Joanne K. Rowling über trans Menschen: Maximal rückgratlos

Die „Harry Potter“-Autorin unterstützt eine transfeindliche Frau. Ihr sonstiger Support für die LGBTIQ-Community wirkt so etwas ambivalent.

Rowling hält stolz eine schatule mit einem Orden in der Hand und lächelt in die Kamera

Weiß Queerbaiting als Marketingstrategie funktioniert: J.K. Rowling hier bei einer Ordensverleihung Foto: dpa

Maya Forstater verlor einen Rechtsstreit gegen ihren Arbeitgeber, nachdem dieser ihren Vertrag nicht verlängert hatte, weil sie sich transfeindlich geäußert hatte. So weit, so logisch. Doch der Fall schlägt hohe Wellen, denn die Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling hat sich auf Twitter mit besagter Frau solidarisiert.

Es ist nicht das erste Mal, dass J. K. Rowling auf Twitter mit selbsternannten „Genderkritikerinnen“, also transfeindlichen Feministinnen, kuschelt. Bereits 2018 haben ihre Follower_innen sie dafür kritisiert, einen Tweet geliked zu haben, in dem trans Frauen als „Männer in Kleidern“ diffamiert wurden. Rowling behauptete, es sei nur ein Mausrutscher gewesen. Ob sie sich beim Retweet eines transfeindlichen Essays der Radikalfeministin Harvey Jeni im vorherigen Jahr auch nur verklickt hatte?

Für viele ihrer Fans ist Rowling ein großes Idol, fast schon wie eine Patin. Viele Außenseiter_innen haben in ihr eine Verbündete gesehen. Sie spricht sich gegen Mobbing und für LGBTIQ-Rechte aus. Innerhalb ihrer Fan-Gemeinde gibt es zahlreiche trans Personen und Eltern von trans Kindern. Da sticht der Schmerz besonders scharf, wenn sich ausgerechnet die Autorin, die mit ihren Harry-Potter-Büchern für viele ein Anker in schwierigen Zeiten ist, mit Transfeind_innen solidarisiert, die täglich die Existenz von trans Personen angreifen.

Der Tweet, auf den sich die aktuelle Kritik bezieht, zeigt Rowlings feige Strategie auf: „Kleide dich, wie du möchtest. Nenn dich, wie du willst. (…) Aber eine Frau aus ihrem Job zerren, weil sie darauf hinweist, dass Geschlecht existiert? #IStandWithMaya“. Weder will sie es sich mit ihren queeren noch mit ihren reaktionären Fans verscherzen. Dabei macht sie es keineswegs allen recht, eher wirkt sie maximal rückgratlos und ihr vermeintlicher Support für die LGBTIQ-Community wie ein Lippenbekenntnis.

Wie Queerbaiting als Marketingstrategie funktioniert, hat sie schon früh erkannt, indem sie in einem Interview ohne konkrete Anhaltspunkte im Buch sagte, die Figur Albus Dumbledore sei schwul gewesen. Im Nachhinein ihren Büchern mehr Kante zu geben wirkt bequem: So holt sie die queeren Sehnsüchte ihrer Fans ab, ohne homofeindliche Leser_innen abzuschrecken, denn das Gekreische um Jugendschutz wäre groß gewesen, wäre der Hogwarts-Schuldirektor ein Perverser. Doch so sollen sich alle von Rowling gesehen fühlen und weiterhin schön ihre Bücher kaufen.

Einmal zahlen
.

Hengameh Yaghoobifarah studierte Medienkulturwissenschaft und Skandinavistik an der Uni Freiburg und in Linköping. Heute arbeitet Yaghoobifarah als Autor_in, Redakteur_in und Referent_in zu Queerness, Feminismus, Antirassismus, Popkultur und Medienästhetik.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben