Unbezahlte Carearbeit in Deutschland: Die Jobs der deutschen Mutter

Unbezahlte Carearbeit leisten oft Frauen, Corona verschärft das Problem weiter. Als sich drei Frauen wehren, gibt es auf Twitter einen Shitstorm.

e Mutter des sechsjährigen Jakob und des vierjährigen Valentin arbeitet Zuhause an einem Laptop, während ihre Kinder neben ihr malen und ein Buch ansehen.

Mutter im Homeoffice Foto: Karl Josef Hildenbrand/dpa

Drei Mütter stellen die Arbeit, die sie während der Corona­krise unbezahlt geleistet haben, fiktiv dem Staat in Rechnung. Sie waren Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, Krankenschwestern, Putzkräfte und Köchinnen auf einmal, sie haben getröstet, gekuschelt, gelehrt, umsorgt. Unter dem Hashtag #CoronaElternRechnenAb rechnen sie vor, was das wert ist: Gut 8.000 Euro kalkuliert eine Mutter seit dem Lockdown. Überbezahlt ist das immer noch nicht.

Doch die Reaktionen, die den Frauen auf Twitter entgegenschlagen, sind geradezu grotesk. Höhnisch, verächtlich, hasserfüllt empfehlen Menschen, ihnen ihre Kinder wegzunehmen, „kotzen im Strahl“ über die „unverschämten“ Forderungen, werfen ihnen Dummheit, Egoismus und moralische Verkommenheit vor. Weil, klar: Der deutschen Mutter liegt im Blut, dass sie ihren Kindern den Hintern abwischt und dabei Tränen der Rührung vergießt, weil sie dem Patriarchat dienen darf.

Was offenbar noch immer vollkommen und erschreckend unsichtbar bleibt: Unbezahlte Care-Arbeit, die von den Frauen hierzulande schon vor Corona doppelt so viel geleistet haben wie Männer, ist eins zu eins mit schlechteren beruflichen Perspektiven verknüpft. Und damit mit einer Lohnlücke von mehr als 20 Prozent. Daraus wiederum folgt Altersarmut: Ganze 46 Prozent weniger Rente als Männer bekommen Frauen in Deutschland. Wer sich kümmert, hat finanziell das Nachsehen, lebenslang. Und wer kümmert sich, auch während Corona? Die Frauen.

Dafür, dass sie diese Missstände mit einer schlichten symbolischen Rechnung auf den Punkt zu bringen, fliegt den drei Müttern jetzt Twitter um die Ohren. Strukturen sind beharrlich, und wer aus ihnen ausbrechen will, wird bestraft. In unserer Gesellschaft haben Frauen noch immer zu dienen, zu gefallen und den Mund zu halten, auch wenn sie unter der Last, die sie tragen, bald zusammenbrechen. Doch es führt kein Weg daran vorbei, die Zustände mit Hashtags wie diesem weiter sichtbar zu machen. Denn Hintern abwischen zahlt keine Miete.

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Jahrgang 1979, ist seit 2012 bei der taz. Sie war Chefin vom Dienst in der Berlinredaktion, hat die Seite Eins gemacht und arbeitet jetzt als Genderredakteurin im Inland. 2019 erschien von ihr (mit M. Gürgen, S. am Orde, C. Jakob und N. Horaczek) "Angriff auf Europa - die Internationale des Rechtspopulismus" im Ch. Links Verlag

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