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Neue Grundsicherung und MietkostenSinnlose Wohnungssuche auf Befehl vom Jobcenter

Ab 1. Juli sind nur noch niedrige Wohnkosten in der neuen Grundsicherung erlaubt. Betroffene müssen dann eine oft sinnlose Wohnungssuche nachweisen.

Die alleinerziehende Mutter zweier Kinder in der Region Hannover war schon länger als ein Jahr auf Leistungen des Jobcenters angewiesen. Die Karenzzeit, innerhalb derer das Jobcenter die Miete für ihre Wohnung in voller Höhe übernahm, war abgelaufen, nun galt die Wohnung als zu teuer. Aber billiger Wohnraum war in der Region nicht zu finden.

Die Mutter musste dem Jobcenter anderthalb Jahre lang beweisen, dass sie intensiv suchte. Sie schrieb die Wohnungsämter an, bewarb sich jeden Tag auf Anzeigen in den Angebotsportalen, telefonierte herum – und dokumentierte all dies fein säuberlich, um ihre Bemühungen dem Jobcenter vorzulegen, damit dieses während dieser Zeit die Wohnung weiterhin bezahlte. Dann fand sie eine günstigere Bleibe.

„Solche Fälle werden sich häufen mit der neuen Grundsicherung, die am 1. Juli in Kraft getreten ist“, sagt Nana Steinke, Fachanwältin für Sozialrecht aus Hannover, die den Fall der Mutter beraten hat.

Bisher wurden im ersten Jahr in der Grundsicherung Unterkunftskosten in voller Höhe übernommen. Ab sofort zahlt das Jobcenter für eine „Karenzzeit“ von einem Jahr nur noch das Anderthalbfache der sogenannten Angemessenheitsgrenze. Diese wiederum ist regional unterschiedlich: In Hannover beispielsweise würde dann für einen Einpersonenhaushalt über ein Jahr eine Kaltmiete von 748 Euro übernommen, danach nur noch eine Kaltmiete von höchstens 499 Euro. In Berlin wäre es für den gleichen Haushalt eine Kaltmiete von 674 Euro im ersten Jahr, danach nur noch 449 Euro.

Emp­fän­ge­r:in­nen sollen Mieten aus Regelsatz zahlen

Wer schon Grundsicherung bezieht, soll erst bei einem Antrag auf Weiterbewilligung unter die neue Regelung fallen.

Ist die Miete zu hoch, kann das Jobcenter die Leis­tungs­emp­fän­ge­r:in­nen auffordern, die Summe, die über der Angemessenheitsgrenze liegt, selbst aus dem Regelsatz zu bezahlen. Helena Steinhaus, Geschäftsführerin des Vereins Sanktionsfrei in Berlin, berichtet, dass in Berlin Haushalte im Schnitt 180 Euro im Monat aus dem Regelsatz für die Miete abzweigen, weil das Jobcenter die Wohnkosten nicht in voller Höhe übernimmt.

Es gibt zwar auch die Möglichkeit, dass die Jobcenter von den Betroffenen fordern, eine ständige, mühsame und erfolglose Wohnungssuche nachzuweisen und zu dokumentieren und währenddessen die Miete bezahlen. Aber im Einzelfall ist dies manchmal keine Lösung. „Wenn das Jobcenter verlangt, auch in einem völlig anderen Stadtteil, in einem völlig fremden Gebiet eine Wohnung zu suchen und alle sozialen Bezüge zu verlieren, zahlen die Betroffenen dann lieber den Mietanteil aus dem Regelsatz und knapsen beim Lebensunterhalt“, erklärt Steinhaus.

Die Frage ist, wie sich die Rechtslage mit der neuen Grundsicherung entwickelt: „Ob die Gerichte die bisherige Rechtssprechung aufrechterhalten, wonach sogar die tatsächliche Miete gezahlt werden muss, wenn die vergebliche Wohnungssuche nachgewiesen wird, bleibt abzuwarten“, sagt Fachanwältin Steinke. „Eventuell deckeln die Gerichte mit der neuen Grundsicherung auch mit ausreichend nachgewiesenen Wohnungssuchbemühungen die Kosten auf das Eineinhalbfache der Angemessenheitsgrenze.“

Das aber setzt die Kommunen unter Druck. Wer seine Wohnung verliert, landet womöglich im Obdachlosenheim. Und das wird mit Tagessätzen um mehr als 30 Euro pro Person etwa in Berlin richtig teuer für den Staat.

Das Sozialministerium in Bayern hat Weisungen an die Jobcenter zu den Unterkunftskosten herausgegeben, auf die der Selbsthilfeverein Tacheles aufmerksam gemacht hat. Bei Haushalten mit Kindern soll großzügiger verfahren werden. Für einen „unabweisbar“ erhöhten Wohnkostenbedarf sollen aber „strenge Maßstäbe“ angelegt werden. Auch „nach Ablauf der Karenzzeit“ soll die Anwendung der „Härtefallregelung“ möglich sein, sofern „nachweislich kein Ersatzwohnraum zur Verfügung steht“. Den Beweis dafür müssen aber die Leistungsempfänger beständig erbringen. Betroffenen macht das Angst.

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42 Kommentare

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  • “Sinnlose Wohnungssuche heißt die Überschrift. Im Text folgt dann “ und dokumentierte all dies fein säuberlich, um ihre Bemühungen dem Jobcenter vorzulegen, damit dieses während dieser Zeit die Wohnung weiterhin bezahlte. Dann fand sie eine günstigere Bleibe. Solche Fälle werden sich häufen mit der neuen Grundsicherung,…”

    Also war die Wohnungssuche nicht sinnlos und die Gemeinschaft zahlt nun weniger Geld.



    Insbesondere zahlt die Gemeinschaft auch an einen Vermieter weniger, der eine zu hohe Miete verlangt - macht sich also etwas weniger mitschuldig, die Preistreiberei bei den Mieten auch noch mitzutragen oder anzukurbeln.



    Und jetzt haben wir Angst, dass es mehrere solcher Fälle geben könnte, in der man als Grundsicherungsempfänger intensiv eine günstigere Wohnung sucht und dann auch findet?

    • @Nick riviera:

      @Nick riviera



      Rentnerinen mit kleiner Rente und Grundsicherung sollen ihren Lebendsabend genießen und nicht unnötig genervt werden, die haben ihren Beitrag für die Gesellschaft geleistet und die allein erziehende Mutter mit drei Kindern in Grundsicherung ist noch dabei.



      Ich sach mal so, geh fix an die Riviera arbeiten ❗️

  • Wie wäre es, die Jobcenter gesetzlich zu verpflichten den dortigen " Kunden " monatlich zwei, drei Wohnungen anzubieten / nachzuweisen, die den heutigen Anforderen bezüglich der Standards wie z. B. Klimaanlage, Energieversorgung bezüglich Heizung und Strom durch erneuerbare Energien, entsprechen und preislich den Rahmen der Grundsicherung nicht sprengen.



    Hier sollten unsere Politiker einmal die Gesetze, bezüglich der Anrechte von Beziehern der Grundsicherung, dringlichst reformieren.

  • taz: *Sinnlose Wohnungssuche auf Befehl vom Jobcenter*

    Das Problem sind nicht die Jobcenter, sondern unsere überbezahlten "Volksvertreter", denn die denken sich so etwas aus, obwohl doch jeder weiß, dass es in diesem Land kaum noch günstige Wohnungen gibt und die wenigen Sozialwohnungen auch seit Jahren aus der Mietpreisbindung fallen.

    Wie es ausschaut "hilft" der Staat noch kräftig dabei mit, damit die Obdachlosigkeit weiter ansteigt. Wir haben jetzt schon ca. 470.000 Wohnungslose und mehr als 50.000 Obdachlose in Deutschland. Aber zum Glück gibt es ja (noch) genügend Parkbänke, wo der wohnungslos gewordene Bürger dann 'nächtigen' kann, wenn die "Sozialbehörde" ihn/sie aus der Wohnung 'hinauskomplimentiert' hat.

    Das immer größer werdende 'soziale Problem' in diesem Land müsste mal vernünftig angegangen werden. Leider haben wir aber einen ehemaligen BlackRock-Lobbyisten zum Kanzler gemacht, mit dem das alles noch viel schlimmer werden wird. Wer am Ende davon profitiert sind die Rechten, denn der frustrierte kleine Bürger wird nicht sein Hirn einschalten und endlich mal eine linke soziale Partei wählen, sondern ganz nach rechts abbiegen.

  • Schöner Artikel!

    In Berlin (und wahrscheinlich München auch) ist es mit der 1,5mal = Wucher-Regel besonders schön. Das Jobcenter in Berlin meint, 447 € Bruttokalt seien für eine Person angemessen. 671 € sind also schon Wucher. Unpraktisch dass die Angebotsmieten so krass hoch sind. Und unpraktisch zusätzlich, dass Jobcenter und Gerichte auch noch unterschiedliche Werte für angemessen erachten.

  • Noch ein Thema im Thema:



    Die Regelsätze sind für viele Vermieter eine informelle Untergrenze.

    Erhöht man diese, wird es bald noch teurer auch durch die Regelsatz Erhöhung zusätzlich angefacht...

    Oft werden fast ausschließlich eher schlecht vrmietbare mit mangeln behaftete unangemessen kleine Wohnungen an KdU Bezieher Vermietet.

    Die Beste Lösung wären auf Dauer viel mehr Wohnungen jenseits der kapitalistischen Regeln. Staatliche Wohnungen müssen nicht Profit abwerfen. Sie müssen sich nur tragen.

    Das dämpft allgemein das Mistniveau

    Das Dilemma von KdU und Wohngeld ist, dass es die Mieten und damit auch die Renditen der Immobilien Besitzer erhöht.

    Andererseits kann man diesen verhängnisvollen Weg nicht einfach stoppen, ohne Mietern mit kleiner Kaufkraft und auf KdU angewiesenen Menschen existenzielle Nöte zu bescheren.

    • @Rolf-Ulrich Bob:

      Sie haben so recht!

      Das ganze Problem ist der Mangel an gemeinnützig bewirtschaftetem Wohnraum.

      Dadurch zahlen Mieter mehr Miete und durch Wohngeld, Jobcenter usw. wird der Vermögenszuwachs privater Immobilieninvestoren durch Steuergeld finanziert.

      Stattdessen könnte man einfach das Steuergeld nehmen und bezahlbaren Wohnraum schaffen und so die Mieten für alle stabil halten.

      • @Stavros:

        Das Problem das alle hier immer umschiffen: es wird Zu wenig gebaut.



        Wir müssen zu den Bauraten von früher zurückkehren. Und natürlich auch viel mehr Sozialwohnungen darunter.

        • @Duplozug:

          Mehr bauen, vor allem Sozialwohnunngen als Priorität, und diese nicht nach ein paar Jahren aus der Sozialbindung nehmen, sondern dauerhaft drin belassen.

  • Wenn man einen neuen Job findet muss man auch oft umziehen gehört dazu, ist auch Stress und nervig und meist findet man auch nichts im gleichen Preis-Leistungssegment wie vorher. Das erinnert mich an die Diskussion um die Krankmeldung für Arbeitslose wo hier im Forum auch viele gejammert haben obwohl es für Arbeitnehmer ganz normal ist.

  • Ich finde die Idee der Umsiedelung gar nicht so schlecht. Wenn die im Grundbezug sind, haben sie doch eh keine Jobs und müssen nicht pendeln, warum dann nicht wenigstens schön im Grünen wohnen, vielleicht im Haus anstatt fürs doppelte Geld eine Wohnung in Berlin? Städte sind völlig überbewertet.



    Und wenn in diesen ganzen Orten in JWD erst mal wieder Leute wohnen, dann geht es da vielleicht auch mit der Wirtschaft aufwärts.

    • @Cededa Trpimirović:

      Ihnen ist aber nicht entgangen, dass die Grundbezügler sich nicht nur für eine weniger teure Wohnung bewerben sollen, sondern auch und vor allem für einen Job? Und im Falle der Alleinerziehenden ist es meist so, dass sie einen (Teilzeit-)Job haben und aufstocken. Wenn sie wegen Wohnkosten gezwungen wären, z.B. von Berlin in die Lausitz umzuziehen, dann wäre die Miete zwar billiger, aber der Berliner Teilzeitjob weg. Die betreffende Person wäre dann statt eines Aufstockers ein reiner Grundbezügler, und der Staat würde nix sparen, im Gegenteil.

      Ihre Idee würde nur funktionieren, wenn es so etwas wie ein bedingungsloses Grundeinkommen gäbe. Aber das ist wohl etwas für die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts.

  • Bei den ärmsten und schwächsten jeden Euro dreimal umdrehen, aber bei milliardenschwerer Steuerhinterziehung, Cum-Ex Geschäften, etc. der reichsten einfach wegschauen. Traurig und erbärmlich.

  • Die Wohnungsfrage 2026 legt soziale Bruchlinien offen: Wohnraum ist zum globalen Spekulationsobjekt verkommen, dessen Renditefokus Working Poors verdrängt, Demokratien schwächt. Verschärft wird diese Krise durch weltweite Flucht, Kriege, Arbeitsmigration als Manövriermasse globaler Ungleichheit. Dass Wohnungsnot politisch lösbar wäre, beweist der Generalstreik von 1948. Die heutige Politik betreibt jedoch bloße Symptombekämpfung, statt Wohnraum als einklagbares Menschenrecht zu verankern. Notwendig wären harte Eingriffe: das Ende steuerlicher Vorteile für spekulativen Leerstand, Leerstandskataster, Grundbuchtransparenz und, Mieten-Inflationsausgleich. Im Kontext von Friedrich Engels’ Schrift „Zur Wohnungsfrage“ (1872/73) zeigt sich historische Kontinuität: Engels bewies, dass Wohnungsnot kein politisches Missgeschick, sondern ein strukturelles Produkt des Kapitalismus ist. Der bürgerliche Staat reagiert damals wie heute mit kosmetischen Reformen (Wohngeldrecht 1962) das System oberflächlich zu glätten. Die eigentlichen Ursachen bleiben unangetastet: Die unversöhnliche Logik, dass Wohnraum primär als gewinnbringende Ware existiert und eben nicht menschlicher Bedarfsdeckung dient.

  • Diese erbärmliche Drangsalierung besteht ja in dieser Form seit Anfang des 19. Jhs.: die Armen sind einfach faul, sie leben dann noch zu luxuriös und wollen auch nicht auf der Müllhalde wohnen. Das muss "angemessen" bestraft werden.



    Abba von Artikel 14/15 GG, da wollen wir nix wissen; also nur beim Autobahnbau, oder beim Tunnelbau.

  • Da bleibt doch nur daß das Amt eine realistische Miethöhe zugrunde legt, der jeweiligen Gemeinde entsprechend. Bringt ja nichts den Betroffenen eine geträumte QM-Miete aufzuzwingen.

  • Wir haben in Deutschland viele Regionen die an Bevölkerungsrückgang leiden und billigen Wohnraum haben. Da ließe sich doch ein Deal machen zum beiderseitigen Gewinn aber praktische Ansätze sind wahrscheinlich eher verpönt aktuell.

    • @Šarru-kīnu:

      In Schweden hat man in der Tat den nach Werksschliessungen freigewordenen Wohnraum in ehemaligen Wirtschaftsstandorten Empfängern von Transferleistungen zugewiesen. Das hat zu No-go-Aereas mit hoher Kriminalität, insbesondere Drogenkriminalität, geführt. Keine gute Entwicklung. Kinder, die in solchen Gegenden aufwachsen, haben wenig Aussicht auf Bildung und späterer Teilnahme am Berufsleben sowie ein hohes Risiko, ebenfalls in der Kriminalität zu landen. Das schon sehr früh, die Kinder- und Jugendkriminalität ist erschreckend.

    • @Šarru-kīnu:

      Wie sollte ein solcher Deal zu beiderseitigem Vorteil denn von Statten gehen?



      Lokal ist die neue Regelung der Versuch, Wohnraum zwecks Kostensenkung von „zu teuer“ nach „preiswert/billig“ innerhalb eines Bevölkerungssegments umzuverteilen. Vorgesehen dafür ist eine individuelle Bewältigungsstrategie. Arbeitslosen müssen die Wohnungssuche selbst stemmen. Wie schwierig das ist, zeigt der Artikel. Das Scheitern der Strategie bleibt verborgen. Am Ende müssen Arbeitslose die Mehrkosten ihrer alten Wohnung aus dem Regelsatz bezahlen. Wen kümmert das? Für eine mittlere Stadt: Welcher Aufwand wäre demgegenüber für eine organisierte Wohnraumbewirtschaftung erforderlich? Ganz zu schweigen von den gesetzl. Hürden, freie Wahl des Wohnortes, Auswahlrecht der Vermieter. Die Crux wird schnell sichtbar. Man setzt auf eine individuelle Strategie, die schon im Vorfeld signalisiert, wie wenig erfolgreich sie sein kann. Und das, obwohl man wissen kann, das selbst organsiertere Vorgehensweisen, mit mehr gesetzl. Druck, mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso erfolglos blieben. Nur das die individuelle Strategie den „Vorteil“ hat, bei ihrem Versagen die „Schuld“ dafür den Arbeitslosen zuschieben zu können.

    • @Šarru-kīnu:

      Könnte eine Ansiedlung arbeitsloser Menschen in diesen Regionen etwas helfen, diese „Entleerungsprozesse“ zu mindern und obendrein für die Erwerbslosen den Vorteil des auskömmlicheren Lebens erbringen?



      Ich denke, die Antwort ist einfach: Nein. Die Entleerung (nicht nur) ländlicher Räume erfolgt wesentlich auf Grund von Arbeitsplatzmangel. Viele wollen es einfach nicht glauben und machen es sich (teils bewusst) sehr einfach. Aber die Menschen in der Grundsicherung sind durch das Gesetz verpflichtet, ihre Notlage durch Eigeninitiative zu beenden. Wenn sie das sollen, müssen sie Arbeit suchen – die aber auch finden können.



      Was soll also sein, was denkt man sich in der Gesellschaft? Sollen Arbeitslose zu niedrigen gesellschaftlichen Kosten in den ihnen womöglich noch zugewiesenen strukturschwächsten Regionen verbleiben und am Ende Grundsicherung im Alter beziehen? Oder sollen sie Arbeit da suchen, wo sie auch zu finden ist? Ohne Unterstellung Ihnen gegenüber: Viel zu viele Menschen antworten auf dieses Paradox gedankenlos nur, das sei egal, Arbeitslose wollten sowieso nicht arbeiten. Worum geht es aber? Um Bestrafung?

    • @Šarru-kīnu:

      Die Gesellschaft tritt den Arbeitslosen feindlich gegenüber. Widersprüchlichkeiten in dieser Haltung werden erkennbar, z. B. hier Wohnsituation. Aus ihnen wächst Aggression. Die gesellschaftliche Erwartung, gesetzl. bestätigt, an Erwerbslose ist eine Lebensführung, die strikt einer individuell zu erbringende Minimierung der gesellschaftlich aufgebrachten Kosten folgt. Dazu eine sozial anerkannte Lebensführung, z. B. gesunde Ernährung. Arbeitsaufnahme jeder Art. Die Pflicht, die Kosten durch gemeinnützige Arbeit jeder Art „abzugelten“. Es entsteht eine Haltung gegenüber der Politik u. den Arbeitslosen, man könne mit der „Lösung der Arbeitslosenfrage“ sozusagen „alle“ gesellschaftliche Problemlagen z. B. der knappen finanziellen Mittel und/oder Probleme der sozialen Desintegration (Schwarzarbeit, asoziale Gruppen etc.) lösen. Arbeitslose sollen für alles gut sein. Die dabei vorhandenen Paradoxien können aber wie gezeigt weder individuell noch ohne weiteres durch Politik zufriedenstellend aufgelöst werden. Der Unmut darüber entlädt sich in Aggression gegenüber Arbeitslosen die eben „zu nichts gut, zu nichts nütze“ sind.

    • @Šarru-kīnu:

      Wo ist der beiderseitige Gewinn, wenn Leute dorthin verfrachtet werden die das gar nicht wollen?

      ...ach so, Gewinn für die Kommune, die ihre unnützen Esser loswird und für den Osten, der dann langsamer ausstirbt. Die Betroffenen sind keine Seite, sondern Verhandlungsmasse.

    • @Šarru-kīnu:

      Natürlich sind praktische Ansätze aktuell verpönt.



      Der Union sind Schlagzeilen wichtiger.

      Problem bei den Zwangsumsiedelungen von Bürgergeldempfängern:



      Unternehmen werden sich dagegen wehren, Standorte in diesen Regionen errichten zu müssen.



      Bürger auch.



      Damit werden Aufstocker arbeitslos und Arbeitslose bleiben Arbeitslos.



      Außerdem brauchen gesundheitlich Angeschlagene und Rentner meistens Angehörige die sich um sie kümmern. Wenn die weit weg sind muss das die Kommune übernehmen.

      Abgesehen von diesen ganz handfesten Problemen beißt sich der Vorschlag auch mit dem Selbstverständnis eines Sozialstaats. Sozialleistungen sind keine Almosen, sondern ein Anspruch, den jeder Bürger hat. Das stand in den 1980ern auch noch so im Wahlprogramm der Union.

    • @Šarru-kīnu:

      Auf welcher Grundlage will man das denn den Leuten vorschreiben? JWD in Brandenburg statt Köln? Nordbayern statt Berlin? Es handelt sich schon um Menschen und nicht um RIndviecher, denen es wurscht ist wo sie grasen.

      • @FtznFrtz:

        So wie ich die Kommentare von @Šarru-kīnu kenne, stellt er das grundgesetzlich verbriefte Recht auf freie Wahl des Wohnorts gar nicht in Frage. Nur wird man halt eine Regionalentwicklung nicht mit der Ansiedlung von Arbeitslosen hin kriegen. Die jenigen, die in der Tat dieses Grundrecht und andere für die Arbeitslosen in Frage stellen, sind Neoliberale und AfD-Anhänger, die das in hunderten Kommentaren in der Presse fordern, die ich las. Denen geht es auch nicht um Regionalentwicklung. Die wollen abschieben, wie wir ja an anderen Beispielen sehen...



        Die Rechtslage ist immer noch die, dass Arbeitslose natürlich ihren Wohnort frei wählen können. Nur ob sie die dann dort, wo sie wohnen wollen, die Wohnung die sie dafür brauchen auch miten können, dass ist abhängig von der Höhe der Wohnkostenzuschüsse die sie dafür bewilligt bekommen. Da liegt kein Verstoß gegen das Grundgesetz vor. Das zu unterminieren, dazu sind die "Rechten" angetreten. Obwohl man weiß, dass man die Arbeitslosigkeit nie wird ganz beseitigen können. Da versteift man sich darauf, wenigstens die Arbeitslosen aus dem Blick der Gesellschaft zu bekommen und als Belastung aus den Kassen. Und das GG? Die pfeifen drauf.

    • @Šarru-kīnu:

      Ernsthaft?



      Leute sollen dann also für Armut bestraft werden und gefälligst dort hin geschickt werden, wo niemand leben möchte?



      Inwiefern und für wen bitte soll das ein beidseitiger Gewinn sein?

      • @Dima77140:

        Also ich lebe sehr gern in meiner Heimat aber das nur nebenbei. Die hier ausgeschütteten Vorurteile über uns lasse ich besser unkommentiert.



        Wir brauchen hier mehr Menschen um die schleichende Entvölkerung aufzuhalten. Das wäre unser Vorteil. In den Großstädten würden Wohnungen frei, der Mietmarkt würde entlastet und die kommunalen Haushalte durch niedrigere Unterbringungskosten entlastet. Es gäbe diverse Vorteile aber das werden Sie aus dogmatischen Gründen nicht zugeben können.

    • @Šarru-kīnu:

      Dazu müssten die Betroffenen ihr soziales Umfeld verlassen, daher halte ich diese Idee für utopisch.

      • @Xanyd:

        Das ist nicht utopisch, sondern dystopisch. Aber da wir zunehmend in einer Dystopie leben, ist das wohl nur noch eine Frage der Zeit.

      • @Xanyd:

        dystopisch

    • @Šarru-kīnu:

      Es gibt einen Grund für den Bevölkerungsrückgang, wie etwa niedrige Lebensqualität. Willst du als Migrant oder Ausländer aufs dorf in Thüringen ziehen? Hallo, alltagsrassismus. Als alleinerziehende Mutter ins Erzgebirge? Ich hoffe, du hast einen Führerschein und eine Karriere kannste vergessen. Du pflegst einen Angehörigen? Tja, Pech gehabt, kannste nicht mehr. Ich erinnere mich an den ersten Satz unserer schönen kantianischen Verfassung: die Würde des Menschen ist unantastbar…

      • @caramelcookie:

        Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass ich diese Wohnortveränderung nicht gutheiße.

      • @caramelcookie:

        Ich vermute Sie wohnen in der Stadt. Ich in einer Kleinstadt in Thüringen, ringsherum 15 Dörfer. Die hier lebenden ausländischen Bürger aus verschiedenen Nationen sind fest im Leben integriert (Vereine, Schulen, Arbeit). Ein paar kenne ich persönlich. Die Asylsuchenden in der Gemeinschaftsunterkunft sind nicht stark integriert, sie werden aber nicht angefeindet.



        Der Begriff Alltagsrassismus lässt eher darauf schließen, dass Ihre falschen Vorurteile in die Richtung Rassismus abgleiten.

      • @caramelcookie:

        Ich bin wie Sie gegen Zwangsumsiedlungen, aber können Sie bitte aufhören, die ländlichen Regionen des Ostens auf Alltagsrassismus, niedrige Lebensqualität und fehlende Infrastruktur zu reduzieren? Das ist doch kompletter Unsinn.

    • @Šarru-kīnu:

      Echt jetzt wegen ein paar Euro wollen sie Leute aus ihrer normalen Umgebung rausreißen und dahin schicken wo sonst niemand Leben will.



      Wer freiwillig geht , ok.

    • @Šarru-kīnu:

      Was ist denn das bitte für ein Deal? Alle Arbeitslosen in die hinterletzte Ecke von Deutschland verbannen, weil da ist es ja günstig? Soziales Umfeld und Heimat völlig egal? Warum leiden diese Regionen wohl unter Bevölkerungsrückgang, weil es da keine Perspektiven gibt, weil da niemand wohnen will! Kann ja wohl nicht ihr ernst sein.

      • @PartyChampignons:

        Das soziale Umfeld/Freundeskreis wird in den meisten Fällen viel zu hoch bewertet. Schreibt jemand, der mit seiner Familie berufsbedingt schon fünfmal umziehen musste. Auch ins Ausland. Wer wirklich möchte, findet neue Kontakte. Na gut in Norddeutschland etwas schwieriger als im Rheinland.



        Aber wenn es ja niemandem zuzumuten ist umzuziehen, haben Sie sicher ein Rezept, wie das ganze zu stemmen ist. Ohne Flächenversieglung durch Wohnungsneubau, ohne Zwangsvertreibung älterer Menschen aus längst zu großen Wohnungen, und ohne irgend jemand zusätzlich zu belasten (Tax the rich)

        • @Oleg Fedotov:

          Komisch, bei armen Menschern ist die Zwangsvertreibung aus zu teuren Wohnungen in Ordnung.

        • @Oleg Fedotov:

          Ich bin selber in meinen Leben 8 mal umgezogen aber auch jedes mal weil da wo ich hingezogen bin wo Arbeit war.



          Hier sollen aber Leute umziehen nur damit Geld gespart wird. Die erwartet am neuen Wohnort nichts, da wird es dann schwierig mit der Anpassung.



          Da kennt man dann niemand und nicht überall ist man willkommen.

        • @Oleg Fedotov:

          Es gibt einen kleinen Unterschied zwischen umziehen müssen und in die hinterletzte Ecke von Deutschland in der niemand leben will und in der es keine Arbeit gibt umziehen zu müssen......just saying

        • @Oleg Fedotov:

          Vergesellschaftung hilft gegen Mietwucher, Förderung von Genossenschaften und Genossenschaftsanteilen auch.



          Es spricht im Übrigen schon für die Qualität der neu gewonnenen "Kontakte" (verrät mehr als sie soll, die Wortwahl), wenn man sie so leicht hinter sich lässt.



          "Berufsbedingt" sind sie umgezogen? Das meint wahrscheinlich karrierefördernd. Hätten Sie das auch gemacht, wenn es der Karriere/Arbeitsaufnahme hinderlich gewesen wäre?

          • @My Sharona:

            Das war nicht unbedingt karrierefördernd. Ich wurde zwar von meinem AG versetzt, habe aber trotzdem nicht mehr Gehalt bekommen. Nur einmal sind wir von Bielefeld nach Augsburg gezogen, weil wir unseren Kindern eine vernünftige Schulbildung zukommen lassen wollten, und weil zufällig dort gerade eine Stelle frei wurde. Sonst wäre es halt Nürnberg oder Stuttgart oder auch ein 2000 Seelen-Dorf geworden, und ich wäre halt zur Arbeit gependelt.