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Bundeswehr in GrönlandDeutschland mischt im hohen Norden mit

Die Bundeswehr schickt jetzt 13 Soldaten zu einer „Erkundungsmission“ nach Grönland. Seit 2024 war sie an mehr als 40 Übungen in der Arktis beteiligt.

Grönland ohne US-Soldaten: Dänische Einheiten bei der Nato-Übung Arctic Light im September Foto: ap
Cem-Odos Gueler

Aus Berlin

Cem-Odos Gueler

Deutschland unterstützt die dänische Armee bei der Ausweitung ihrer Militärpräsenz auf Grönland. Wie das Verteidigungsministerium in Berlin mitteilte, startete am Donnerstagmorgen ein Transportflugzeug mit einem Erkundungsteam aus 13 Bundeswehrangehörigen in Richtung Grönlands Hauptstadt Nuuk. Die für drei Tage angekündigte Mission erfolge auf Einladung Dänemarks. „Ziel ist, die Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks zu erkunden“, erklärte das Verteidigungsministerium.

Demnach werde geprüft, ob die Bundeswehr vor Ort etwa die Überwachung des Seeraums unterstützen könne. Außer Deutschland kündigten auch Schweden und Norwegen an, Militärangehörige auf die Arktis-Insel zu entsenden. Die Missionen erfolgen im Schatten der Drohungen Donald Trumps, die USA könnten Grönland annektieren. Am Mittwoch hatten sich deshalb Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen und die grönländische Ministerin für Außenangelegenheiten Vivian Motzfeldt mit der US-Administration in Washington getroffen.

Für die Bundeswehr ist es nicht die erste Mission in Grönland. Im September hatten deutsche Militärangehörige dort an einer Übung namens „Arctic Light“ teilgenommen – allerdings nur mit drei Soldat*innen. Das geht aus einer parlamentarischen Anfrage der Linksfraktion hervor, die der taz vorliegt. Demnach ist die Bundeswehr in großer Regelmäßigkeit im hohen Norden unterwegs: Die Bundesregierung listet insgesamt 40 Übungen in den Arktis-Anrainerstaaten seit Anfang 2024 auf.

„Arctic Light“ war dabei die größte Nato-Operation, die Grönland seit Langem gesehen hatte. Auch diese Übung fand ohne eine Beteiligung der USA statt. Unter der Führung des dänischen Arktiskommandos trainierten im September 550 Sol­da­t*in­nen aus Frankreich, Großbritannien, Norwegen und Schweden die Einsatzbereitschaft ihrer Spezialkräfte, die Nutzung von Bodendrohnen und den Schutz kritischer Infrastruktur auf der artkischen Insel. Schon damals wurde es als ein Zeichen Dänemarks gegen die Annektionsdrohungen Donald Trumps gesehen, dass die USA nicht in das Manöver einbezogen waren.

Die Linke kritisiert die Übungen in der Arktis

Nicht alle Missionen der Bundeswehr im hohen Norden sind so klein wie die Teilnahme an „Arctic Light“. So absolvierte die deutsche Marine vor der Inselgruppe Andøya im Norden Norwegens vom 13. bis zum 24. Oktober nach eigenen Angaben ihr „größtes Schießvorhaben seit Jahrzehnten“. Laut parlamentarischer Anfrage waren 1.140 deutsche Sol­da­t*in­nen an der Übung beteiligt. Der Bundeswehr zufolge wurde dabei 300 Kilometer oberhalb des Polarkreises „die Leistungsfähigkeit der Waffensysteme unter realistischen Bedingungen“ getestet – der Übungseinsatz sei aber auch ein „Beweis der Abschreckungsfähigkeit Deutschlands“ gewesen.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Ulrich Thoden, kritisiert das Engagement der Bundeswehr im hohen Norden. „Das ist Ausdruck eines abenteuerlichen Expansionskurses, mit dem sich die Bundesregierung Deutschland künftig als militärische Arktismacht etablieren will“, sagte er der taz. Der Bundesregierung gehe es dabei nicht um die Landesverteidigung, sondern „um militärische Zugriffsmöglichkeiten auf die begehrten Rohstoffressourcen der Arktis“.

Das Auswärtige Amt weist diese Anschuldigungen zurück. Ziel der deutschen Arktispolitik sei es, zur Sicherheit in der Region beizutragen. Es gehe darum „Kooperationen zu fördern und die friedliche Nutzung der Arktis“ auf Grundlage anerkannter Normen zu unterstützen. Mit Blick auf Grönland heißt es aus dem Ministerium: „Grönland gehört den Grönländerinnen und Grönländern und es ist an Dänemark und Grönland, über alle Angelegenheiten zu entscheiden, die beide Länder betreffen.“

In der Arktis gibt es bedeutsame Reserven an Erdöl und Erdgas. Bergbauunternehmen aus der ganzen Welt haben es aber besonders auf die Vorkommen von Metallen abgesehen, die hier im Boden liegen. Dabei steht vor allem Grönland im Fokus: Im Süden der Insel liegen laut der deutschen Gesellschaft für Außenwirtschaft GTAI die zwei weltweit größten bekannten Lagerstätten von Seltenen Erden, die für die Herstellung moderner technischer Geräte benötigt werden.

Bereits im Herbst 2024 hatte die Bundesregierung unter Federführung des Auswärtigen Amts eine neue Arktisstrategie verabschiedet. Unter dem Titel „Deutschland und die Arktis im Kontext von Klimakrise und Zeitenwende“ geht es darin um die veränderte sicherheitspolitische Lage in der Region. Im Fokus standen dabei die russischen und chinesischen Aktivitäten.

Deutschland exportiert auch Waffen in die Region

In den Leitlinien heißt es, dass die militärische Bedeutung der Arktis auf absehbare Zeit zunehmen werde. Russland habe seine militärische Präsenz ausgebaut und trete gegenüber den arktischen NATO-Verbündeten zunehmend aggressiv auf.

Die Bundesregierung verweist in dem Papier auch auf die russische Nordflotte. Die strategischen Atom-U-Boote Russlands sollen die nukleare Zweitschlagsfähigkeit des Landes garantieren. Die Nordflotte habe als „Instrument russischer Außen- und Sicherheitspolitik an Bedeutung gewonnen“, heißt es von der Bundesregierung. Die Fähigkeit Russlands, im hohen Norden die Freiheit der Schifffahrt im Nordatlantik zu beeinträchtigen, stelle ebenfalls eine „strategische Herausforderung“ dar.

Linken-Politiker Thoden kritisiert die Aufrüstung im hohen Norden. „Wir treten für eine ausschließlich friedliche Nutzung der Arktis und für den konsequenten Schutz ihres durch den Klimawandel bedrohten, einzigartigen Ökosystems ein“, erklärte er. Kritisch betrachtet er deshalb auch deutsche Waffenexporte in die Region.

Laut der Antwort auf die Kleine Anfrage der Linksfraktion lieferte Deutschland im Jahr 2025 Rüstungsgüter im Wert von etwa drei Milliarden Euro an Arktis-Anrainerstaaten. An erster Stelle steht dabei Norwegen mit Waffenimporten aus Deutschland über mehr als 1,3 Millarden Euro. Das dürfte damit zusammenhängen, dass Norwegen ein Hauptabnehmer deutscher U-Boote ist und diese Waffensysteme zu den teuersten Rüstungsgütern überhaupt gehören. An zweiter Stelle standen die USA, die 2025 Rüstungsgüter im Wert von etwa 480 Millionen Euro aus Deutschland erhielten.

In der parlamentarischen Anfrage beziehen sich die Fragesteller Thoden und Desiree Becker (ebenfalls Linke) auch auf einen Bericht der taz über eine Reise von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) nach Kanada, auf der er für den Kauf deutscher U-Boote warb. Die Abgeordneten wollten nun wissen, auf „wessen Auftrag“ Pistorius unterwegs gewesen sei. Die Bundesregierung gibt dazu an, der Verteidigungsminister habe die Bewerbung der deutschen Waffenschmiede TKMS für den Verkauf von U-Booten an Kanada „politisch unterstützt“.

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