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Reform gesetzlicher KrankenversicherungDie medizinische Versorgung wird sich verschlechtern

Manuela Heim

Kommentar von

Manuela Heim

Die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung wurde als großer Wurf versprochen. Doch nun wird die Versorgung schlechter und nicht besser.

D as Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat es durch den Bundestag geschafft. Am letzten Tag vor der Sommerpause haben die Po­li­ti­ke­r*in­nen der Regierungsfraktionen das Gesetz durchgewunken. Ein Eilantrag der Opposition beim Bundesverfassungsgericht auf Verschiebung hatte keinen Erfolg. Die Erzählung könnte also sein: Tatkräftig hat die Regierung eine Reform gegen alle Widerstände durchgebracht und sich die Ferien redlich verdient.

Tatsächlich wird diese „Reform“ die medizinische Versorgung in Deutschland nicht besser, sondern sehr wahrscheinlich schlechter machen. Und das Vertrauen, dass Po­li­ti­ke­r*in­nen bei komplizierten Sachverhalten wissen, was sie tun, ist mindestens angekratzt. Die Genese dieses Gesetzes beginnt mit jahrzehntelangen Fehlsteuerungen im Gesundheitssystem, die in wirtschaftlich guten Zeiten verschmerzbar waren, aber seit einigen Jahren zu deutlichen Steigerungen der Beiträge für gesetzlich Versicherte und ihre Ar­beit­ge­be­r*in­nen führen.

Gesundheitsministerin Nina Warken versprach schon im vergangenen Jahr, dass die Beiträge nicht weitersteigen. Aber ein Schnellschusskürzungsprogramm und milliardenschwere Darlehen des Bundes an die Kassen reichten nicht: Die Kassenbeiträge stiegen auch 2026.

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Für nächstes Jahr hat Warken ihr Versprechen erneuert. Aus den Vorschlägen einer Ex­per­t*in­nen­kom­mis­si­on pflückte Warken einen Strauß von Maßnahmen, der als Gesetzentwurf dem Parlament präsentiert wurde. Dieser Entwurf war allerdings nicht einmal innerhalb der Koalition vernünftig abgestimmt, Interessenverbände fühlten sich nicht ausreichend eingebunden, die Länder murrten, und die Pharmaindustrie schickte Landespolitiker zur direkten Beschwerde zum Bundeskanzleramt. Eigentlich sollte das Gesetz schon Ende Juni im Bundestag beschlossen werden, aber eine Einigung war nicht in Sicht.

Inzwischen war auch klar: Das mit dem Entwurf erreichbare Sparvolumen reichte beileibe nicht, um die Kassenbeiträge zu stabilisieren. Die Folge war eine derart große Anzahl von Änderungen bis kurz vor Gesetzesbeschluss, dass selbst die versiertesten Ge­sund­heits­po­li­ti­ke­r*in­nen den Überblick verloren. Die Mitglieder der Regierungsfraktionen, die für das Gesetz stimmten, taten dies vielleicht im Vertrauen darauf, dass die handelnden Personen wissen, was sie da zusammengeschrieben haben; oder doch vor allem in der Hoffnung, dass bei der Bevölkerung, für die das Gesetz sowieso nicht zu überschauen ist, der Eindruck tatkräftigen Handelns hängen bleibt.

Die Regierung will mit dieser Reform auch etwas beweisen, das mit Inhalt wenig zu tun hat. Welche weitreichenden Folgen das Sparpaket für die Versorgung der Pa­ti­en­t*in­nen hat, ob es tatsächlich ausreicht, um Beiträge zu stabilisieren, und ob der Bund nicht bald wieder Geld mit der Gießkanne verteilt, um Kliniken vor der Finanzmisere zu retten, in die er sie weiterhin hineinmanövriert – das wird sich erst noch zeigen.

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Manuela Heim

Manuela Heim Gesundheit und Soziales

Redakteurin in der Inlandsredaktion, schreibt über Gesundheitsthemen und soziale (Un-) Gerechtigkeit.
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4 Kommentare

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  • Was im Artikel fehlt: Es wird auch in der ambulanten Psychotherapie extrem gekürzt werden. Das heißt: Weniger Psychotherapieplätze für alle, die sich das nicht aus eigener Tasche leisten können. Psychotherapie wird (noch mehr als ohnehin) zum Luxusgut. Das Gesetz, das die Mindestvergütung für Therapeut:innen regelt, wurde kurzerhand binnen fünf Tagen einfach abgeschafft. Ohne vernünftige demokratische Prozesse, einfach noch fix mit untergejubelt.

  • Verstehe nicht, wie man dieses Maßnahmenpaket "Reform" nennen kann. Es ist ein Bündel von Preissteigerungen und Leistungsminderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung GKV. Eine Reform wäre eine planvolle Umgestaltung. Davon kann ich nichts erkennen. Nach wie vor zahlen nichtselbständige Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber die Zeche. Hinzu kommen jetzt noch Familienmitglieder ohne Einkommen.

    Ärzte, Architekten, Abgeordnete, Beamte, Investoren, Spekulanten, Privatiers, Minjobber, Scheinselbständige, Vermieter, Arbeitnehmer mit hohen Einkommen (über der Beitragsbemessungsgrenze) und andere bleiben weiter verschont. Da wäre Mal eine echte Reform nötig!

  • Deutschland hat unter den Industriestaaten die höchsten Gesundheitsausgaben/Kopf. Genug Geld ist somit im System vorhanden.

    Allerdings erreichen wir in D nur eine mittlere Lebenserwartung.



    Ob die aktuelle Reform wohl zu höherer Effektivität beiträgt?

  • Etwas Wichtiges was in Nacht und bei Nebel noch mitbeschlossen wurde, konnte kaum öffentlich diskutiert werden. Die quasi-Abschaffung der bezahlten Psychotherapie:



    www.psychotherapieverbund.de/todesstoss



    Aus dem Text: "Dieser Änderungsantrag bricht gleich mehrere Gesellschaftsversprechen:"



    Und die Pharmaindustrie freut sich, jetzt kann sie mehr Medikamente verkaufen.

    Demokratische Prozesse sehen anders aus!