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Überraschender KabinettsbeschlussBundesregierung für Abgabe auf gezuckerte Getränke

Das Bundeskabinett kündigt eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke an. Im Gespräch sind je nach Zuckergehalt bis zu 32 Cent je Liter.

Für manche Getränke in solchen Dosen könnten Hersteller ab 2028 eine Zuckerabgabe zahlen Foto: imago

Die Bundesregierung kündigt in ihrem am Mittwoch beschlossenen Gesetzentwurf zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge eine Abgabe auf mit Zucker gesüßte Getränke an. Diese solle ab 2028 eingeführt werden, jährlich rund 450 Millionen Euro einspielen und „der gesetzlichen Krankenversicherung in geeigneter Art und Weise entlastend zugutekommen“, heißt es in der Vorlage.

Die geplante Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke sei „nicht nur aus finanziellen Gründen sinnvoll, sondern auch aus Gründen der Prävention“, sagte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). „In anderen Ländern sehen wir, dass der Zuckerkonsum messbar zurückgegangen ist, nicht zwingend als ein Ergebnis von weniger Konsum, sondern einer Anpassung der Rezeptur durch die Hersteller, die dann eben auch deutlich weniger Zucker zugefügt haben.“

Die Ministerin wies darauf hin, dass eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke „bereits in hundert Ländern“ erhoben werde. Gerade bei Kindern und Jugendlichen tragen solche Getränke Experten zufolge erheblich zur täglichen Zuckeraufnahme bei. Damit steige das Risiko deutlich, Karies zu entwickeln sowie an Adipositas oder Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Die Details der nun geplanten Abgabe sollen in einem eigenen Gesetz festgelegt werden, einen offiziellen Entwurf gibt es noch nicht. Die Finanzkommission Gesundheit, die im Auftrag der Bundesregierung Sparvorschläge für die Krankenversicherung geprüft hat, empfiehlt jedoch, unter 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter keine Steuer zu erheben, von 5 bis weniger als 8 Gramm 26 Cent je Liter und bei höheren Gehalten 32 Cent zu kassieren. 100 Prozent Fruchtsäfte und Getränke mit künstlichen Süßstoffen sollten ausgenommen werden. Die Kommission rät, die Abgabe „herstellernah“ zu erheben, zum Beispiel bei demjenigen, der das Getränk auf den Markt bringt.

Weniger Kranke, weniger Ausgaben

Die Finanzkommission Gesundheit schlug auch höhere Steuern auf Alkohol und Tabak vor. Dem Papier zufolge könnten Zigaretten und Feinschnitt in den kommenden fünf Jahren um 8 beziehungsweise 18,5 Prozent teurer werden.

Die Abgabe würde dem Staat nicht nur mehr Einnahmen bescheren. Vielmehr würde die gesetzliche Krankenversicherung der Kommission zufolge mittel- und langfristig 20 bis 170 Millionen Euro pro Jahr einsparen, weil weniger Menschen infolge des Konsums solcher Getränke erkranken.

Der Bundesparteitag der CDU hatte einen Antrag für eine Zuckersteuer zunächst abgelehnt. Nach den Vorschlägen der Finanzkommission und kurz vor dem Kabinettsbeschluss zu den Krankenkassenbeiträgen unterstützte aber auch Unionsfraktionschef Jens Spahn die Abgabe. Auch die SPD hatte Zustimmung signalisiert. (mit afp)

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6 Kommentare

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  • Es war klar, daß dieser unsinnige Weg gegangen würde. Er erfordert ein zentrales Planungsamt mit vielen schönen neuen Stellen und eine ungeheure Vielfalt detailliertester Einzelregeln für alles, wenn schon einfache Zuckerbrausen wie beschrieben in etlichen Untergruppen verschieden zu behandeln sind. Das Problem löst es nicht, das liegt ganz woanders, nicht da, wo der süße Geschmack absichtlich und bewußt gewählt wird.



    Zucker ist ein ausgesprochen billiger Füllstoff, der in fast jedem Lebensmittel Gewicht auf die Waage bringt und hohen Gewinn einfährt. Oft ist sein Geschmack unerwünscht und muß aufwendig überdeckt werden. Wer zum Sparen von Aufwand z.B. fertigen Gurken- oder Krautsalat kaufen möchte, der möge die Zutaten lesen -- und dann vermutlich wie ich den Becher entsetzt sofort zurückstellen. Die einzig sinnvolle Maßnahme, und ich stimme voll zu, sie ist sinnvoll, wäre, den Rohstoff Zucker an der Quelle zu besteuern. Alles weitere regelt der Markt viel effizienter. Die netten, lukrativen Versorgungspöstchen in der Behördenleitung fielen dann bedauerlicherweise auch weg. Allein deshalb wird es so ganz sicher nicht gemacht werden.

  • Finde ich gut. Ungesunde Nahrungsmittel gehören sowieso verboten. Wer mal in der Küfa gearbeitet hat (das ist die Küche für Alle, für den Cola- und Fleischliebhaber also eine Sozialistische Hölle), der sieht, was man alles zaubern kann ohne auch nur einen Krümel Zucker einzusetzen.

    Doch leider ist es ja "die Freiheit", seinen eigenen Körper zu vergiften. Mit zuviel Nikotin, Alkohol oder eben Zucker. Etwa wie Autofahren. Also werden die Leute auch weiterhin Cola kaufen, so wie sie weiterhin ihr Auto fahren.

    Ganz ehrlich: Man kann sich auch mit Wasser sozialisieren. Weil Wasser ist nicht nur am gesündesten, sondern aus ethischer Sicht am unbedenklichsten.

  • Warum nimmt man Säfte aus? Gesünder sind die doch eigentlich auch nicht. Die zwei Vitamine, die noch darin rumschwimmen, können ja kaum den Unterschied machen.

    • @Strolch:

      @Strolch

      Ja nur für Sie habe ich Alter mich nochmals zu später Stunde angemeldet.

      Sie schreiben "Die zwei Vitamine, die noch darin rum- schwimmen, können ja kaum den Unterschied machen".

      Noch dü...er geht es nicht, oder.

      Orangensaft:

      Nährwert pro 100 g Orangensaft, ungesüßt:



      Brennwert 178 kJ (42 kcal)



      Wasser 89,5 g



      Eiweiß 0,7 g



      Kohlenhydrate 8,7 g



      - davon Zucker 8,7 g



      - Ballaststoffe 0 g



      Fett 0,1 g



      Vitamine und Mineralstoffe



      Vitamin A 1,3 µg



      Vitamin B1 60 µg



      Vitamin B2 10 µg



      Vitamin B3 250 µg



      Vitamin B5 160 µg



      Vitamin B6 127 µg



      Vitamin B7 0,8 µg



      Vitamin B9 20 µg



      Vitamin C 42 mg



      Calcium 15 mg



      Eisen 270 µg



      Magnesium 12 mg



      Natrium 1,4 mg



      Phosphor 16 mg



      Kalium 142 mg



      Zink 120 µg



      Kupfer 57 µg



      Mangan 30 µg

      Nährwert pro 100 g Orangensaft, ungesüßt[1]



      Brennwert 178 kJ (42 kcal)



      Wasser 89,5 g



      Eiweiß 0,7 g



      Kohlenhydrate 8,7 g



      - davon Zucker 8,7 g



      - Ballaststoffe 0 g



      Fett 0,1 g



      Vitamine und Mineralstoffe



      Vitamin A 1,3 µg



      Vitamin B1 60 µg



      Vitamin B2 10 µg



      Vitamin B3 250 µg



      Vitamin B5 160 µg



      Vitamin B6 127 µg



      Vitamin B7 0,8 µg



      Vitamin B9 20 µg



      Vitamin C 42 mg



      Calcium 15 mg



      Eisen 270 µg



      Magnesium 12 mg



      Natrium 1,4 m

      Siehe Wikipedia.

      • @VDST:

        Und dann schadet der Zucker nicht mehr? Die Vitamine können Sie auch einer Cola beifügen. Der Zuckergehalt, um den es geht, ist genau so hoch. Gefahren für Diabetes, etc. unterscheiden sich auch nicht. Und Ballaststoffe sind beim Saft auch 0g.

  • Die Union hatte sich eher sinnbefreit gegen jegliche Steuererhöhung ausgesprochen, jetzt hat sie zumindest doch mal umgedacht.



    Zum Glück, denn sehr viel spricht dafür, die weiche Droge Zucker stärker in den Griff zu bekommen, zumindest zu besteuern.



    Hoffentlich geht der Erkenntnisprozess der Union nun weiter. Wie wäre es mit höheren Steuern auf ähnlich Ungesundes wie ... Autofahren?