Besetztes Haus in Rotterdam: Diese Pommes sind politisch
Das Hausprojekt Frieda in Rotterdam serviert der Nachbarschaft jeden Freitag kostenlos Pommes. Es ist ein Protest gegen eine verfehlte Wohnungspolitik.
B o nimmt eine dunkelblaue Stoffschürze aus dem Regal, bindet sie sich um und schrubbt mit einer Gemüsebürste die Kartoffeln im Waschbecken. Ihre dunkelblonden Locken wippen dabei auf und ab. Auf dem Herd steht ein großer silberner Topf. Das Wasser darin fängt langsam an zu kochen.
Die geputzten Kartoffeln legt Bo auf die große Arbeitsfläche in der Mitte der Küche. Minous nimmt sich eine nach der anderen, schneidet mit einem Messer die Enden der Kartoffeln ab und drückt sie durch einen metallenen Kartoffelschneider. Heraus fallen ein Dutzend längliche Kartoffelschnitze.
Es ist kurz vor drei Uhr am Nachmittag, Bo und Minous stehen in der Küche der Snackbar Frieda im niederländischen Rotterdam und bereiten Pommes für den Nachmittag vor. Die gibt es hier, in dem alten Backsteinhaus mit den großen Ladenfenstern im westlichen Teil der Stadt, nämlich jeden Freitag kostenlos.
In den Niederlanden ist die Wohnungsnot hoch. Es fehlt derzeit über 400.000 Wohnungen, vor allem bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Mittlerweile sind 33.000 Menschen offiziell wohnungslos, 2022 waren es noch 27.000. Die Wohnungsnot betrifft vor allem junge Familien und Berufsanfänger*innen, aber auch Studierende, Auszubildende und Geflüchtete. Sozialwohnungen gibt es nicht genug, auch wenn der Bedarf hoch ist. Letztes Jahr haben Wohnungsbaugesellschaften dem niederländischen Statistikbüro CBS zufolge zwar 21.500 neue Sozialwohnungen gebaut, so viele wie zuletzt 2012. Doch die reichen bei Weitem nicht aus. Vor allem in den Großstädten warten Menschen oft jahrelang auf eine Sozialwohnung. Gleichzeitig steigen die Mieten auf dem privaten Markt, eine Einzimmerwohnung kostet heute im Durchschnitt 1.074 Euro im Monat.
Der Leerstand im Land verschärft die Situation weiter. Insgesamt stehen im ganzen Land 200.000 Wohnungen leer (Stand 2025): Die meisten davon in Amsterdam (21.770), aber auch in Rotterdam stehen knapp 11.000 Wohnungen leer.
Denn Frieda ist keine klassische Snackbar. Vor über einem Jahr hat eine Gruppe Aktivist*innen das Gebäude besetzt. Mittlerweile ist das ehemalige Wohnhaus vieles zugleich: kostenloser Imbiss, sozialer Treffpunkt und, auch das: ein Raum für politischen Widerstand.
„Wir wollten mit dem Squat“, wie Bo die Hausbesetzung, so ist es in der Szene üblich, auf Englisch nennt, „bewusst einen Raum schaffen, in dem Menschen sich begegnen.“ Und zwar auch solche, die keine Aktivist*innen und die nicht Teil der Hausbesetzungsszene seien. „Frieda soll ein politischer, aber auch ein sozialer Ort sein.“ Bo wischt sich ihre Hände an der Schürze ab. Sie ist 27 Jahre alt, studiert Maschinenbau und ist seit vergangenem Sommer bei Frieda. In der Squat-Szene ist sie schon länger aktiv.
Minous ist 26, sie arbeitet als Grundschullehrerin. Erste Berührungspunkte mit der Hausbesetzungsszene hatte sie schon als Jugendliche. Neben Minous und Bo steckt eine kleine Gruppe von insgesamt etwa zehn Leuten hinter dem Projekt. Darüber hinaus gibt es viele Freiwillige, die beim Kochen, Putzen oder bei Veranstaltungen aushelfen.
Die Kartoffeln bekommen sie vom Großmarkt geschenkt. Oder sie holen sie aus ihrem eigenen Kartoffelkeller. Darin lagern seit letztem Herbst kiloweise Kartoffeln, denn die Aktivist*innen haben im September nach der industriellen Ernte die übriggebliebenen Kartoffeln von den Feldern gesammelt.
„Besetzte Häuser haben oft eine sehr bestimmte, punkige Ästhetik, von der sich viele Menschen nicht angesprochen oder sogar ausgeschlossen fühlen“, erklärt Minous und ergänzt: „Wir wollen aber so offen sein, wie es geht. Bei Frieda sollen sich alle willkommen fühlen.“
Tatsächlich ähnelt das Gebäude von außen kaum dem, was man sonst von Hausbesetzungen gewohnt ist: keine Banner, keine Graffitis. Die politischen Botschaften sieht nur, wer genau hinschaut. An der Tür klebt ein kleiner Sticker, auf dem „Squat“ steht. Auf der Fensterbank liegen Flyer und Poster aus. Darauf steht: „Stand up for your housing rights“, „Support your local Antifa“ oder „Queer Oriental Party“.
Zum Pommes-Essen kommen Kinder und Erwachsene aus der ganzen Nachbarschaft. Viele von ihnen, ohne je vorher einen Fuß in ein besetztes Haus gesetzt zu haben.
„Gemeinsam zu essen ist eine niedrigschwellige Art und Weise, Menschen zusammenzubringen, jeder muss ja schließlich essen“, findet Ronja. Auch sie ist Teil des Kollektivs. Außerdem seien Snackbars in den Niederlanden sehr verbreitet, vergleichbar mit Dönerbuden in Deutschland.
Die Frieda ist zu einem sozialen Treffpunkt geworden
Rund um die kostenlosen Pommes ist ein Treffpunkt entstanden: Verschiedene politische Gruppen treffen sich hier, es gibt eine Wohnberatung, einen Supportdesk für transsexuelle Asylsuchende, eine Einführung ins Häuserbesetzen, Bastelgruppen, Filmvorführungen, Kochworkshops und vieles mehr. Fast jeden Tag findet eine Veranstaltung in der Snackbar statt und das Kollektiv bekommt ständig neue Anfragen. Mittlerweile muss die Gruppe sogar einige Events absagen, weil sie nicht alle stemmen können.
Dass Menschen aus der Nachbarschaft auch an den politischen Events teilnehmen, ist bislang aber eher selten. Sie kommen hauptsächlich wegen der Pommes vorbei. Die meisten von ihnen engagieren sich nicht in dem Projekt selbst und bleiben oft nur kurz.
Dennoch ist Ronja überzeugt: „Es ist schon etwas Besonderes, dass so viele verschiedene Menschen gemeinsam einen Raum teilen und in Kontakt kommen, die das sonst nicht tun würden“, sagt sie. Schon darin sieht sie etwas Politisches.
Das Besetzen von Häusern – gerade leerstehenden Wohnhäusern – sei ein Mittel, „um aufzuzeigen, was politisch falsch läuft“, sagt Bo. Falsch läuft aus Sicht der Aktivist*innen die Wohnungspolitik. Denn in Rotterdam fehlt es an Wohnraum. Und das, obwohl in der Stadt fast 11.000 Wohnungen leer stehen, ein Drittel davon länger als ein Jahr. Im ganzen Land sind es, Stand Ende 2025, über 200.000 Wohnungen. Das lässt sich auf der Webseite des niederländischen Statistikbüro CBS nachlesen.
Die Wohnungskrise ist ein politisches Problem, da ist sich Bo sicher: „Schließlich ist es kein Naturgesetz, dass manche Menschen auf der Straße leben müssen, während andere Wohnraum leer stehen lassen, nur um damit zu spekulieren und Geld zu verdienen“.
Chantal Zeegers ist Stadträtin von Rotterdam und gehört den Democraten 66 (D66) an, die gemeinsam mit drei anderen Parteien die Regierung Rotterdams bildet. D66 bezeichnet sich selbst als liberal-progressiv. Zeegers ist im Stadtrat zuständig für Klima, Bauwesen und Wohnen.
Sie ist kein Fan von Squats: „Hausbesetzungen sind keine strukturelle Lösung für die Wohnungsknappheit. Nachhaltige Lösungen bestehen darin, mehr Wohnraum zu schaffen, unnötigen Leerstand zu reduzieren und den bestehenden Wohnungsbestand besser zu nutzen“, sagt sie.
Besetzung gegen die Wohnungskrise
Dass genau das noch nicht passiert ist, werfen die Aktivist*innen aber wiederum der Regierung vor – an der Zeegers Partei schließlich beteiligt ist.
Auch Zeegers sagt zwar: „In einer Stadt, in der viele Menschen auf Wohnungssuche sind, ist langanhaltender Leerstand unerwünscht.“ Doch sie sieht einen anderen Weg als zielführender an als autonome Projekte: „Wir planen für Eigentümer und Vermieter, die ihren Wohnraum länger als sechs Monate stehen lassen, eine mögliche Abgabepflicht einzuführen“, erklärt sie. Darüber muss der neue Stadtrat jedoch noch entscheiden.
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Zwei Tage vorher, ein Mittwochmorgen, kurz nach halb sieben auf einem Parkplatz in Spaanse Polder, einem Industriegebiet im Nordwesten von Rotterdam. Der Wind peitscht, vereinzelt fallen Regentropfen vom grauen Himmel. In den Lagerhallen rechts und links vom Parkplatz verkaufen Großhändler hier schon früh am Morgen ihre Waren. Bo, Mark und Luna haben sich wie jeden Mittwoch auch heute um kurz nach sechs hier getroffen, um Lebensmittel für die Snackbar Frieda zu sammeln. Sie hoffen, dass Händler*innen ihnen Obst, Gemüse oder anderes schenken, das sie nicht verkaufen können, weil die Produkte abgelaufen sind oder die Verpackungen beschädigt. Mark und Luna engagieren sich ebenfalls bei Frieda.
„Am Anfang hatten wir Flyer dabei, wir haben erklärt, warum und für wen wir die Lebensmittel sammeln“, erklärt Bo. Mittlerweile sind sie auf dem Großmarkt bekannt. Noch bevor sie fragen müssen, winkt der erste Händler sie schon zu sich und überreicht ihnen eine Kiste Grüntee.
Nach einer guten Stunde sind sowohl Lunas als auch Marks Auto voll mit Lebensmitteln. Die Beute ist beeindruckend: Litschis, Pflaumen, Grapefruit, Süßkartoffeln, Kochbananen, Dill, Lauchzwiebeln, Weintrauben, Mandarinen, Ingwer sowie bestimmt 20 Kilosäcke Kartoffeln, ein Dutzend Kisten Grieß, Kekse – und Unmengen von grünem Tee.
Zurück in der Snackbar entladen die drei die Autos. Einen Teil der Lebensmittel verstauen sie in der Küche, den Rest stellen sie im Eingangsbereich auf Kisten. Um neun Uhr ist „Food-Pickup“, dann können sich Menschen aus der Nachbarschaft die geretteten Lebensmittel mitnehmen. Schon kurz darauf kommen fünf ältere Frauen mit Einkaufstrolleys. Ein paar von ihnen kommen regelmäßig und grüßen herzlich. Sie packen ihre Wägen voll mit Essen, manche von ihnen machen ihren „Einkauf“ für eine ganze Woche hier. Nicht alle von ihnen wissen, dass Frieda ein besetztes Haus ist.
„Das ist aber auch nicht so wichtig“, findet Bo. „Wenn Leute uns fragen, reden wir natürlich über unser Projekt und über unsere politischen Positionen. Außerdem steht es auch auf unseren Flyern und unserem Programm. Aber ich finde auch wichtig, dass wir keine Situation erschaffen, in der Menschen sich unsere politische Ideologie anhören müssen, damit sie Essen bekommen, was ja allen zusteht“, sagt die 27-Jährige.
Die Aktivist*innen setzen sich an den großen Tisch im Eingangsbereich, jemand hat Kaffee und Tee gemacht, es gibt warmes Brot, Marmelade und Honig. Eine ältere Frau, die ihren Namen nicht sagen möchte, setzt sich zu ihnen an den Tisch. Sie kommt ursprünglich aus Marokko, sie hat den marokkanischen Grüntee vom Großmarkt entdeckt und erzählt, wie man ihn trinkt. „Am besten schmeckt er, wenn man ihn fünf Minuten ziehen lässt“, sagt sie. Bo holt den Wasserkocher und gießt auf, gemeinsam trinken sie den Tee.
Ein Ort, der Menschen zusammenbringt
Es ist einer der Momente, in denen deutlich wird, was Frieda sein kann – was auch Ronja gemeint hat, als sie von der politischen Idee hier sprach: ein Ort, der Menschen zusammenbringt.
„Es ist absurd zu sehen, wie viele Lebensmittel jeden Tag weggeschmissen werden, während gleichzeitig so viele Menschen Schwierigkeiten haben, am Ende des Monats genug Geld fürs Essen zusammenzukratzen, besonders hier in der Nachbarschaft. Wir wollen diese Widersprüche aufzeigen und sichtbar machen“, erklärt Ronja.
Im Stadtteil, West, in der die Snackbar Frieda liegt, wohnen viele türkische und arabische Migrant*innen, außerdem ist der Anteil an Sozialwohnungen hier recht hoch. Viele Menschen können das kostenlose Essen gut gebrauchen. Es gehe ihnen dabei jedoch nicht um klassische Wohltätigkeit. Stattdessen wollen sie einen Ort schaffen, an dem Menschen selbst lernen können, wie sie solche Projekte auf die Beine stellen können. Ronja überlegt kurz, dann ergänzt sie: „Ohne dabei auf den Staat oder eine Charity angewiesen zu sein, sondern solidarisch miteinander“.
Frieda ist nicht das einzige Projekt dieser Art. Mittlerweile entstehen in Rotterdam immer mehr Hausbesetzungen mit sozialem Anspruch. Im Süden der Stadt, auf der anderen Seite der Nieuwe Maas, liegt BuurToren. Manche Aktivist*innen der Snackbar engagieren sich sowohl dort als auch bei Frieda. Das Haus, das den BuurToren-Besetzer*innen zufolge über 18 Jahre leer stand, wurde Ende 2024 besetzt und als Projekt neu ins Leben gerufen. Es bietet wohnungslosen Menschen und Migrant*innen ohne Aufenthaltspapiere ein Zuhause.
Mittlerweile ist die Kanne mit Grüntee leer. Ronja, Minous und die anderen Aktivist*innen fangen an, die leeren Tassen abzuräumen. Auch die marokkanische Frau steht auf und bedankt sich. Bevor sie geht, fragt Minous noch: „Kommst du Freitag zum Pommes-Essen?“ Die Frau lächelt und nickt zögerlich. Bislang war sie immer nur mittwochmorgens zum Essenabholen da. Dass Frieda ein besetztes Haus ist, wusste sie bis heute nicht.
Kaum jemand scheint sich daran zu stören, dass die Aktivist*innen das Haus vor einem Jahr illegal besetzt haben. „Die Menschen sind immer offener der Idee gegenüber, leerstehende Orte zu nutzen und in soziale Treffpunkte umzugestalten, und zwar nicht nur Linke“, meint Ronja. Das sei vor ein paar Jahren noch anders gewesen, erinnert sie sich.
Seit Jahren steigen in den Niederlanden die Mieten
Das mag unter anderem daran liegen, dass immer mehr Menschen in den Niederlanden den angespannten Wohnungsmarkt zu spüren bekommen, nicht nur die Allerärmsten. Seit Jahren steigen in den Niederlanden die Mieten, doch die Gehälter werden nicht entsprechend erhöht. Die Folge: Viele Mieter*innen geben einen immer größeren Teil ihres Einkommens für die Miete aus; das gilt vor allem für den privaten Wohnungsmarkt. Letztes Jahr haben Mieter*innen unter 35 Jahren dort im Durchschnitt fast die Hälfte ihres Einkommens ausgegeben. Das ergab eine Untersuchung von ING. Sozialwohnungen gibt es hingegen nicht genug. Menschen, die einen Anspruch auf eine Sozialwohnung haben, warten oft Jahre, bis sie an eine Sozialwohnung kommen. Auch die offizielle Zahl der wohnungslosen Menschen ist deshalb in den vergangenen zwei Jahren von 27.000 auf 33.000 angestiegen.
Auf den ersten Blick ist es dennoch überraschend, dass in Rotterdam aktuell so viele Hausbesetzungen überleben. Denn obwohl Hausbesetzungen eine lange Tradition in den Niederlanden haben, sind sie illegal.
Seit 2010 gilt „Kraken“, also das Besetzen von Häusern, als Straftat. „Im schlimmsten Fall drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis“, erklärt Willem Jebbink. Der 57-Jährige ist Rechtsanwalt und spezialisiert sich seit 2009 auf internationale Menschenrechtsverfahren und Meinungsfreiheit. Mit seiner Kanzlei vertritt er immer wieder auch Hausbesetzer*innen.
Seit der Gesetzesänderung komme es zwar zu deutlich mehr Verurteilungen, Geldstrafen und in manchen Fällen auch Gefängnisstrafen, so Jebbink. Dennoch würden viele Hausbesetzungen auch toleriert, wie zum Beispiel die Snackbar Frieda. Das liegt unter anderem am niederländischen Rechtssystem. Es erlaubt der Staatsanwaltschaft, bei einer Straftat von einer Verfolgung abzusehen oder Verfahren einzustellen. Gerichte haben in den vergangenen Jahren oft zugunsten der Hausbesetzer entschieden, wenn Eigentümer*innen vor Gericht nicht glaubhaft darlegen konnten, dass sie konkrete Pläne für die Nutzung des Gebäudes haben.
Auch die Snackbar Frieda ist bereits siegreich aus einem Gerichtsverfahren hervorgegangen. Anfang vergangenen Jahres hatte ein Gericht entschieden, dass die Besetzer*innen nicht geräumt werden dürfen, da die Wohnungsbaugesellschaft Woonstad, der Frieda so wie die meisten Häuser in der Straße gehören, noch keine konkreten Pläne für das Haus hat. Geklagt hatte die Wohnungsbaugesellschaft, die Anwaltskosten musste Frieda selbst zahlen.
Klar ist jedoch, dass Woonstad das Haus irgendwann abreißen will. Doch bis dahin müssen die Besetzer*innen sich vorerst keine Sorgen mehr machen, geräumt zu werden.
Kinder kommen zum Keksebacken
Freitagnachmittag, kurz vor vier Uhr, Minous hat alle Kartoffeln geschnitten. Sie müssen nur noch frittiert werden. Zwei Freiwillige bereiten das Frittiergerät hinter der Bar vor. Drei Kinder aus der Nachbarschaft betreten die Snackbar. Einen kurzen Moment stehen die achtjährige Fara, der siebenjährige Mohammed und seine ältere Schwester Kawtar schüchtern in der Tür. Dann sehen sie Minous am Treppenaufsatz stehen und laufen auf sie zu. Die drei Kinder kommen seit einigen Monaten regelmäßig vorbei. Sie gehen gegenüber von der Snackbar zur Schule. „Wir nennen es fry party, es ist super. Manchmal kommen noch mehr Freunde aus unserer Schule“, erzählt Mohammed mit einem Grinsen.
Heute sind sie gekommen, um Kekse zu backen. „Das hatten sie sich vor zwei Wochen gewünscht“, erzählt Minous. Dann reicht sie den drei Kindern die gleichen dunkelblauen Schürzen, die auch sie trägt. Bei Fara und Mohammed schleifen sie auf dem Boden, die beiden lachen. In einer kleinen Schüssel vermengen sie die Zutaten, dann schaltet Fara den Handmixer an. Mehl und Krümel fliegen durch die Luft. Später schenken sie die Kekse einem der Aktivisten, denn es ist sein Geburtstag.
Im Laufe des Nachmittags kommen noch mehr Kinder vorbei, sie rennen, lachen, vor allem essen sie viele Pommes.
Und dann kommt auch die Frau, die wusste, wie lange der marokkanische Grüntee ziehen muss. Sie hat eine Freundin mitgebracht, gemeinsam setzen sie sich an einen kleinen Tisch in der Ecke und teilen sich eine Portion Pommes. Das Politische, es zeigt sich eben nicht immer in den großen Gesten.
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