Besetzte Häuser in Leipzig: Villa Krause bleibt – leer
Aktivist:innen besetzten fünf Häuser in Leipzig. Die Polizei räumte. Nun verfallen die Gebäude weiter. Warum nutzt sie keiner?
M it einer Ramme marschieren die Polizist:innen los. Helme auf, Visiere unten. Mehrere Dutzend räumen an einem Sonntag im Oktober eine Villa in Leipzig. Seit dem Morgen haben Aktivist:innen das Haus besetzt. Dunkle Vollmontur, Brechstangen, durchsichtige Schutzschilde aus Kunststoff. Schritt für Schritt nähern sie sich dem Gebäude.
Zwischen den Fenstern im ersten Stock der Villa in der Julius-Krause-Straße lugt rötliches Gemäuer unter dem Putz hervor. Eine massive Mauer schützt das Anwesen, fast wie eine kleine Festung. Doch die Toreinfahrt steht offen. Bunte Luftschlangen und Ballons hängen darüber, als lüden sie zur Besichtigung ein.
„Willkommen in der Villa Krause“, heißt es auf einem Banner im ersten Stock. Vor dem Haus stehen ein paar Menschen, quatschen und scherzen, ein Mann mit blondierten Haaren macht einen Kopfstand – das zeigen Videos von Journalist:innen und Aktivist:innen von diesem Tag im Oktober. An der Mauer lehnt ein weißes Schild, darauf steht: „Nachbarschaftstreff um 15 Uhr“. Etwa zwanzig Minuten zuvor drückten sich die behelmten Polizist:innen durch das Tor der Villa. Besetzung beendet.
Die „Villa Krause“ ist das dritte Haus, das während der „Autonomen Besetzungstage“ in Leipzig besetzt wurde. In der Stadt leben über 630.000 Einwohner:innen und jedes Jahr kommen weitere hinzu. Bereits im Mai 2022 stellte der Freistaat Sachsen amtlich fest: In Leipzig herrscht ein „besonders angespannter Wohnungsmarkt“. Es mangelt an Wohnraum, vor allem an günstigem. Die Mieten steigen.
Besetzt, geräumt, warum?
Und trotzdem stehen viele Häuser in Leipzig leer, selbst in den beliebten Stadtteilen wie der Südvorstadt, um die Eisenbahnstraße im Osten herum oder in Plagwitz im Leipziger Westen. Oft sehen sie so aus: verrammelte Türen, kaputte Fenster, Hinterhöfe voller Unrat. In fünf solcher Gebäude sind Aktivist:innen während der Autonomen Besetzungstage eingedrungen, haben Transparente aus den Fenstern gehängt und Reden vom Balkon aus geschwungen – gegen Immobilienspekulation, steigende Mieten und Verdrängung.
Wenige Stunden später räumte die Polizei die Häuser. Seitdem stehen sie wieder leer, verfallen weiter, ungenutzt. Warum? Das wollte die taz von den Eigentümer:innen wissen und hat sich auf die Suche nach ihnen gemacht.
Sechs Wochen nachdem die Villa in der Julius-Krause-Straße erst besetzt und dann geräumt wurde, blicken Rosa und Alex von der Straße durch das nun wieder verschlossene Metalltor. Das Haus liegt weit im Osten der Stadt. Es ist kalt an diesem Novembernachmittag. Am Straßenrand liegen kleine Schneehaufen. Rosa hat sich eine dunkle Kapuze über die Mütze gezogen. Alex trägt warme Wanderstiefel. Beide möchten ohne Pronomen angesprochen werden und ihre vollständigen Namen nicht nennen. Sie waren bei den Autonomen Besetzungstagen dabei. Wo und wie genau? Mit Details halten sie sich zurück.
Aber was sie erzählen, fügt sich ein in etwas, das am Wochenende vom 10. Oktober in Leipzig passiert: Die Besetzungstage beginnen am Freitag. Am Nachmittag erscheint online ein kurzer Text: „Wir haben ein Haus besetzt und eröffnen hiermit die Autonomen Besetzungstage Leipzig.“ Die Aktivist:innen geben dem ersten besetzten Gebäude an der Straßenbahnhaltestelle Henriettenstraße im Leipziger Westen den Namen „Henri“. Auf einem schwarzen Banner im dritten Stock steht „Stadt für alle“. In der ersten Etage lässt eine vermummte Gestalt violetten Rauch aufsteigen. Das zeigen Videos auf Social Media.
Am Sonntag folgt Villa Krause
In dem Haus solle solidarisch finanzierter Wohnraum entstehen und öffentlich nutzbare Räume für Vereine, denen das Fördergeld ausgeht. Außerdem sieht das „Nutzungskonzept“ der Besetzer:innen „Schutzräume“ für queere Personen und Betroffene von rechtsextremer Gewalt vor. Die Stadt Leipzig und die Eigentümer:innen seien eingeladen, über die Zukunft des Hauses zu verhandeln. „Wir freuen uns auf den Austausch.“ Dazu kommt es nicht. Noch in der Nacht räumt die Polizei das Gebäude und leitet Ermittlungen gegen vier Personen ein – einmal wegen Verdachts auf Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, dreimal wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs.
Dass es mit der Räumung so schnell geht, damit hatten die Aktivist:innen offenbar nicht gerechnet. In den Stunden danach veröffentlichen sie weitere Texte zur mittlerweile wieder leerstehenden Henri. Das sächsische Innenministerium argumentiert später, für die Räumung habe es keinen richterlichen Beschluss gebraucht. Die Polizei habe lediglich Straftaten unterbunden. Die Besetzungstage gehen trotz des schnell beendeten Auftakts weiter.
Am Samstag danach hängt an einem leerstehenden Haus in der Waldstraße ein Banner: „Besetzt“. Die Polizei rückt an, doch im Gebäude ist niemand. Am Sonntag folgt die Villa Krause. Am Montag taucht ein Video aus der Eythraer Straße auf: wieder ein Banner, wieder leer – eine Scheinbesetzung. Dann ist die Einertstraße im Leipziger Osten dran: Am Nachmittag verkünden Besetzer:innen, sie wollten im Erdgeschoss des großen, leerstehenden Hauses ein „soziales Zentrum für den Kiez“ eröffnen. Die Polizei ist erneut schnell vor Ort und holt noch am Abend vier Besetzer:innen aus dem Gebäude.
Wenn Alex und Rosa über die Besetzungen reden, lächeln sie immer wieder. Auch wenn keine lang hielt, habe es sich gelohnt, sagen sie. Lokale Medien hätten aus ihren Texten zitiert. In einer Bäckerei hätten sie gehört, wie Anwohner:innen in der Warteschlange über die besetzten Häuser diskutieren. Vor allem die Villa Krause sei für Rosa ein „Erfolg“.
Nachbar:innen kamen zum Kuchenessen
Statt sich zu verbarrikadieren, öffneten die Besetzer:innen dort die Tür, luden ein und verzierten das Haus. Im gefliesten Bad mit dunklem Boden füllten sie eine Wanne mit Luftballons. Bei der Räumung später habe die Polizei keine Besetzer:innen mehr im Haus angetroffen. Gegen zwei Personen, beide 25 Jahre alt, ermitteln die Behörden trotzdem.
Mit weißer Kreide haben Aktivist:innen „Herzlich willkommen“ auf die dunkle Mauer vor der Villa geschrieben. „Für eine solidarische Nachbarschaft“. Auch sechs Wochen später ist das noch zu lesen, viel mehr nicht. Alex legt den Kopf in den Nacken und blickt zu den Fenstern im dritten Stock. Ein bisschen düster sehe die Villa nun aus, sagt Alex, ganz anders als während der Besetzung.
Rosa erzählt, es sei traurig und unverständlich, dass die Polizei die Besetzung so schnell und mit so vielen Einsatzkräften beendete. Trotzdem sei da noch ein bisschen Euphorie, „dass es den ganzen Vormittag so angenehm war, Nachbar:innen kamen, das Gespräch gesucht und Kuchen gegessen haben“.
Nicht alle fanden die Besetzung gut. „Natürlich gab es welche, die es blöd fanden, wenn das Eigentum von Leuten entwendet wird“, räumt Rosa ein und fügt schnell an, „trotzdem haben sie das Gespräch gesucht“.
Was sagen die Eigentümer:innen?
Nicht überall agierten die Besetzer:innen während der Autonomen Besetzungstage gewaltfrei. In der Südvorstadt schmissen Aktivist:innen offenbar Steine auf das Fenster eines Schlüsseldienstes. Der habe sich „bereitwillig an der Öffnung der Türen unserer Genoss:innen beteiligt“, heißt es in einem Schreiben auf der Plattform Indymedia. Ein Foto zeigt große Risse, die sich von zwei Einschlägen aus durch ein Schaufenster ziehen. Wie finden Rosa und Alex das? Mit ruhiger Stimme sagt Rosa: „Wir wollen Menschen nicht vorschreiben, welche Aktionsform sie nutzen.“ Die Hausbesetzungen seien nur „ein Beitrag gegen Gentrifizierung, aber da gibt es auch noch viele mehr“.
Und was sagen die Eigentümer:innen dazu? Die Villa in der Julius-Krause-Straße gehört zwei Parteien: eine Privatperson und eine Immobilienfirma. Beide Namen, sowohl der Name der Privatperson als auch der Name der Firmeninhaberin, stehen auf einem Klingelschild mitten in Leipzig. Dort ist aber niemand anzutreffen.
Auch auf Briefe mit der Bitte um Rückmeldung reagieren die Eigentümer:innen des Hauses in der Julius-Krause-Straße nicht. Telefonnummern, die online stehen, führen zu keinem Anschluss. Laut Handelsregister ist der Firmensitz nur 18 Kilometer Luftlinie südwestlich von Leipzig im kleinen Ort Lützen zu suchen. Vielleicht gibt es dort Antworten?
Auf dem Weg aus Leipzig heraus geht es in der Lützner Straße an der Henri vorbei, dem ersten der besetzten Häuser. Nach der Räumung wurden die Eingangstür und die Fenster im Erdgeschoss mit rohen Steinen zugemauert. So schnell geht hier also niemand mehr ein und aus.
Die Spur führt nach Lützen
Nach Informationen der taz gehört das Gebäude einer anderen Immobilienfirma, die in Leipzig seit Jahren aktiv ist. Mehr als 2.000 Wohneinheiten habe die Firma seit 2007 saniert, schreibt sie auf ihrer Website. Unter anderem wirbt sie mit drei kernsanierten Projekten direkt in der Nachbarschaft des leerstehenden Gebäudes Henri in der Lützner Straße. Das erwarb die Immobilienfirma 2024.
Auf Anfrage der taz heißt es zunächst, die Firma melde sich zeitnah wegen eines Gesprächstermins. Doch auch nach Monaten passiert das nicht. Schließlich antwortet die Pressesprecherin nur mit einem einzigen Satz: Der Erhalt historischer Gebäude und eine nachhaltige Nutzung bestehender Bausubstanz spiele eine wichtige Rolle.
Die kleine Stadt Lützen liegt zwar nur ein paar Kilometer von Leipzig entfernt, gehört aber trotzdem zu einem anderen Bundesland, Sachsen-Anhalt. Bekannt ist Lützen regional vor allem wegen seiner niedrigen Gewerbesteuer. Auf 8.000 Einwohner:innen kommen 400 Unternehmen in der Gemeinde, darunter Tochterfirmen der Deutschen Bank, wie etwa das Portal „Frag den Staat“ berichtet.
Die Immobilienfirma, die zum Teil die Villa in der Julius-Krause-Straße besitzt, hat ihren Sitz nur wenige Meter von der Hauptstraße in Lützen entfernt. Zumindest steht es so im Handelsregister. Vor Ort gibt es einen großen Hof. An einem Februarnachmittag steht dort ein Pick-up mit laufendem Motor, rechts von der Einfahrt mehrere Reihen Grabsteine. Ein Steinmetz ist an der gleichen Adresse ansässig. Auf einem Briefkasten, der am Tor hängt, findet sich der Name der Immobilienfirma.
Offene Türen, leere Büros
Auf dem Gelände ist nicht viel los. Der Motor rattert. In der flachen Halle räumen offenbar zwei Männer auf. Auf den Namen der Immobilienfirma angesprochen, sagt einer von ihnen, den kenne er nicht. Er zeigt auf das Haus gegenüber und sagt, zu dem Thema wisse „der Chef“ mehr. Dessen Büro ist leer. Aber direkt daneben führt eine Außentreppe in den ersten Stock zu einer Tür. Dort, mit grauem Klebeband befestigt, steht erneut der Name der Immobilienfirma.
Auf Klopfen reagiert niemand. Doch die Tür ist unverschlossen. Knarzend geht sie auf. Niemand da. Im Erdgeschoss öffnet kurze Zeit später ein Mann in grüner Arbeitshose die Tür zu den Verkaufsräumen. Er habe keinen Kontakt zur Immobilienfirma, versichert er, aber es komme regelmäßig jemand, um den Briefkasten der Firma zu leeren. Also geht ein weiterer Brief mit Presseanfrage an die Firma in den Kasten – eine Antwort bleibt aus.
Zurück in Leipzig. Das leere Haus in der Einertstraße war das letzte, in das Aktivist:innen während der Besetzungstage eingedrungen sind. Nach taz-Informationen gehört auch dieses Gebäude einer Immobiliengesellschaft, deren Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter laut Handelsregister in Tschechien lebt. Dort war er an ähnlichen Firmen beteiligt. Ältere Einträge des tschechischen Handelsregisters führen noch weiter in den Osten: Der Mann soll in St. Petersburg gelebt haben.
Direkt nach den Hausbesetzungen fragte die Leipziger Stadträtin Juliane Nagel (Linke) bei der Verwaltung nach, was diese über die leerstehenden Gebäude wisse. In der Antwort heißt es, für das Objekt in der Einertstraße habe die Stadt 2013 eine Baugenehmigung erteilt. „Es fanden bis 2018 Bautätigkeiten statt. Danach und bis heute ruht die Bautätigkeit.“ Mittlerweile sei die Baugenehmigung erloschen. Das Amt habe 2025 mehrfach versucht, den Eigentümer zu kontaktieren. Das sei fehlgeschlagen.
Leerstand als Lösung?
Warum macht die Stadt nicht mehr gegen den Leerstand? Zuständig für diese Frage ist Thomas Dienberg (Grüne), Leipziger Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bau. Sein Büro liegt im vierten Stock des Neuen Rathauses. Der Blick aus den Fenstern geht auf den Clara-Zetkin-Park und weit über die Dächer von Leipzig. An der Wand gegenüber hängt eine große Satellitenaufnahme der Stadt. Alle fünf besetzten Häuser sind darauf zu erkennen.
Noch im Oktober erzählte Dienberg dem Leipziger Stadtmagazin kreuzer, er könne verstehen, dass „junge Menschen“ sich mit Hausbesetzungen Gehör verschaffen wollen. Doch im Gespräch mit der taz geht es zunächst um das große Ganze: den angespannten Wohnungsmarkt in Leipzig. Der Baubürgermeister sagt, es brauche bezahlbaren Wohnraum, aber den finde man nicht im Leipziger Leerstand.
Auf eine Anfrage der Linken im Leipziger Stadtrat antwortete die Verwaltung Ende März, es gebe keine aktuellen Daten zum Leerstand der Stadt. Jüngste Daten stammen aus dem Jahr 2022. Damals seien etwa 19.200 Wohnungen als leerstehend registriert worden. Ein Großteil davon galt als kurzfristig wieder bewohnbar oder befand sich in Sanierung. Rund 3.000 Wohnungen stuft die Stadt als „nicht marktaktiv“ ein – ohne konkrete Pläne für Vermietung oder Umbau. Dienberg sagt: „Struktureller Leerstand ist in Leipzig kein Problem mehr.“
Vor 10, 15 oder 20 Jahren sei das anders gewesen: leerstehende Straßenzüge, ungeklärte Besitzverhältnisse. Heute handele es sich bei leerstehenden Gebäuden um Einzelfälle. Zu wenige, um genug Wohnraum zu schaffen. Und im Zweifel würden deren Besitzer:innen so luxuriös sanieren, dass es für viele unerschwinglich werde. „Da haben wir viel mehr erreicht, wenn wir bezahlbaren Wohnraum erhalten und in der Fläche neuen schaffen.“
„Das ist nicht zielführend“
Okay, also bauen, so wie es die Bundesregierung seit Jahren ankündigt? Dienberg schüttelt den Kopf. „Dieses Mantra: bauen, bauen, bauen, das reicht nicht aus. Wir müssen bezahlbar bauen und langfristig im Bestand halten. Sozialwohnungsbau“, betont er.
Aber was ist denn jetzt mit der großen Villa in der Julius-Krause-Straße? Oder dem leeren Haus in der Lützner Straße, bei dem die Eingangstür zugemauert ist? Dienberg klingt nicht interessiert. „Wir können jedes einzelne Objekt durchgehen, aber das ist nicht zielführend“, grätscht er noch in die Fragen rein. „Wenn ich meine Leute darauf losschicke, dann fehlt uns die Arbeitskraft an anderer Stelle, an der ich sage, das hilft uns viel, viel mehr.“ Beim leerstehenden Haus in der Einertstraße, dessen Eigentümer nicht erreichbar ist, halte Dienberg ein Enteignungsverfahren aber für nicht vollständig abwegig. „Das ist ein Fall, bei dem die Behörden mit dem Amtsgericht und dem Grundbuchamt mal über sowas nachdenken könnten.“
Ein Versuch noch: Das Baugesetzbuch gibt Kommunen die Möglichkeit, Eigentümer:innen zur Instandsetzung verwahrloster Gebäude zu verpflichten. Warum hat Leipzig noch nie Gebrauch von diesem Instrument gemacht? „Das ist ein stumpfes Schwert“, winkt Dienberg ab. Die rechtlichen Hürden seien hoch. Zudem sieht das Baugesetzbuch vor, dass die Gemeinde die anfallenden Kosten zum Teil übernimmt. Dafür fehle Geld und Personal, erklärt er. Leipzig müsse sparen.
Auf dem großen Satellitenbild in Dienbergs Büro ist in Leipziger Westen von oben auch das Haus in der Eythraer Straße zu sehen. Während der Autonomen Besetzungstage veröffentlichten Aktivist:innen ein Video davon, wie sie, erleuchtet von rotem Bengalfeuer, ein Banner im obersten Stock befestigten. Das Haus steht seit mindestens 15 Jahren leer. Die meisten Fenster sind eingeschmissen.
„Glauben nicht an ein klares Eigentumskonzept“
Online gibt es mehrere inaktive Verkaufsanzeigen für das Gebäude. In einem Büroflur in der Leipziger Innenstadt sagt die Eigentümerin, sie habe derzeit kein Interesse zu sanieren. Vielleicht in ein oder zwei Jahren. Verkaufen wolle sie nicht.
Vor der ehemaligen Villa Krause, sechs Wochen nach der Besetzung, klagt Rosa über kalte Füße und schlägt vor, zurück in die Stadt zu gehen. Haben die beiden Aktivist:innen kein schlechtes Gewissen, weil sie mit der Besetzung fremdes Eigentum nutzen? „Wenn ein Haus einfach leer steht und verwahrlost?“, fragt Rosa zurück, denkt kurz nach und sagt dann einen Satz, der ganz nach autonomer Szene klingt: „Wir glauben nicht an ein klares Eigentumskonzept und kritisieren, dass das eines der höchsten Güter in Deutschland ist.“
Aus Sicht der Besetzer:innen sei es nicht illegitim, ein leerstehendes Haus zu öffnen und zu nutzen, sagt Alex. Dass Polizei und Staatsanwaltschaft das anders sehen, wüssten sie. Die möglichen Strafen hätten sie gegen „das Potenzial“ einer erfolgreichen Besetzung abgewogen. „Für uns ist es das wert.“ Aktuell ermittelt die Polizei noch gegen sechs Personen: vier, die sie bei der Besetzung in der Lützer Straße angetroffen hat, und zwei weitere vom Gelände der Villa Krause.
Das Verfahren wegen Hausfriedensbruchs gegen die vier Personen aus der Einertstraße wurde hingegen eingestellt. Laut Staatsanwaltschaft Leipzig stellte der Hauseigentümer keinen Strafantrag. Wird es noch einmal eine Autonome Besetzungswoche in Leipzig geben? Alex lächelt verschmitzt. „Ich würde nicht ausschließen, dass sich nochmal Menschen denken: Eine Aktionswoche wäre nice.“
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