Rücktritt des ADAC-Chefs: Er hat für Klimaschutz geworben
Der ADAC-Verkehrspräsident muss gehen, das ist Kuschen vor einer lauten Minderheit. Konservative Institutionen haben wenig Rückgrat.
D er ADAC beugt sich einer Minderheit seiner Mitglieder, die nicht mehr fürs Tanken bezahlen wollen: Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand ist zurückgetreten, weil durch seine Äußerungen in einem Interview dem ADAC ein „Reputationsschaden“ entstanden sei. Konkret hatte Hillebrand gesagt, dass der ADAC die CO₂-Bepreisung für ein richtiges Instrument halte, um die Klimaschutzziele zu erreichen – vorausgesetzt, Alternativen zum Verbrenner wie E-Autos sind erschwinglich. „So zu tun, als gäbe es den Klimawandel nicht, wäre ein fataler Irrweg.“ Daraufhin beschwerten sich viele ADAC-Mitglieder beim Verein, 60.000 sind wegen Hillebrands Äußerungen ausgetreten – ein Bruchteil der 22,2 Millionen Mitglieder. Gehen musste Hillebrand trotzdem, letztlich, weil er etwas Sinnvolles gesagt hat.
Es lässt sich darüber streiten, ob ein CO₂-Preis das beste Mittel ist, Menschen zum Umsteigen auf klimafreundliche Alternativen zu bringen. Tatsächlich belastet er Menschen mit geringem Einkommen mehr als Vermögende und jene auf dem Land stärker als Städter*innen mit guter ÖPNV-Anbindung. Stattdessen sollte man den ÖPNV ausbauen und E-Autos fördern, um Verbrenner unattraktiver zu machen. Man könnte Unternehmen zum E-Auto-Kauf für ihre Dienstwagenflotten verpflichten, um den Gebrauchtwagenmarkt anzuheizen. Und ein Tempolimit ist für weniger CO₂ und Verkehrstote sowieso eine gute Idee.
Hillebrand bedauert, dass seine Äußerungen „Glaubwürdigkeit gekostet haben“. Nur hat sich der ADAC noch kurz nach dem Interview zum CO₂-Preis bekannt, solange Alternativen bezahlbar sind. Glaubwürdigkeit kostet vielmehr, dass er Hillebrand jetzt opfert – ohne Vorschläge für Klimaschutzmaßnahmen. Offen lässt der Verein auch, ob in seinen Augen Klimaleugnung ein „fataler Irrweg“ bleibt. Er kuscht vor einer lauten Minderheit.
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Dass konservative Institutionen dafür anfällig sind, zeigte im Sommer auch die rechte Kampagne gegen Frauke Brosius-Gersdorf. Sie müssen dringend lernen, wie sie sich ein Rückgrat wachsen lassen können.
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