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Sexualisierte Gewalt in KonfliktenUN setzen Israel auf schwarze Liste

Ein UN-Bericht konstatiert sexualisierte Gewalt gegen Palästinenser durch israelische Soldaten. Israel droht, jeden Kontakt zu UN-Generalsekretär Guterres abzubrechen.

Von Israel attackiert: UN-Generalsekretär António Guterres bei einer Pressekonferenz Foto: Issei Kato

dpa/afp | Ein Bericht der Vereinten Nationen erhebt schwere Anschuldigungen gegen israelische Soldaten und andere Sicherheitskräfte und wirft ihnen sexualisierte Gewalt gegen Palästinenserinnen und Palästinenser vor. Die Liste der Misshandlungen umfasse etwa „Vergewaltigungen, auch mit Gegenständen, Gruppenvergewaltigungen, versuchte Vergewaltigungen, körperliche Gewalt gegen die Genitalien, gezielte Schüsse auf die Genitalien“, heißt es in dem noch unveröffentlichten Report des UN-Generalsekretärs António Guterres.

Die Vereinten Nationen hätten 2025 mehrere Fälle konfliktbezogener sexueller Gewalt verifiziert, heißt es in dem Bericht. Betroffen gewesen seien 14 Männer, sieben Frauen, neun Jungen und ein Mädchen aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland. „Vergewaltigungen und Gruppenvergewaltigungen, in einigen Fällen wiederholt, wurden an neun Opfern verübt, von denen die Mehrheit aus dem Gazastreifen stammte.“ Zuvor hatte bereits die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten Gebiete, Francesca Albanese, über solche Fälle berichtet.

Der Bericht führt die israelischen Sicherheitskräfte auf einer Liste jener Akteure auf, die glaubhaft verdächtigt werden, in bewaffneten Konflikten systematisch Vergewaltigungen oder andere Formen sexueller Gewalt begangen zu haben. Der Bericht ist noch nicht öffentlich. In der Vergangenheit enthielt er eine Liste mutmaßlicher Verantwortlicher für sexuelle Gewalt in Kriegen – darunter waren für 2024 etwa die islamistische Hamas oder die IS-Miliz.

UN-Spitze zeigt sich gesprächsbereit

Die israelische UN-Vertretung in New York reagierte empört auf die Anschuldigungen und gab am Donnerstag bekannt, den Kontakt mit dem Generalsekretariat der Vereinten Nationen unter Guterres abzubrechen. „Die Entscheidung, Israel auf eine schwarze Liste zu setzen und uns vorzuwerfen, sexuelle Gewalt als Kriegswaffe einzusetzen, ist eine ungeheuerliche Entscheidung“, sagte Botschafter Danny Danon. Er sprach von einer „Kampagne“ gegen sein Land. „Wir sind fertig mit diesem Generalsekretär!“, schrieb Danon auf der Plattform X.

Der Sprecher des Generalsekretärs, Stéphane Dujarric, erklärte, man habe aus den sozialen Medien von der israelischen Entscheidung erfahren und sei jederzeit bereit für Gespräche. Den Inhalt des Berichts wollte Dujarric nicht kommentieren.

Guterres hatte bereits in der vorherigen Auflage des Reports angekündigt, israelische Soldaten und andere Sicherheitskräfte könnten wegen „erheblicher Bedenken hinsichtlich bestimmter Formen sexueller Gewalt, die von den Vereinten Nationen wiederholt dokumentiert wurden“, in den kommenden Bericht aufgenommen werden.

Auch Russland ist auf der Liste

Neben Israel haben die Vereinten Nationen auch Russland auf ihre schwarze Liste von Ländern gesetzt, denen sexualisierte Gewalt in Konfliktgebieten vorgeworfen wird. In dem jährlich vorgelegten Bericht, den die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag in New York einsehen konnte, wird beiden Ländern zudem vorgeworfen, UN-Ermittlern „wiederholt der Zugang verweigert“ zu haben.

Die jährlich von den UN veröffentlichte Liste umfasst dutzende staatliche sowie nichtstaatliche Akteure, denen vorgeworfen wird, in Konflikten „systematisch“ sexuelle Gewalt verübt zu haben. Seit Jahren stehen darauf Länder wie Sudan, Haiti, Syrien und Mali. Im August vergangenen Jahres hatte UN-Generalsekretär Guterres Israel und Russland bereits vor einer möglichen Aufnahme auf die schwarze Liste gewarnt.

In Bezug auf Russland konstatiert der UN-Bericht sexualisierte Gewalt durch die Streitkräfte Moskaus in den besetzten ukrainischen Gebieten. Zudem hätten ukrainische Kriegsgefangene von sexualisierter Gewalt in russischen Gefängnissen berichtet. Auch die Ukraine wird in dem Bericht kritisiert, sie wurde aber nicht auf die schwarze Liste gesetzt.

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11 Kommentare

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  • 31 Opfer von sexualisierter Gewalt in einem ganzen Jahr Krieg mit Toten im fünfstelligen Bereich?

    Was soll daran strukturiert sein?

    • @rero:

      Willst Du die Zahl der vergewaltigten Opfer (beider Seiten!) wirklich genau wissen? Es IST strukturell, solche Verbrechen zu begehen. Nicht umsonst ist es streng verboten: Menschenrecht, staatliche Gesetze etc weisen das aus. Das zu ignorieren und -vor allem- nicht ernsthaft zu ahnden, das ist gewollt, ergo strukturiert. Basta.

    • @rero:

      Sie meinen das ironisch?



      Im Sinne: Was würde wohl Ben-Gvir dazu sagen?

      Wenn Israel den Zugang zu den (Folter-)Gefängnissen verwehrt, wie soll dann die Zahl der verifizierten Fälle steigen?

      • @Schleicher:

        Klar meine ich das ironisch. In einem Staat, der für sich reklamiert "zivilisiert" zu sein oder "demokratisch" muss das möglich sein - andernfalls verdient er nicht diese Bezeichnungen. Für die Hamas kann man das ausschließen und offenbar auch für die Regierung Netanjahu mit Ben Gvir oder Smotrich. Die Öffentlichkeit wird wohl nie die Gesamtzahl erfahren - von keiner Seite.

    • @rero:

      Wenn Sie den Artikel aufmerksam lesen, geht es in dem Bericht lediglich um 31 verifizierbare Fälle, nicht um eine vollständige Erfassung - die auch kaum möglich ist, weil Israel sowohl die Berichterstattung in Gaza behindert als auch Kontrollen seiner Gefängnisse untersagt (und nicht alle Täter sind so dummdreist, Videos in sozialen Medien zu verbreiten). Praktisch alle - auch israelischen - Menschenrechtsorganisationen sowie zahllose unabhängige Experten und Beobachter kommen zu dem Schluss, dass es sich dabei um eine gängige Praxis handelt. Die Frage ist also eher, was Foristen dazu bewegt, weiterhin die Augen zu verschließen...

  • Es ist gut und richtig, dass auch die UN gegen solche Exzesse vorgeht. Die schaden dem Ansehen Israels und vor allem befeuern sie den Antisemitismus, weil viele Menschen keinen Unterschied zwischen den Verbrechern machen und alle Juden in den gleichen Topf werfen.

  • JEDER sexuelle Übergriff und vor allem jede einzelne Vergewaltigung ist eine Tragödie und himmelschreiendes Unrecht, das schärfstens bestraft gehört und meine Gedanken sind bei den Opfern!!!



    Doch kann man bei den Opferzahlen, die im Artikel beschrieben werden, und der Größe und mittlerweile auch der Läge des Gazakrieges wirklich von einer SYSTEMATIK sprechen? Das würde heißen, es gäbe, wenn auch nicht systematische Befehle oder Anreize zu diesen Taten, dann doch zumindest systematisches Wegschauen von Vorgesetzten in großem Stil. Gibt es Indizien dafür? Ich möchte der UNO gerne vertrauen, aber die reinen Zahlen der Opfer reichen dafür doch wohl nicht. Es bleibt zu hoffen, dass Israel die Delikte transparent und schnell untersucht und Schuldige bestraft werden.

    • @Tinus:

      "Es bleibt zu hoffen, dass Israel die Delikte transparent und schnell untersucht und Schuldige bestraft werden."

      Bestraft für Verbrechen an Palestinensern? Kaum.

      Amnesty, Haaretz, BBC, Guardian, Taz, B'Tselem, sogar NTV, um nur einige zu nennen, haben schon häufig darauf hingewiesen, dass Verbrechen an Palestinensern in aller Regel ungestraft bleiben.

      Wie zum Beispiel im berühmt gewordenen Fall von Sde Teiman:

      www.n-tv.de/politi...en-id30464925.html

      Seltsam, dass das an Ihnen alles vorbeigegangen ist.

    • @Tinus:

      Die zentrale Frage zu "Systematik" dürfte sein: werden die Anschuldigungen juristisch geprüft und bei bewiesener Schuld Täter bestraft?

    • @Tinus:

      Der UN-Bericht ist nicht darauf ausgelegt vollständige Opferzahlen zu ermitteln, sondern zählt einzelne dokumentierte Fälle auf. Ein umfassender Bericht muss schon daran scheitern, dass Israel "UN-Ermittlern „wiederholt de[n] Zugang verweigert“ und in Gaza unabhängige Journalisten ausgeschlossen, ermordet und verfolgt werden. Daraus kann man schließen, dass die Fälle im UN-Bericht, die im B'tselem-Bericht, die unzähligen Opferaussagen und diversen anderen Berichte nur die Spitze des Eisbergs sind. Ihre Hoffnung in allen Ehren, aber wenn man sich anschaut wie die israelische Armee-und Staatsführung bisher auf bestens dokumentierte Kriegsverbrechen ihrer Soldaten reagiert wird das wohl ein frommer Wunsch bleiben.

      • @Residente:

        Danke für die Hintergründe!