Bildung gegen Hass: Jüdische Akademie eröffnet
In Frankfurt eröffnet die Jüdische Akademie. Die Bildungseinrichtung soll gegen Antisemitismus wirken. Bei der Eröffnungsrede geht es auch um die Berliner Linke.
In Frankfurt am Main hat heute die Jüdische Akademie eröffnet. Laut dem Zentralrat der Juden ist es die erste überregionale außeruniversitäre jüdische Bildungseinrichtung seit der Schoah.
Die Idee einer Jüdischen Akademie ist vor mehr als 15 Jahren entstanden. Nun will die Akademie den wissenschaftlichen, philosophischen und kulturellen Austausch fördern. Laut dem Zentralrat der Juden sollen dort wichtige öffentliche Diskurse aufgegriffen und um die jüdische Perspektive bereichert werden. Damit wolle die Jüdische Akademie dazu beitragen, die Akzeptanz für religiöse und kulturelle Pluralität in Deutschland zu erhöhen.
Die Schwerpunkte der Jüdischen Akademie reichen vom Zusammenleben in einer modernen, demokratischen Gesellschaft über Debatten zu Religion und Tradition, Antisemitismus, Kunst und Ethik bis hin zu Fragen der Geschichte und Erinnerung. Mit Fortbildungen, Konferenzen, Tagungen und Seminaren will sich die Jüdische Akademie an die jüdische Gemeinschaft ebenso wie an Akteure aus Wissenschaft, Politik und Kultur sowie an die breite Öffentlichkeit richten.
Wer behaupte, Judenhass habe keinen Platz in der Gesellschaft, der verleugne die Realität, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster bei der Eröffnung am Montag. „Der Hass hat sich diesen Platz längst genommen.“ Daher sei der Judenhass Feind der Aufklärung. Nur mit Bildung lasse sich etwas dagegen ausrichten. Es sei auch Aufgabe des Hauses, dem Judenhass die Stirn zu bieten, sagte Schuster. Ein weiterer Schwerpunkt soll laut Zentralrat aber auch die jüdische Tradition, Kultur und Geschichte sein.
„Hessen ist das jüdischste Bundesland Deutschlands und Frankfurt die jüdischste Stadt“, sagte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein bei der Eröffnung am Montag. Die Jüdische Akademie schaffe einen Ort, an dem jüdisches Denken und jüdische Perspektiven unsere gemeinsame Zukunft mitgestalten. Damit knüpfe sie an die Tradition des Freien Jüdischen Lehrhauses und das Erbe jüdischer Denker wie Franz Rosenzweig oder Theodor W. Adorno an.
Kritik an Berlin auch in Frankfurt
Die Reden bei der Eröffnung drehten sich dabei auch um die aktuellen Debatten rund um die Linkspartei in Berlin. Dort wird seit den Wahlen in Berlin über Antisemitismus in Teilen der Partei diskutiert. So sagte Rhein in seiner Rede auch: In Berlin werde die Linke nicht trotz, sondern wegen ihres Antisemitismus gewählt. Mit solchen Leuten koaliere man nicht.
Kritik äußerte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Auch er war beim Festakt zur Eröffnung der Jüdischen Akademie am Montag anwesend. „Judenhass bleibt Judenhass, egal von welcher Seite er kommt, egal welchen Motiven er folgt“, sagte Steinmeier. Man erlebe, dass Feinde der Demokratie an politischer Macht gewinnen. „Wo über Koalitionen verhandelt wird und Regierungen gebildet werden, muss das Bedingung sein. Antisemitismus darf nirgendwo in Deutschland Einfluss auf die Regierungsarbeit bekommen“, sagte Steinmeier bei der Eröffnung der Jüdischen Akademie und rief zu einer klaren Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Deutschland auf. Judenhass müsse ohne Hintertür und Vorbehalt in die Schranken gewiesen werden. „Wer auf den Straßen ‚Tod den Juden‘ skandiert und die Auslöschung des jüdischen Staates fordert, darf in keiner Partei Verständnis und Applaus finden.“ Alle Parteien seien in der Pflicht, in ihrem gesamten Einflussbereich der Judenfeindschaft entgegenzutreten. Niemals dürfe die direkte, glaubwürdige, unzweideutige Abwehr des Antisemitismus infrage stehen.
Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef warnte bei dem Festakt ebenfalls davor, jüdisches Leben immer nur dann wahrzunehmen, wenn es bedroht werde. Die Jüdische Akademie sei Ausdruck der starken jüdischen Gemeinde in der Stadt. Sie werde „wie ein Wellenbrecher gegen die Springflut des Antisemitismus“ wirken, sagte er.
Der Neubau der Jüdischen Akademie an der Frankfurter Senckenberganlage zwischen Messeviertel, Unicampus und Westend hat rund 40 Millionen Euro gekostet. Auch der Bund, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt haben den Bau nach den Plänen des Frankfurter Architekten Zvonko Turkali unterstützt.
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