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Rücktritt des ADAC-ChefsEr hat für Klimaschutz geworben

Jonas Waack

Kommentar von

Jonas Waack

Der ADAC-Verkehrspräsident muss gehen, das ist Kuschen vor einer lauten Minderheit. Konservative Institutionen haben wenig Rückgrat.

Wegen Aussagen von ADAC-Chef Gerhard Hillebrand zum Verbrenner-Aus sowie den Preisen für Benzin und Diesel steht dem ADAC möglicherweise eine Austrittswelle bevor Foto: Hanno Bode/imago

D er ADAC beugt sich einer Minderheit seiner Mitglieder, die nicht mehr fürs Tanken bezahlen wollen: Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand ist zurückgetreten, weil durch seine Äußerungen in einem Interview dem ADAC ein „Reputationsschaden“ entstanden sei. Konkret hatte Hillebrand gesagt, dass der ADAC die CO₂-Bepreisung für ein richtiges Instrument halte, um die Klimaschutzziele zu erreichen – vorausgesetzt, Alternativen zum Verbrenner wie E-Autos sind erschwinglich. „So zu tun, als gäbe es den Klimawandel nicht, wäre ein fataler Irrweg.“ Daraufhin beschwerten sich viele ADAC-Mitglieder beim Verein, 60.000 sind wegen Hillebrands Äußerungen ausgetreten – ein Bruchteil der 22,2 Millionen Mitglieder. Gehen musste Hillebrand trotzdem, letztlich, weil er etwas Sinnvolles gesagt hat.

Es lässt sich darüber streiten, ob ein CO₂-Preis das beste Mittel ist, Menschen zum Umsteigen auf klimafreundliche Alternativen zu bringen. Tatsächlich belastet er Menschen mit geringem Einkommen mehr als Vermögende und jene auf dem Land stärker als Städ­te­r*in­nen mit guter ÖPNV-Anbindung. Stattdessen sollte man den ÖPNV ausbauen und E-Autos fördern, um Verbrenner unattraktiver zu machen. Man könnte Unternehmen zum E-Auto-Kauf für ihre Dienstwagenflotten verpflichten, um den Gebrauchtwagenmarkt anzuheizen. Und ein Tempolimit ist für weniger CO₂ und Verkehrstote sowieso eine gute Idee.

Hillebrand bedauert, dass seine Äußerungen „Glaubwürdigkeit gekostet haben“. Nur hat sich der ADAC noch kurz nach dem Interview zum CO₂-Preis bekannt, solange Alternativen bezahlbar sind. Glaubwürdigkeit kostet vielmehr, dass er Hillebrand jetzt opfert – ohne Vorschläge für Klimaschutzmaßnahmen. Offen lässt der Verein auch, ob in seinen Augen Klimaleugnung ein „fataler Irrweg“ bleibt. Er kuscht vor einer lauten Minderheit.

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Dass konservative Institutionen dafür anfällig sind, zeigte im Sommer auch die rechte Kampagne gegen Frauke Brosius-Gersdorf. Sie müssen dringend lernen, wie sie sich ein Rückgrat wachsen lassen können.

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Jonas Waack
Klima-Redakteur
Jahrgang 1999, zuständig für Klima-Themen im Ressort Wirtschaft und Umwelt. Stadtkind aus Mecklenburg, möchte auch sonst Widersprüche vereinbaren. Bittet um Warnung per Mail, falls er zu sehr wie ein Hippie klingt.
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16 Kommentare

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  • Wie kommen sie darauf, dass es eine Minderheit ist, welche seine Aussagen falsch fand. Die Umfragen die ich finden kann, zeigen das Gegenteil (google: Eine Mehrheit der Bevölkerung lehnt die CO₂-Bepreisung laut einer IMK-Studie ab)

  • Was Hr Hillebrand hier gesagt hat ist schlicht und einfach Fakt.!!







    Daß deswegen 60.000 ADAC Mitglieder austreten, zeigt für wie Viele das Auto ein Fetisch-Objekt ist, daß in besonderem Maße der Kompensation von Minderwertigkeitsgefühlen und der Realitätsverweigerung dient..

  • ADAC Vertrag gecancelt.

  • Der ganze shitstorm liegt vor allem daran, dass Springer, das Faschistenhetzportal etc. Teile der Aussage aus dem Zusammenhang gerissen haben um damit hetzen zu können.

    Sich 2-3 Minuten Zeit zu nehmen, zu überprüfen was er gesagt hat scheint schon zuviel verlangt. Aber es nicht zu überprüfen hält die Leute nicht vom shitstorm ab.

    Aber CxU/FDP und NSAfD sind bei sowas ja auch immer gerne dabei. Von daher kein Wunder...

  • Dieses Geschehen ist erst recht ein sehr guter Grund, diesen Verein zu verlassen. Warum sollte ich mit meinem Beitrag die Lobby der Auto- und Ölindustrie unterstützen? Diesen "Club" braucht man wahrlich gar nicht....

    • @Perkele:

      Es heißt ADAC. Allgemeiner Deutscher Automobil Club. Ist doch ganz transparent wofür die sind.

  • Die Konservativen werden nicht wie wir die Kerninteressen ihrer eigenen Wähler für ein höheres Wohl opfern. Wenn der CO2 Preis im kommenden Jahr so richtig reinhaut werden die Wahlkämpfe nur noch darum gehen wer das alles wieder rückgängig macht. Für die Akzeptanz hätte es Wachstum gebraucht. Jetzt aber kommt das Fressen vor der Moral.

  • Der Autor schreibt es doch auch: der bessere Weg ist eine Förderung des Elektroautos. Das hat Hillebrand aber nicht gefordert. Als ADAC-Vitepräsdent müsste er aber genau das fordern. Aber nicht: den Verbrenner verteuern. Die öffentliche Aufregung gab es deshalb zu Recht.



    Anstatt aus Hillebrand einen Märtyrer zu machen sollte man anerkenne dass es nicht den komplett falschen getroffen hat. Der Auftrag an den ADAC ist jetzt aber auch, sich für eine Förderung der Elektromobilität einzusetzen.

    • @MK:

      Es wird wieder gefördert, was soll er weiter fordern? Mehr, klar, wer bezahlt mir mein Auto. Abgesehen davon hat er die bekannte Linie des ADAC wiedergegeben.

    • @MK:

      Haben wir den selben Text gelesen?



      Ich zitiere:



      "Konkret hatte Hillebrand gesagt, dass der ADAC die CO₂-Bepreisung für ein richtiges Instrument halte ... – vorausgesetzt, Alternativen zum Verbrenner wie E-Autos sind erschwinglich"

  • Hillebrand war in meinen Augen einer der besten Gründe, in den ADAC einzutreten!



    Schade, dass er gehen musste, dass zeigt, dass es doch richtig ist, nicht im ADAC zu sein. Hut ab, dass er seine Aussage nicht "zurückgenommen" hat, sondern dazu steht. Das könnten sich manche Politiker mal ein wenig Rückgrat abgucken. Leider hat der ADAC das selber wiederum nicht...

  • Die These dass die Gegner der einer Position eine laute Minderheit sind, die Unterstützer einet Position auf der schweigenden Mehrheit steht ist stets mit sehr viel Skepsis zu betrachten.

    • @Tim Hartmann:

      Fakt ist das weniger Mitglieder eingetreten sind in dem Jahr als ausgetreten.

      Ich würde das mal mit den Corona vergleichen.



      .



      Die Leugner:innen und Schwurbler:innen waren auch da eine lautstarke Minderheit.



      Und mit den Klimawandel Leugner:innen und Gegner:innen von Maßnahmen haben diese sehr große Überschneidungen.



      .



      Die Pandemie Maßnahmen haben ja nachweislich zur Aufblähung der AFD Zahlen geführt.



      So wird das auch beim Umbau zur CO2 Neutralität sein.

      • @sociajizzm:

        Der ADAC hat so viele Mitglieder wie nie und wenn 60.000 ausgetreten sind, sind 100.000 eingetreten., stabil wie immer.

  • Ich hatte mich auch schon gewundert, dass dieser autokratische "Verein" solche richtigen Aussagen machte.



    Tja, da die "fdp" das Klimageld blockiert hat, ist CO2 Bepreisung natürlich unsozial. Dass es auch sozial ginge zeigte die pollution tax in Canada 2019-2024 (die dann Carney gecancelt hat).



    Dumm. Sehr dumm.



    (Wer seine adac Mitgliedschaft noch nicht gecancelt hat)

    • @So,so:

      Das Absurde ist ja, dass das "Klimageld" im Wahlprogramm der FDP stand.



      .



      So wie in Kanada wäre es eh nicht geworden, weil das CO2 Geld nicht direkt wieder ausgeschüttet werden sollte, sondern nur ein Bruchteil davon.



      .



      Und so wäre es eh faktisch wirkungslos gewesen... LEIDER.



      .



      Die beste Maßnahme zur Abfederung wäre es allemal.