Grenzschließung wegen Coronavirus: Als vereintes Europa gegen Corona

Um sich vor Corona zu schützen, machen EU-Staaten die Grenzen dicht. Die Abschottung kann auf lange Sicht schwere Folgen haben.

Zwei polnische Polizisten stehen neben ihrem Einsatzwagen am deutsch-polnischen Grenzübergang bei Görlitz

Deutschland macht ab Montag die Grenzen dicht. Polen lässt schon niemanden mehr rein Foto: snapshot

Es ist atemraubend, wie die Grenzen in Europa im Zuge der Corona-Krise hochgezogen werden, wie sich ein Staat nach dem anderen abschottet. Die Pandemie zeigt, wie fragil die Europäische Union ist. Ist diese Abschottung wirklich so alternativlos, wie es scheint? Viren scheren sich nicht um Grenzen, das ist eine Binsenweisheit. Die Reaktion, Grenzen zu schließen, folgt in vielen Ländern dem Wunsch, sich durch Isolieren zu schützen. Das funktioniert gebietsweise, aber eben nicht in na­tio­nalen Grenzen.

Es scheint sinnvoller, Kontrollen zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen einzuführen als zwischen Deutschland und der Schweiz. Das derzeitige Abschotten und vor allem das Tempo ist beklemmend. Wird nach Abklingen der Pandemie alles sein wie zuvor, als sei nichts gewesen? Die Frage ist, wie weit die Coronakrise geeignet ist, in langen Jahren langsam gewachsenes europäisches Bewusstsein bei den Menschen in den Mitgliedsländern ad hoc zu zerstören.

Viel wird auch davon abhängen, wie die Krise bewältigt wird. Doch dass die Rückkehr ins Na­tio­nale einmal rasch und rigide vollzogen wurde, wird bei GegnerInnen der europäischen Vereinigung Begehrlichkeiten wecken. Was einmal geht, geht immer wieder. Deshalb müssen die Regierungen in den EU-Staaten und die EU-Kommission jetzt Signale gegen nationale Egoismen senden. Das ist so wichtig wie nie zuvor in der Geschichte der europäischen Gemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die deutsche Regierung ist mit ihrem Exportverbot von Corona-Schutzmitteln auch in die europäischen Nachbarstaaten genau gegensätzlich vorgegangen. So etwas darf sich nicht wiederholen. Gerade die Pandemie zeigt, wie wichtig ein vereintes Europa ist, in dem die gleichen Standards gelten und in dem Schutzmaßnahmen grenzüberschreitend und mit Blick auf die Auswirkungen in allen Ländern veranlasst werden.

Es gibt keine europäische Gesundheitspolitik, sie ist allein Sache der Mitgliedstaaten. Das muss sich ändern. Wir brauchen mehr Europa, nicht weniger.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Buchveröffentlichungen: „Die verlogene Politik. Macht um jeden Preis“ (Knaur Taschenbuch Verlag, 2010), „Die Angstmacher. Wie uns die Versicherungswirtschaft abzockt“ (Lübbe Ehrenwirth, 2012).

Die Coronapandemie geht um die Welt. Welche Regionen sind besonders betroffen? Wie ist die Lage in den Kliniken? Den Überblick mit Zahlen und Grafiken finden Sie hier.

▶ Alle Grafiken

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben