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Krise der CDU Gefährliches Vakuum in der bürgerlichen Mitte

Anna Lehmann

Kommentar von

Anna Lehmann

Friedrich Merz wollte den Zuspruch zur AfD halbieren, aber er hat für ein CDU-Desaster gesorgt. Schuld haben nicht andere, sondern er und seine Partei.

D ie CDU ist erstmals in ihrer Geschichte aus einem Landesparlament geflogen. Das ist eine schlechte Nachricht, selbst für jene, die sich nicht vorstellen können, diese Partei zu wählen. Denn es erschüttert nicht nur die CDU bis ins Mark, die eine der tragenden Säulen der Demokratie ist, es hinterlässt auch ein gefährliches Vakuum in der bürgerlichen Mitte.

Wer diese Mitte künftig besetzen will, ist kein Geheimnis: die selbsternannte Alternative für Deutschland, eine Partei, die ein ethnisch homogenes Deutschland anstrebt. Und es gelingt ihr recht gut. Anders als die CDU nun erzählt, wurde sie in Mecklenburg-Vorpommern nicht von der rücksichtslosen Manuela Schwesig aufgerieben, sondern verlor dort – wie übrigens auch in Berlin und vor zwei Wochen in Sachsen-Anhalt – die meisten Wäh­le­r:in­nen an die AfD. Wer nicht will, dass die Völkischen sich in der Mitte breitmachen, muss auf eine stabile und selbstbewusste CDU hoffen, selbst wenn man sie habituell und inhaltlich ablehnt.

Stark waren die Christdemokraten immer dann, wenn es ihnen gelang, Wäh­le­r:in­nen in vielen verschiedenen Milieus anzusprechen. Das ist Angela Merkel 16 Jahre lang ziemlich gut gelungen. Als es Friedrich Merz schließlich im dritten Anlauf schaffte, Merkel zu beerben, versprach er „CDU pur“ – und dampfte die Wählerschaft der CDU ein. Statt einer Interessenvertretung für viele wurde die Partei zur Klientelpartei für wenige – Immobilienkonzerne, Vermögende, Arbeitgeber. Eine Partei, die gegen den Mietendeckel klagte, Autos über alles stellte und im Interesse der Gaslobby Gesetze zurückdrehte. Eine Art christlich-demokratische FDP – mit entsprechenden Wahlergebnissen.

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Genau diese Schlagseite haben auch die gegenwärtigen „Reformen“ – sie entlasten Unternehmen und muten den Menschen viel zu mit dem vagen Versprechen, dass es ihren Kindern irgendwann wieder besser geht. Wenn es der CDU nicht gelingt, diese Unwucht zu beseitigen, dann werden die Reformen keine Akzeptanz finden und die Partei wird weiter schrumpfen.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Eine CDU, die ihren Anspruch als Volkspartei ernst nimmt, muss versuchen, breiter auszugreifen und auch wieder jene zu erreichen, die Merz vor über einem Jahr noch als linke und grüne Spinner verhöhnte. Der Kanzler selbst hat nun das Offensichtliche eingeräumt, nämlich dass die CDU nicht mehr überall Volkspartei sei und viele Menschen das Gefühl hätten, es ginge in der Gesellschaft nicht gerecht zu. Konkret nannte Merz das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Hat Merz also verstanden?

Schön wäre es. Wahrscheinlich ist es nicht. Denn im gleichen Atemzug wetterte er gegen destruktive Kräfte, die enteignen wollen, und treibt so die Polarisierung voran. Weiß Merz, dass er damit der AfD in die Hände spielt, der Partei also, die Gräben zum linken Lager vertiefen will? Damit will sich die AfD selbst als bürgerlich-konservative Kraft positionieren. Selbst wenn Merz das weiß, hat er noch die Autorität, diesen Kurs zu ändern? Auch das ist eine offene Frage. Und sie könnte die CDU zerreißen.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Anna Lehmann

Anna Lehmann Leiterin Parlamentsbüro

Schwerpunkte SPD und Kanzleramt sowie Innenpolitik und Bildung. Leitete bis Februar 2022 gemeinschaftlich das Inlandsressort der taz und kümmerte sich um die Linkspartei. "Zur Elite bitte hier entlang: Kaderschmieden und Eliteschulen von heute" erschien 2016.
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31 Kommentare

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  • -_JK_-

    Disclaimer zum Anfang: Falls es sich hier um einen humorigen Artikel handelt und ich den Witz nur nicht verstanden habe, tut es mir leid. In diesem Fall den Kommentar bitte einfach ignorieren.

    Die Union als tragende Säule der Demokratie? Das ist ungefähr so, als würde man die SPD als sozialdemokratisch bezeichnen, ein seit vielen Jahren veralteter aber immer noch viel zu präsenter Standpunkt (Bsp.: Menschenrechtsverletzende Politik u.a. von Dobrindt und demokratiezersetzende Korruption).



    Gleiches gilt für die Aussage, dass eine "starke bürgerliche Mitte" zum Schutz der Demokratie nur mit der CDU möglich ist. Stattdessen sollte man sich vom Begriff der "guten Mitte" (der mMn ein leerer Begriff ist, der von der Elite etabliert wurde, um vom Klassenkampf von oben abzulenken) verabschieden und sich stattdessen dem Ziel widmen, soziale Gerechtigkeit wiederherzustellen.



    Mein Fazit zur Union: Die Partei ist ein politischer Zombie. Das ist den Verantwortlichen intern bewusst. Deswegen wird auch von jeglicher Schadensbegrenzung in Form von personellem oder inhaltlichem Richtungswechsel abgesehen und stattdessen die verbleibende Macht genutzt, um bis zuletzt die Lobbyinteressen durchzusetze

  • tobio

    es gibt keine mitte! es gibt keine mitte! es gibt keine mitte!!!

    Der hegemoniale Diskurs über eine sogenannte „Mitte“ ist so 80er-Jahre-Journalismus.

  • test_name

    Merz wollte die cdu halbieren. Wie sähe es dann aus?

    cdu-14



    afd-35



    grüne -14



    spd-12



    linke-10

    Der Merz-Plan scheint aufzugehen. Die cdu wandelt sich zu einer kleinen elitären Partei - etwa so wie in ihren besten Zeiten die fdp. Fehlt nur die Erkenntnis, dass diese elitäre Kleinpartei nicht zum linken Liebe-und-Gerechtigkeits- Block passt.

  • uwe

    Witziger Artikel. Danke für das breite Grinsen beim Lesen.

    Vorgeblich soll die CDU also wieder erstarken, weil - sie wird gg AfD gebraucht. Aha. Und das soll angeblich so gehen:







    Nicht etwa indem sie von der AfD die bürgerlich/konservativen Wähler zurückholt sondern indem sie sich noch mehr um "linke und grüne Spinner" bemüht. LOL.

    • sociajizzm

      @uwe:

      In erster Linie muss die CDU eine deutlichere Grenze finde zum Rechtspopulismus der AFD.



      .



      In der Rhetorik und Praxis.



      .



      Ständig nur über Migration als Problem und Drohkulisse zu sprechen und sich im Zweifelsfall sogar gesetzeswidrig zu verhalten hat nur die AFD gestärkt.



      .



      Das war bei den Wähler:Innenwanderung deutlich zu sehen. Die CDU konnte mit dem aktuellen Kurs keine AFD Fans überzeugen.

  • Stavros

    Friedrich Merz hat vergessen, was die Christdemokratie groß gemacht hat: dass die Interessen von Arbeitnehmern, Handwerkern, Unternehmern, Selbstständigen, kurz, konservativ, christlich bis liberal Gesinnten des Landes, ob altes, neues oder moderates Geld, miteinander in Einklang gebracht wurden.

    Die Frage ist, ob das alte Modell einer konservativen Volkspartei noch funktionieren kann. Eine „schwarze FDP“ sicher auch nicht, wie nicht nur der Kanzler, sondern auch Wolfgang Kubicki gerade schmerzhaft erfahren.

    Ich glaube auch nicht daran, dass die AfD an die Stelle der CDU treten kann, wie viele dort phantasieren. Was wird passieren, wenn sie einmal wirklich Entscheidungen treffen sollte und nicht Dauerempörung (z. B. Weidel) oder -grinsen (Siegmund) liefert?

    Die internen Friktionen werden aufbrechen und viele Wähler sich angesichts wirtschaftsliberaler Maßnahmen wieder enttäuscht abwenden.

    Vielleicht ist die Zeit der Volksparteien einfach vorbei und es kommen neue demokratische Aushandlungsprozesse.

  • Achsachbloß

    Macht Merz mobil?



    Früher hieß es: “Die CDU kann einen Besenstiel aufstellen, er gewinnt das Mandat.“ Heute gibt es nur noch wenige solcher Wahlkreise.



    Als die Fans von Merz ihn als Merkel-Exorzisten zum Chef und Kandidaten wählten, hatten sie offensichtlich noch solche Retro-Vorstellungen. Man wird einfach gewählt, ohne sich dafür anstrengen zu müssen. Aber die Zeiten sind vorbei.



    Auch wenn sie viel Geld spenden, reichen die Stimmen der Unternehmer allein eben nicht aus, um Wahlen zu gewinnen.



    Wer immer noch behauptet, Merkel habe schlecht regiert, der hat nicht begriffen, worin die Kunst innen- und außenpolitischen Handelns besteht.



    Man kann nicht wie Merz vor den Mikrofonen respektlos eine Gruppe nach der anderen beleidigen und verunsichern, sich danach als Retter aufführen, der die Spaltung der Gesellschaft reparieren will. Er kann es nicht, er konnte es nie und er wird es nicht mehr lernen, er wird sich stets nur sehr bemühen.



    Vertrauen und Kompetenz gehen anders.



    Er hat noch eine Schonfrist bis Mai 2027. Dann sind die nächsten Landtagswahlen im Saarland, NRW, S.-H. und Bremen vorbei.



    Merz hat es verdient, bis dahin BK zu bleiben, um dann erneut in die Mikrofone zu jammern.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Achsachbloß:

      "Wer immer noch behauptet, Merkel habe schlecht regiert, der hat nicht begriffen, worin die Kunst innen- und außenpolitischen Handelns besteht."

      Ob sie schlecht regiert hat, ist schwer festzustellen. Sie hat eher verwaltet, als regiert. Dabei hat sie vielen Menschen erfolgreich das Gefühl gegeben, man kann in einer sich verändernden Welt einfach weiter leben wie bisher. Das ging 16 Jahre einigermaßen gut, fällt uns jetzt aber auf die Füße.

      • Wilfried Bergmann

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Nein, das ging ab 2015 nicht mehr gut als sie in Europa einen Sonderweg ging und die Grenzen öffnete. Da war es schon sehr vielen klar, was daraus folgt. Wer kritisierte war sofort Nazi oder rechtsextrem. Migration war für die Wähler in Sachsen-Anhalt das Thema Nummero eins mit 91%. Die CDU hat auf diesem Gebiet sträflich versagt, während die dänische Sozialdemokratie schon längst die Zeichen der zeit erkannt hatte und als Zeil Null Asylant gesetzt hatte. Wer in Deutschland auch nur ein bisschen kritisierte wurde indes als Nazi bezeichnet. Bei Merkel ging es einigermaßen gut bis zum September 2015. Dann war Schluss.

      • Achsachbloß

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Ja, möglicherweise hat Merkel mehr verwaltet als regiert. Vielleicht war aber auch nicht mehr drin. Sie hat kleine Schritte versprochen und ist getrippelt. Sie hat den Mund nicht zu voll genommen, indem sie mehr versprochen hat. Und wenn man bedenkt, dass sie nur eine Übergangskandidatin sein sollte, dann hat sie doch alle sehr überrascht, vor allem ihre männlichen Konkurrenten.



        Es ist immer schwer, im Rückblick zu wissen, was oder wer besser gewesen wäre.

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @Achsachbloß:

          "Sie hat den Mund nicht zu voll genommen, indem sie mehr versprochen hat."

          Sie hat z.B. von der Notwendigkeit von Klimaschutz gesprochen und Diesel und E10 gefördert.



          Sie wollte die Infrastruktur reparieren und hat sie vergammeln lassen...



          Das ist nicht nur im Rückblick klar. Das war damals schon bekannt. Wollten nur die meisten Menschen nicht hören, weil es bequem war.

  • Jalella

    Sorry, aber "die cdU als bürgerliche Mitte"? Echt? Das mag zur zeit von Merkel möglicherweise mal so gewesen sein, obwohl ich schon noch unterschieden würde zwischen rechts und links. Und auch Muttis cdU war nicht Mitte.



    Die Merz/Dobrindt/Spahn-cdU/csU ist nicht Mitte. Wenn die Mitte sind, ist das Grundgesetz linksradikal.

    • test_name

      @Jalella:

      Was ist Mitte? Wohl am ehesten der Durchschnitt der Wählenden. Also zur Zeit von rechts nach links:



      29-20-14-14-10



      Da liegt die Mitte nun mal genau bei der cdu.

      • Barnie

        @test_name:

        Rechts und links wurden mal durch Inhalte und Positionen definiert und nie durch Wählerstimmen.



        Zur Zeit wählen also 49 % rechts bis rechtsradikal.

        • test_name

          @Barnie:

          Es gibt nur einen relevanten Inhalt: Zuwanderung.

          afd dagegen, SPD, Linke und Grüne dafür.

          Was ist die Position der cdu? Eigentlich nein - aber keine Änderung von Gesetzen. Irgendwas dazwischen. Niemand weiß es. Also genau die Mitte zwischen Befürwortern und Gegnern.

          Egal wie man es betrachtet, afd/Grüne/Linke sind nicht Mitte. Mitte ist cdu und vielleicht noch in Teilen spd.

          Mitte ist auch nichts Positives sondern reine Hilflosigkeit angesichts der Probleme der Zeit.

    • uwe

      @Jalella:

      "Und auch Muttis cdU war nicht Mitte."

      Aha. Dafür hat sie die SPD ganz schön eingedampft.

      Aber dafür auch die Bettdecke soweit nach links gezogen, dass sich rechts ein Loch auftat. Und da kuschelt jetzt die AfD.

      • Zangler

        @uwe:

        Echte Menschen sind nur selten rechts oder links und für Meinungsänderungen/Dazulernen unanfällig. Davon scheinen Sie jedoch auszugehen.



        Merkel hat Mitte-Rechts-Politik so langweilig gemacht, dass es auch in der eher linken Mitte noch halbwegs verdaut wurde und die rechtsaußen sich Empörenden die Faust ballten, aber es mittrugen, weil Merkel Mehrheiten bekam.



        Merz sammelt die weit rechte Mitte ein, aber dort ist eben nur das Wählerpotenzial der FDP ...



        Und weil man links wie rechts merkt, dass die CDU so keine Mehrheiten bekommt, wählt man eben diejenigen, die eine Mehrheit ohne CDU versprechen, zur Not auch radikale Außenseiterpositionen in Kauf nehmend.

        • sociajizzm

          @Zangler:

          Die meisten Menschen halten sich für weder links noch rechts

          87% der AFD Wähler:innen in SA glauben es handle sich bei der AFD um eine Partei der "Mitte".

  • Martin Rees

    "Eine Art christlich-demokratische FDP – mit entsprechenden Wahlergebnissen"



    Nicht einmal die "Leihstimmen" der in der Agonie befindlichen FDP konnten das Desaster in M-VP und Schwerin verhindern.



    Und die Liberalen hatten auch ehemals große Ambitionen (18%).



    www.spiegel.de/ges...erer-a-948515.html



    Hier steht:



    "Ausgerechnet im Wahlkampf seines Lebens, als es 1990 für ihn um den Einzug ins Bonner Kanzleramt ging, trat Lafontaine in ein politisches Fettnäpfchen nach dem anderen - und trug sein Scherflein dazu bei, dass die SPD beim der historischen Einheitswahl von 37 auf 33,5 Prozent abrutschte und Helmut Kohl Kanzler blieb.



    Keine Todsünde aus dem Lehrbuch des Politprofis, die Lafontaine damals nicht begangen hätte: Er wetterte gegen "Scheinasylanten" - und brachte linke Stammwähler gegen sich auf. Er kündigte Steuererhöhungen an - und verprellte die Mittelschicht."



    Das alles dürfte Bundeskanzler Merz aus dieser historischen Zeit bekannt sein.



    Ansonsten sollten ihn die CDU-MP daran erinnern.

    • Uwe Kulick

      @Martin Rees:

      Schon vorher hatte sich Lafontaine unmöglich gemacht: Mit der Wiedervereinigung hatte er's erklärtermaßen nicht so eilig! Er war ein politischer Irrläufer.

      • Selbstauslöser

        @Uwe Kulick:

        Auch diejenigen, die damals Gesundheit und Leben riskierten, auf die Straßen gingen und riefen: „Wir sind das Volk!", und damit überhaupt erst die friedliche Revolution auslösten, hatten es nicht eilig mit der Wiedervereinigung.



        Eilig hatte es damit erstmal nur Helmut Kohl & Co, um noch schnell als Vereinigungskanzler in die „Gechichte“ eingehen zu können.



        Auch wer später „Wir sind ein Volk“ rief, wollte vor allem Reise- und Konsumfreiheit, und weniger die Selbstaufgabe per „Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes“.



        We sich D / die Welt als Nest vorstellt, mag auch die Mitte für den besten Platz der Welt halten - und bleibt ein Küken, von mir aus ein bürgerliches. Die politische Rechts-Links-Ordnung besagt allerdings (historisch), daß rechts vom König der Adel und der Klerus sitzen, und links die Vertreter des Volkes und der niederen Stände. Demokratie und Mehrheit, ja (denn der Geld-Adel ist immer die Minderheit), aber Demokratie und politische Mitte - das geht gar nicht. Das ist nur der Wunschtraum der "kleinen Leute", die auch gerne mal ein bißchen Adel wären. die lassen sich gern verführen, zB von Werbefernsehen, Begrüßungsgeld und braunen Rattenfängern.

  • Martin Rees

    "Denn es erschüttert nicht nur die CDU bis ins Mark, die eine der tragenden Säulen der Demokratie ist, es hinterlässt auch ein gefährliches Vakuum in der bürgerlichen Mitte."



    CDU, Quo vadis?



    Volkspartei zur Klientelpartei?



    Merz selbst bringt es auf den Punkt:



    "Die CDU sei nur noch "in Teilen" eine Volkspartei, da man nicht mehr vollumfänglich alle Wählergruppen erreiche."



    Bei t-online.de



    Bei "man" gibt es allerdings offensichtlich sehr große Unterschiede. Darüber sollte diskutiert werden. Die erfolgreichen und gestandenen MP in NRW, Schleswig-Holstein und Hessen haben andere Erfahrungen und Erwartungen (auch andere persönliche Beliebtheitswerte).

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Hat Merz verstanden?

    Nein, Merz hat gar nichts verstanden. Die einzige Aktion, die für ihn aus dieser Wahl folgt, ist, dass er jetzt ganz schnell Enteignungen verbieten will. Dabei hat die Wahlsiegerin, die Linke, das in ihrem Programm gehabt und ist dafür von 25% der Wähler gewählt worden.

    Merz hat immer noch nicht verstanden, dass er auf die Wünsche der Wähler hören sollte. Er hört stattdessen immer noch auf seine neoliberale Ideologie und Investoren, die vor allem Interesse an Profiten haben und weniger daran, Menschen möglichst günstige und gute Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

  • Okti

    Eigenartige Sicht auf politische Entwicklungen. In Frankreich ist die ehemalige konservative Partei verschwunden und trotzdem ist der Staat dort nicht zusammengebrochen. Volksparteien im Zentrum gibt es nur dann, wenn große Teile der Bevölkerung mit dem aktuellen System zufrieden sind. Das trifft heutzutage nicht mehr zu, weswegen sich die Bevölkerung, auf der Suche nach neuen Lösungen, radikalisiert. Ein Teil sucht das Heil in einem völkischen, romantisierten Idealbild einer besseren Zeit, die es nie gegeben hat, und ein anderer Teil sucht eine progressive Anpassung an die Gegenwart/ Zukunft. Letztere Gruppierung ist (noch) sehr zersplittert in unterschiedliche Lösungsansätze. Parteien wie die CDU oder SPD bedienen keine dieser Gruppen, sondern stehen für den Erhalt des aktuellen, korrupten Systems. Ihr Verschwinden ist eher positiv zu werten.

    • Perkele

      @Okti:

      Du erwähnst nicht einmal andere Parteien wie GRÜNE oder Linke. Sind die schon verschwunden? Im Weltbild vieler Zeitgenoss*innen scheint das wohl so zu sein. Zwar mag ich weder csdU noch die sPD - doch die gehören ins Gesamtbild und können das auch bleiben - wenn sie sich dessen besinnen, wozu politische Parteien im Idealfall da sind: die Interessen der Bevölkerung insgesamt und nicht nur eines kleinen, wohlhabenden Teils davon. Und sie müssen begreifen, dass das ausufernde Eigeninteresse an Posten und Pöstchen ihrers Personals ganz sicher NICHT zu den Notwendigkeiten für die Menschen passt.

      • Okti

        @Perkele:

        Der Text der Autorin bezog sich auf die CDU und die angebliche Notwendigkeit einer moderaten, konservativen Partei, daher bin ich nicht explizit auf alle Parteien eingegangen. Die Grünen verorte ich näher an CDU/ SPD, aber sie waren nie eine Volkspartei und werden es wohl auch nie werden. Die Linke sehe ich im progressiven Teil.

  • Deep South

    Rezo wars! Der hat zur Zerstörung der CDU aufgerufen.

    Aber im Ernst. Wenn die Unioner jetzt nicht merken, was die Stunde geschlagen hat und sich mal ne neue Vison konservativer Politik zulegen, dann gehts den gleichen Weg wie die FDP und (mal ab von MV) der SPD. Merz war ein Rohrkrepier mit Ansage. Die 90er kommen nicht zurück. Außer den Grünen, die sich vor Jahren mal selbst neu erfunden haben, mangelts den etablierten Parteien an Reformfähigkeit. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit (jaja Phrasenschwein, usw.).

  • Querbeet

    Angela Merkel ist nichts gelungen. Sie hat 16 Jahre lang jedem nach dem Munde regiert. In endlos quälenden grossen Koalitionen jedes Profil verwässert und keine Probleme ernsthaft angegangen. Eine Weile ging das gut, weil die Wirtschaft noch lief und sie die Früchte von Schröder erntete. Aber damit ist es vorbei.



    Heute verzweifeln die Leute, weil sie wählen können was sie wollen und am Ende wachen sie wieder in einer großen Koalition mit einer SPD auf, die kontinuierlich schrumpft, sich aber davon unbeeindruckt aufführt wie eine 40% Partei.

    • T-Rom

      @Querbeet:

      Ja, Merkel ist für viele Probleme von heute mit verantwortlich. Wollten wohl damals viele nicht sehen, dass wichtige Entscheidungen und Reformen einfach nicht angegangen wurden. Statdessen habe sich viele über die "mittige" Merkel gefreut, die es allen kurzfristig Recht machen wollte, um des persönlichen Machterhalts wegen.



      Einige der Herausforderungen sind allerdings auch tiefer liegend, man sieht ja dass diese in vielen europäischen Ländern existieren, unabhängig von der Regierung.

      • Querbeet

        @T-Rom:

        Da gebe ich Ihnen recht. Aber der großkoalitionäre Merkelismus hat die AfD hervorgebracht und entscheident genährt.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Tatsächlich ist die viel beschworene "bürgerlichen Mitte" ein Konstrukt, dass Menschen dazu bringen soll, nicht nach Veränderung zu streben.

    Und aktuell gibt es diese erfundene Mitte auch nicht mehr. Auch weil die CDU in vielen Bereichen auf strammen Rechtskurs ist. Eine AfD ligth wird unsere Demokratie nicht retten. Ein erster Schritt wäre, sich von alten "Gewissheiten" zu trennen. Die alte Bundesrepublik der Jahre 1949-1990 gibt es längst nicht mehr.