heraus begreife ich nicht, daß sie sich nicht einmal für die genau jetzt entstehenden wirtschaftlichen Schäden durch das lang anhaltende Niedrigwasser des Rheins interessieren, das ja mit weiter wegschmelzenden Gletschern in den Alpen in Zukunft immer öfter auftreten dürfte. Viele Güter können dadurch zum Teil gar nicht und zum Teil nur zu deutlich höheren Kosten transportiert werden.



    Energischer Klimaschutz wäre hier gute Wirtschaftsförderung.



    Aber lieber haut man noch mal eben ein paar Milliarden € als Tankrabatt raus.



    (Vielleicht war es aus klimapolitischer Sicht keine gute Entscheidung, den Regierungssitz von Bonn nach Berlin zu verlegen.)