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Waffengewalt in den USAKrieg im Klassenraum

In den USA stecken Eltern ihren Kindern Schutz-Schildkröten in den Rucksack. Eine eigene surreale Waffenindustrie soll vor Amokläufern schützen.

Sieht so wirklich die Sicherheit von Schulkindern aus? Hier schützen sich Kinder mit schusssicheren Decken vor Attentätern Foto: ED/CM/CAMERA PRESS/laif

Die lachende Schildkröte „Tank the turtle“ schaut hinter einem Schild hervor. Es ist nicht ihr eigener Panzer, denn ihn ziert die Flagge der USA, links die Sterne, rechts die weiß-roten Streifen. Der Eindruck mag täuschen, doch es handelt sich nicht um ein Spielzeug.

Im Gegenteil, die 25 mal 30 Zentimeter große Platte aus Polyethylen soll das Leben von Kindern und Jugendlichen schützen. Laut Angaben stoppt die Platte alle Stichwaffen und Kaliber bis hin zu den Kugeln einer Kalaschnikow.

Für den Schulalltag können Eltern sie ihren Kindern ganz simpel in den Rucksack stecken, schon läuft der Nachwuchs gepanzert umher. Das soll sie vor Amokläufen schützen, denn die Opfer der „school shootings“ sind in erster Linie Kinder und Jugendliche. Es ist surreal, was weite Teile der US-Gesellschaft alles unternehmen, bevor sie ihren geheiligten zweiten Zusatzartikel – das Recht auf Waffenbesitz – abschaffen oder auch nur regulieren.

Militaristische Industrie zum Schutz vor Waffengewalt

Das Gun Violence Archive zählte allein 2024 fast eintausend Fälle von Schusswaffeneinsatz auf Schulgelände. Jeder davon hätte einen oder mehrere Tote nach sich ziehen können. Insgesamt kosteten Amokläufe an US-Schulen letztes Jahr 69 Menschen das Leben, 194 wurden verletzt.

Aus dieser Waffengewalt hat sich eine neue, perfide wie opportunistische Industrie herausgebildet. Aus dem Leid an Kindern wird Kapital geschlagen. So beginnt der Kaufpreis von Schutzplatten für den Kinderrucksack bei rund 150 US-Dollar mit reichlich Luft nach oben. Und damit nicht genug, denn inzwischen sollen Kinder auch mit schusssicheren Mäppchen, Tablet-Hüllen oder direkt einer Ganzkörperweste geschützt werden.

Die Produkte tragen martialische Titel wie „Defender“, „Ninja“ und „BulletBlocker“. Manche von ihnen – wie die „Tank the turtle“-Schutzplatte – haben eine kindergerechte, verspielte Optik, um von ihrer eigentlichen Funktion abzulenken. Für viele Her­stel­le­r:in­nen ist es darüber hinaus wichtig zu erwähnen, dass es sich bei ihnen um ein Geschäft in den Händen von Veteranen handelt.

Auch Accessoires für Lehrkräfte sollen angeblich dabei helfen, Opfer bei Amokläufen zu verhindern. Stürmt jemand eine Schule, kann zum Beispiel die mit Rollen ausgestattete und kugelsichere Tafel bewegt werden, damit sie die Tür oder den Gang blockiert. Auch schuss­sichere Tische sollen umgedreht und als Schild genutzt werden.

Einige Schulen, besonders die weiterführenden High Schools, setzen Metalldetektoren ein, um eine Mitnahme von Schusswaffen zu verhindern. Was an Krieg erinnert, ist noch immer ein Klassenraum.

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Der Waffenbesitz ist ein hohes Gut – und bleibt es wohl auch

Es wirkt surreal, dass aus den Amokläufen eine eigene Industrie entstanden ist. Andererseits hatte das Kapital noch nie eine Moral, ganz gleich, ob es um Kinder, Jugendliche oder Erwachsene geht. Würde man ernsthaft Opfer verhindern wollen, ist eine Änderung oder Ab­schaffung des zweiten Zusatzartikels dringend notwendig. In ihm heißt es: „Da eine wohlgeordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“

Doch dieses Gesetz stammt von 1791, als die USA ihre Unabhängigkeit gegenüber Großbritannien noch nicht vollends gesichert hatten. Heute, über zwei Jahrhunderte später, ist es ein antiquierter Zusatz, der primär von Re­pu­bli­ka­ne­r:in­nen verteidigt wird. Aber eben nicht nur: Auch Kamala Harris und ihr Vizekandidat Tim Walz sprachen im letztjährigen Präsidentschaftswahlkampf davon, dass sie Waffen besitzen. Während eines Interviews mit Oprah Winfrey im September sprach Harris sogar davon, dass sie einen Einbrecher sofort erschießen würde.

Es ist unwahrscheinlich – um nicht zu sagen unmöglich –, dass sich die Waffengesetze unter einer trumpschen Regentschaft zum Besseren ändern. Stattdessen sorgt die republikanische Regierung explizit für den Rückbau von Programmen zur Prävention von Waffengewalt und will den Zugang zu Munition erleichtern. Auch das „concealed carry“, das verdeckte Tragen einer Waffe, soll vielerorts ermöglicht werden, sogar bei Lehrkräften. In Staaten wie Florida, Arkansas, Illinois, Arizona und Texas ist das bereits erlaubt – ohne jedwede Lizenz. Auch in Mississippi, Alabama und Louisiana kann man die Waffen offen tragen, obwohl gerade diese drei Staaten die proportional die meisten Toten durch Schusswaffengewalt haben.

Die Fetischisierung von Schusswaffen kostet Leben

Der Konflikt des Waffenrechts ist kein neuer und längst ein fester Bestandteil der alltäglichen US-Politik. Während die demokratische Seite stärkere Regulation, Hintergrund-Checks und mehr Prävention fordert, argumentiert das republikanische Lager mit der Verfassung, den individuellen Rechten und seinem Lieblingsargument – der Freiheit – dagegen. Was bleibt, ist ein juristisch vages Feld, das von den jeweiligen Staaten meist selbst bestimmt wird.

Die Leidtragenden sind letztendlich Kinder, wie auch beim Amoklauf an der Apalachee High School im September 2024. Dabei starben zwei Kinder und zwei Lehrkräfte, neun weitere wurden verletzt. Schutzplatten, Tafeln, Mäppchen und sonstige angeblich kugelsichere und lebensrettende Ausrüstung hat kein Leben geschützt. Der 14-jährige Schütze soll die Tatwaffe, ein halbautomatisches Sturmgewehr, als Weihnachtsgeschenk von seinem Vater bekommen haben.

Dass eine tödliche Waffe in den USA als Geschenk für ein Kind gilt, zeigt das tief verwurzelte Problem des Landes. Und im Ernstfall bieten Platten und Rucksäcke den Kindern keinen Schutz vor jemandem, der sie töten will. Doch Schusswaffen sind längst beständiger Teil der US-amerikanischen DNA und für viele zu einem großen Fetisch geworden. Einer, in dem eine vermeintliche Freiheit und Sicherheit gesehen wird – auch wenn sie die eigenen Kinder das Leben kostet.

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44 Kommentare

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  • taz: *Insgesamt kosteten Amokläufe an US-Schulen letztes Jahr 69 Menschen das Leben, 194 wurden verletzt.*

    Und das "nur" an Schulen. In den USA sterben jährlich Tausende Menschen durch Schusswaffen. In diesem Jahr wurden in den USA bis Anfang August 8.813 Todesfälle durch Schusswaffen (ohne Selbstmorde) erfasst. 2021 lag der "Rekord" bei 21.383.







    Die USA war ja schon immer verrückt mit ihren Waffen, aber was in den letzten 10 Jahren mit Schusswaffen da vor sich geht, ist nicht mehr begreifbar. Für amerikanische Kinder sind Schussverletzungen Todesursache Nummer eins. Trotzdem halten die USA an ihrem historischen Waffenrecht fest.

    *Dass eine tödliche Waffe in den USA als Geschenk für ein Kind gilt, zeigt das tief verwurzelte Problem des Landes.* [taz]

    Die USA haben eine höhere Anzahl von Schusswaffen in Privatbesitz als das Land überhaupt Menschen hat. Jeden Monat werden in den USA mehr als eine Million neue Schusswaffen verkauft, was auf eine zunehmende Aufrüstung hindeutet. Es gibt über 120 Schusswaffen pro 100 US-Amerikaner.

    Ein lustiger YouTube-Short von "Radical Living", der aber gar nicht so lustig gemeint ist. ***Guns - USA*** www.youtube.com/shorts/Wp1DXXyOoBA

    • @Ricky-13:

      Das beste an dem Short ist, dass der Comedian, welcher den "Amerikaner" spielt, die Staaten exakt wegen dieser Thematik verlassen hat.

  • Trump will den Verfassungszusatz, der jeder Person, die auf dem Boden der USA geboren wurde, die Staatsbürgerschaft zuerkennt, abschaffen, indem er - wohl durch den Obersten Gerichtshof - für ungültig erklärt wird.



    So könnte alle Zusatzartikel abgeschafft werden, auch der 2.

    Übrigens ist (Jagd-)Waffenbesitz in Schweden - auch in Städten - weit verbreitet.

    • @Ralf:

      "Übrigens ist (Jagd-)Waffenbesitz in Schweden - auch in Städten - weit verbreitet"

      In Schweden kommen 23 Waffen auf 100 Einwohner, in Norwegen gar 29/100. Die meisten davon gehören Jägern. Zudem sind die Waffengesetze in beiden Ländern sehr streng. So ist zum Beispiel das Mitführen von Messern oder Pfefferspray verboten. Auch gibt es in Norwegen keine hohe Anzahl von Opfern durch Schusswaffengebrauch. Die Statistik Schwedens weist hingegen eine hohe Tötungsrate durch Schusswaffen auf, ist jedoch etwas irreführend hinsichtlich der Debatte um strengere Waffenrgulierungen, da die meisten Tötungsdelikte innerhalb von Bandenkämpfen begangen werden. Und diese nutzen in Schweden wie auch in den Niederlanden überwiegend Hybrid-Glocks als Schusswaffen. Das sind Einzelteile vom Hersteller Glock, wie Griffstücke oder Schlitten die in Österreich einzeln legal zu erwerben sind und nicht unter das Waffengesetz fallen und mit anderen Komponenten, wie einem Lauf aus anderen Waffen oder einem nachgebauten Lauf zu einer sogenannten Hybrid Glock zusammengebaut werden. Da bewirken strengere Waffengesetze wenig.

    • @Ralf:

      Um die Verfassung der USA zu ändern, benötigt man eine 2/3-Mehrheit. Über diese verfügt die Trump-Partei nicht. Case closed.

  • Wie waren denn die Waffengesetze noch in den 1970er? Da konnte man alles einfach so aus dem Versandhauskatalog bestellen. Wurden da Amokläufe und bewaffnete Straftaten anders bewertet und nicht so in den Medien behandelt?

    • @Axel Schäfer:

      Waffen sind aus meiner Sicht nicht das Problem, sondern die Gewaltbereitschaft der Täter beziehungsweise das stetige Fallen sämtlicher Hemmschwellen.



      Allein in den letzten 20 Jahren hat sich der Schusswaffengebrauch an Schulen und Kitas in den USA verzehnfacht (link zu Statistik siehe unten).



      Auch in Deutschland gibt es Waffen seit jeher (Jäger, Sportschützen, etc), Schulschießereien sind aber auch hier erst in jüngerer Vergangenheit 'in Mode' gekommen.



      Dagegen kann man natürlich schärfere Waffengesetze fordern, das übergeht aber meiner Meinung nach die wahre Ursache - den gesellschaftlichen Wandel.



      Es ist nichts anderes mit den Amokfahrten. Autos sind seit 100 Jahren auf unseren Straßen, seit wenigen Jahren braucht es aber Poller und Betonbarrieren zum Schutz vor Amokfahrten.



      Schießereien und Amokfahrten sind keine Begleiterscheinungen neuer Technologien - es sind Produkte veränderter Bemessung von Ethik und Moral, Produkte des gesellschaftlichen Werteverfalls.



      Nicht Autos und Waffen tragen Schuld, es ist immer der Mensch der handelt. Wir sind das Problem, nicht die Dinge die wir nutzen.



      www.infosperber.ch...r-oefter-schuesse/

      • @Saskia Brehn:

        Ich würde Ihnen hier deutlich widersprechen:



        Wenn Sie sagen „nicht die Waffen, sondern die Menschen sind das Problem“, blenden Sie aus, dass Waffen eben keine neutralen Dinge sind, sondern Werkzeuge zum Töten – und dass ihre massenhafte Verfügbarkeit und Werbung durch die Waffenlobby Gewalt erst so leicht möglich machen. Mit Schlagwörtern wie „Werteverfall“ verschieben wir das Problem nur ins Moralische und entlasten damit genau die Industrie, die von laschen Gesetzen profitieren, indem sie enormen Profit aus der eskalierenden Gewalt (und der daraus resultierenden Angst und Massenbewaffnung) ziehen.

      • @Saskia Brehn:

        "...das stetige Fallen sämtlicher Hemmschwellen."

        In einem Land, in dem der Besitz von Waffen selbstverständlich ist, ist die Hemmschwelle, sie auch einzusetzen, niedriger. Waffen sind in den USA ein Alltagsgegenstand. Wie Bügeleisen. Und genau so sind auch in vielen Bundesstaaten die Vorschriften für den Umgang. Wobei die Warnhinweise auf Bügeleisen aus Angst vor Schadensersatzansprüchen wahrscheinlich noch umfangreicher sind.

        Natürlich spielt es auch eine Rolle, dass Gewalt für immer mehr Menschen eine Lösung zu sein scheint. Aber der Zugang zu Waffen wird auch von Menschen geregelt. Und der ist eben in den USA zu einfach.

    • @Axel Schäfer:

      Die Gesetze haben sich in vielen Bundesstaaten kaum geändert.

      Und ja. Heute ist die Nachrichtendichte um ein Vielfaches höher. In den 70ern hat man in D von solch alltäglichen Ereignissen in der amerikanischen Provinz wenig mitbekommen.

    • @Axel Schäfer:

      Man konnte (z.B.) AK-47 im Versandhaus-Katalog bestellen? Das glauben Sie doch selbst nicht.

      • @Kaboom:

        Eine AK-47 nicht aber Jagdgewehre mit Zieloptik.



        Zumindest in Deutschland. Neckermann machts möglich.



        In den USA fast in jedem Drugstore.

        • @Captain Hornblower:

          Jagdgewehre mit Zieloptik sind ja "ganz nett", wenn man Leute umbringen will. Nur: Neckermann hatte Namen und Adresse. Nicht im Sinne des potentiellen Massenmörders.



          Aber in den USA gibts Bundesstaaten, wo man die gewünschte Knarre (z.B. Sturmgewehre) direkt aus dem Supermarkt mitnehmen kann. Rein in den Laden, Gewehr aussuchen, bar bezahlen, und ne 1/4 Stunde später kann man ganz ungestört den Amoklauf starten. Das ist schon ne ganz andere Liga.

      • @Kaboom:

        Ein K98 oder eine Winchester tuns auch, und die waren frei für Erwachsene verkäuflich.



        Erbsenzählen bringt niemanden weiter...

      • @Kaboom:

        AK-47 eher nicht, weil sowj. Lieferanten nicht im Katalog waren. Andere Modelle schon. Noch heute kann man in vielen Bundesstaaten Waffen im Supermarkt kaufen. Ob das noch online geht, bin ich nicht sicher.

  • "...dieses Gesetz stammt von 1791 (...) Heute (...) ist es ein antiquierter Zusatz, der primär von Re­pu­bli­ka­ne­r:in­nen verteidigt wird. Aber eben nicht nur: Auch Kamala Harris und ihr Vizekandidat Tim Walz sprachen im letztjährigen Präsidentschaftswahlkampf davon, dass sie Waffen besitzen. Während eines Interviews mit Oprah Winfrey im September sprach Harris sogar davon, dass sie einen Einbrecher sofort erschießen würde."



    Genau hier vermeidet der Artikel es in die Tiefe zu gehen. Während Republikaner fast ausnahmslos auch öffentlich das Waffenrecht verteidigen, erfolgt es bei Demokraten sehr oft subtil. Denn auch unter demokratischen Wählern gibt es sehr viele Waffenbesitzer und -befürworter.



    Jagen ist Volkssport Nummer 1, unabhängig von Parteipräferenz.



    Ebenso ist die Idee, Waffen zum Selbstschutz zu besitzen, auch bei Demokraten weit verbreitet.



    Der Unterschied zwischen Republikaner und Demokraten ist hier zumeist nur, dass republikanische Wähler es als ihr Recht und teilweise gar als Pflicht ansehen, Waffen selbst einzusetzen, wohingegen demokratische Wähler dies eher aus einem Widerwillen heraus tun, es aber dennoch im Ernstfall als Notwendigkeit erachten.

  • Angst einjagen und Pseudo-Sicherheit versprechen - eine gefährliche Methode, vor allem wenn wissenschaftliche Erkenntnisse durch Profitstreben überlagert werden.



    Selbst in unserer XY-ungelöst-vortraumatisierten Gesellschaft würde mensch zuerst potenzielle Täter(innen) wieder entbrutalisieren wollen, Waffen weniger zugänglich machen. Aber hoffentlich nicht die Opfer selbst beschuldigen ("trug ja keinen Helm, Schutzweste und teure Matte").



    Am Grund selbst ansetzen, nicht so sehr an den Symptomen.

    Jetzt nicken wir eine Runde, wie toll wir sind gegenüber den Staaten, und das stimmt ja auch etwas hierbei.



    Dann aber hoffentlich denken wir an andere Bereiche. Dass wir nicht mal ein schnödes Tempolimit hinbekommen im Gegensatz zu quasi allen anderen Ländern, das ja auch für wohl einige Unfalltote weniger im Jahr gut wäre - von den weniger offensichtlichen Schäden durch Treibhausgasen dort und anderswo noch abgesehen.



    Zwei verschiedene Bereiche; einfach eine Erinnerung, dass auch wir unser Pflichtenheft haben.

    • @Janix:

      „Angst einjagen und Pseudo-Sicherheit versprechen - eine gefährliche Methode, vor allem wenn wissenschaftliche Erkenntnisse durch Profitstreben überlagert werden.“

      Danke für den Kommentar!

  • Nicht nur Profit, auch Angst



    Oft wird die Waffenlobby als Ursache genannt – das stimmt, aber greift zu kurz.



    Viele Menschen bewaffnen sich, weil ihnen über Jahre vermittelt wurde:



    Du bist allein. Niemand schützt dich.

    Es ist nicht nur Gier, sondern auch gezielte Angst, die sich im öffentlichen Raum festsetzt.



    Wer verändern will, muss also nicht nur Gesetze ändern –



    sondern auch die Sprache, mit der Sicherheit überhaupt entsteht.

    • @LeLibertin:

      Damit stellen Sie aber Profitgier und Angst als zwei getrennte Ursachen dar.



      Ich würde ihnen insofern widersprechen, dass beide eng miteinander verbunden sind. Die Angst wird systematisch von der Waffenindustrie und der NRA produziert und instrumentalisiert, mit dem einzigen Ziel, dass Menschen mehr Waffen kaufen. Angst ist daher ein nicht zu unterschätzendes Instrument im Sinne der Profitmaximierung.



      Das gleiche gilt selbstverständlich auch für die Isolation, Einsamkeit und verrohende Sprache.



      Wer verändern will, sollte also durchaus Gesetze ändern, um die Macht der NRA einzuschränken, aber auch die Produktionsweise und Profitmaschinerie dahinter, als solches hinterfragen.

  • Manche Menschen haben eben keine Hemmungen mit allem Geld zu machen.

    Dabei ist das Zeug nicht nur nutzlos, sondern sogar noch gefährlich. Weglaufen oder richtig verstecken würde ja mit etwas Glück noch helfen. Aber die Dinger auf dem Bild wiegen das Kind nicht nur in falscher Sicherheit, sondern sie zeigen auch noch, wo es ist. Dass sie gegen Beschuss nutzlos sind, sieht man ja auf dem Bild deutlich...

  • Bitte, bitte, bitte - gebraucht in Texten zu Schusswaffen die Fachbegriffe korrekt. Ein Sturmgewehr ist per Definition eine vollautomatisch schießende Waffe. Es gibt keine halbautomatischen Sturmgewehre.



    Bei aller absolut berechtigter Kritik - wenn ich mit einem Text demonstriere, dass ich keine Ahnung von der Materie habe, kann ich nicht erwarten, ernst genommen zu werden.

    • @Freundlicher:

      Ich find diesen Waffenfetish ja mehr als seltsam und mich interessieren Details ned wirklich; jedenfalls als der us-amerikanische Musiker Kid Rock auf Bierdosen geballert hat, war des ne AR-15 mit Dauerfeuer und damit eine im Militär als M16 bezeichnete Knarre. Also wäre wohl "die zivile Version des M16 mit Aufrüstungsoption" der Wahrheit nahekommend ;).

      • @Hugo:

        Das Problem ist: wenn derartige Details schon falsch sind , was stimmt im Rest?



        Was ich schon an groben Murks in Zeitungen gelesen habe, der sich ernst meint. Und wo einfach mal ein kleiner Blick in ein Fachbuch oder selbst Wikipedia geholfen hätte, um zu erkennen , das das grob falsch ist

        • @Lio:

          So sauber ist wohl die Definition ned, merken hier bei dem Nebenstrang auch einige an.



          Wemmer übers Formulieren von Martin Seng meckern will: "Auch das „concealed carry“, das verdeckte Tragen einer Waffe, soll vielerorts ermöglicht werden, sogar bei Lehrkräften. In Staaten wie Florida, Arkansas, Illinois, Arizona und Texas ist das bereits erlaubt – ohne jedwede Lizenz. !Auch! [Hugos !] in Mississippi, Alabama und Louisiana kann man die Waffen offen tragen, obwohl gerade diese drei Staaten die proportional die meisten Toten durch Schusswaffengewalt haben."

    • @Freundlicher:

      Um mal ein altbekanntes Zitat abzuwandeln:



      " Gun is a gun is a gun is a gun"

      • @Erwin1.:

        Nicht ganz, als legaler Waffenbesitz in die Verfassung der USA aufgenommen wurde, waren Vorderlader noch der Standard. Wenn man nur ca. einen Schuss pro Minute abgeben kann, ist ein Amoklauf weit schwieriger, als heute, wo man mit vollautomatischen Waffen leicht in 10 Sekunden 10 Menschen erschießen kann.

        Die USA hat wegen der einflussreichen Lobby der schießwütigen Waffennarren versäumt, die Waffengesetze an die Entwicklung der Waffen anzupassen.

    • @Freundlicher:

      L1A1 ?



      Das L1 A1 (auch als L1 A1 SLR und SLR bezeichnet) ist ein seit 1954 von der britischen Royal Small Arms Factory in Enfield gebautes Selbstladegewehr und ein Lizenzbau des von der belgischen Firma Fabrique National (FN) entwickelten Sturmgewehrs FN FAL. Die Waffe wurde an verschiedene Länder, darunter Australien, Barbados, Gambia, Guyana, Kanada, Malaysia, Neuseeland, Oman und Singapur verkauft. Zum Teil wurden auch Waffen in Australien und Kanada gefertigt.

      Wichtigster Unterschied des Lizenzprodukts ist, dass es zwar als Selbstlader funktioniert, aber im Gegensatz zum FN FAL keine Dauerfeuereinrichtung besitzt. Die praktische Feuergeschwindigkeit liegt dennoch bei bis zu 40 Schuss/min.

    • @Freundlicher:

      Da es auch Sturmgewehre ohne Vollautomatik gab/gibt bzw. Sturmgewehre oder auch Maschinenkarabiner schon immer primär im Einzel- oder Salvenfeuer verwendet wurden, halte ich den Einwurf - mit Verlaub gesagt - für wohlfeile Korinthenzählerei…

  • Es gibt viele Länder mit liberalen Waffengesetzen (unter anderen auch die Schweiz) in denen nicht, wie in den USA Mord und Totschlag herrschen. Es hat also eher was mit den dortigen Bürgern zu tun.

    • @Alberta Cuon:

      Oder beides?



      Es stimmt, es gibt andere Länder mit liberalen Waffengesetzen.



      Aber die Schweiz ist auf Platz 19 mit 27.6 Waffen pro 100 Einwohner:innen und damit deutlich näher an Deutschland mit 19.6 Waffen, als an den USA mit 120.5 pro 100 Einwohner:innen. Der Anteil der Idioten mit Waffen ist in den Staaten somit deutlich größer. Die Art der zugelassenen Waffen ist auch ein Faktor.



      .



      Aber ich gebe zu, dass es auch andere, vermutlich sogar schwerwiegendere Faktoren gibt.

    • @Alberta Cuon:

      Es hat etwas mit der Gesellschaft an sich zu tun. Das was man aus den USA "lernt" das ist in der Tat pervers - zumindest in weiten Teilen. Das ist in der Schweiz nicht der Fall, oder kann sich irgendwer vorstelllen, Typen wie Trump oder Vance an der Staatspitze zu haben? Die kommen in den USA auch deswegen an die Macht, weil Brutalität, Gewalt, Recht des Stärkeren usw. zur Geschichte und Psyche dieses Landes gehören und zwar von Anfang an.

      • @Perkele:

        Zitat: "Das ist in der Schweiz nicht der Fall, oder kann sich irgendwer vorstelllen, Typen wie Trump oder Vance an der Staatspitze zu haben?"

        Über die politische Situation in der Schweiz kann ich nichts sagen, da ich mich darüber nicht informiert habe, aber...

        ...Merz, Spahn, Linnemann, Dobrindt, Reiche, Weimer etc. etc.. Natürlich kann ich mir vorstellen, Typen wie Trump oder Vance an der Staatsspitze zu haben, ist schließlich schon Realität! ;)

        • @Truhe:

          Leider ja, Du hast recht. Doch noch !!! ist es nicht ganz so arg, das wird erst noch nach der nächsten BTW kommen, wenn erst die Faschos mit am Tisch sitzen....

      • @Perkele:

        Die Einwanderer, die vor Brutalität, Gewalt und dem Recht des Stärkeren geflohen sind, haben dies letztendlich in ihr neues gelobtes Land mitgenommen und dort weiterhin "kultiviert".



        Dabei kommt mir gerade ein Gedanke, den ich jetzt nicht weiter denken will....

    • @Alberta Cuon:

      Mit den Bürgern in der Form, dass die US-Amerikanische Gesellschaft eine extreme Form der Ellenbogengesellschaft ist - ich, ich, ich zuerst.

      Ein weiterer Faktor ist die fehlende, gemeinschaftlich getragene Gesundheitsversorgung. Hier bekommt man mit einer harten Macke auch ohne Einkommen medizinische Hilfe, in den USA ist man halt der gesellschaftlich gemiedene weirdo, den man maximal noch im Knast sehen will.

      Obendrauf kommt noch das fehlende soziale Netz - ohne Einkommen ist man völlig raus und gesellschaftlich geächtet, nahezu ohne Möglichkeit, sich da wieder herauszuziehen. Das schreit förmlich nach gesellschaftlichen Verwerfungen.

      Nicht zu vergessen die "Schulbildung" in den USA - wenn nicht sogar von ein paar bekloppten Eltern gehomescooled.

      Viele Staaten erlauben Schusswaffenbesitz, daran liegt es also eher weniger. Das Problem ist, dass es dort übermäßig viele unbehandelte und unversorgte Menschen mit psychischen/sozialen/gesellschaftlichen/finanziellen/familiären/bildungsdefizitären Problemen gibt, ohne Aussicht auf Zuneigung, Linderung oder Hilfe jeglicher Art.

      Das MUSS laufend knallen. Hat nichtmal die NRA direkt was mit zu tun.

      • @Martina S.:

        „ Hat nichtmal die NRA direkt was mit zu tun.“



        Ich stimme ihnen in vielen Punkten zu jedoch würde ich ihnen in diesem Punkt deutlich widersprechen:



        Die NRA hat insofern sehr viel damit zu tun, dass sie integraler Bestandteil der Ideologie ist, die jegliche Massenbewaffnung normalisiert, kulturell legitimiert und darüber hinaus im Sinne der freien Marktwirtschaft extrem profitabel macht.



        In Kombination mit der von ihnen erwähnten sozialen Spaltung, ist die ständig eskalierende Gewalt also direkt Symptom dieses Dreiergespanns, geschützt von der NRA, die dafür sorgt, dass die Interessen der Waffenlobby und deren Profite unangreifbar sind.



        Kurz gesagt: das Aufrechterhalten der sozialen Ungerechtigkeit, der Spaltung, fehlenden Gesundheitsversorgung, Armut etc. ist letztendlich indirekt ein Garant dafür, dass bei der NRA weiterhin die Kasse klingelt.

    • @Alberta Cuon:

      „ Es hat also eher was mit den dortigen Bürgern zu tun.“

      Ich denke, die Waffengewalt in den USA zeigt doch vielmehr, dass das Problem nicht nur bei einzelnen Menschen liegt, sondern in den Strukturen der Wirtschaft und Gesellschaft selbst. Waffen sind überall verfügbar und gelten darüber hinaus noch als Symbol für Freiheit, obwohl sie Schulen und öffentliche Orte in lebensgefährliche Zonen verwandeln. Solange die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Waffenindustrie nach den Gesetzen des freien Marktes weiter ungebremst wirken können, wird sich daran auch nichts ändern.



      Wirklicher Schutz für alle wäre wohl erst dann erreicht, wenn Sicherheit und das Wohl der Gemeinschaft wichtiger wären, als der Profit der übermächtigen Waffenlobby.

    • @Alberta Cuon:

      Könnte es damit zu tun haben, dass trotz sonst sehr liberaler Handhabung, das Tragen geladener Waffen eben nicht jedem erlaubt ist, der eine Waffe besitzen darf?



      Oder doch nur damit, dass die Schweiz wesentlich kleiner ist und damit solche Gesetze einfacher durchgesetzt werden können?



      Aber ja, das soziale Problem der USA kommt noch oben drauf.

    • @Alberta Cuon:

      In wie vielen davon kann man in einen Supermarkt gehen und sich eine Packung Kaugummi, ein halbautomatisches Sturmgewehr und Munition für einen 3-tägigen Amoklauf kaufen?

  • Der ungestörte Zugang zu Waffen in Form eines einfachen kommerziellen Verkaufs und eines ungezügelten Gebrauchtwaffenmarktes ist das Eine, wohl vom Zusatzartikel geschützt. Warum der Zugang zur Monition ebenfalls gesetzlich geschützt sein soll, ist nicht nachvollziehbar.



    Es gibt Länder mit ebenfalls im Vergleich zu Deutschland deutlich leichteren Waffengesetzen, trotzdem werden auch in diesen Ländern diese "Abschussquoten", anders kann man diese exorbitanten Zahlen nicht bezeichnen, offensichtlich nicht erreicht.



    Es handelt sich also nicht nur um ein gesetzgeberisches sondern auch um ein mentales oder kulturelles Problem.

    • @e.a.n:

      Der Witz ist, daß NRA&Co. jedesmal die Leier mit den "illegalen Waffen" runterleiert welche alle ma "legal" vertickt worden sind.

    • @e.a.n:

      Ich würde ihnen zustimmen, dass mentale oder kulturelle Gewohnheiten eine Rolle spielen, aber ich würde ergänzen, dass diese ja auch zusammen hängen mit der Logik der ökonomischen Strukturen:



      Der ungehinderte Verkauf von Waffen und Munition ist unfassbar profitabel, und genau diese ökonomische Logik prägt, was als „normal“ oder „Tradition“ gilt - und das schon seit Jahrhunderten.

      Die einflussreiche Waffenlobby ist so tief in die Politik und Gesellschaft der USA verwurzelt, dass deren Interessen über allem stehen- vor allem aber über dem Schutz oder der Sicherheit der Kinder.



      Solange man die Macht der Waffenindustrie und die enorme, soziale Spaltung in den USA außen vorlässt, sehe ich die Gefahr nur Symptome zu erklären, nicht aber die Ursache.



      Länder wie Deutschland oder die Schweiz zeigen ja, dass strengere Gesetze, aber auch eine geringere soziale Ungleichheit das Risiko extremer Waffengewalt deutlich reduzieren.

  • Gestern war ja mal wieder ein Amokläufer in den USA unterwegs, diesmal in einer Kirche.

    edition.cnn.com/us...-shooting-08-28-25

    Und jetzt wird es - wie immer - die üblichen Rituale geben, die üblichen Reden, die üblichen Berichte etc.



    Und passieren wird - wie üblich - nichts.



    So ist das eben, wenn man Politiker wählt, die die Bilanzen der Waffenindustrie für wichtiger halten, als das Leben von Kindern.