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Mamdanis Besuch im Weißen HausDa dräut Gefahr für Trump

Leon Holly

Kommentar von

Leon Holly

US-Präsident Trump hofierte den Sozialisten Mamdani herzlich im Weißen Haus. Warum er das tat und es für ihn nach hinten losgehen kann.

Händeschütteln im Oval Office: US Präsident Trump (r.) und der designierte Bürgermeister von NYC, Zohran Mamdani, am 21.11.2025 Foto: Evan Vucci/ap

E in so einvernehmliches Treffen hatte wohl niemand erwartet. Als der frisch gewählte New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani Donald Trump am Freitag im Weißen Haus besuchte, endete es keineswegs in dem „Showdown“, den der rechte Sender Fox News sich vorab ausgemalt hatte. Vor den versammelten Journalisten im Oval Office betonten der linke Demokrat und der rechte Präsident vielmehr ihre Gemeinsamkeiten, vor allem bei der Bekämpfung der Inflation und der horrenden Mietpreise in New York. Dabei hatte Trump Mamdani noch vor einigen Wochen als „kommunistischen Verrückten“ bezeichnet, während Mamdani den Präsidenten einen Faschisten und Despoten nannte.

Wieso also die Einvernehmlichkeit? So ist es kaum verwunderlich, dass der Sozialist Mamdani ein Interesse an guten Beziehungen zu Trump hat. Für die Umsetzung seiner Wahlversprechen in NYC ist er auf Bundesmittel angewiesen, die sechs Prozent des städtischen Haushalts ausmachen. Zudem will er verhindern, dass Trump – wie in der Vergangenheit in demokratisch regierten Städten geschehen – die Nationalgarde schickt. Trump dagegen kann mit dem Treffen von den vielen Negativschlagzeilen ablenken. Aber über strategische Erwägungen hinaus zeigt Trumps breites Lächeln, dass er sich aufrichtig für Mamdani begeistert. Charismatische Gewinner – und dazu noch aus Trumps Heimatstadt – tun es dem Präsidenten eben an.

Weg von der Dämonisierung, hin sogar zu einer möglichen Kooperation; für Trump und die Republikaner birgt dieser Kurswechsel auch eine Gefahr. Denn Mamdanis Wirtschaftspopulismus hat das Potenzial, auch Trumpwähler anzusprechen. Nach dem Treffen betrieb Fox News dann quasi Werbung für Mamdani. Der Sender spielte seinen rechten Zuschauern einen ein Jahr alten Clip des damals noch unbekannten Kandidaten vor, in dem er mit enttäuschten Demokraten und Protestwählern spricht und ihre Sorgen ernst nimmt. Eines zeigt Mamdanis Auftritt im Oval Office aber zweifelsfrei: Die demokratischen Sozialisten sind eine ernstzunehmende Kraft in der US-Politik – und ihr Einfluss wächst.

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Leon Holly
Jahrgang 1996, studierte Politik und Nordamerikastudien in Berlin und Paris. Von 2023 bis 2024 Volontär der taz Panter Stiftung. Schreibt über internationale Politik, Kultur, und was ihn sonst so interessiert.
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10 Kommentare

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  • Für Trump sind Leute wie Mamdani, was für Netanjahu die Hamas ist: Ein prima Feindbild für die eigenen Wähler, das die Gegenseite mehr aufmischt und schwächt als seine eigene. Darum lässt er sich jetzt mal für einen "news cycle von ihm begeistern und streichelt sein Ego, um sich dann gewohnt dynamisch auf dem Absatz rumzudrehen und ab morgen wieder zu erklären, dass es Typen wie der sind, wegen derer man IHN wählen müsse (gerne auch ein verfassungswidriges drittes Mal).

  • Mamdani trug Anzug....

  • Erst malt sich der rechte Sender Fox News den "Show down" aus und eine Stunde später betreibt er Werbung für Mamdani. So etwas nenne ich "Haltung".

    • @Il_Leopardo:

      "So etwas nenne ich "Haltung"."



      Ist es ja auch. Die sogenannte 'Mir-doch-egal-Hauptsache-es-kommt-Geld-dabei-raus'-Haltung.

  • Jaaa! Bernie Sanders ist auch auf vielen Fotos zum Wahlkampf zu sehen. Da braut sich hoffentlich was (gutes) zusammen. Danke für den hoffnungsvollen Bericht. Ist das wohl auch für Die Linke interessant? ...

    • @Christian Lange:

      Die Amis zeigen uns, wie Sozialismus – naja, eher soziale Marktwirtschaft – funktioniert. Passt doch!

  • Es wäre fast ein Wunder, würde Trump nicht über kurz oder lang wieder auf seine gewohnte Lügnerei, Hetze und Erpressung zugreifen. Diesem Mann kann niemand vertrauen, niemand.

  • Die Reps sehen das vielleicht auch ihre letzte Chance: Sehr radikale Demokraten (aus US-Sicht), die womöglich Wähler vergrätzen. Dass sie sich da nicht täuschen! Das mobilisiert vielleicht gerade.



    Zum Foto: Trump beim Handschlag unten, was ist denn jetzt los? Der hat höchstens Macht-Charisma, und dann das?

    • @Janix:

      Naja, er sitzt, Mamdani muss stehen, das ist auch eine Machtdemonstration

  • Trump ist kein Überzeugungstäter, es gibt weder Moral noch Grundsätze, der eigene Ruhm, das Bad im Egoheroin, das ist es, um was es ihm wirklich geht.



    Das ist seine Stärke und Schwäche gleichermaßen. Einerseits kann Trump erstmal mit jedem, allerdings kann sich niemand auf den orangenen Hallodri verlassen, nicht einmal seine größten Fans. Sicher ein faszinierendes Phänomen, dieser politische Erfolg, ohne dass man dem Mann aber auch nur einen Meter über den Weg trauen kann. Das ist ein Phänomen, das Psychologen und Soziologen noch lange beschäftigen wird.