Palästina-Protest stoppt Vuelta: Zeit für Sportsanktionen
Nach Protesten wird die letzte Etappe des Radrennens in Spanien abgebrochen. Dennoch scheint die Botschaft des Sports zu sein: Es zählen nur weiße Opfer.
D ie Radrundfahrt Vuelta in Spanien war geprägt von propalästinensischen Protesten gegen das Team Israel-Premier Tech. Nun wurde die letzte Etappe abgebrochen. Das ist traurig für die Radprofis, das Publikum, den Sport. Doch der organisierte Sport hat diesen Schaden auch selbst verschuldet. Angesichts des täglichen Tötens in Gaza mit überwältigenden Indizien für einen Völkermord und Israels völkerrechtswidriger Besatzung fällt dem Sport weiterhin nur ein: Fanproteste diffamieren, die Polizei schicken, auf Zeit spielen.
Das ist eine Verweigerung von Auseinandersetzung, direkt aus dem autoritären Baukasten vieler europäischer Regierungen. Sie ist nicht dauerhaft durchhaltbar. Und besonders schlecht sieht sie aus, nachdem fast alle Sportverbände, darunter der Radsportverband, russische Teams für den Angriff auf die Ukraine ausgeschlossen oder sanktioniert haben.
Dass man gerade bei einem jüdischen Staat zögert, ist nachvollziehbar, aber ein Blankoscheck für Israel schadet allen. Wer Russland für Angriffskrieg ausschließt, darf nicht Israel trotz mutmaßlichen Völkermordes und brutaler Annexionen ungestraft lassen. Wer Sportler:innen eine Verantwortung aufträgt, sich von Kriegsverbrechen ihres Staates zu distanzieren oder nicht für einen solchen zu werben, trägt sie allen auf. Auch wenn kein Krieg exakt dem anderen gleicht. Die Botschaft des Sports dagegen lautet unmissverständlich: Es zählen nur weiße Opfer.
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Natürlich sind die Proteste angreifbar. Dass Menschen sich so viel mehr für Palästina interessieren als für andere Kontexte der Unterdrückung, liegt teils auch an platten Antiwestnarrativen und Antisemitismus. Wichtig sind die Proteste dennoch. Denn die Akzeptanz des Massentötens führt zu gefährlichen Verschiebungen auch bei uns. Wie wirksam ein Ausschluss von systemtreuen israelischen Sportler:innen wäre, ist offen. Doch gegenüber Verbündeten kann Druck durchaus wirken. Wenn so entfesselte staatliche Gewalt nicht sanktioniert wird, schafft das eine gefährliche Gewöhnung für kommende Konflikte.
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