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Zugeständnisse an TalibanEinladung für weitere Erpressungsversuche

Frederik Eikmanns

Kommentar von

Frederik Eikmanns

Die Bundesregierung lässt mehr Taliban-Diplomaten ins Land, um mehr abschieben zu können. Das ist eine moralische Katastrophe und politisch gefährlich.

S elten zeigt sich das zynische Kalkül deutscher Abschiebepolitik so deutlich wie dieser Tage: Wie nun bekannt wurde, gibt es eine Vereinbarung der Bundesregierung mit der afghanischen Taliban-Regierung, nach der es pro Monat bis zu drei gecharterte Abschiebeflüge in das zentralasiatische Land geben soll. Einzelne Abschiebungen über Linienflüge können daneben auch noch stattfinden. Eine Abschiebe-Flatrate für CSU-Mann Alexander Dobrindt, der als Bundesinnenminister die „Migrationswende“ vorantreiben soll.

Der Deal hat einen Preis: Am Montag bestätigte die Bundesregierung, dass die Taliban vier weitere Konsularbeamte nach Deutschland schicken dürfen. Eine massive Aufwertung der bis noch vor kurzem weitgehend isolierten Islamisten, die ihr Land gnadenlos terrorisieren und zuletzt Proteste gegen die Unterdrückung von Frauen brutal niederschlugen.

CDU und CSU, die sonst gern vor einer angeblich drohenden islamistischen Unterwanderung Deutschlands warnen, holen die Fundamentalisten selbst ins Land und stellen ihnen noch Diplomatenpässe aus. Zur Erinnerung: Bis vor wenigen Jahren führte die deutsche Bundeswehr noch Krieg gegen die Taliban und verlor dabei 35 Soldaten im Kampf.

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Aber es geht um mehr als Heuchelei und menschenverachtendes Kalkül. Die Bundesregierung demonstriert mit dem Deal, dass sie sich erpressen lässt.

Der jetzigen Absprache vorausgegangen war eine gescheiterte Abschiebung nach Afghanistan Anfang Juni. Die Taliban hatten die Aktion in letzter Minute platzen gelassen. Kurze Zeit später forderten sie, dass weiteres Botschaftspersonal nach Deutschland einreisen darf. Offensichtlich ein Erpressungsversuch. Wie der Deal jetzt zeigt, hatten die Islamisten damit aber Erfolg.

Das ist nicht nur eine moralische Katastrophe, es ist auch eine Einladung an andere, es den Taliban gleichzutun. Länder, in die die Bundesregierung abschieben möchte, gibt es genug. Seit dem Wochenende wissen die Machthaber dort: Das ist der Bundesregierung fast jeden Preis wert.

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Frederik Eikmanns

Frederik Eikmanns

Fachredakteur für Innere Sicherheit und Migration
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12 Kommentare

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  • Ich kann die Kritik an diesem Vorgehen nicht wirklich nachvollziehen. Natürlich wünscht sich niemand eine Aufwertung des Taliban-Regimes, aber es ist halt da und damit müssen wir umgehen.



    Es ist natürlich ein Dilemma, aber will man afghanischen Straftätern wirklich das Signal geben, dass sie hier machen können, was sie wollen, ohne dass ihnen die Abschiebung droht?



    Man muss abwägen, was schwerer wiegt. Ich denke, die Sicherheit der hier lebenden Bevölkerung wiegt höher als Effekthascherei, man würde die Taliban isolieren.

    • @Katharina Reichenhall:

      Seit wann können afghanische oder sonstige Straftäter (Nazis mal ausgenommen) hier machen was sie wollen? Das deutsche Recht bietet genug Raum für entsprechende Sanktionen und kommt auch ohne Abschiebung in Unrechtsregime aus.



      Hier geht es doch nur um die Befriedigung populistischer Triebe und nicht um einen messbaren Einfluss auf die Sicherheitslage in Deutschland .

  • Die moralische Katastrophe beginnt in meinen Augen schon dort, wo überhaupt darüber nachgedacht wird, in Länder wie Afghanistan oder den Iran abzuschieben.



    Die Bundesregierung, und hier vor allem Dobrindt, besorgen lediglich das Geschäft der AfD, nur um sich anschließend zu wundern, dass die Faschisten immer stärker werden.



    Als sogenannter „Verfassungsminister“ stünde es Dobrindt gut zu Gesicht, den Menschen zu erklären, warum es aufgrund der deutschen Geschichte und dem letztendlich daraus resultierenden Grundgesetz falsch ist, jeder populistischen Forderung von rechts nachzugeben. Dass er stattdessen lieber den Rechtsbruch in Kauf nimmt, zeugt von einer derartigen moralischen Verkommenheit, die ihn von jeglicher politischer Verantwortung ausschließen sollte.

  • Das ist zweifellos ein Dilemma

    Zum einen holt man sich Taliban ins Land, was keiner außer ihnen selbst gut findet, zum anderen erhält man dadurch die Möglichkeit Straftäter zurück zu schicken und dadurch die Menschen in Deutschland zu schützen.

  • "Das ist nicht nur eine moralische Katastrophe, es ist auch eine Einladung an andere, es den Taliban gleichzutun. Länder, in die die Bundesregierung abschieben möchte, gibt es genug. Seit dem Wochenende wissen die Machthaber dort: Das ist der Bundesregierung fast jeden Preis wert."

    Andere Staaten machen das doch seit geraumer Zeit, dass sie ihre Leute nicht zurücknehmen.

    Was wäre daran jetzt neu?

  • "CDU und CSU, die sonst gern vor einer angeblich drohenden islamistischen Unterwanderung Deutschlands warnen, holen die Fundamentalisten selbst ins Land und stellen ihnen noch Diplomatenpässe aus."

    Ich weiß nicht, ob das zu Ende gedacht ist.

    Auch iranische, saudi-arabische und andere Diplomaten sind Fundamentalisten.

    Die sollen dann auch nicht mehr ins Land dürfen?

    Und was ist mit den Flüchtlingen aus Ländern, wie Iran oder Afghanistan, die hier die Islamistenszene bereichern?

    Warum sollen die ins Land dürfen?

    Herr Eikmanns macht hier ungewollt ein Tor auf, dass er schlecht wieder zukriegt.

  • Traurig, aber wahr!



    Partisanos Interview war unzeitgemäß und ungeschickt.



    Im Falle Dobrindt kann ich zwischen "afd" Wünschen und Unions Umsetzung allerdings auch keinen Unterschied erkennen.



    Der Unterschied ist, ich bekleide kein politisches Amt und darf hierzulande reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist.



    Das wäre in Afghanistan natürlich anders.



    Wie der Artikel erinnert, beschmutzt der Innenmini mit der Akzeptanz von Taliban als Diplomaten das Ansehen der gefallenen deutschen Soldaten.



    Eine derartige Respektlosigkeit ist insbesondere für einen konservativen Politiker beispiellos.



    Wer derart moralvergessen handelt, dem ist nich ganz anderes zuzutrauen.



    Merz mag der dümmste MöchtegernK. ever sein - Dobrindt toppt das mit Bösartigkeit.

  • Ich kenne mich auf diesem Gebiet nicht so gut aus. So wie im Artikel beschrieben scheint es. 35 Bundeswehrsoldaten sind für diese wertlose Politik mit dem Leben in Vorkasse gegangen, Verrat an diesen!

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Mit dieser Argumentation wäre bereits der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan Verrat gewesen.

  • Naja, wer soll soetwas sonst möglich machen, wenn nicht die CSU. Da gibt es genug gewissenlose Gesellen, die jeden Deal eingehen, nur um ihre politischen Ziele zu erreichen. Ist das nicht schon AfD-Qualität?

  • Das würde ich unter Realpolitik verbuchen. Es ändert nichts am Leben der Menschen in Afghanistan oder an der Macht der Taliban, ob Deutschland ein paar Diplomaten ins Land lässt oder nicht. Die Tailban sitzen fürs erste fest im Sattel.

    Und aus deutscher Sicht muss die Abschiebung straffällig gewordener Zuwanderer höchste Priorität haben, wenn man auch in Zukunft noch Zustimmung zu Zuwanderung und die Aufnahme schutzbedürftiger Personen bei der Bevölkerung haben möchte.

  • Dobrindt und seiner csdU ist offenkundig JEDES Mittel recht, sich am faschistischen Rand der deutschen Bevölkerung einzuschleimen. Mit Demokratieverständnis oder Christentum hat das nur insofern zu tun, als es dem diagonal gegenüber steht. Ekelhaft.