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ZivildienstZwangsdienst als Randnotiz

Für den Fall einer Rückkehr zur Wehrpflicht würde wohl auch der Zivildienst wiederbelebt. Sozialverbände reagieren gespalten.

dpa | Die Bundesregierung trifft Vorkehrungen, im Fall einer Rückkehr zur Wehrpflicht auch den Zivildienst zu reaktivieren. Das Familienministerium befragte nach eigenen Angaben vorsorglich 23 große Verbände, ob Plätze für etwaige Wehrdienstverweigerer zur Verfügung stünden. Unionsfraktionschef Thorsten Frei bestätigte bei RTL/ntv, dass sich die Regierung auf „Eventualitäten“ vorbereitet. Doch Sozialverbände reagierten skeptisch.

So erklärte der Paritätische Gesamtverband, man trete für eine Stärkung der Freiwilligendienste ein. „Die mögliche Wiedereinführung eines neuen Zivildienstes im Zuge einer Bedarfs-Wehrpflicht darf nicht zulasten der Freiwilligendienste gehen.“ Ähnlich äußerte sich der Sozialverband Deutschland. „Statt auf Zwang zu setzen, müssen freiwilliges Engagement und Ehrenamt gestärkt und der Bundesfreiwilligendienst sowie das Freiwillige Soziale Jahr verlässlich gefördert werden“, sagte SoVD-Chefin Michaela Engelmeier der Funke Mediengruppe.

Ende des Zivildienstes 2011

Die Wehrpflicht in Deutschland war 2011 ausgesetzt worden. Damit endete auch der zivile Ersatzdienst für junge Männer, die aus Gewissensgründen den Dienst bei der Bundeswehr verweigerten. 2010 hatten noch rund 80.000 Wehrpflichtige als „Zivis“ Dienst in sozialen Einrichtungen wie Pflegeheimen, Rettungsdiensten oder Jugendzentren abgeleistet. Über die Jahre der Wehrpflicht waren es nach offizieller Statistik insgesamt rund 2,7 Millionen. Als Ersatz wurde im Juli 2011 der sogenannte Bundesfreiwilligendienst mit jährlich etwa 35.000 Plätzen gegründet.

Ob und wie die Wehrpflicht wieder aktiviert werden könnte, ist offen. Seit Anfang dieses Jahres gilt zunächst eine verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008, um Freiwillige für den angekündigten Ausbau der Bundeswehr zu rekrutieren. Sollten die Ziele verfehlt werden, kann der Bundestag über eine „Bedarfs-Wehrpflicht“ entscheiden. Dann würde auch wieder die Grundgesetz-Klausel greifen: „Wer aus Gewissensgründen den Kriegsdienst mit der Waffe verweigert, kann zu einem Ersatzdienst verpflichtet werden.“

Künftige Bedingungen unklar

Eine Sprecherin des Familienministeriums bestätigte Informationen über Vorkehrungen für die mögliche Rückkehr zum Zivildienst. Demnach wurden bereits im Winter die Verbände kontaktiert, die bis 2011 im Zivildienst oder später bei Freiwilligendiensten aktiv gewesen seien. Ihnen wurden „sehr grundsätzliche Fragen übermittelt zur Abschätzung von Möglichkeiten, als Verband im Falle der Wiedereinsetzung einer allgemeinen Wehrpflicht Wehrersatzdienstplätze anzubieten“, teilte die Ministeriumssprecherin mit. 22 der 23 Verbände hätten angegeben, grundsätzlich ein Angebot machen zu können.

„Solange wir keine allgemeine Wehrpflicht haben, gibt es auch keinen neuen Zivildienst“, erklärte die Sprecherin. „Sollte die allgemeine Wehrpflicht allerdings wieder eingesetzt werden, muss die Basis für einen modernen Zivildienst vorbereitet sein.“ Wie ein Wehrersatzdienst aussehen würde, daran „arbeiten wir gerade mit dem Bundesgesellschaftsdienstegesetz“. Die Zahl der Zivis werde davon abhängig sein, „ob, wann und in welchem Umfang die Wehrpflicht nach § 2a Wehrpflichtgesetz angeordnet wird“.

Caritas dämpft Erwartungen

Obwohl es keine Entscheidung für eine Wehrpflicht gibt, steigt bereits die Zahl der Anträge auf – vorsorgliche – Verweigerung. Im ersten Halbjahr gingen nach einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland 5.862 Anträge beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein. Im gesamten Jahr 2025 waren es 3.867 Anträge, 2024 nur 2.998.

Trotzdem dürfte es nach Einschätzung des Caritas-Verbands im Fall der Fälle vergleichsweise wenige Zivis geben. Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa argumentierte, mit einer Bedarfs-Wehrpflicht würden nur so viele junge Männer eingezogen, wie die Bundeswehr benötige, und zwar auf Grundlage sachlicher Kriterien. Folglich würden wohl nur wenige junge Männer den Wehrdienst verweigern. Ein Zivildienst wäre unter diesen Bedingungen „eine Randnotiz“, meinte die Verbandspräsidentin. „Wer den Eindruck erweckt, auf diesem Weg ließen sich die Personalprobleme sozialer Einrichtungen lösen, weckt völlig falsche Erwartungen.“

Bufdis füllten die Lücke

Vor der Aussetzung von Wehr- und Ersatzdienst 2011 hatten Sozialverbände große Bedenken geäußert, dass die Zivis an allen Ecken und Enden fehlen und vor allem die Pflege stark unter Druck geraten würde. Der Bundesfreiwilligendienst werde das nicht wettmachen können, hieß es damals.

Ulrich Schneider, damals Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und einer der Kritiker, denkt inzwischen anders. Zwar habe die Aussetzung des Zivildienstes tatsächlich Lücken gelassen, sagte Schneider der dpa. Die jungen Männer hätten zum Beispiel in der Pflege die Zeit gehabt, die Fachkräften oft fehle. Doch habe der Bundesfreiwilligendienst das „doch zumindest zu einem großen Teil kompensiert“, sagte Schneider, heute Vorstandsmitglied der Linken. „Da waren wir ganz glücklich.“ Dass dieser Dienst freiwillig und nicht Pflicht sei, habe große Vorteile. „Das hat zum großen Teil das System gestützt.“

Schneider wagt auch die These, dass es nicht zur Wiederbelebung von Wehrpflicht und Zivildienst kommen werde. Früher hätten viele die Wehrpflicht als gegeben hingenommen, jetzt werde sie aktiv hinterfragt. „Das kann man nicht mehr zurückdrehen, das ist ausgeschlossen.“

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28 Kommentare

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  • Einerseits sollen "irgendwelche" Leute Herrn Putin von Europa fernhalten, andererseits will den Job aber wohl niemand machen. Gerade die ausgesprochenen Putinfeinde erwarten wohl, dass das "jemand anderes" machen soll, damit man selber sich weiterhin selbst verwirklichen kann. Ich plädiere für ein verpflichtendes Jahr. Wer sich allem verweigert, sollte auch nicht mehr von staatlichen Leistungen profitieren. Man kann sich nicht immer nur die Rosinen rauspicken. Ganz einfach.

  • Alles hängt mit allem zusammen.



    2011 wurde die Wehrpflicht ausgesetzt. „Die Wirtschaft“ brauchte junge Arbeitskräfte und Angela Merkel war zu Diensten. 2014 wurde die „Rente mit 63" für besonders langfristig Versicherte eingeführt. Mit einem definierten Plan für die Rückstufung dieser Errungenschaft bis zum seinerzeit geltenden Renteneintritt mit 67. Aktuell greift diese Wohltat, die durch die damalige Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) auf den Weg gebracht wurde, beim Alter von 64,5 Jahren. Etliche Versicherte werden bei ihrem „vorzeitigen“ Renteneintritt mehr als 45 Jahre gearbeitet haben. Der Kampfbegriff „Rente mit 63" wird weiterhin gern genutzt.



    Jetzt soll alles zurückgedreht werden. Kein vorzeitiger Renteneintritt für besonders langfristig Versicherte mehr, dafür Reaktivierung von Wehrpflicht und Ersatzdienst. Die Unbetroffenen rühren die Trommeln. (Reddig, Winkel usw.) Alles hängt mit allem zusammen.



    P.S. Zu „meiner Zeit“ (Gen 70++) gab es für Verweigerer noch die „Gewissensprüfung“, und Gewissen wurde im Vergleich zum Wehrdienst mit sechs Zusatzmonaten bestraft.

    • @Mondschaf26:

      "Gewissen wurde im Vergleich zum Wehrdienst mit sechs Zusatzmonaten bestraft."



      ...stimmt so natürlich auch nicht, weil es die Reserveübungen nach dem Wehrdienst unberücksichtigt lässt.

  • "Die Bundesregierung trifft Vorkehrungen, im Fall einer Rückkehr zur Wehrpflicht auch den Zivildienst zu reaktivieren."



    Ist nur folgerichtig. Wehrdienst ohne die Möglichkeit des Zivildienstes würde eine Kriegsdienstverweigerung zur Farce machen.

  • Bürgerrechte kommen halt mit Bürgerpflichten vielleicht sollte ersteres erst nach erfüllung von letzterem verliehen werden.

    • @Machiavelli:

      Wahlrecht nur für die aktiven Befürworter vom Kriegsdienst? Ich befürchte der Schuss geht im wharsten Sinne des Wortes nach hinten los.

  • Helikopterkinder



    Es ist schon bemerkenswert,



    mit welchen Engagement sich linke BürgerInnen für „das Wohl“ ihrer Kinder einsetzen.



    Das Wohl der Gesellschaft scheint da eher zweitrangig.



    Worin genau liegt das Problem?



    Dass die lieben Kleinen später Karriere machen können?



    Erfahrungen zu sammeln gilt heute als Gewinn. Daher schicken die Reichen ihre Kinder ins Ausland.



    Reicht der Abi Schnitt nicht, wird sogar ein komplettes Studium im Ausland finanziert.



    Warum nicht einmal neue Erfahrungen im Inland machen?



    Der Wehrdienst und Zivildienst war ein Schritt ins Erwachsen werden.



    Nicht nur, dass hier „die Gesellschaft“ auf vielen Ebenen zusammen kam, es war auch ein Loslösen von den Eltern.



    Das die ihren Einfluss mal abgeben mussten, war überraschenderweise nicht immer zum Schaden der Söhne.



    Nun wird es auch die Möglichkeit für Frauen geben, zum Bund zu gehen.



    Das ist ein neuer Aspekt der Gleichberechtigung, der auf seine Weise gegen das toxische Rollenverständis arbeitet.



    Wenn die Bundeswehr wieder vorbereitet ist, fände ich eine Wehrpflicht richtig.



    Die Bedrohung unserer Demokratie ist real.



    Es ergäben sich die Möglichkeiten auf verschiedenen Ebenen dieser Situation gerecht zu werden.

    • @Philippo1000:

      Als Person, die von der Wehrpflicht um ein paar Jahre verschont wurde aber einen BFD im Krankenhaus gemacht hat halte ich die Aussage, dass Wehrdienst/Zivildienst ein Schritt zum Erwachsenwerden sind für Unsinn.

      Klar hatte ich eine Menge Kolleg*innen die gerade nicht vom Gymnasium kamen, deren zukünftiger Werdegang nicht "Studium und dann mal schauen" sein würde. Mein Weltbild hat das aber nicht wirklich verändert.

      Was tatsächlich etwas für mich verändert hat waren die Monate in denen ich aus finanzieller Notwendigkeit in einem Umzugsunternehmen gearbeitet habe und der Umgang mit Menschen mit Hauptschulabschluss und Menschen in sehr schwierigen Verhältnissen in der Hackerszene und in queeren Gruppen.

      Ich denke, dass ein Zwangsdienst in einem freiheitlich-demokratischen Land eigentlich eher gegenteilige Signale sendet, dass man nur was für die Gemeinheit macht wenn der Staat eine*n dazu zwingt.

      Wenn der Wehr oder Zivildienst die Gesellschaft so zusammenbringt dann haben alle Männer über 33 ja ein geschärftes Bewusstsein für ihre Mitmenschen, sind starke Vertreter der Demokratie und setzten sich für den Zusammenhalt ein, richtig?

      • @mpk:

        "Als Person, die von der Wehrpflicht um ein paar Jahre verschont wurde ... Wehrdienst/Zivildienst ein Schritt zum Erwachsenwerden sind für Unsinn."



        Nun, als jemand der Erfahrungen mit beiden machen konnte, verrate ich Ihnen: das ist beileibe kein Unsinn. Ich habe an der Uni einen Ex-Mit-Abiturienten wiedergetroffen, der wegen Sehschwäche keinen Dienst leisten musste. Und das spontane Gefühl dabei: was ist das denn für ein Kind? Sicherlich, anekdotische Beweisführung, dennoch: Unsinn ist das keinesfalls.



        "Wenn der Wehr oder Zivildienst die Gesellschaft so zusammenbringt dann haben alle Männer über 33 ja ein geschärftes Bewusstsein für ihre Mitmenschen, sind starke Vertreter der Demokratie und setzten sich für den Zusammenhalt ein, richtig?"



        Erwachsensein und Reife bedeutet nicht automatisch demokratische Grundgefühle. Wäre schön, ist aber nicht so.

  • 2025 gab es in diesem Zusammenhang schon eine Diskussion und ein Stimmungsbild:



    Thema: Das Losverfahren bei der Bundeswehr



    presseportal.zdf.d...er-oktober-ii-2025



    Die Gerechtigkeitsfrage steht im Raum...

  • "Schneider wagt auch die These, dass es nicht zur Wiederbelebung von Wehrpflicht und Zivildienst kommen werde. Früher hätten viele die Wehrpflicht als gegeben hingenommen, jetzt werde sie aktiv hinterfragt."



    Das ist in der Tat ein richtiges Beispiel für "einen Unterschied machen".



    Die Stimmung an der Basis wird sich auch an den Wahlergebnissen der Parteien widerspiegeln.



    Demoskopisch und statistisch dürfte sich das bereits messen lassen.



    Pilot-Barometer werden uns das alsbald aufdecken können.

  • Eines der zentralen Argumente für die Aussetzung war die immer weniger gegebene Wehrgerechtigkeit, zuletzt wurden nur noch weniger als 50% eines Jahrgangs zu Wehr-/Ersatzdienst gezogen. Das betraf nicht nur das allgemeine Gerechtigkeitsempfinden, sondern führte auch zu verfassungsrechtlichen Problemen mit der Pflichtengleichheit der Bürger (GG §3 Abs. 1) und wegen des zunehmend hohen Anteils an Zivis zu Begründungsproblemen, weil so der Ersatzdienst zum Hauptdienst wurde, der aber als solcher in der Verfassung nicht vorgesehen ist.



    Und heute wird ganz selbstverständlich für den Fall fehlender Freiwilligkeit über eine Bedarfswehrpflicht gesprochen bei der man sich die besten 10% eines Jahrgangs herauspicken möchte, was ja immer noch verlorene Ausbildungszeit und damit letztlich auch Einkommensverluste bedeutet.



    Wie ist es möglich, dass sich die verfassungsrechtlichen Begründungszusammenhänge in gerade mal 15 Jahren offenbar so sehr geändert haben?

    www.deutschlandfun...hrpflicht-100.html

    • @Ingo Bernable:

      Durch geschickte, großartige, "grüne" Politik.

      Die witzigerweise soweit ging, dass in München auch einmal die "Friedenspartei" angegriffen wurde, die immerhin mir beim Aufsetzen des Verweigerungsantrages half.

      Da ich 7 (!) Gründe fand, verweigert zu werden, hat die Friedenspartei, im Gegenzug, gerne meinen Antrag als Musterbeispiel erhalten dürfen.

      Ein Teil der "Grünen" greift mich auch ganz gerne an,



      wenn ich Ökologische Politik einfordere, und nicht immer das Spielen der FDP-"Spass"-Partei 2.0 oder so unnötige Radwege wie mitten auf der Lindwurmstr. ( vierspurig )

      Der Bus hat zu warten - hier komm ich!

  • Ein allgemeiner Zivildienst für alle Geschlechter ist kein lästiger Entzug von Lebenszeit, sondern eine überfällige Demokratiekur. In einer zunehmend zersplitterten Gesellschaft bricht ein verpflichtendes soziales oder ökologisches Jahr die eigenen Filterblasen auf. Wo sonst begegnen sich Akademikerkinder und Hauptschulabsolventinnen auf Augenhöhe, wenn nicht in der Altenpflege oder im Naturschutz?

    Wer ein Jahr lang erfährt, wie viel Kraft in Pflegeheimen, Kitas oder Umweltprojekten steckt, entwickelt nicht nur ein nachhaltiges Bewusstsein für soziale und ökologische Schieflagen. Ein solcher Dienst schafft echte Verbundenheit: Wer erlebt, wie erfüllend der Einsatz für das Gemeinwesen sein kann, bleibt hängen - ob im Ehrenamt oder Beruf. Ein Zivildienst für alle stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt genau dort, wo der Markt versagt: bei der gesellschaftlichen Wertschätzung von Care-Arbeit und Klimaschutz.

    Daher ein eindeutiges Plädoyer für einen allgemeinen Dienst.

    • @Heike 1975:

      Ein Zwangsdienst um gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken ist schon ein ziemlicher Widerspruch.



      Traditionelle freiheitliche / liberale Demokratien wie die Niederlande, Kanada oder Grossbritannien haben keinen Wehr- und Zivildienst. Und eine Einführung wäre dort undenkbar. Es mangelt hierzulande eben doch einer liberalen Grundhaltung.

    • @Heike 1975:

      Absolut richtig. Für mich war damals der Zivildienst das kleinere Übel und eigentlich wollte ich am liebsten gar nicht aus meiner rebellischen Komfortzone. Aus heutiger Sicht hat mir der Dienst enorm den Blick für das Leben und die Probleme anderer Menschen geöffnet und wieviel Verständnis und gesellschaftlichen Aufwand es brauch, um beinträchtigten Menschen zu helfen.



      Ich glaube auch, dass in einer immer gespaltenderen Gesellschaft, andere Lebensrealitäten immer fremder werden, dass immer nur über diese und jene Schublade geredet wird und kaum noch gesehen wird, dass hinter all dem individuelle Schicksale stehen. Ich hab schlimme Sachen gesehen, die für mich ganz weit weg waren, aber Teil des Lebens sind. Das hat mich und meinen Blick auf Menschen definitiv verändert.



      Dass heute so oft schon vorab gegen einen allgemeinen, gesellschaftlichen Dienst genauso abwertend als "Zwangsdienst" argumentiert wird, wie gegen einen Dienst an der Waffe, offenbart für mich zudem, dass es mit Solidarität und Gemeinschaftssinn auch nicht so weit her ist, wie ihn die linke Bubble so gern vor sich herträgt.

  • Wir müssen uns zum Wohle unserer Kinder ins Ausland orientieren. Wirklich frei ist man als junger deutscher Mann wohl nur im Ausland. Im Inland gibt es musterungsPFLICHT inkl. Zwangsuntersuchung des Genitals, eingeschränkte Freizügigkeit und eingeschränkte Berufsfreiheit. Wieso soll die Jugend ihre körperliche Selbstbestimmung im Inland opfern, wenn das freie europäische Ausland doch so nah ist?

    • @TippsRitter:

      "Wirklich frei ist man als junger deutscher Mann wohl nur im Ausland."



      Sie meinen, Sie lassen sich im Zweifel lieber von ausländischen Wehrpflichtigen verteidigen? Auch ne Einstellung.

    • @TippsRitter:

      Im kriegsfall würden sie zurückgeschickt.

    • @TippsRitter:

      Gute Reise!

  • Der Zivildienst - man merkt es im Kontext - ist eben eine Form der Wehrpflicht. Wer die Wehrpflicht aber aus grundsätzlichen Gründen ablehnt, wird auch diese Form ablehnen; dass der Zivildienst bis § 79 ZDG auch im Krieg eingeplant ist sowie tendenziell katastrophale Auswirkungen im Pflegebereich hat, kommt nur hinzu.

    Daher wird es mit der Wehrpflicht (die es nur deshalb noch nicht gibt, weil die Politik sich nur die scheibchenweise Einführung traut, da sie - noch - mit zuviel Widerstand rechnet) auch wieder Totale Kriegsdienstverweigerer geben.

    Man darf gespannt sein, wie die Justiz mit diesen dann "frisch" umgeht - wie sie es früher tat ist gut dokumentiert: uris-tkdv.de - dort gibt es hunderte solcher Urteile nachzulesen, und sicherlich in nicht zu ferner Zukunft neue...

    • @Detlev Beutner:

      "Wer die Wehrpflicht aber aus grundsätzlichen Gründen ablehnt, wird auch diese Form ablehnen"



      Kommt auf die grundsätzlichen Gründe an. Bei einer reinen Gewissensfrage (will nicht töten) wäre ein Zivildienst kein Problem.



      Besteht der grundsätzliche Grund darin, keine Pflicht ausüben zu wollen, natürlich schon.

      • @Encantado:

        Nope: Bei einer reinen Gewissensfrage ist der Zivildienst natürlich ein Problem, weil er als Teil der "Zivil-Militärischen-Zusammenarbeit" in militärische Planungen, oder auf gut Deutsch: in Kriegsplanungen enthalten ist.

        GERADE, wer den Kriegsdienst tatsächlich aus Gewissensgründen verweigert, die über ein "ego-Gewissen" ("ich will nicht geschossen haben, unterstütze aber die Arbeit derjenigen, die schießen") hinausgehen, gerade für die ist der Zivildienst keine Möglichkeit.

    • @Detlev Beutner:

      Herr Beutner, mir wurde bei der Nachbesichtigung klar vermittelt:

      Der Zivildienst wäre Geschichte gewesen, wenn ich nicht bei der Musterung gesagt hätte, dass ich auf jeden Fall Zivi mache. Hätte ich geschwiegen, wäre ich aufgrund der Herz-Rhythmus-Störungen und aufgrund des Überangebotes durch die Wende ausgemustert worden.

  • Ich kenne etliche Männer, die Zivildienst geleistet haben und selbst sagen, dass es ihnen sehr gut getan hat, sich mit diesen Aspekten der menschlichen Existenz zu beschäftigen.



    Ich verstehe deshalb wirklich nicht, warum es so schlimm wäre, wenn junge Männer, die sich sonst von entsprechenden Berufen fernhalten, weil sie lukrativere Jobs vorziehen, wenigstens mal in die Wirklichkeit des Lebens reinschnuppern.

    • @Dreja:

      Man sollte den Kreis der Menschen auf Frauen und Diverse ausweiten. Nur immer die Männer, das wäre ungerecht.

    • @Dreja:

      Ich kenne etliche Leute, die selbst sagen dass Ihnen die relgiöse Betätigung seht gut getan hat.



      Dann wäre es ja auch nicht schlimm, wenn sich alle verpflichtend für mindestens 3 Jahre in eine religiöse Organisation einschreiben und verpflichtend teilnehmen müssten.

    • @Dreja:

      Das sehe ich genauso,zumal es immer mehr Schulabgänger gibt, die danach gar nichts machen. Ein verpflichtender Dienst könnte hier helfen, einen Einstieg ins Berufsleben zu bekommen.