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Dobrindt verlängert GrenzkontrollenDeutschland schottet sich noch länger ab

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will die Grenzkontrollen bis März 2027 verlängern. Als Begründung nennt er „außergewöhnliche Umstände“.

Alexander Dobrindt pfeift auch weiter auf Gerichtsurteile und Schengen: Am Dienstag will der CSU-Bundesinnenminister ein Gesuch an die EU-Kommission schicken, um die deutschen Grenzen weiter kontrollieren zu können. Dobrindt kündigte den Schritt stilecht in der Bild-Zeitung an. Zur Begründung macht er angebliche „außergewöhnliche Umstände“ geltend und verwies auf „Entwicklungen an den europäischen Außengrenzen“.

Dobrindt hatte die Verlängerung bereits Ende Juli angekündigt, als zahlreiche Schutzsuchende in die spanische Exklave Ceuta schwimmend nach Nordafrika flohen, wobei es zu über 100 Toten kam. Fast alle mussten die Exklave wieder verlassen, das europäische Festland dürfte wohl kaum jemand erreicht haben.

Dennoch nutzt Dobrindt die Grauzone im EU-Recht, um damit eine Verlängerung der Kontrollen zu rechtfertigen. Eigentlich sollten die Kontrollen mit der im Juni in Kraft getretenen Geas-Reform enden – der in EU gemeinsam beschlossenen verstärkten Abschottung an den Außengrenzen. Die innereuropäischen Grenzkontrollen an der Deutschen Grenze dürften sich nun mit dem Gesuch an Brüssel automatisch um 6 Monate bis zum März 2027 verlängern, wenn die EU-Kommission nicht widerspricht.

Die Linke kritisierte den fortgesetzten Bruch mit dem Schengen-Abkommen, der schon unter Dobrindts Vorgängerin Nancy Faeser (SPD) begann. Die Abgeordnete Clara Bünger kritisierte: „Mehrere Gerichte haben bereits festgestellt, dass von einer solchen Notlage keine Rede sein kann – nicht zuletzt angesichts der seit Jahren massiv rückläufigen Zahl unerlaubter Einreisen nach Deutschland. An dieser Sachlage ändern auch die Vorgänge in Ceuta nichts.“ Zudem verhinderten die „rechtswidrigen Grenzkontrollen“ auch keine unerlaubten Einreisen.

Verstärker der AfD

Allerdings sorgten sie für Racial Profiling, Staus, Störungen im Lieferverkehr und Millionen von Mehrkosten und Überstunden bei der Bundespolizei, kritisiert Bünger. Dobrindt verstärke mit den Maßnahmen die Erzählungen der AfD: „Es werden Gefühle der Bedrohung erzeugt und hart klingende Gegenmaßnahmen gefordert, egal, was das Recht sagt.“

Im Zuge der Verlängerung kritisierte Bünger erneut auch Zurückweisungen an den Grenzen, die inzwischen mehrere Gerichte für rechtswidrig erklärt haben und die höchstwahrscheinlich EU-Recht brechen. Mittlerweile ist sogar klar, dass Beamte aus Dobrindts Ministerium davor warnten, dass Zurückweisungen rechtlich nicht haltbar seien, was Dobrindt offenbar ignorierte. (mit dpa und afp)

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5 Kommentare

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  • Lowandorder

    Ach was! Loriot

    “Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will die Grenzkontrollen bis März 2027 verlängern. Als Begründung nennt er „außergewöhnliche Umstände“.

    Stimmt ja total!



    Der Geschwätzführer vom Peißenberg hat doch - wie immer rechtsinaffin - voll recht! Gell



    Er meint sich •

  • Encantado

    "Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will die Grenzkontrollen bis März 2027 verlängern. Als Begründung nennt er „außergewöhnliche Umstände“. "



    Der außergewöhnlichste Umstand dürfte darin liegen, dass wir einen Innenminister haben, der auf Gesetze pfeift.

    Aber machen wir uns nix vor: der Kanzler bestimmt die Richtlinien der Politik, wie irgendwo in einem unbedeutenden Büchlein steht. Merz muss sich also alles was seine Minister so verbrechen persönlich anrechnen lassen. Sollte man nicht vergessen.

  • Ingo Bernable

    Wenn Urteile der Judikative gegen die Praxis der Exekutive von dieser schlichtweg ignoriert werden nennt man das gemeinhin Verfassungskrise.



    Zumal es im konkreten Fall nicht nur um Schengen-Abkommen und EU-Recht geht, sondern mit Zurückweisungen selbst bei vorgebrachtem Asylgesuch auch um einen Verstoß gegen Menschenrechte.

  • *Sabine*

    "Fast alle mussten die Exklave wieder verlassen, das europäische Festland dürfte wohl kaum jemand erreicht haben."

    Es sind noch ca. 5.000 (lt. spanischer Regierung) oder "bis zu" 10.000 (lt. Präsident von Ceuta) Geflüchtete in Ceuta. Nicht alle nimmt Marokko wieder zurück. Wo sollen diese Menschen hin, wenn sie nicht in Ceuta bleiben können und auch nicht nach Marokko zurückdürfen/wollen?

    Die Abgeordnete Clara Bünger votierte schon relativ früh dafür, dass diese geflüchteten Menschen von Deutschland aufgenommen werden sollen. Ich denke, auf die paar Menschen kommt es jetzt doch auch nicht mehr an, zumal Spanien lt. euronews ohnehin bereits Geflüchtete auf das spanische Festland gebracht hat und weiterhin bringen wird.



    Ob diese Menschen dann in Spanien bleiben möchten oder weiterziehen, werden wir noch erfahren.

  • Il_Leopardo

    Die angeblich „außergewöhnliche Umstände“ hängen vermutlich mit den anstehenden Wahlen im Osten zusammen. Mit seinem Gesuch an Brüssel hofft er, der AfD noch ein paar Stimmen abjagen zu können.