Polizeieinsatz bei Klimastreik-Blockaden: In die Mangel genommen
Hamburgs Polizei wird für ihr hartes Vorgehen bei der Räumung von Sitzblockaden beim Klimastreik kritisiert. Die Behörden verteidigen den Einsatz.
Die Schmerzen seien unangenehm gewesen, sagt Marten Olsen. „Ich habe sie noch am nächsten Tag im Hals gespürt.“ Olsen ist einer von mehreren hundert AktivistInnen, die am Freitag nach der Klimastreik-Demonstration in Hamburg bei einer Sitzblockade von der Polizei geräumt wurden. Ein Video zeigt, wie ein Polizist dem 25-Jährigen dabei den Kopf stark zur Seite biegt. Olsen sitzt zunächst auf dem Boden und hat die Arme unter seinen Knien verschränkt. Als Polizisten versuchen, ihm die Arme auf den Rücken zu drehen, steht er freiwillig auf.
Mehrere kurze Videos von Blockaderäumungen in Hamburg kursieren im Netz – und sorgen für Empörung. Eine Diskussion ist darüber entbrannt, wie hart die Polizei gegen die teilweise Minderjährigen vorgegangen ist.
Bis zu 100.000 Menschen zogen am Freitag bei der Klimastreik-Demonstrationen durch Hamburg. AktivistInnen der Gruppen „Sitzenbleiben“ und „Ende Gelände“, zu denen auch Olsen gehört, hatten dazu aufgerufen, den Verkehr zusätzlich zu blockieren.
An zentralen Orten wie dem Stephansplatz oder der Kennedybrücke setzten sich nachmittags junge Menschen auf die Straße und wurden dann von der Polizei weggetragen. Bei der Räumung von bis zu 200 Menschen auf der Lombardsbrücke griff die Polizei stärker durch.
Empfohlener externer Inhalt
Richtig üble Schmerzgriffe! @PolizeiHamburg, muss das sein?! #Polizeigewalt #Klima #Klimastreik pic.twitter.com/nh3JjZo6FM
— Sitzenbleiben! (@Sitzenbleibenhh) 20. September 2019
Laut Fotograf Miguel Ferraz, der für die taz vor Ort war, waren viele der DemonstrantInnen dort minderjährig. „Diejenigen, die sich eingehakt oder die Arme verschränkt hatten, wurden hart angegangen.“
Ein Video etwa zeigt, wie ein Polizist einer Jugendlichen mit gefärbten Haaren den Kopf verdreht, während ein weiterer Beamter neben ihr kniet und versucht, an ihren Fingern Schmerzgriffe anzusetzen. Der kurze Film wurde auf Twitter bis Sonntagnachmittag über 200.000 Mal angeklickt.
Zahlreiche User verurteilten das Vorgehen der Polizei. Die Hamburger Linken-Abgeordnete Christiane Schneider kritisiert: „Mit brutalen und gefährlichen Schmerzgriffen ist die Polizei gegen friedliche Aktionen des zivilen Ungehorsams vorgegangen.“
Hamburgs Polizeisprecher Timo Zill verteidigte den Einsatz. Die Blockierer seien der Aufforderung, die Straße zu verlassen, nicht nachgekommen. Nach erneuter Ansprache seien sie „unter Anwendung einfacher körperlicher Gewalt von der Fahrbahn gebracht“ worden. „Die Einsatzkräfte haben dies im erforderlichen Maße ruhig, besonnen und professionell durchgesetzt.“
Aktivist Olsen erklärte, es sei der Sinn der Sitzblockade gewesen, nicht einfach wieder zu gehen, sobald die Polizei kommt. Man habe im Vorfeld einen Aktionskonsens veröffentlicht, der klar besagt, dass man friedlich bleiben werde. Das hätte er sich auch von der Polizei gewünscht.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert