Elon Musk greift Wikipedia an : Zu viel der Fakten
Elon Musk ruft zum Boykott gegen Wikipedia auf, weil das Online-Lexikon zu woke sei. Vermutlich geht es dem Multimilliardär aber um etwas anderes.
W ie bequem wäre es, Elon Musk ließe sich einfach ignorieren: wieder dieser spinnerte Multimilliardär, der immer irgendeinen Blödsinn via X äußert. Ist aber leider nicht möglich. Denn er verbreitet nicht nur selbst Hass, Hetze und Desinformation – sondern teilt auch entsprechende Inhalte von anderen X-Nutzer:innen oder bevorzugt sie im Algorithmus. Das Ergebnis ist ein enormer Einfluss weit über die Plattform hinaus.
Nun agitiert Musk gegen Wikipedia – gegen das er übrigens nicht zu erstem Mal schießt. Anlässlich des aktuellen Spendenaufrufs der Online-Enzyklopädie fordert er dazu auf, nicht zu spenden, denn sie sei zu „woke“. Dieser Vorwurf ist ungewöhnlich: Wikipedia, längst eine Institution und weltweit unter den Top Ten der am meisten besuchten Websites, steht bisher nicht in Verdacht, außergewöhnlich achtsam verfasst zu sein. Eher gab es in der Vergangenheit Kritik, wenn wieder mal Firmen oder Lobbyist:innen etwas zu offensichtlich Zuckerguss über die sie betreffenden Beiträge ausgeschüttet hatten. Auch wurde moniert, dass es tendenziell eine männliche, weiße Community ist, die die Texte schreibt.
Vermutlich geht es Musk um etwas anderes. Er empfindet Wikipedia als lästige Konkurrenz. Denn es enden die Zeiten, in denen Wörterbücher nur erstellt werden konnten, wenn Menschen die Begriffe und das nötige Wissen zusammen trugen. Textgeneratoren mit künstlicher Intelligenz (KI) sind längst überlegen, was Menge und Geschwindigkeit angeht, wenn es auf Fakten nicht so ankommt.
Darüber hinaus lassen sich die Generatoren so bauen, dass sie auch politische Einstellungen transportieren. Ein Wikipedia-Klon in rechts-libertärem Duktus, der geschickt Verschwörungserzählungen unterbringt? Mit KI, zum Beispiel aus dem Hause Musk, wäre das kein Problem. Und: Diese Texte würden, wie viele andere Inhalte im Netz, wiederum als Trainingsdaten für weitere KIs genutzt – und Sprache und Inhalte so weitertragen. Es wäre ein weiterer, subtilerer Kanal, um Hass, Hetze und Desinformation zu verbreiten.
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