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EU-Abschiebezentren in DrittstaatenMaximale Ungewissheit in schwarzen Löchern des Rechts

Christian Jakob

Kommentar von

Christian Jakob

Die EU hat sich darauf geeinigt, Abschiebezentren in Drittstaaten zu errichten – ohne klare Standards. Für die Betroffenen ist das katastrophal.

L ängst nicht alle, die die EU gern wieder loswerden würde, kann sie abschieben. Gründe dafür gibt es viele: keine Papiere oder Krieg im Herkunftsland etwa. Seit Jahren suchen Innenminister nach Möglichkeiten, Menschen trotz solcher Hürden abzuschieben. Nun einigte die EU sich auf ein Konzept, das das ermöglichen soll: die „Return Hubs“ genannten Abschiebezentren in Drittstaaten.

Wer nicht in sein Herkunftsland zurückgeschickt werden kann, soll in von der EU finanzierte Lager in anderen Teilen der Welt gebracht werden. Oft werden diese in Ländern sein, zu denen die Betroffenen keinerlei Bezug haben – und die teils eine katastrophale Menschenrechtsbilanz haben. Im Gespräch sind etwa Mauretanien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Äthiopien und Usbekistan.

Fast alle entscheidenden Fragen sind offen: Werden die Menschen in diesen Zentren eingesperrt sein oder sich frei bewegen können? Welches Recht greift dort, welche Standards, welche Versorgung gibt es? Welche Verantwortung übernimmt die EU dort noch? Wo können die Betroffenen klagen, wenn ihre Rechte verletzt werden? Wie lange sollen sie dort maximal bleiben? Was passiert, wenn sie nach Ablauf dieser Zeit immer noch nicht abgeschoben werden können?

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Denn die Hindernisse für eine Rückführung ins Herkunftsland werden sich meist kaum auflösen, nachdem sie in einen „Return Hub“ verfrachtet wurden. So wird der Aufenthalt dort für die Betroffenen wohl maximale Ungewissheit in schwarzen Löchern des Rechts bedeuten.

Umso wichtiger wäre es gewesen, Standards und klare rechtliche Zuständigkeiten festzuschreiben. Die EU-Kommission hatte wenigstens vor, die Abschiebezentren zentral verwaltet und nach europäischen Mindeststandards aufzubauen. Doch nicht einmal das ist gewahrt: Die konservative EVP hatte eine entsprechende Einigung mit den anderen Parteien der Mitte Ende März gekippt. Stattdessen übernahm sie Änderungswünsche der Rechtsextremen, darunter der AfD. Nun haben die Mitgliedstaaten weitgehend freie Hand, nach eigenen Vorstellungen „Return Hubs“ aufzubauen.

Wie es endet, wenn Rechtsextreme dabei bestimmen können, zeigt die US-Regierung: Trump bezahlt Länder wie Eswatini (früher Swasiland) und El Salvador dafür, Drittstaatler aufzunehmen – und die stecken sie direkt in den Knast. Im Fall von El Salvador handelt es sich dabei bekanntermaßen um den Hightech-Gulag des Diktators Nayib Bukele – obwohl die Betroffenen in vielen Fällen vollkommen unbescholten sind. Und erst am Wochenende hatte die AfD bei der „Remigrations“-Konferenz in Portugal den Ex-Kommandanten der US-Migrationspolizei ICE, Greg Bovino, gefragt, ob sich in Deutschland Abschiebungen à la ICE umsetzen ließen. Bovinos Antwort lautete: „Absolutely!“

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Christian Jakob

Christian Jakob Reportage & Recherche

Seit 2006 bei der taz, zuerst bei der taz Nord in Bremen, seit 2014 im Ressort Reportage und Recherche. Im Ch. Links Verlag erschien von ihm 2023 "Endzeit. Die neue Angst vor dem Untergang und der Kampf um unsere Zukunft". Seit 2019 gibt er den Atlas der Migration der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit heraus. Zuvor schrieb er "Die Bleibenden", eine Geschichte der Flüchtlingsbewegung, "Diktatoren als Türsteher" (mit Simone Schlindwein) und "Angriff auf Europa" (mit M. Gürgen, P. Hecht. S. am Orde und N. Horaczek); alle erschienen im Ch. Links Verlag. Seit 2018 ist er Autor des Atlas der Zivilgesellschaft von Brot für die Welt. 2020/'21 war er als Stipendiat am Max Planck Institut für Völkerrecht in Heidelberg. Er ist Autor von Hörfunkfeatures für SWR, Deutschlandradio und ORF und Mitglied im Beirat des Mediendienst Integration. Auf Bluesky: chrjkb.bsky.social
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17 Kommentare

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    Vier Erntehelfer aus Pakistan und Afghanistan in Süditalien in einem Auto verbrannt durch die Landwirtschafts-Mafia!



    www.sueddeutsche.d...-260603-930-166919 = Agenturmeldung:



    web.de/magazine/pa...dingungen-42342750



    Überlebender berichtet nach Vierfach-Mord von unzumutbaren Arbeitsbedingungen



    Bilder einer Überwachungskamera;



    moderne Sklaverei in der Gegend um Amendalora.



    Ndrangheta & deutsche Supermärkte.

  • Die treibende Kraft hinter der jetzt beschlossenen Verordnung war Deutschland. Man möchte den Ultra-Rechten auf diese Weise Stimmen abjagen. Das wird aber nicht gelingen. Denn der ultra-rechte Wähler wird sagen: Na, wenn solche Maßnahmen jetzt salonfähig sind, dann müssen wir uns ja nicht mehr schämen, wenn wir z.B. die AfD wählen.

  • Was für ein Armutszeugnis.



    Ein rechtlich schwieriger gebastelter Ausweg aus der Tatsache, dass ein Staat nicht in der Lage ist, geltendes Recht durchzusetzen und Menschen ohne Aufenthaltsrecht in ihre Länder zurückzuschicken.

    • @Herbarius Zunichten:

      In so einer Situation liegt auch immer eine Chance

    • @Herbarius Zunichten:

      Nicht nur ein Staat.

      Andere kamen ja auch schon auf die Idee.

      Scheint ein strukturelles Problem zu sein.

  • Die Pläne zur Internierung von Geflüchteten in Drittstaaten sind ein beispielloser moralischer Offenbarungseid und ein verheerender Etappensieg der europäischen Rechten. Was hier unter dem Deckmantel von „ordnungsgemäßen Verfahren“ verkauft wird, ist nichts anderes als die zynische Auslagerung von Menschenrechten an autoritäre Regime außerhalb Europas.



    ​Dass demokratische Regierungen vor dem rassistischen Druck von rechts einknicken und Schutzsuchende in unbarmherzige Lager in Drittstaaten abschieben wollen, bricht fundamental mit den Werten der Genfer Flüchtlingskonvention. Europa schafft seine eigenen Ideale ab, um das Narrativ der extremen Rechten zu bedienen. Statt legaler Fluchtwege und rechtsstaatlicher Verfahren auf eigenem Boden setzt man auf das Prinzip „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Wer Schutzsuchende wie logistische Problemfälle in Drittstaaten deponiert, kapituliert vor dem Rechtspopulismus und verrät die Menschlichkeit. Ein schwarzer Tag für Europa.

    • @amigo:

      Die demokratischen Staaten knicken vor der Überforderung ein.

  • Abschiebezentren in Drittstaaten – errichtet ohne klare rechtliche Standards – bedeuten die systematische Entrechtung schutzsuchender Menschen in Not.

    Zugleich zeigen die heutigen Asylgesetze strukturelle Parallelen zu kolonialen Rechtsordnungen: Sie entscheiden darüber, wessen Leben Schutz, Bewegungsfreiheit und Rechte erhält – und wessen nicht. Humanismus, Flucht und Krieg verlieren dabei auffällig an Gewicht, sobald sie außerhalb eines „weißen Europas“ stattfinden. Was in Sklaverei und Kolonialismus angelegt wurde, setzt sich in veränderter Form fort: Noch immer bestimmen vor allem europäische Akteure darüber, wer wo und unter welchen Bedingungen leben darf.

    Vor diesem Hintergrund wirkt es widersprüchlich, dass sich Deutschland erneut um einen Sitz als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat bewirbt – unter Verweis auf die Bedeutung des Völkerrechts, die sich auch im Umgang mit Israel gezeigt hat.

    Weiter so Deutschland/Europa!

  • Die Betroffenen das sind rechtskräftig abgelehnte Asylbewerber. Bevor sie in ein Abschiebezentrum ausserhalb der EU kommen werden sie aufgefordert das Land zu verlassen. Wohin wird nicht vorgegeben. Bleiben sie trotzdem müssen sie mit Konsequenzen rechnen. Deutschland kann Zb. abgelehnte Bosnier (Europäer) nicht abschieben die keine Pässe haben. Bosnien nimmt nur seine eigenen Bürger zurück, nur die beweisen können das sie Bosnier sind. Wenn wir ganz ehrlich sind, Deutschland hat die Kotrolle darüber verloren wer einreist, und wieder ausreist. Wenn Zb. Bosnier vor 20 Jahren abgelehnt wurden und noch immer hier von Sozialeistungen leben stimmt hier etwas nicht. Afghanen und Syrer Zb. sind ja von den Massnahmen nicht betroffen,

    • @Martin Sauer:

      "Bevor sie in ein Abschiebezentrum ausserhalb der EU kommen werden sie aufgefordert das Land zu verlassen. Wohin wird nicht vorgegeben."

      Sicher? Anis Amri wurde festgenommen, als er versuchte, in die Schweiz auszureisen.

  • "Wer nicht in sein Herkunftsland zurückgeschickt werden kann, soll in von der EU finanzierte Lager in anderen Teilen der Welt gebracht werden. Oft werden diese in Ländern sein, zu denen die Betroffenen keinerlei Bezug haben"



    Diesen Punkt als Argument verstehe ich immer nicht, denn ehrlicherweise haben Geflüchtete doch auch keinen Bezug zur EU bzw zu ihrem Zielland in der Regel.



    Es gibt genügend Gründe gegen Außenlager in Drittstaaten, von rechtlichen Bedenken bis wissentlichen Verstößen gegen die Menschenrechte, aber das Argument mit dem Bezug zum Land ist Quatsch, ja meist sogar ist der Bezug im Drittstaat deutlich mehr gegeben:



    Beispiel Außenlager Albanien, das ist immerhin ein muslimisches Land und somit für Syrer oder Afghanen ihrer Kultur deutlich näher als das mehrheitlich christliche Europa oder Beispiel Uganda, das ist für Südsudanesen fast im gleichen Kulturkreis im Gegensatz zu Mitteleuropa und auch sprachlich ist sich das deutlich näher, sowohl im Sudan als auch in Uganda ist Englisch Amtssprache, daneben Arabisch im Sudan und Swahili in Uganda und Swahili ist durch jahrhundertelangen Handel stark vom Arabischen geprägt, über 30% des Wortschatzes werden geteilt...

  • Menschenunwürdiger Freiheitsentzug von Mitmenschen soll hier mit unseren Steuergeld finanziert werden - spinnen die Kasperl's von den Europäischen Regierungen jetzt komplett ?



    Na ja, mit Lagern kennt man sich ja aus - einfach nur WIDERLICH.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Ich stimme zu. WIDERLICH sind auch einige Kommentare zu diesem Thema. 😢

  • Natürlich kann es im Prinzip sinnvoll sein eine Unterbringung in einem weiteren Land zu organisieren.



    Bei diesen Plänen geht es aber ganz klar nur um Entrechtung, die als "Abschreckung" Angst machen soll. Die Berichte sind seit Jahren bekannt: Lager -ob in Griechenland oder in Libyen - sind Orte der Misshandlung, Folter und des Todes.



    Klar ist ein Mensch aus Sierra Leone auch in Spanien statt in Deutschland untergekommen. Sprachen lernen. Das ist aber nicht das Thema.



    Die EU finanziert die libysche Küstenwache.



    Auf privat finanzierte Rettungsschiffe wird geschossen!



    Internierungslager von ICE - 52 Tote. in den USA.



    EU: aus den Augen - aus dem Sinn.



    Und die Zivilgesellschaft aus Afghanistan wird von allen verraten und verkauft.

  • Man sollte es ruhig als das bezeichnen, was es ist: Deportationen. Daran ist gar nichts christlich. Als Europäer schäme ich mich dafür.

    • @Grenzgänger:

      Dem stimme ich ohne Vorbehalt zu!

    • @Grenzgänger:

      …anschließe mich