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Geplante MietrechtsreformDas durchgesessene Sofa bringt die Rendite

Gereon Asmuth

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Gereon Asmuth

Die geplante Mietrechtsreform ist überfällig und in großen Teilen gut. Umso schlimmer, dass sie einen weiteren Joker für Mieterhöhungen enthält.

Einfach ein altes Sofa in die Wohnung stellen und schon lässt sich die Miete ordentlich erhöhen Foto: Zoonar/picture alliance

D anke! Ja, man muss die Bundesregierung auch mal loben. Denn SPD-Justizministerin Stefanie Hubig hat angekündigt, dem wuchernden Wildwuchs auf dem Mietmarkt Einhalt zu gebieten: Indexmieten sollen gekappt werden und säumige Mie­te­r:in­nen eine Nachzahlfrist bekommen, um der Räumung zu entgehen. Auch Kurzzeitverträge sollen so gekürzt werden, dass sie der Lebensrealität der Wohnungssuchenden entsprechen und nicht dem Profitinteresse der Besitzenden. Das ist überfällig, aber da ginge viel mehr. Immerhin passiert mal etwas. Falls die Reform wirklich kommen sollte – trotz bleibender Probleme.

Dass durch die Gesetzesnovelle keine neuen Wohnungen entstehen, kann man dem Papier nicht zum Vorwurf machen. Natürlich brauchen wir Neubau. Aber selbst mit der besten Baupolitik wird der nicht vom Himmel fallen. Zudem wird wegen hoher Kosten keine für Normalverdienende bezahlbare Wohnung entstehen. Wer billige Wohnungen will, muss den Bestand sichern, daran führt kein Weg vorbei.

Umso unverständlicher ist es, dass Hubig den Ver­mie­te­r:in­nen gleich den nächsten Joker auf den Tisch legt. Der Mietaufschlag bei möblierten Wohnungen soll nicht, wie vielfach geschrieben, auf 5 Prozent „begrenzt“ werden. Die sind vielmehr der Standardwert, den Ei­gen­tü­me­r:in­nen pauschal draufschlagen können, ohne den Wert der Möblierung berechnen zu müssen. Da reichen also ein durchgesessenes Sofa samt Tisch und Bett, und schon stiegt die Miete legal um 5 Prozent.

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Wer noch mehr kassieren will, darf das weiter tun, beispielsweise mit hochwertigen Möbeln. Aber was ist „hochwertig“? Und wer soll das kontrollieren? Die Wohnungssuchenden, denen nicht mehr als ein „Friss oder stirb“ bleibt, werden sicher nicht aufbegehren, sie wollen ja einziehen. Klar, sie dürfen später klagen. Aber das ist weltfremd, weil viele Betroffene das Risiko, zu verlieren, gar nicht tragen können. Wirksam wären nur zwei Wege: der Verzicht auf alle schwammigen Wenn und Abers, die garantiert von Vermieterseite ausgenutzt werden. Oder noch besser: eine regelmäßige staatliche Mietenaufsicht.

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Gereon Asmuth
Ressortleiter taz-Regie
Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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6 Kommentare

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  • In einer Radiosendung des Deutschlandfunks vor wenigen Tagen wurde berichtet, dass etwa 17% der Wohnungen die im Besitz des Bundes sind, leer stehen. Wenn das auch nur annähernd richtig ist, dann ist das ein unglaublicher Skandal. Möglicherweise weiß jemand mehr darüber?

  • taz: *Der Mietaufschlag bei möblierten Wohnungen soll nicht, wie vielfach geschrieben, auf 5 Prozent „begrenzt“ werden.*

    Die Merz/Söder/Klingbeil-Koalition entwickelt sich immer mehr zu einer 'FDP für Superreiche'.

    Dann kommt noch hinzu, dass die Merz-Union sich strikt gegen ein AfD-Verbotsverfahren stellt, denn solange das Damoklesschwert AfD über unseren Köpfen schwebt, kann die Merz-Union den Sozialstaat (Art. 20 GG) weiterhin fleißig demontieren, weil die SPD es nicht wagt einen Koalitionsbruch zu riskieren und brav alles Unsoziale mitmacht, was diese "BlackRock-Partei" möchte.

    Wenn keine günstigen Wohnungen gebaut werden, dann muss man eben enteignen um bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Es wird Zeit, dass man die großen 'Vermieter-Haie' enteignet, denn so kann es ja wohl nicht weitergehen, dass immer mehr Bürger auf der Straße sitzen müssen.

    Die Vergesellschaftung von Bestandswohnungen bezeichnet die Überführung von privatem Eigentum großer Immobilienkonzerne (oft >3.000 Einheiten) in Gemeineigentum, um Mieten zu senken und Spekulation zu stoppen. Sie basiert auf Art. 15 GG, erfordert eine angemessene Entschädigung und ist rechtlich grundsätzlich möglich.

    • @Ricky-13:

      Selten so einen Unsinn gelesen.



      Von der Motivation der Merz Regierung über die Folgen von der Mieten Regulierung zu der Phantasie, dass Verstaatlichung auch nur eine zusätzliche Wohnung bringen würde... Aber das ist ja egal. Hauptsache diejenigen die schon eine günstige zentrale Wohnung haben, sollen diese auf ewig behalten.

  • Die Vorschläge zur Mietrechtsverschärfung sind wie erwartbar zahnlos und damit ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ein weiterer Nagel im Sarg der SPD, die scheinbar nur noch hofft, dass sich die Lebensverhältnisse der Unter- und Mittelschicht wie von selbst verbessern, wenn man nur lange genug in der Regierung ist.

  • Das Grundgesetz ist eben nicht vollständig: Für eine funktionierende Demokratie reicht es nicht aus, mit der Maßgabe 'Eigentum verpflichtet' Hausbesitzern und Unternehmern ohne entsprechende juristische Folgen Rechte zuzubilligen, die das Leben der Ärmeren und ihr Überleben in der Klimakrise einschränken: Wozu haben wir einen staatlichen Rahmen, wenn es wenigen Besitzenden möglich ist, andere in einem 'marktwirtschaftlichen' System auszunutzen, wenn sie gesellschaftlich erworbene, die Produktivität steigernde und unter Zuhilfenahme von allgemeiner Manpower ihren Reichtum nach Belieben vergrößern können und unter Verweis auf mangelnde Rentabilität Menschen in die Armut treiben oder dort belassen. Das hätten die Eltern des Grundgesetzes -mindestens !- formulieren müssen: Ein Recht auf nachhaltige und zumutbare Arbeit und Auskommen, auf Wohnen und Nutzen wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Schutz der Gesundheit. Das muss einklagbar sein und den Profiteuren der Gesellschaft abgetrotzt werden können: Wenn wir jetzt erleben, dass das kapitalistische System sogar auch die Reichen ärmer macht, weil es den Armen die Arbeit und ein Auskommen nimmt, wird 'Demokratie' zum leeren Wunschkonzert!

    • @Dietmar Rauter:

      Dieser Text ist schön formuliert. Aber nichts anderes als Utopie. Solange wir nicht den Warp Antrieb und den Replikator erfunden haben um 1. Durch billige saubere unendliche Energie die Versorgung der Menschheit sicher zustellen. Und 2. Die damit einhergehende Überbevölkerung auf andere Planeten zu Verschiffen. Dann wird das funktionieren...



      Ich Frage mich wie ein"Recht auf nachhaltige, zumutbare Arbeit" aussehen soll.



      Wer entscheidet was zumutbar ist für wen?



      Also wenn die AfD jetzt die absolute Mehrheit bekommt entscheidet sie was für mich eine zumutbare Arbeit ist? Entscheiden das e ein paar Technokraten auf Basis meines ersten Zeugnisses bzw der Meinung der Lehrer dort?



      Fällt da einem auf wo wir da landen?