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Frauen als BesserverdienerinnenHauptsache Lifestyle

Uli Hannemann

Kommentar von

Uli Hannemann

Männer sind ein bisschen blöd. Dabei müssten sie sich nur mal locker machen. So wie unser Autor: Der ist froh, dass seine Frau mehr verdient als er.

Dreht am Lifestyle-Däumchen: Nicht der Autor dieser Zeilen! Foto: westend61/imago

M anche Dinge ändern sich nie. So ist gerade mal in jedem zehnten deutschen Haushalt die Frau die Hauptverdienerin (mindestens 60 Prozent des Gesamthaushaltseinkommens). Gegenüber 2021 ist dieser Anteil sogar noch einmal leicht gesunken.

Bei Paaren mit Kindern führt die altbekannte Gemengelage aus mangelnden Betreuungseinrichtungen und bockigen Vätern dazu, dass viele Mütter in der vom CDU-Wirtschaftsflügel als solche geschmähten „Lifestyle-Teilzeit“ schwelgen.

Wobei der Lifestyle in etwa so aussieht, dass sie morgens die Kinder anzieht, abfrühstückt und auf den Weg bringt, anschließend ins Büro geht, fährt oder kriecht (Glatteis!), um dort ein wenig der Lifestyle-Arbeit zu frönen, dann die kleinen Kinder abholt, die großen Kinder müssen zum Geigenunterricht gebracht oder in der Jugendstrafanstalt besucht werden, später putzt, Abendessen macht, und schon kommt auch der Mann heim von der Arbeit.

Der Arme ist dann aber auch wirklich rechtschaffen müde. Er hat nämlich den ganzen Tag geschuftet. Und nicht wie gewisse andere Damen, die halbe Zeit über Lifestyle-Däumchen gedreht.

Wer wollte denn eine konservative Regierung?

Das ist also wenig überraschend, allzumal sich an den Verhältnissen, an wem die Care-Arbeit hängen bleibt, wenig ändert. Und bevor jemand meckert. Das ist schließlich die Aufgabe einer konservativen Regierung: dass sich möglichst wenig ändert. Dafür werden die gewählt. Insofern machen sie nichts falsch. No hard feelings.

Nein, erstaunlicher ist eher die Tatsache, dass die Zahlen in Paarhaushalten ohne Kinder kaum besser sind. Wo in Familien mit Kindern 7,7, Prozent der Frauen Hauptverdienerinnen sind, sind es bei den Kinderlosen 11,4 Prozent. Das ist jetzt nicht der Höllenunterschied.

Neben Faktoren wie der Gender-Pay-Gap, und dass Frauen häufiger in schlecht bezahlten Sozialberufen arbeiten, während Männer gewinnbringend Kanonen, Drogen oder Wertpapiere verscheuern, scheint dem auch eine gewisse Steinzeitmentalität zu Grunde zu liegen.

Denn folgt man den Diskussionen in Presse, Funk und Stammtisch, kommen Männer im Kopf oft nach wie vor schlecht damit klar, wenn sie weniger verdienen als ihre Frau. Ihre Anerkennung wird eins zu eins über die Bezahlung umgeschlagen. Haushaltsarbeit oder Kinderbetreuung ist von daher wenig wert.

Der schlechter verdienende Mann weint („Frau verdient mehr, schluchz!“) oder schreit („Frau verdient mehr, aaarrgh!“) häufig, trinkt zu viel, lässt sich gehen (hygienisch, sozial), und kämpft permanent mit den schlappen Windmühlenflügeln erektiler Dysfunktion.

Dabei müsste er sich bloß mal locker machen. So wie der Autor dieser Zeilen. Ach was, ICH. „Der Autor dieser Zeilen“: Diese unsägliche Klemmscheiße, mit der Generationen von Journalisten seit jeher versuchen, „ich“ zu schreiben, ohne „ich“ zu schreiben, mache ich ab heute schlicht nicht mehr mit. Ich, ich, ich!

Irgendjemand muss ja in die saure Suppe greifen

Ich also sitze den ganzen Tag zu Hause und mache „Kunst“. Ich verwirkliche mich selbst. So schreibe ich zum Beispiel gerade ein „Buch“. Sofern mich das glückliche Privileg ereilt, dieses „Buch“ überhaupt jemals zu verkaufen, würde ich nach mehreren Jahren Arbeit auf einen Stundenlohn von umgerechnet ein paar Cents kommen.

Deshalb verdient meine Frau in unserem Paarhaushalt ohne Kinder den Großteil des Geldes. Irgendjemand muss ja in die saure Suppe greifen. Und dafür bin ich einfach nur unendlich dankbar. Denn ich habe das schönste Leben der Welt, während sie den ganzen Tag Gespräche mit anstrengenden Menschen führen muss, die anstrengende Dinge sagen. Scheißerwachsenenberuf eben. Sie tut mir so leid. Und ich bin so froh, dass ich das nicht machen muss. Ich will das nicht und ich könnte das nicht. Ich würde schon am ersten Tag entweder die anstrengenden Menschen entleiben oder mich selbst.

Ob das, was ich hier abziehe, Lifestyle-Vollzeit oder Lifestyle-Nullzeit ist, darüber scheiden sich die Gespenster. Hauptsache Lifestyle. In jedem Fall kann ich das Modell allen Männern nur wärmstens ans Herz legen. Eure eigene Anerkennung wird euch sicher sein.

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Uli Hannemann
Seit 2001 freier Schreibmann für verschiedene Ressorts. Mitglied der Berliner Lesebühne "LSD - Liebe statt Drogen" und Autor zahlreicher Bücher.
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14 Kommentare

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  • Kommt aber eben auch drauf an was eine person beruflich macht. Ingenieure haben eben ein anderes Gehaltsspektrum als Garten landschafts Bauer. Sich daran zu stören ob mann oder frau mehr verdient sollte also eher ein Problem der Berufswahl sein. Auch frauen können Ingenieure sein und umgekehrt.

  • Glück gehabt, der Autor. Meine Frau arbeitet leider immer noch Vollzeit an der Uni für unseren Staat, der natürlich gerade bei Bildung und Forschung spart. Daher verdient sie trotz eines anspruchs- und verantwortungsvollen Jobs (mit Budgetverantwortung) als "Sekretärin" weniger als ich in 80% Teilzeit. Sie wird bezahlt nach einem Tarifsystem, das designt wurde, als es noch klassische Sekretärinnen gab, mit Rock, Bluse, Perlenkette und Notizblock. Glückliche 60er Jahre. ;-)



    Sie ist also gemessen an ihrer tatsächlichen Tätigkeit massiv unterbezahlt. Und wird es auch bleiben solange an unseren Universitäten bis aufs Blut gespart wird. Was absurd ist angesichts dessen, womit wir hier mal reich und bekannt geworden sind. Nicht mit der Förderung von Kohle, Öl, Gas, und Erzen jedenfalls.



    In Deutschland wurde die Bildung und Forschung strukturell demontiert. Und dank unserer rückständigen Steinzeitregierung, die vermutlich bald "technologieoffen" Pferdekutschen einführen wird, wird das nochmal einen heftigen Schub geben.



    Unsere Solarzellen kaufen wir schon in China (danke an Katharina Reiche, damals Staatssekretärin im Umweltministerium), demnächst sicher auch Wärmepumpen.

  • Ich also sitze den ganzen Tag zu Hause und mache „Kunst“. Ich verwirkliche mich selbst. So schreibe ich zum Beispiel gerade ein „Buch“.



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    Mensch Uli, was meckerst Du in der fast klassischen bürgerlichen Familie? :-)



    Schickst Deine "Liebste zum Mammut jagen" & malst in der freien Zeit die "Höhle" hübsch rosa/blau mit Blümchen aus!



    Ist doch seit, dem Faustkeil sei dank, mindestens wenn nicht noch länger so!



    Apropos Faustkeil? Wer hat den 1. gebaut, geschlagen, erfunden?



    Eine Frau, die zu faul war, ein ganzes Mammut nach "Hause" zu tragen, oder ein liebevoller Höhlenmann, der Ihr diese Arbeit erleichtern wollte, damit SIE am Abend am Höhlenfeuer nach dem "Steak" nicht sofort einschlief, bzw. "Ne, habe Rücken" sagte! :-)

  • Wenn sich die Herren Politiker mal ehrlich machten, dann würden sie zugeben, dass sie ihre Karrieren auf dem Buckel ihrer Ehefrauen gemacht haben.

    • @Il_Leopardo:

      Immer die Männer fragen, die gerne mit Frau und ihren Kinder vor den Kameras posen, wie sie da denn noch Karriere machen konnten, wer kümmert sich denn um die Kinder, so ein Rabenvater!

  • "Nein, erstaunlicher ist eher die Tatsache, dass die Zahlen in Paarhaushalten ohne Kinder kaum besser sind."



    Mehr als 48% Unterschied ist beträchtlich und könnte auf den strukturellen Unterschied hinweisen, dass in Familien mit Kindern Frauen nicht die Möglichkeit erhalten mehr in Arbeitsverhältnissen zu arbeiten.

    Ihnen persönlich gönne ich Ihre Freiheit in vollem Maße.

  • Aber wo kommen wir denn hin, wenn alle nur noch Bücher schreiben? Wer soll die denn alle lesen?



    :-P

    • @Herma Huhn:

      Die Lifestyle-Teilzeit-Frauen natürlich.

  • Ich mag das nicht, ich mag das nicht-



    meine Suppe ess ich nicht!



    ...klingt irgendwie nicht sooo ... - vielleicht waren die Merksätze der Kindheit mit "Esel zuerst" doch nicht die schlechteste Leitplanke im (Autor*Innen-) Leben.



    Mein bisher einziger Heiratsantrag war eher praktischer Natur:



    " ich mach den Haushalt, Du schaffst die Kohle ran ".



    Aus dieser paradiesischen Vorstellung wurde nichts,



    keine geflügelten Trauben versüßen mir Chaiselongue den Tag.



    Statt dessen musste ich dann doch mit Hammer und Sichel das harte Brot der Wirklichkeit erarbeiten.



    Aber vielleicht liegt auch da der Pfeffer im falschen Hasen:



    " wer heiraten will, muss auch zum Kochen einladen können" - oder so ähnlich.



    Daher schnallen sich wohl regelmäßig männliche Vertretertypen mit hoher Stirn und Bauchansatz die Dirndlschürze um und beginnen, sobald der letzte Schnee getaut ist, mit Grillversorgung auf dem Nachbarbalkon. Diese wohl insbesondere von linken Vermummten gepflegte Balkonbesetzerszene sorgt in Großstädten wir BerlÜn mittlerweile für eine Verknappung bezahlbare Wohnraums mit Geranien- und Ganjaanbaugebieten.



    Ausweg: Statistik schützen, keinen Ehering benützen!

  • Liegt es nicht auch daran, dass bei der Partnerwahl selten Frauen jemanden von "Unten" wählen, sondern ihre Partner aus der gleichen sozialen Schicht aussuchen oder nach "oben" heiraten?



    Man könnte es auch anders formulieren: Frauen suchen sich ihre Partner nach der Brieftasche, Männer ihre Partnerinnen nach dem Aussehen aus.



    Ob das an der Sozialisation der jeweiligen Geschlechter liegt oder schon in den Genen verankert ist (Partnerschaft dient in der Natur der Zeugung und der Aufzucht von Nachwuchs) ?



    Frauen such(t)en Versorger. In der Steinzeit waren dies starke, erfahrene Jäger, dann Männer mit Besitz und heute Männer mit mehr Geld als sie selbst hat.



    Männer dagegen such(t)en zukünftige Mütter. Jüngere Frauen waren länger in gebärfähigen Alter, die Gefahr von Fehlgeburten und Kindbettfieber geringer. Gute medizinische Versorgung für Schwangere ist eine Erfindung der Neuzeit, Semmelweis Forschungen dazu und zur Krankenhaushygiene ist noch keine 200 Jahre her!



    Heute bedeutet dies, bewusst oder unbewusst: Für Männer auf Partnersuche gilt: Geld ist zweitrangig, Gesundheit wichtiger, und gutes Aussehen verspricht mehr Gesundheit.

    • @Offebacher:

      Naja, die Schere tut sich vor allem nach dem ersten Kind auf. All die hehren Vorsätze der männlichen Seite sind perdu, sobald das erste Baby die Frau eingefangen hat - dann bricht der Versorger durch und schiebt fern von Babygeschrei lieber die eine oder andere Überstunde.



      Oder mensch macht's wie ich - der Gatte, finanziell deutlich unter seinen Möglichkeiten, verwirklicht sich in (nicht nur finanziell) wenig erfolgreichen Teilzeit-Beschäftigungen künstlerischer Natur und lehnt auch Kinderbetreuung ab (im Haushalt war er ganz okay). Ich gebe zu, dass das seltener vorkommt.

  • Ja. Männer, die es "schwach" finden, wenn mann weniger verdient als die Partnerin oder gar den unbezahlten "Hausmann" gibt, sind ein mächtiger Hemmschuh in Sachen Emanzipation.

    Freilich sind diese Männer - wie jene, die OHNE solche Macho-Ideale auskämen - nicht allein auf der Welt: Da wären noch die übrigen 50+ Prozent der Bevölkerung, die tatsächlich selbst eine Meinung dazu haben, wie ihr Partner drauf sein sollte. Und siehe da: Viele von ihnen gehören AUCH zu der Fraktion, die für männliche Ernährt-Werder nicht viel Respekt (geschweige denn Leidenschaft) empfinden kann. Und besonders hoch ist ihr Anteil gerade bei den NICHT "Gender Pay Gap"-Geschädigten, die eigentlich zur Hauptverdienerin prädestiniert wären: Verdient sie 150k, sollten es ERST RECHT bei ihm schon 250k sein, sonst "passt das nicht" - kann man die Uhr nach stellen.

    "Irrational", möchte man meinen - bis man so einen Text wie den oben liest: Denn ja, egal wieviel ein Mensch verdienen könnte, ist es doch soo viel bequemer, das nicht zu müssen. Und wenn dieser Mensch dann noch vom geschlechtsbedingten Stigma des "schlechten Ernährers" verschont ist, warum dann riskieren, in die Rolle der Ernährerin zu rutschen?

  • Ich bin nicht ganz sicher, ob das eine Glosse ist oder versehentlich doch ein akkurates Bild der Wirklichkeit. Grüße gehen raus von einer überwiegend allein Verdienenden!

  • Frauen verdienen oft mehr als Männer: Anerkennung, Geld, die größere Hälfte des Himmels. Sie erhalten es halt im Diesseits nicht. Und das ist ein Verbrechen gegen universale Grundsätze.

    Bevor der Einwand kommt: Ja, wenn eine Frau sonst alle "Häkchen" (Luyendijk) hat, hellhäutig, aus hiesigem reichen formal gebildeten Hause, dann geht es ihr zumeist sehr gut mittlerweile. Doch über alles gesehen ist das noch keine Fifty-Fifty-Verteilung.

    Dass ein freier Journalist jetzt kein Großverdiener ist, in der Regel, ist dabei auch bei allen Geschlechtern so.