Tod von ukrainischen Kriegsgefangenen: Feige Ausflüchte

Moskau streitet die Verantwortung für den Raketenangriff auf ein Kriegsgefangenenlager ab. Diese Verschleierungstaktik hat bei Putin Prinzip.

Wladimir Putin

Will mit dem Raketenangriff auf das Kriegsgefangenenlager nichts zu tun gehabt haben: Putin Foto: Mikhail Klimentyev/ap

Man kennt es – von den Chemiewaffenangriffen in Syrien über den Abschuss des Flugs MH-17 bis zum Theaterbombardement von Mariupol und den Massakern in Butscha. Immer wenn ein besonders abscheuliches Verbrechen geschieht, für das allem Anschein nach Russland verantwortlich ist, wird aus Moskau das Ereignis in Zweifel gezogen und sein Ablauf geleugnet.

Manchmal wird eine unabhängige Untersuchung gefordert, die dann so lange hinausgezögert und mit Bedingungen versehen wird, bis sie gar nicht stattfinden kann oder nur so, dass nichts zu sehen ist. Manchmal gibt es nationale Ermittlungen, deren Ergebnis Moskau dann als voreingenommen zurückweist, weil sie den Vorwurf gegen Russland bestätigen.

Der Tod von über 50 ukrainischen Kriegsgefangenen bei einer Explosion im russischen Kriegsgefangenenlager Oleniwka im besetzten Donbass reiht sich ein in diese Kette von Verbrechen, bei denen Verschleierungstaktik ein vertrautes Zeichen für Verantwortung ist. Russland veröffentlicht Listen der Toten, beschuldigt die Ukraine des Beschusses mit US-Raketen und fordert eine Untersuchung durch die Vereinten Nationen und das Rote Kreuz. Es ist eine Forderung ohne jeden Wert.

Ein UN-Team im besetzten Donbass wäre auf die Zustimmung der dortigen Behörden angewiesen, was auf die UN-Anerkennung der „Volksrepublik Donezk“ hinauslaufen würde. Alles andere würde am russischen Veto im UN-Sicherheitsrat scheitern, ohne dessen Zustimmung die UN im Kriegsgebiet keinen Finger rühren werden. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat hingegen tatsächlich Zugang beantragt, gemäß dem Recht auf Zugang zu Kriegsgefangenen. Und – der Zugang wird verweigert.

Aber Moskau wird sagen: Wir laden die internationale Gemeinschaft ein – und sie kommt nicht, das beweist doch alles! Und nützliche Idioten, die Russlands Propaganda glauben, werden sie weiter verbreiten. Das angeblich von der Ukraine mit US-Raketen zerstörte Lager ist derweil weitgehend intakt, mit Ausnahme des einen Gebäudes, in dem über 50 Ukrainer getötet wurden.

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Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.

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